Ich stehe vor der Entscheidung, im Ess- und Wohnbereich eines
Neubaus (EG, keine Unterkellerung, Betonboden) zwischen
Teppichboden oder Laminat zu wählen. Beide Beläge haben Vor-
und Nachteile hinsichtlich Wärmedämmung, Hygiene,
Empfindlichkeit etc. Da das Verhalten einer einjährigen
Tochter in dieser Situation unbedingt mit zu berücksichtigen
ist, bin ich sehr unentschlossen, welche Wahl in diesem Fall
die Bessere ist.
Hallo Harald,
vorweg, weil Du die Wärmedämmung erwähnt hast: Das ist keine Aufgabe des Fußbodenbelages, jedenfalls nicht bei einem Neubau.
Laminat: Das Material besteht aus Spanplatte mit einer dünnen Dekorschicht. Durch Beanspruchung entsteht keine hinnehmbare Patina, sondern Schäden sind fast immer irreparabel. Deshalb ist Laminat kurzlebige Wegwerfware und wird auf diese Weise ziemlich teuer. Außerdem finde ich, daß Laminatböden künstlich und langweilig aussehen.
Teppichboden: Du erwähnst den Eßbereich und Deine Tochter, ein Kleinkind. Dann kannst Du Dir bestimmt lebhaft vorstellen, wie spaßig ein umgekippter Becher Saft ist, dessen Inhalt im Teppichboden versickert, gleich neben dem Fleck von Roter Beete und dem dunklen Etwas unbekannter Herkunft. In den Bodenbelag geriebenes Knetgummi läßt auch viel Freude aufkommen. Gelegentlich geht auch einmal buchstäblich etwas in die Hose…oder nicht in die Hose, sondern in den Teppichboden. Auf die Dauer wirst Du nicht nur sauer, es riecht auch so.
Die ins Auge gefaßten Bodenbeläge sind zwar die gängigen Lösungen, aber so richtig brauchbar sind beide im Wohnbereich nicht. Für Laminat fällt mir als Anwendung eigentlich nur Schaufensterdekoration ein oder Bereiche, die man nur ansieht, aber nicht betreten oder benutzen möchte. Hochwertiger Teppichboden ab etwa 30 €/m² ist unter bestimmten Voraussetzungen (z. B. genügend Abstand zum Hauseingang und Schmutzfangmatten sowie unempfindliche Farbe/Muster und antistatisches Material des Teppichbodens) im Büro brauchbar.
Beim eigenen Haus hast Du vielleicht auch einen Garten mit Zugang zum Wohnzimmer. Dann sehe ich jetzt schon an jeder Außentür diverse Paare Wechselschuhe und Puschen stehen, weil das Haus einfach ungeeignete Fußböden hat, die normale Benutzung und ein Leben ohne dauerndes Aufpassen nicht aushalten.
Ich würde im Wohnbereich Vollholz wählen. Das hält auch bei heftiger Beanspruchung ein Leben lang und wird durch Benutzung immer hübscher. Gröbere Schäden lassen sich reparieren, bzw. abschleifen. Wenn Du dann auch noch 3. Wahl nimmst (das Holz hat dann keine Fehler, es ist nur nicht völlig ebenmäßig und astfrei), erhältst Du einen lebendig aussehenden Fußboden, der außer Dauerfeuchtigkeit alles mitmacht.
Auch Steingut eignet sich bestens, in Küche, Bad und Fluren ohnehin, aber auch im Wohnbereich. Die Auswahl ist unüberschaubar, Klinker und Fliesen in allen Formaten und schließlich wird aus jedem Belag je nach Verlegung das sich ergebende Bild bestimmt.
In Richtung Laminat oder Teppichboden würde ich keinen Augenblick denken. Besorge von Fußbodenbrettern, Parkett und diversen Sorten Steingut ein paar Musterstücke, groß genug, um einen halben Quadratmeter provisorisch auf verschiedene Art zu verlegen…diagonal…längs…quer…lasse der Phantasie freien Lauf. Es ist eine Entscheidung vermutlich fürs ganze Leben, wenn die Materialauswahl stimmt und die Verlegung handwerklich sauber erfolgt.
Gruß
Wolfgang