Gab es einen gerechten Herrscher?

Hej,

gab es im Mittelalter einen europäischen Herrscher (oder Herrscherin),
dem Gerechtigkeit gegenüber dem Volke nachgesagt wird? Einen, der sein
Land zu wirtschaftlichen Aufschwung verhalf? Einen Freund des gemeinen
Pöbels?

Und wenn ja, gibt es über ihn eine Biografie?

Danke

Hallo absolutvenus,

gab es im Mittelalter einen europäischen Herrscher (oder
Herrscherin),
dem Gerechtigkeit gegenüber dem Volke nachgesagt wird? Einen,
der sein
Land zu wirtschaftlichen Aufschwung verhalf? Einen Freund des
gemeinen
Pöbels?

Und wenn ja, gibt es über ihn eine Biografie?

Karl der Grosse
Nimm diese Seite als Ausgangspunkt:
http://www.mscd.edu/~mdl/gerresources/men/karldg.htm

Mit freundlichen Grüssen
Klaus Bernstein

Huhüle.

Friedrich der Weise - na gut, war schon Renaissance …
Otto (der Große) I. (König HRR, später Kaiser) war populär …
Eberhard im Barte (spätes Mittelalter) …
Heinrich I. (König HRR) der Vogler
Friedrich II. Barbarossa
Ludwig der Bayer

Alles Beispiele für recht „populäre“ Herrscher und in Wikipedia zu finden. Im Allgemeinen kann man auch noch aus vorhandenen Gedichten oder Liedern herauslesen, wenn jemand besonders beliebt war, wie der kyffhäuserne Barbarossa oder der vögelnde Henner.

Gruß Eillicht zu Vensre

Hej,
‚Le Bon Roi Renè‘, noch heute im Provenzalischen gut beleumundet.
http://de.wikipedia.org/wiki/Ren%C3%A9_I._%28Anjou%29
und hier eine Kurzbiographie
http://de.wikisource.org/wiki/ADB:Ren%C3%A9_I._von_L…
Sonst leider wohl nur französische Literatur …

Gruß,
Ralf

Herrscher: Gutmenschen oder gute PR-Leute?

Guten Tag

Wikipedia zu finden. Im Allgemeinen kann man auch noch aus
vorhandenen Gedichten oder Liedern herauslesen, wenn jemand
besonders beliebt war, wie der kyffhäuserne Barbarossa oder
der vögelnde Henner.

Es fragt sich bei all diesen Herrschern, ob sie tatsächlich
Gutmenschen oder eher gute PR-Leute waren. Das kann man aus Liedern
und Legenden nicht herausfinden. Friedrich II. (Barbarossa) förderte
zum Beispiel die Wissenschaft auf mittelalterliche Art: Um
festzustellen, wie lange ein Mensch in einem engen Metallbehälter
atmen kann, steckte er vor allem Volk den nächstbesten Sklaven hinein
und liess ihn ersticken.

Am bekanntesten sind die Gutmensch-Legenden über den Völkermörder
Karl den Grossen.

Oder die heute noch hochverehrten Bürgermeister des 14. Jahrhunderts:
Welcher von ihnen hat in seiner Stadt keine Judenpogrome
veranstaltet?

Mit freundlichem Gruss

Rolfus

korrektur

Es fragt sich bei all diesen Herrschern, ob sie tatsächlich
Gutmenschen oder eher gute PR-Leute waren.

nicht waren, sondern hatten. ansonsten fragt es sich nicht, sondern ist eine tatsache.

schöne grüße
ann

hi,

Friedrich II. (Barbarossa)

Ihn gibt es es nicht: Barbarossa war Friedrich I., das war der Großvater von Friedrich II.

Friedrich II. (Barbarossa)förderte
zum Beispiel die Wissenschaft auf mittelalterliche Art:
Um festzustellen, wie lange ei n Mensch in einem engen
Metallbehälter atmen kann, steckte er vor allem Volk
den nächstbesten Sklaven hinein

Ich gehe davon aus, dass ihr hier nicht Barbarossa, sondern Friedrich II. meint. Von Barbarossa jedenfalls habe ich noch nicht gehört, dass er je irgendwelche Versuche hätte durchführen lassen.

Die Art und Weise in der Friedrich II. die Wissenschaft förderte ist meines Erachtens jedoch ganz und gar nicht mitttelalterlich zu nennen. Im Gegenteil: Er ist der erste mir bekannte Europäer der Experimente in einem fast modernen Sinn hat durchführen lassen.
Hervorragendes Beispiel ist hierfür sein Falkenbuch, von F.II. selbst geschrieben, und als erstes Veterenärmedizinischen Werk anerkannt. Geht hauptsächlich um die Beizjagd, hat aber auch ne allgemeine Vogelkunde. Hierfür stützte sich F.II. zum Teil auf bestehende praktische Abhandlungen. In erster Linie jedoch fasst er systematisch eigene Beobachtungen (z.B. zum Vogelzug etc.) und durch Experimente überprüfte Erkenntnisse (z.B. Geiern Augen zugenäht um zu schauen, ob sie das Aas riechen oder sehen)zusammen.
Dieses Vorgehen, Daten sammeln, Beobachten, Überprüfen ist NICHT mittelalterlich sondern modern.
Dass die Versuche teilweise grausam gewesen sind und vermutlich auch nicht allen Gütekriterien eines empirischen Experiments entsprachen ist was anderes, und vermutlich selbst zu Beginn des Empirismus nicht immer gegeben gewesen.

Konkret von dem von dir beschriebenen Versuch habe ich noch nicht gehört. Tatsache ist jedoch, dass mit solchen Zuschreibungen äußerst vorsichtig umgegangen werden muss. Wir hatten das erst vor kurzem weiter unten im Brett. Das bekannteste Experiment, welches F.II. zugeschrieben wird, ist das mit den Kindern welche isoliert aufgezogen werden sollten, um zu sehen welches die Ursprache ist. Diese Annahme wurde bis ins 20. Jh. nicht hinterfragt. Inzwischen jedoch kaum noch als wahrscheinlich betrachtet. Gründe sind, dass in Zusammenhang mit F.II. eigentlich keine menschlichen Versuche als gesichert gelten.
Die Behauptung des Salimbene von Parma steht alleine, es gibt keine anderen Quellen, die sie bestätigen (dafür gibt’s welche, die den gleichen Versuch früheren Herrschern zuschreiben).
Der Minorit Salimbene kam aus Norditalien. Er war dem Papst verbunden und stand in Opposition zum Kaiser, der seine Heimat verwüstete (in den Kriegen in Norditalien) und außerdem „ein Ketzer“ war. Die Berichte des Salimbene sind, wenn ich mich nicht täusche, nach Friedrichs Tod geschrieben worden, das heißt seine Einstellung war durch den Streit zwischen Gregor IX. und Kaiser in den 40er Jahren mitgeprägt. Menschenversuche passten dabei hervorragend in das Bild einer aus dem Meere enstiegenen Schlange, Bestie, Antichrist usw.
Ich will hiermit nicht ausschließen, dass F.II. nicht vielleicht auch Versuche mit Menschen hat durchführen lassen. Bin nur sehr vorsichtig geworden und würd dich daher auch um ne Quelle bitten, da ich’s gerne nachlesen würde.

Es fragt sich bei all diesen Herrschern, ob sie tatsächlich
Gutmenschen oder eher gute PR-Leute waren. Das kann man aus
Liedern
und Legenden nicht herausfinden.

Nein. Aber aus Gesetzeswerken:
Nochmal das Beispiel F.II.: Die Konstitutionen von Melfi (1235) sind z.B. das erste umfassende Konstitutionen Werk Europas gewesen. Darinnen ist das gesamte Rechtswesen genau geregelt incl. aller Instanzen.
Außerdem sollten Arme, Witwen, Kinder von Prozesskosten befreit werden. In bestimmten Fällen sollte Zeugenschutz bzw. Anonymität des Klägers gewährt werden um es auch Untertanen von Fürsten zu ermöglichen zu klagen.
In den 40er Jahren wurde die Amtszeit der Gerichtsbeamten auf ein Jahr gekürzt, sie mussten von außerhalb der Region kommen und hatten am Ende ihrer Amtszeit Rechenschaft abzulegen (wurde durch zentralen Rechnungshof überprüft). Es gab noch eine Reihe weiterer Gesetze, die ein funktionierendes Rechtswesen sichern sollten, hab aber auch so schon viel zu viel geschrieben.
Natürlich ist nicht immer alles so verwirklicht worden, wie es gedacht war. Aber von 1220 bis in die 40er Jahre hat F.II. ununterbrochen an seinem Rechtssystem gefeilt und versucht gegen Korruption vorzugehen. Und ich denke das Ausmaß dieser Bemühungen geht in jedem Fall über ausschließliche PR-Motivation hinaus. Vielmehr sah F.II. es als seine göttliche Aufgabe seinen Untertanen Gerechtigkeit zu bringen. Dadurch rechtfertigte er sein Kaisertum.

Hoffe das war jetzt nicht zuviel,
grüße von kati

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vergessen: biographie
das hab ich vergessen:
weil ich jetzt so viel von F.II. geredet hab,
hier noch die absolut empfehlenswerte Biographie von Stürner:

Stürner, Wolfgang: Friedrich II. Teil 1. Darmstadt. 1992.
Stürner, Wolfgang: Friedrich II. Teil 2. Darmstadt. 2000.
ISBN:978-3896784834 Buch anschauen

(ISBN hinzugefügt, überflüssiger urpsrungsartikeltext entfernt [MOD])

Servus!

gab es im Mittelalter einen europäischen Herrscher (oder
Herrscherin),
dem Gerechtigkeit gegenüber dem Volke nachgesagt wird? Einen,
der sein
Land zu wirtschaftlichen Aufschwung verhalf? Einen Freund des
gemeinen
Pöbels?

Das Zauberwort ist „nachgesagt“.
Jeder bedeutende Herrscher hatte einen Schreiberling, der ihn für die Nachwelt „gutschrieb“. Wirklich gerecht, gut, war wohl keiner - Politik ist nicht erst seit damals ein schmutziges Geschäft. Wer sich gegen Fieslinge durchsetzen will, muß selber einer werden, wenn er nicht schon einer ist.
Der bärtige Eberhart, Barbarossa oder der zweite staufische Fritz hatten alle so ihre Schattenseiten in punkto Eigennutz, Blutsturz eigener und fremder Untertanen usw. Aber es gab halt immer noch welche, die es schlimmer trieben, weswegen dann die Taten der „Guten“ in relativ mildem Licht erschienen.

Einer, der als gerecht gilt, war z.B. Heinrich II., der Gründer des Bistums Bamberg. In erster Linie wegen seiner „jungfräulichen“ Ehe und der als heiligmässig angesehen Gründung Bambergs, die aber eher realpolitischen Notwendigkeiten entsprang. Über die kinderlose Ehe den Schleier der Jungfräulichkeit zu breiten, dürfte auch eher ein PR-Trick gewesen sein…

Die einzige, die mir spontan einfällt, ist die thüringische Theresia. Die war zwar „nur“ die Gattin eines Herrschers, des Landgrafen von Thüringen nämlich, aber mehr für den „Pöbel“ als Theresia konnte man wohl kaum tun…

VG
Christian

Die einzige, die mir spontan einfällt, ist die thüringische
Theresia. Die war zwar „nur“ die Gattin eines Herrschers, des
Landgrafen von Thüringen nämlich, aber mehr für den „Pöbel“
als Theresia konnte man wohl kaum tun…

VG
Christian

Also bitte… die Dame hieß nicht Theresia, sondern Elisabeth!
Gruß Armin

Also bitte… die Dame hieß nicht Theresia, sondern Elisabeth!
Gruß Armin

Grmpf…hast natürlich recht…
VG
Christian

Hallo

Als Anmerkung : Ganz Thüringen feiert heuer den 800. Geburtstag der Heiligen Elisabeth
http://www.elisabeth-von-thueringen-2007.de
Wer ein paar Tage Zeit hat, sollte sich Thüringen mal anschauen, es lohnt sich!
Grüße HaJo

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Gruss
Rolf