Gibt es einen betriebswirtschaftlichen Sinn für immer größere Banken ? Beispiel Barclay > ABN Amro. Bei einigen Industrien wie Pharma, wo Neuentwicklungen gigantische Kosten verursachen, erscheint mir das nachvollziehbar. Aber bei Banken ? Die haben keine Forschung und müssen weder Waren produzieren, noch körperlich zum Kunden bringen. Auch „economy of scale“ gilt m.E. nicht. Also wozu ?
Udo Becker
Gibt es einen betriebswirtschaftlichen Sinn für immer größere
Banken ? Beispiel Barclay > ABN Amro. Bei einigen
Industrien wie Pharma, wo Neuentwicklungen gigantische Kosten
verursachen, erscheint mir das nachvollziehbar. Aber bei
Banken ? Die haben keine Forschung und müssen weder Waren
produzieren, noch körperlich zum Kunden bringen. Auch „economy
of scale“ gilt m.E. nicht. Also wozu ?
Nun ja, primär wohl zur Egobefriedigung des CEO der zukünftig zweitgrößten Bank Europas. Einen praktischen Sinn kann ich nicht erkennen, weil erfahrungsgemäß die Synergieeffekte gering sind. Natürlich kann man ein paar tausend Stellen in sich überlappenden Bereichen streichen, aber die Ersparnis schätze ich im Vergleich zu den notwendigen Investitionen als gering ein.
Dazu kommt, daß man in den ersten Monaten bzw. Jahren erst einmal einen risikomäßigen Blindflug durchführen wird. Wenn man dann irgendwann festgestellt hat, welche Klumpenrisiken man sich eingefangen hat, wird man händeringend versuchen, die Positionen zu reduzieren, was dann zu Preiszugeständnissen beim Verkauf führen wird.
Von einem regulären Bankbetrieb des neuen Gebildes wird man wohl erst in einigen Jahren sprechen können.
Fairerweise muß man natürlich sagen, daß es theoretisch möglich ist, Kosten einzusparen, indem man bspw. Softwareentwicklungen und andere Dinge gebündelt betreiben wird. Aber das ist nach meiner Erfahrung - wie gesagt - nur Theorie. In der Praxis spielen persönliche Motive der Akteure und eine generelle negative Einstellung gegenüber der neuen Obergesellschaft eine größere Rolle.
Gruß,
Christian
Hallo,
der zweck von Fusionen/Übernahmen ist nicht per se die Kostenreduktion. Im Fall von Barclays und ABN habe ich in einem Bericht gelesen, dass Barclays im Verhältnis zu anderen Banken einen sehr großen Teil des Umsatzes im Inland erwirtschaftet. Um noch internationaler zu werden und dadurch mehr Chancen am Weltmarkt zu haben, will man einen Partner außerhalb Englands übernehmen. In diesem Zusammenhang spielt also offensichtlich der Wissens- und Erfahrungsaustausch ein wichtige Rolle.
Zusätzlich hat ABN mit Sicherheit einige wertvolle Kontakte, Partnerschaften etc. die für Barclays auf dem Weg zur weiteren Internationalisierung hilfreich sein werden.
Grüße,
Werner
Das mit den unterschiedlichen Marktsegmenten macht sicher Sinn. Bei produzierenden Firmen bleibt das Argument der „economy of scale“, bei Banken bleibt das Argument wachsen, d.h. höhere Bezüge für das Management ?
Udo Becker
[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]
Hallo,
der zweck von Fusionen/Übernahmen ist nicht per se die
Kostenreduktion. Im Fall von Barclays und ABN habe ich in
einem Bericht gelesen, dass Barclays im Verhältnis zu anderen
Banken einen sehr großen Teil des Umsatzes im Inland
erwirtschaftet.
Umsatz bei einer Bank …? Naja, egal: die Frage ist immer, was man eigentlich will. Neudeutsch nennt sich das auch Strategie. Hilfreich bei der Verfolgung dieser Strategie ist es, wenn man die Strategie länger als ein paar Monate durchhält und damit wären wir schon beim Kernproblem der Kreditwirtschaft im allgemeinen, nämlich bei dem ständigen Wechsel von Strategien. Nur weil Barcleys beschließt, sich die internationalen Märkte zu erschließen, wird das noch lange nicht funktionieren, weil dem die Mitarbeiter der ABN und natürlich auch die eigenen entgegen stehen, bei denen Existenzängste und Selbstschutz Vorrang vor einer vorgegebenen, globalen Strategie haben werden.
Um es kurz zu machen: Die hochtrabend formulierten Ziele werden aus rein praktischen Gründen nicht funktionieren.
Übrigens: Barcleys hat 1990 eine renommierte deutsche Privatbank gekauft und die Bude nach neun Jahren wieder verkauft, weil sich zwischenzeitlich herausstellte, daß sich Massengeschäft (Barcley) und gehobenes Firmen- und Privatkundengeschäft (Mefico) nicht vertragen. Welch Überraschung!
Daß man nun davon ausgeht, eine niederländische Bank erfolgreich in eine britische integrieren zu können, ist m.E. eine Bestätigung für meine These, die ich im ersten Satz meines vorherigen Artikels in den Raum stellte. Jeder, der die Branche einigermaßen kennt, kennt auch die erheblichen Unterschiede zwischen niederländischem und britischem Bankenmarkt. Daß man trotzdem versucht, eine künstliche Einheit zu schaffen, spricht nicht unbedingt für die Sachkunde der handelnden Personen.
Gruß,
Christian
habe ein Buch von Bernd Senf gelesen. Er zeigt auf, wieso die
Geschäftsbanken (und nicht die Zetralbank) für die Buchgeldschöpfung
verantwortlich sind. Und die Geldschöpfung kann exzessiver betrieben
werden, desto größer die Bank ist.
[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]
habe ein Buch von Bernd Senf gelesen. Er zeigt auf, wieso die
Geschäftsbanken (und nicht die Zetralbank) für die
Buchgeldschöpfung
verantwortlich sind.
Muß ein toller Typ sein, der Senf, schließlich ist die Buchgeldschöpfung ureigenste Aufgabe der Kreditinstitute. Das in einem Buch als neue Erkenntnis zu verkaufen, zeugt von ordentlichem Geschäftssinn.
Und die Geldschöpfung kann exzessiver
betrieben
werden, desto größer die Bank ist.
Das ist zwar nicht falsch, aber kein Argument für Bankenfusionen, da erstens mehr Geldschöpfung nicht zwangsläufig mehr Gewinn bedeutet und zweitens das fusionierte Institut nicht mehr Geldschöpfung betreibt als die Summe der Vorgängerinstitute. Außerdem kenne ich kein Kreditinstitut, daß die Geldschöpfung an der Obergrenze des möglichen betreibt.
Gruß,
Christian
Muß ein toller Typ sein, der Senf, schließlich ist die
Buchgeldschöpfung ureigenste Aufgabe der Kreditinstitute. Das
in einem Buch als neue Erkenntnis zu verkaufen, zeugt von
ordentlichem Geschäftssinn.
Er hatte allerdings eine Erklärung, die mir neu war.
So ungefähr:
Banken können Geld mehrmals verleihen, abzüglich einer Reserve.
Je kleiner die Reserve, umso grösser der Kreditschöpfungsmultiplikator.
(20% Reserve kann 5fache Geldmenge ergeben)
Jetzt gebe ich der Bank 1000 Euro, auf mein Girokonto. Du möchtest einen Kredit aufnehmen von 700 Euro. Da sich die Bank sicher ist, dass ich von den 1000 Euro höchstens 300 Euro in bar abheben werde, gibt sie dir 700 Euro von mir.Somit können wir beide bargeldlos auf die 700 Euro zurückgreifen.
Wenn ich jetzt aber etwas bargeldlos für 1000 Euro einkaufe, müssen
die 1000 Euro zu der Bank wandern, bei der der Verkäufer sein Girokonto
hat. Falls nicht, hat die Bank ein Problem, da sie ja einen Teil
meines Geldes dir zur Verfügung gestellt hat. Je grösser die Bank ist,
desto grösser die Wahrscheinlichkeit, dass der Verkäufer sein Konto
bei der gleichen Bank hat. Zwischen zwei Banken gibt es Geldströme, die sich aufheben können. Dann wandert das Geld ebenfalls nicht aus der Bank heraus. Und nur wenn es die Bank physisch niocht verlässt, kann mehrmals verwendet werden.
Deswegen tuen sich grössere Banken mit der Geldschöpfung leichter.
Das ganze erklärt er aber anhand der Girokonten, da es sich hier auch um nachfragewirksames Geld handelt. Bei fest angelegtem Geld auf einem Sparkonto spricht er nur von einer Erhöhung der Umlaufgeschwindigkeit des Geldes.
Und die Geldschöpfung kann exzessiver
betrieben
werden, desto größer die Bank ist.Das ist zwar nicht falsch, aber kein Argument für
Bankenfusionen, da erstens mehr Geldschöpfung nicht
zwangsläufig mehr Gewinn bedeutet und zweitens das fusionierte
Institut nicht mehr Geldschöpfung betreibt als die Summe der
Vorgängerinstitute. Außerdem kenne ich kein Kreditinstitut,
daß die Geldschöpfung an der Obergrenze des möglichen
betreibt.
Was wäre denn die Obergrenze des möglichen?
Banken können Geld mehrmals verleihen,
Können sie nicht.
Wenn ich jetzt aber etwas bargeldlos für 1000 Euro einkaufe,
müssen
die 1000 Euro zu der Bank wandern, bei der der Verkäufer sein
Girokonto
hat. Falls nicht, hat die Bank ein Problem, da sie ja einen
Teil
meines Geldes dir zur Verfügung gestellt hat.
Da gibt es die Bodensatzgeschichte.
Je grösser die
Bank ist,
desto grösser die Wahrscheinlichkeit, dass der Verkäufer sein
Konto
bei der gleichen Bank hat. Zwischen zwei Banken gibt es
Geldströme, die sich aufheben können.
Milchmädchenrechnung. Je größer der Laden ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, daß sich Ein- und Auszahlungen die Waage halten. Zur Verdeutlichung: Gäbe es weltweit nur eine Bank, wäre der Effekt zwangsläufig gleich null.
Das ganze erklärt er aber anhand der Girokonten, da es sich
hier auch um nachfragewirksames Geld handelt. Bei fest
angelegtem Geld auf einem Sparkonto spricht er nur von einer
Erhöhung der Umlaufgeschwindigkeit des Geldes.
Soso.
Das ist zwar nicht falsch, aber kein Argument für
Bankenfusionen, da erstens mehr Geldschöpfung nicht
zwangsläufig mehr Gewinn bedeutet und zweitens das fusionierte
Institut nicht mehr Geldschöpfung betreibt als die Summe der
Vorgängerinstitute. Außerdem kenne ich kein Kreditinstitut,
daß die Geldschöpfung an der Obergrenze des möglichen
betreibt.Was wäre denn die Obergrenze des möglichen?
Tja, wer weiß das schon. Steht möglicherweise in der SolvV. Soviel zum Thema Expertenforum. Ich geh mal brechen.
C.
Banken können Geld mehrmals verleihen,
Können sie nicht.
Wieso nicht? Wie wird dann das Geld geschöpft?
Da gibt es die Bodensatzgeschichte.
Was ist das?
Das ganze erklärt er aber anhand der Girokonten, da es sich
hier auch um nachfragewirksames Geld handelt. Bei fest
angelegtem Geld auf einem Sparkonto spricht er nur von einer
Erhöhung der Umlaufgeschwindigkeit des Geldes.Soso.
Was meinst du mit soso?
Tja, wer weiß das schon. Steht möglicherweise in der SolvV.
Soviel zum Thema Expertenforum. Ich geh mal brechen.
Muss man wohl ein Exerte sein um hier zu diskutieren?
Was ich geschrieben habe, kommt aus folgendem Buch:
Bernd Senf: Der Nebel um das Geld
Inhaltsverzeichnis: http://userpage.fu-berlin.de/~roehrigw/senf/
Würde jetzt gerne wissen, ob ich es nur falsch wiedergegeben habe, oder
ob dieser Senf nur Senf schreibt.
Banken können Geld mehrmals verleihen,
Können sie nicht.
Wieso nicht? Wie wird dann das Geld geschöpft?
Wenn Du das Bankensystem insgesamt meinst, stimmt die Aussage; wenn Du eine einzelne Bank meinst, stimmt sie nicht. Sofern Du erste Variante meintest, habe ich Dich falsch verstanden.
Da gibt es die Bodensatzgeschichte.
Was ist das?
Die Bodensatztheorie besagt, daß nur ein bestimmter Teil der kurzfristigen Einlagen kurzfristig abgehoben wird und somit ein nicht unerheblicher Teil langfristig für langfristige Ausleihungen zur Verfügung steht. Eigentlich eines der grundlegendsten Prinzipien der Finanzwelt.
Das ganze erklärt er aber anhand der Girokonten, da es sich
hier auch um nachfragewirksames Geld handelt. Bei fest
angelegtem Geld auf einem Sparkonto spricht er nur von einer
Erhöhung der Umlaufgeschwindigkeit des Geldes.Soso.
Was meinst du mit soso?
Damit meine ich, daß die Aussage entweder falsch verstanden wurde oder sehr falsch ist.
Tja, wer weiß das schon. Steht möglicherweise in der SolvV.
Soviel zum Thema Expertenforum. Ich geh mal brechen.Muss man wohl ein Exerte sein um hier zu diskutieren?
Sagen wir es mal so: Ich bin der Ansicht, daß man wissen sollte, wovon man spricht, wenn man hier selbstbewußt Antworten gibt.
C.