Gabi Bauers ''Nachtmagazin''-Phrasen

Hallo,

in spätabendlichen/frühmorgendlichen Ausgaben des ARD-„Nachtmagazins“ mit Gabi Bauer dürfen wir Fernsehzuschauer uns immer wieder merkwürdige Sätze anhören, wie zum Beispiel:

„Die Situation im Kernkraftwerk Fukushima, die spitzt sich offenbar von Tag zu Tag mehr zu.“

„Der heutige Vormittag im Deutschen Bundestag, der war von einer stürmischen Debatte geprägt.“

„Das derzeitige Glatteis in Süddeutschland, das hat heute wieder zu zahlreichen Unfällen geführt.“

Wie könnte man einen solchen (m. E. schlechten) Stil nennen? „Obsolete Referentialität per Artikelpronomen“? „Schlechter Gabi-Bauer-Stil“? Gibt es für einen derartigen Stil einen linguistischen Fachterminus?

Wenn ich mir Frau Bauer anhöre, kommt es mir vor, als ob sie „fast krampfhaft leger“ rüberkommen will und dabei nicht merkt, daß das von ihr zu diesem Zweck verwendete sprachliche Stilmittel nur überflüssig und lächerlich wirkt.

Was meint Ihr dazu?

Gruß
Uwe

[Ich wünsche keine themenfremden Belehrungen]

Gibt es für einen derartigen Stil einen
linguistischen Fachterminus?

Es ist eine sogenannte Linksversetzung, die dem Zweck dient, das betreffende Satzglied hervorzuheben.

„Die Sterne, die begehrt man nicht.“ (Goethe)

Grundsätzlich kein schlechter Stil. Wie jedes Stilmittel können aber auch Linksversetzungen, im Überdruß angewendet, zum Manierismus werden. Das dürfte das eigentliche Problem dieses Moderatoren-Stils sein, nämlich der oftmals etwas übertriebene Pathos.

Gruß,
Max

Hallo,

„Die Situation im Kernkraftwerk Fukushima, die spitzt sich
offenbar von Tag zu Tag mehr zu.“

„Der heutige Vormittag im Deutschen Bundestag, der war von
einer stürmischen Debatte geprägt.“

Gibt es für einen derartigen Stil einen
linguistischen Fachterminus?

Stichwort: Linksversetzung; siehe auch http://books.google.de/books?id=p_rHgPUr9B4C&lpg=PA1… (3.2.)

Peter von Polenz schreibt zu diesem Phänomen in seinem Buch Deutsche Sprachgeschichte vom Spätmittelalter bis zu…:

„[…] Im Bereich der Herausstellung ist besonders beliebt die Vorwegnahme (Linksversetzung) von Satzsubjekten und anderen Satzgliedern, auf die danach noch einmal pronominal referiert wird …
Die aus Umgangssprache und Dialekt bekannte, normativ nicht zugelassene Form mit bestimmtem Artikel (Der Kerl, der hat mich betrogen) wurde im heutigen Moderatorenstil üblich in der akzeptablen, aus der Belletristik bekannten Variante mit Personalpronomen (Die Hochwasserkatastrophe, sie ist noch nicht überstanden). Diese Herausstellungen ermöglichen den Sprechenden zugleich mit dem Atemholen eine Neuakzentuierung des sinnwichtigen zweiten Satzteils statt des normgerechten Ganzsatz-Spannungsbogens […]“

Gruß
Kreszenz

Grundsätzlich kein schlechter Stil. Wie jedes Stilmittel
können aber auch Linksversetzungen, im Überdruß angewendet,
zum Manierismus werden. Das dürfte das eigentliche Problem
dieses Moderatoren-Stils sein, nämlich der oftmals etwas
übertriebene Pathos.

Dann wäre das (mich störende) „Pathos“ hier das Übertreiben der Anwendung des Stilmittels „Linksversetzung“? Hab ich das richtig verstanden?

Daß man den Begriff „Pathos“ auch so anwenden kann, wie Du es tust, wußte ich bislang ebensowenig.

Vielen Dank für Deine Antwort.

Danke! (owT)
.

[Ich wünsche keine themenfremden Belehrungen]

natürlich nicht.

im Überdruß angewendet

Mh.

Gruß Ralf

Dann wäre das (mich störende) „Pathos“ hier das Übertreiben
der Anwendung des Stilmittels „Linksversetzung“?

So sehe ich das. Ich bin mir sicher, man wird auch noch andere exzessiv verwendete Stilmittel finden, die dazu beitragen, daß Moderatorensprache manchmal kaum erträglich ist. Das störende sehe ich darin, daß der Pathos ja eigentlich am falschen Platz ist, daß ddas „bedeutungschwangere“ Sprechen aufgesetzt wirkt. Was auch wieder nicht heißen soll, daß Pathos im richtigen Moment, an der richtigen Stelle angewendet nicht auch seinen Sinn hat. Es nützt sich halt ab, so wie sich auch Wörter wie „Katastrophe“ in der Sprache der Nachrichtensprecher allmählich abnutzen.

Gruß,
Max

im Überdruß angewendet

Mh.

Der Begriff „Wortspiel“ sagt dir was?

M.