Servus Wolfgang,
hast Du ein paar Semesterchen Zeit? 
Schließe doch bitte mal Deine Zahnreihen so, daß die Schneidekanten aufeinander treffen. Mach’ das noch zwei drei mal, bis Du sicher immer auf dieselbe Stelle kommst. Jetzt reiß Dir ein Haar aus und halte es zwischen die Zähne während Du den Versuch von eben wiederholst. Wenn Du ganz leicht schließt, fühlt sich das Haar wie ein Balken an. Wenn der Zahntechniker eine der neuen Kronen an der falschen Stelle um ‚Haaresbreite‘ zu dick macht, wirst Du versuchen, überall hin zu beißen, nur nicht auf diese Stelle. Zwei Zähne im Backenzahnbereich, die zusammenarbeiten sollen, haben 15 - 18 solcher kritischen Stellen, die beim simplen Zubeißen (ca. 2000 mal am Tag allein beim Schlucken) oder beim Kauen passen müssen. Nicht zu reden von den vielen Streßknirschern und -pressern, denen man besser nichts in den Weg ihrer selbstzerstörerischen Fehlfunktionen stellt, also auch keine neue, meist keramikharte Krone, die sich sofort anschickt, den Gegenzahn zu zermahlen.
Wenn es nur eine-, maximal 2 Kronen sind, die in ein gut funktionierendes Gebiß neu hineinkommen, lassen sich Gebißmodelle meist anhand der anderen Zähne so zusammenfügen, daß man zusamman passende Kronen hinkriegt. Werden es mehr Kronen im Seitenzahnbereich, sind ALLE Mittel recht, um die individuelle Situation im Mund möglichst originalgetreu nachzustellen. Dazu gehört auch das Wissen um die Lage der Kiefer relativ zur ‚Drehachse‘ der Kiefergelenke. Die Methoden, die diese Informationen sammeln UND sie zum Zahntechniker transportieren sind hier gemeint. In der amtlichen Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ) sind diese Maßnahmen seit 1988 aufgeführt. Dies geschah in einer Zeit, als der Verordnungsgeber (Seehofer) gerne einiges tat, um den Zahnärzten keine neuen Abrechnungsmöglichkeiten in den Rachen zu werfen. Daß er es doch getan hat, ist ein Hinweis darauf, daß diese Methoden schon vor 20 Jahren selbstverständlicher Bestandteil zahnärztlichen Wissens waren. Meine Zahnärztegeneration (Examen 1969) hat ein Drittel der Fortbildungszeit mit dem Erlernen und Perfektionieren dieser Methoden verbracht.
Warum zahlen es dann die Kassen nicht? Vielleicht, weil es Geld kostet? Vielleicht, weil man diese Positionen auch abrechnen kann, ohne sie zu beherrschen? Vielleicht, weil man sie auch berechnen kann, wenn sie nicht nötig sind (z.B. eine Einzelkrone rechts, eine links bei sonst komplettem Gebiß)?
Vielleicht, weil man die Kassensätze erhöhen müßte, wenn den Kassenpatienten all die Goodies zugänglich gemacht werden würden, die eine moderne Zahnheilkunde zu bieten hat?
Mit Deinem Problem kann ich Dir trotzdem nicht helfen. Die Leistungen, die Dein ZA da erbringen will, werden nach der privaten Gebührenordnung berechnet. Es besteht eine (realistische) Variationsbreite der Preise vom 2,3fachen bis zum 3,5fachen Steigerungssatz - alles vollkommen legal. Es kommen erhöhte Aufwände für die Zahntechnik dazu. Da kommen 600 € schnell zusammen. Wenn Dein letzter Zahnarzt vor zehn Jahren ohne funktionsanalytische Maßnahmen ausgekommen ist, kann das OK gewesen sein, muß aber nicht. Ohne Kiefermodell (wie Du oben schreibst) ist auch er nicht ausgekommen - das heulende Gelächter bei seinem Zahntechniker hätte er nicht überstanden.
Fazit: wenn Dein ZA es kann, wenn er sonst in Ordnung ist, dann spricht dieser Therapievorschlag eher für, als gegen ihn.
Wenn Du bis hierher gelesen hast - alles Gute!
Kai
[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]