Fusion - wie läuft sowas ab?

Hallo,

ich weiß nicht so recht, in welches Brett meine Frage passt, deswegen mal hier rein. Meine Frage ist: Wie laufen Fusionen ab, bei denen ein Unternehmen das andere schluckt? Natürlich gibt es da kein Patentrezept, aber gibt es vielleicht typische Phasen oder sowas wie Leitlinien (auch für andere Fusionsarten)? Ich bin auf der Suche nach Schaubildern, Texten usw., aber so wirklich fündig geworden bin ich noch nicht. Ich habe leider von sowas gar keine Ahnung. Ich kann mir zwar natürlich selber vorstellen, was da so passiert, aber da ich noch nie wirklich lange in einem (größeren) Unternehmen gearbeitet habe, komme ich auf so einiges sicher erst gar nicht. Dazu fehlt mir die Erfahrung. Vielleicht weiß ja jemand von Euch mehr.

Verena

Auch hallo.

Meine Frage ist: Wie laufen Fusionen
ab, bei denen ein Unternehmen das andere schluckt? Natürlich
gibt es da kein Patentrezept, aber gibt es vielleicht typische
Phasen oder sowas wie Leitlinien (auch für andere
Fusionsarten)? Ich bin auf der Suche nach Schaubildern, Texten
usw., aber so wirklich fündig geworden bin ich noch nicht. Ich

…hm, hab’ ich nicht anzubieten…

habe leider von sowas gar keine Ahnung. Ich kann mir zwar
natürlich selber vorstellen, was da so passiert, aber da ich
noch nie wirklich lange in einem (größeren) Unternehmen
gearbeitet habe, komme ich auf so einiges sicher erst gar
nicht. Dazu fehlt mir die Erfahrung. Vielleicht weiß ja jemand
von Euch mehr.

Erstmal http://service.manager-magazin.de/digas/servlet/find (suche nach ‚Fusion‘) & http://de.wikipedia.org/wiki/Fusion_(Wirtschaft) zur Erstinformation.
Letztendlich firmieren mehrere Unternehmen dann unter einem Namen weiter.

Im Einzelnen müsste folgendes passieren:

  • Wille zur Fusion von A und B wird geäussert
  • Gelder zur Fusion werden bereitgestellt
  • desweiteren wachsen die Fachabteilungen & Verwaltungen zusammen
    …so in etwa. Einen zwangsläufigem Arbeitsplatzabbau muss das aber nicht anch sich ziehen.

HTH
mfg M.L.

Hi Verena,

hier kannst Du ne Diplomarbeit über Firmenfusion ansehen http://www.wifak.uni-wuerzburg.de/wilan/wifak/vwl/vw…

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Da gehts doch nur um die Vergabe der Themen, oder bin ich blind?

Viel zu komplex
Hi Verena,

ein wenig komplexer als mein Vorredner es schildert ist es schon.

Es ist tatsächlich vollständig abhängig davon was für eine Fusion/Merger es ist. Als da wären (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):

a. Freundliche Übernahme, d.h. alle beteiligten Parteien sind sich einig. Dabei sind die beteiligten Partein nicht notwendigerweise nur die zwei fusionierenden Unternehmen, sondern oftmals Finanz- oder strategische Investoren, Kleinanleger, (Pensions-)Fonds, Private Equity Unternehmen, etc. pp.

b. Feindliche Übernahme, d.h. man übernimmt ein Unternehmen gegen den Willen des zu übernehmenden Managements. Das geht eigentlich nur wenn es einen hohen free-float gibt. Man kann auch versuchen die Anteile von Grossinvestoren aufzukaufen, das aber ist vergleichsweise schwierig.

Innerhalb dieser beiden Typen gibt es hunderte verschiedene Ausgestaltungsmöglichkeiten.

Um nur einen typischen Fall zu veranschaulichen an dem ich gerade bin:
Phasen:

Vorbereitungsphase

  • Erstellen von internen Entscheidungsunterlagen (wenn man erfahren hat, dass ein interessantes Unternehmen zum Verkauf steht), wie z.B. Strategic fit
  • Starten von Lobbying Maßnahmen in Richtung Anteilseigner
  • Unterzeichnung eines NDAs

Bidphase nach Erhalt des Verkaufsprospektes

  • Erstellen eines gemeinsamen Business Plans
  • Berechnung von Synergien
  • Erstellen einer Unternehmensbewertung
  • Abgabe eines ersten unverbindlichen Angebots/LoI
  • Auswahl von Beratern (Anwälte und Investmentbank)

Transaktionsphase

  • Festlegung Due Diligence Team
  • Due Diligence
  • Abgabe eine verbindlichen Angebotes
  • Aufnahme von Verhandlungen

Vertragsphase

  • Austausch von Vertragsentwürfen
  • Verhandlung der Verträge
  • Unterzeichnung der Verträge (Signing)

Filing der Acquisition bei der Kartellbehörde
Antrag auf Eintrag ins Handelsregister
usw. usf. da gibt es noch ein paar Dinge die vor dem Closing (endgültiger Abschluß der Acquise)

Post Acquisition

  • Implementierung von Integrationsteams

sorry, es ist einfach zuviel an das man denken muss und es gibt soviele verschiedene Motivationen andere Unternehmen zu übernehmen, dass ich mich völlig verheddern würde, abgesehen davon auch gar nicht alle kenne.

Am besten Du gehst ganz altmodisch in die Unibib und liest in den Dingern mit den Blättern in der Mitte nach. Da sollten mindestens ein paar Tonnen Material vorhanden sein.

Gruß und viel Spaß
C.

Übernahmen als solche
Hallo.

ich kann Christoph nur zustimmen: Mit einem Schema und ein paar Folien kommst Du in dem Bereich nicht weit.

Das fängt schon in der Vorbereitungsphase an: Wird ein Käufer gesucht oder ein Verkäufer, wird also das Unternehmen aktiv am Markt angeboten oder sucht jemand ein geeignetes Kaufobjekt und wenn ja, läuft der Kauf dann freundlich oder feindlich ab? Von der Anwort hängen dann wieder viele Dinge ab, so z.B. ob man eine Marketingaktion auch vor dem Kauf (bzw. um Aktionäre von der Abgabe ihrer Aktien bzw. dem zukünftigen Unternehmen/Konzept zu überzeugen) oder nur nach dem Kauf (um das neue Unternehmen bzw. den neuen Namen bekannt zu machen bzw. den untergegangenen Namen auf den neuen überzuleiten) braucht.

Noch kniffliger kann das ganze werden, wenn es um nicht börsennotierte Gesellschaften handelt, bei denen einerseits familiäre (Gesellschafter)Strukturen eine Rolle spielen und andererseits die Öffentlichkeit nichts mitbekommen soll.

Das waren jetzt nur ein paar grundsätzliche Gedanken zur Vorbereitung der ganzen Operation. Danach sitzen dann einige Leute über Präsentationen mit dreistelliger Seitenzahl, in denen dann die einzelnen Schritte der Umsetzung aufgeführt sind, wieder unterteilt in Einzelmaßnahmen usw. Das sieht dann je nach Fall auch wieder ganz anders aus, was u.a. davon abhängen kann, in welchen Wirtschaftszweigen die Unternehmen tätig sind, welche Strukturen sie haben, welche steuerlichen Aspekte zu berücksichtigen sind, wie die Unternehmenskulturen sind usw. usf.

Nachdem das ganze dann abgewickelt wurde, folgen in den allermeisten Fällen Stellenstreichungen (niemand braucht zwei Personalabteilungen, Steuerfritzen, Fahrdienste usw.) und zuletzt dann Wertberichtigungen bei den finanzierenden Banken bzw. Kursverluste bei den Aktionären. Und wenn dann zehn Jahre später der letzte eingesteht, daß die ganze Veranstaltung Murks war, ist keiner mehr greifbar, der das ganze ursprünglich für eine Riesenidee hielt.

Zum Begriff „Fusion“: Davon spricht man, wenn sich zwei Unternehmen in gegenseitigen Einvernehmen als gleichberechtigte Partner zusammenschließen. Da gibt es dann zwei Varianten: Entweder der eine gleichberechtigte Partner kauft die Anteile am anderen gleichberechtigten Partner, was das ganze zu einer Übernahme macht. Die andere Alternative wäre, daß die Gründung eines neuen Unternehmens stattfindet, das wiederum dann die Anteile an beiden Unternehmen kauft (hab ich noch nicht erlebt und dürfte auch von der Finanzierung her etwas knifflig werden) oder aber auf das beide Geschäftsbetriebe übertragen werden, was ich wiederum für steuerlich ungünstig halte.

Was ich damit sagen will: Bisher war jede „Fusion unter gleichen“, die mir über den Weg gelaufen ist, eine mehr oder minder freundliche Übernahme.

Gruß,
Christian

zu komplex und mit Fremd-/Fachwörtern behaftet
Hallo Christop,

schön, dass du es so umfassend erklärt hast. Da die Posterin aber anscheinend absoluter Laie ist, wäre eine Erklärung mancher Fachwörter sicher hilfreich.

ein wenig komplexer als mein Vorredner es schildert ist es
schon.

Es ist tatsächlich vollständig abhängig davon was für eine
Fusion/Merger es ist. Als da wären (ohne Anspruch auf
Vollständigkeit):

a. Freundliche Übernahme, d.h. alle beteiligten Parteien sind
sich einig. Dabei sind die beteiligten Partein nicht
notwendigerweise nur die zwei fusionierenden Unternehmen,
sondern oftmals Finanz- oder strategische Investoren,
Kleinanleger, (Pensions-)Fonds, Private Equity Unternehmen,
etc. pp.

b. Feindliche Übernahme, d.h. man übernimmt ein Unternehmen
gegen den Willen des zu übernehmenden Managements. Das geht
eigentlich nur wenn es einen hohen free-float gibt. Man kann
auch versuchen die Anteile von Grossinvestoren aufzukaufen,
das aber ist vergleichsweise schwierig.

Innerhalb dieser beiden Typen gibt es hunderte verschiedene
Ausgestaltungsmöglichkeiten.

Um nur einen typischen Fall zu veranschaulichen an dem ich
gerade bin:
Phasen:

Vorbereitungsphase

  • Erstellen von internen Entscheidungsunterlagen (wenn man
    erfahren hat, dass ein interessantes Unternehmen zum Verkauf
    steht), wie z.B. Strategic fit
  • Starten von Lobbying Maßnahmen in Richtung Anteilseigner
  • Unterzeichnung eines NDAs

NDA = Non-Disckosure Agreement (Verschwiegenheitserklärung/Geheimnisschutzerklärung)

Bidphase nach Erhalt des Verkaufsprospektes

Bid = Bieten

  • Erstellen eines gemeinsamen Business Plans

(Geschäftsplan)

  • Berechnung von Synergien

S = erreichbarer Nutzen des fusionierten Unternehmens

  • Erstellen einer Unternehmensbewertung
  • Abgabe eines ersten unverbindlichen Angebots/LoI
  • Auswahl von Beratern (Anwälte und Investmentbank)

Transaktionsphase

  • Festlegung Due Diligence Team
  • Due Diligence

= Unternehmensbewertung

  • Abgabe eine verbindlichen Angebotes
  • Aufnahme von Verhandlungen

Vertragsphase

  • Austausch von Vertragsentwürfen
  • Verhandlung der Verträge
  • Unterzeichnung der Verträge (Signing)

Filing der Acquisition bei der Kartellbehörde

Anmelden der Fusion …

Antrag auf Eintrag ins Handelsregister
usw. usf. da gibt es noch ein paar Dinge die vor dem Closing
(endgültiger Abschluß der Acquise)

Post Acquisition

  • Implementierung von Integrationsteams

Einrichtung von Arbeitsgruppen, um die Synergien zu heben

Ciao maxet.

Hallo,

nach den Erläuterungen die kleinen Anmerkungen:

  • Berechnung von Synergien

S = erreichbarer Nutzen des fusionierten Unternehmens

Konkret: Das sind die Einsparungen bzw. Mehrerträge, die man aufgrund der Fusion erreichen will, frei nach der Gleichung 1+1=3. Dummerweise sind in der Realität die Reibungsverluste der beiden Unternehmen untereinander oftmals so groß, daß die Mehraufwendungen die Synergien übersteigen und zwar die tatsächlichen. Daß die geplanten Synergien jemals erreicht worden wären, ist mir nicht bekannt. Meist handelt es sich dabei um Gedankenexperimente, die mit einer nicht unerheblichen Scheingenauigkeit dem Erwerber des Unternehmens als Mindestwert verkauft werden.

Transaktionsphase

  • Festlegung Due Diligence Team
  • Due Diligence

= Unternehmensbewertung

Unternehmensbewertung und Due Dilligence sind zwei verschiedene Paar Schuhe, auch wenn sie Berührungspunkte haben. Due Dilligence ist eine Informations- und Datensammlung vor Ort, d.h. beim zu übernehmenden Unternehmen. Dabei werden sowohl die EDV-Systeme als auch die Papierakten einer intensiven Prüfung unterzogen, d.h. ist die Buchhaltung OK, bestehen relevante Verträge mit Dritten, stimmen die Kundenunterlagen mit der Planung überein usw. usf.

Je besser die DD vom Verkäufer vorbereitet wurde, desto besser fällt das Ergebnis aus. Es soll übrigens auch M-DAX-Unternehmen geben, die sich beim Erwerb eines Unternehmens auf das Studium der Jahresabschlüsse beschränken und auf eine DD aufrund von Zeitmangel verzichten.

Gruß,
Christian

nicht ganz sauber
Hi,

ich bin ja nun mal ein Wortklauber und muss daher zumindest zwei Anmerkungen machen.

schön, dass du es so umfassend erklärt hast. Da die Posterin
aber anscheinend absoluter Laie ist, wäre eine Erklärung
mancher Fachwörter sicher hilfreich.

Genau das finde ich ja nicht, da es nicht ausreicht hier etwas zu erklären. Sie muss notwendigerweise weitere Quellen zu Rate ziehen, um auch nur Ansatzweise zu verstehen worum es bei M&A geht.

S = erreichbarer Nutzen des fusionierten Unternehmens

Das sehe ich anders. Synergien sind das was über das blosse zusammenführen von zwei Unternehmen hinausgeht. Getreu dem Motto: Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile. Wenn das nicht gegeben ist, macht auch eine Acquisition keinen Sinn.

  • Due Diligence

= Unternehmensbewertung

Nein, übersetzt heisst das „gebotene Sorgfalt“ und bedeuted, dass man sich ein umfassendes Bild eines Unternehmens macht. Dazu gehört mindestens eine Legal, Financial, Sales & Marketing, Organisational Due Diligence. Nach Abschluss einer solchen wird man zu einer Unternehmensbewertung kommen. Grundsätzlich brauche ich für eine Unternehmensbewertung nur eine G&V, Bilanz und Cash-flow Rechnung. Mit den Erkenntnissen der DD kann ich dann den Preis anpassen (z.B. wenn in den letzten Jahren keine Investitionen mehr getätigt wurden und alte Investitionen noch hohe Abschreibungen liefern, kann ich den U-wert in einer NPV=Net Present Value Bewertung in die Höhe treiben)

Das war’s mit Gruß
C.

ups, hatte Deine Antwort nicht gesehen.
Gruß
C.

Korrekturwahn ausgebrochen :wink:
Hallo,

S = erreichbarer Nutzen des fusionierten Unternehmens

Das sehe ich anders. Synergien sind das was über das blosse
zusammenführen von zwei Unternehmen hinausgeht. Getreu dem
Motto: Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile. Wenn das
nicht gegeben ist, macht auch eine Acquisition keinen Sinn.

muß so auch nicht richtig sein. Wenn man eine Beteiligung für lau bekommt, die nachhaltige Gewinne erzielt, braucht es auch keine Synergien. Beispiel: Salzgitter und Mannesmannröhrenwerke.

Gruß,
Christian

OK, gewonnen :smile: owt