hi,
Friedrich II. (Barbarossa)
Ihn gibt es es nicht: Barbarossa war Friedrich I., das war der Großvater von Friedrich II.
Friedrich II. (Barbarossa)förderte
zum Beispiel die Wissenschaft auf mittelalterliche Art:
Um festzustellen, wie lange ei n Mensch in einem engen
Metallbehälter atmen kann, steckte er vor allem Volk
den nächstbesten Sklaven hinein
Ich gehe davon aus, dass ihr hier nicht Barbarossa, sondern Friedrich II. meint. Von Barbarossa jedenfalls habe ich noch nicht gehört, dass er je irgendwelche Versuche hätte durchführen lassen.
Die Art und Weise in der Friedrich II. die Wissenschaft förderte ist meines Erachtens jedoch ganz und gar nicht mitttelalterlich zu nennen. Im Gegenteil: Er ist der erste mir bekannte Europäer der Experimente in einem fast modernen Sinn hat durchführen lassen.
Hervorragendes Beispiel ist hierfür sein Falkenbuch, von F.II. selbst geschrieben, und als erstes Veterenärmedizinischen Werk anerkannt. Geht hauptsächlich um die Beizjagd, hat aber auch ne allgemeine Vogelkunde. Hierfür stützte sich F.II. zum Teil auf bestehende praktische Abhandlungen. In erster Linie jedoch fasst er systematisch eigene Beobachtungen (z.B. zum Vogelzug etc.) und durch Experimente überprüfte Erkenntnisse (z.B. Geiern Augen zugenäht um zu schauen, ob sie das Aas riechen oder sehen)zusammen.
Dieses Vorgehen, Daten sammeln, Beobachten, Überprüfen ist NICHT mittelalterlich sondern modern.
Dass die Versuche teilweise grausam gewesen sind und vermutlich auch nicht allen Gütekriterien eines empirischen Experiments entsprachen ist was anderes, und vermutlich selbst zu Beginn des Empirismus nicht immer gegeben gewesen.
Konkret von dem von dir beschriebenen Versuch habe ich noch nicht gehört. Tatsache ist jedoch, dass mit solchen Zuschreibungen äußerst vorsichtig umgegangen werden muss. Wir hatten das erst vor kurzem weiter unten im Brett. Das bekannteste Experiment, welches F.II. zugeschrieben wird, ist das mit den Kindern welche isoliert aufgezogen werden sollten, um zu sehen welches die Ursprache ist. Diese Annahme wurde bis ins 20. Jh. nicht hinterfragt. Inzwischen jedoch kaum noch als wahrscheinlich betrachtet. Gründe sind, dass in Zusammenhang mit F.II. eigentlich keine menschlichen Versuche als gesichert gelten.
Die Behauptung des Salimbene von Parma steht alleine, es gibt keine anderen Quellen, die sie bestätigen (dafür gibt’s welche, die den gleichen Versuch früheren Herrschern zuschreiben).
Der Minorit Salimbene kam aus Norditalien. Er war dem Papst verbunden und stand in Opposition zum Kaiser, der seine Heimat verwüstete (in den Kriegen in Norditalien) und außerdem „ein Ketzer“ war. Die Berichte des Salimbene sind, wenn ich mich nicht täusche, nach Friedrichs Tod geschrieben worden, das heißt seine Einstellung war durch den Streit zwischen Gregor IX. und Kaiser in den 40er Jahren mitgeprägt. Menschenversuche passten dabei hervorragend in das Bild einer aus dem Meere enstiegenen Schlange, Bestie, Antichrist usw.
Ich will hiermit nicht ausschließen, dass F.II. nicht vielleicht auch Versuche mit Menschen hat durchführen lassen. Bin nur sehr vorsichtig geworden und würd dich daher auch um ne Quelle bitten, da ich’s gerne nachlesen würde.
Es fragt sich bei all diesen Herrschern, ob sie tatsächlich
Gutmenschen oder eher gute PR-Leute waren. Das kann man aus
Liedern
und Legenden nicht herausfinden.
Nein. Aber aus Gesetzeswerken:
Nochmal das Beispiel F.II.: Die Konstitutionen von Melfi (1235) sind z.B. das erste umfassende Konstitutionen Werk Europas gewesen. Darinnen ist das gesamte Rechtswesen genau geregelt incl. aller Instanzen.
Außerdem sollten Arme, Witwen, Kinder von Prozesskosten befreit werden. In bestimmten Fällen sollte Zeugenschutz bzw. Anonymität des Klägers gewährt werden um es auch Untertanen von Fürsten zu ermöglichen zu klagen.
In den 40er Jahren wurde die Amtszeit der Gerichtsbeamten auf ein Jahr gekürzt, sie mussten von außerhalb der Region kommen und hatten am Ende ihrer Amtszeit Rechenschaft abzulegen (wurde durch zentralen Rechnungshof überprüft). Es gab noch eine Reihe weiterer Gesetze, die ein funktionierendes Rechtswesen sichern sollten, hab aber auch so schon viel zu viel geschrieben.
Natürlich ist nicht immer alles so verwirklicht worden, wie es gedacht war. Aber von 1220 bis in die 40er Jahre hat F.II. ununterbrochen an seinem Rechtssystem gefeilt und versucht gegen Korruption vorzugehen. Und ich denke das Ausmaß dieser Bemühungen geht in jedem Fall über ausschließliche PR-Motivation hinaus. Vielmehr sah F.II. es als seine göttliche Aufgabe seinen Untertanen Gerechtigkeit zu bringen. Dadurch rechtfertigte er sein Kaisertum.
Hoffe das war jetzt nicht zuviel,
grüße von kati
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