Hallo Frank,
etwa um die 75 Prozent der Gallensteinträger haben keine Beschwerden (man spricht auch von stummen Gallensteinen). Daher wissen viele nicht, dass sie Gallensteine haben. Wird der Patient nach dem Sonogramm vom Arzt über seine Steine aufgeklärt, ist der psychische Faktor nicht zu unterschätzen… (Daher ist es mir evt. persönlich lieber, solange ich überhaupt keine Beschwerden habe, dass der Arzt hier sinnvollerweise schweigt - aber seine Unterlagen entsprechend führt)
Aber spätestens, wenn die Gallensteine Beschwerden verursachen, ist die Operation die Therapie der Wahl - insbesondere auch, weil Komplikationen um so häufiger werden, je länger das Steinleiden dauert! Die Gallenblase lässt sich auf verschiedene Weisen operativ entfernen.
Sitzen die Steine nur in der Gallenblase, wird heutzutage in 80 bis 90% der Fälle endoskopisch (laienhaft: Schlüsselloch-Chirurgie genannt) operiert. Dabei führt der Chirurg röhrenförmige Licht-, Sicht- und Arbeitsinstrumente über vier kleine Schnitte in die Bauchdecke ein, ohne den Bauch zu eröffnen - anders als bei der manchmal notwendigen offenen chirurgischen Operation, die auch noch zum Einsatz kommt, besonders dann, wenn es sich bereits um ein komplizierteres, chron. Leiden handelt.
Das Verfahren der medikamentösen Steinauflösung in der noch beschwerdefreien Phase ist in weniger als 5% der Fälle erfolgreich. Auch bilden sich häufig trotz lebenslanger Medikamenteneinnahme wieder neue Steine, da die Ursache der Steinbildung in der Gallenblase nicht beseitigt werden kann. Daher kommen die medikamentöse Auflösung und die Stoßwellentherapie nur für einen ganz kleinen Teil der Gallensteinpatienten in Betracht. Voraussetzung ist nämlich, daß es sich um kleine, schwebende und nicht verkalkte Cholesterinsteine handelt. Es dürfen keine Komplikationen bestehen. Die Gallenblase muß sich noch zusammenziehen können. Aber diese Verfahren benötigen mindestens eineinhalb Jahre Behandlungsdauer bei einer hohen Komplikationsrate.
Anfänglich können sich die Steine als unspezifische Oberbauchbeschwerden äußern, mit Völlegefühl, Blähungen oder Druck unter dem rechten Rippenbogen (nach dem Essen). Auch eine Unverträglichkeit von Kaffee, Fettem, Gebratenem und kalten Getränken kann die Richtung weisen.
Vorbeugend hilfreich ist eine moderate, aber kontinuierlich ballaststoffreiche (bindet Cholesterin) Ernährung ohne plötzliche Fastenkuren. Trotzdem ist eine wirksame Vorbeugung schwierig, denn:
Frauen, bei denen die sog. 5-F-Regel zutrifft, sind besonders anfällig für ein Steinleiden:
female (weiblich), fair (blond), fat (übergewichtig), forty (über vierzig Jahre) und fecund (fruchtbar, nach Geburt eines oder mehrerer Kinder).
Wenn die Gallensteine keine Beschwerden machen und keine klinischen Auffälligkeiten zeigen, muß keine Therapie erfolgen. Nach der zweiten, spätestens der dritten Gallenkolik sollte eine Operation in Erwägung gezogen werden; denn bei einer frühen Operation im beschwerdefreien Intervall ist das Risiko für Komplikationen ganz gering.
Wird trotz Koliken, Brechreiz, Übelkeit, usw. nichts unternommen, kann sich als Komplikation eine akute Gallenblasenentzündung entwickeln, mit Fieber, starken Schmerzen im rechten Oberbauch und eventuell Schüttelfrost. Wird hier nicht behandelt, so drohen weitere Gefahren bis hin zum Durchbruch der Entzündung in die freie Bauchhöhle.
Gruß, Renate
[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]