Hallo Anne,
ich kann Dir in zweifacher Hinsicht antworten: als Vater, dessen Sohn schon mit fünf von TV und Computer magisch angezogen wird (wir müssen schon heute klare Absprachen treffen, um seinen Medienkonsum in vertretbaren Grenzen zu halten) und als Mensch der selbst eine hohe Affinität zu Computerspielen hat.
Zunächst einmal möchte ich Dich beruhigen: was Du bislang über Deinen Sohn und sein Medienverhalten geschrieben hast, läßt mich Deine abschließende Frage „Wie gefährlich ist die Geschichte?“ mit einem deutlichen „In meinen Augen überhaupt nicht!“ beantworten.
Ich selbst spiele seit meiner Kindheit leidenschaftlich gerne die verschiedensten Computerspiele. Nun waren Anfang der Achtziger die Möglichkeiten lange nicht so wie heute und ich hatte damals kein eigenes Gerät zur Verfügung. Ich konnte nur bei Freunden oder wenn ich bei meiner Schwester zu Besuch war (500km Entfernung) spielen. Meine Spielzeit war also durch äußere Faktoren stark eingeschränkt. Dies ließ mich aber mitnichten das Interesse verlieren (oder auch nur nachlassen) und als ich endlich die Möglickeit hatte, habe ich gnadenlos nachgeholt (Tage und Nächte durchgespielt…).
Ich habe diese Leidenschaft glücklicherweise nie zu Lasten meiner Pflichten ausgelebt und die extremen Zeiten waren auch rel. schnell wieder vorbei. Ich kenne aber auch Männer, deren Leben in vergleichbarer Lage weniger erfreulich verlaufen ist.
Was ich damit sagen möchte ist, daß en zu harter Umgang mit dem Thema das genaue Gegenteil Deiner Ziele bewirken kann. Du wirst nur noch wenige Jahre genügend Einfluss und ausreichend Macht über Dein Kind haben um ihm einen vernünftigen Umgang mit Medien zu vermitteln. Deine eigene Skepsis und Abneigung gegenüber Computerspielen wird er aber nicht verinnerlichen.
Mein Rat an Dich ist: bleibe bei Deinem grundsätzlichen Kurs die Nutzung zu beschränken, aber ändere ein wenig Deine Einstellung zu dem Thema.
Vor allem versuche, Deine Ängste für die entwicklung Deines Sohnes zu überwinden. Ich halte sie für unbegründet. Deinem Sohn geht es ja offensichtlich nicht um den Bildschirm an sich (auch das gibt es), sondern er ist von einem bestimmten Spiel fasziniert. Er läßt sich aber auch von anderem begeistern, was Du über Euer Alltagsleben und seine sonstige Freizeitgestaltung geschrieben hast zeigt mir einen vielseitig interessierten und aufgeweckten jungen Kerl der sich, sofern erstmal die Begeisterung da ist, mit allem möglichem über lange Zeiträume beschäftigen kann.
Sofern es dabei um ein Buch, einen Damm im Bach, ein Gesellschaftsspiel oder die Legowelt geht, hast Du weder Ängste noch Bedenken. Beim Computerspiel bezeichnest Du die gleiche Hingabe als „Gametcubeterror“.
Natürlich haben Computerspiele ein unbestrittenes Suchtpotential. Insofern ist es sträflich, Kinder hier nicht zu lenken und zu beaufsichtigen. Daher möchte ich Dich in Deiner generellen Linie, der Speilzeit mit dem Gerät Regeln und Zeitgrenzen zu geben, ausdrücklich bestärken! Nicht nur Deinen Sohn muß man gelegentlich zu seinem Glück zwingen.
Aber ich würde Dir auch einen entspannteren Umgang mit dem Thema ans Herz legen. Akzeptiere, daß Dein Sohn Deine Abneigung gegen diese Art der Freizeitgestaltung nicht teilen wird und daß es durchaus auch positive Aspekte daran gibt.
Ich würde die Spielzeit auch nicht täglich festlegen, sondern für größere Zeiträume. Gönn’ ihm ruhig auch mal einen ganzen Nachmittag an dem Gerät und betrachte diese Zeit nicht als hoffnungslos verplämpert. Ernsthafte oder gar bleibende Schäden brauchst Du wirklich nicht zu befürchten.
Ich stelle mir gerade folgende Situation vor: die Weihnachtstage sind vorbei, man hat sehr viel Zeit mit der Familie verbracht, viel geredet, gelacht, miteinander gespielt und ist sich gelegentlich auch ein wenig auf den Wecker gegangen. Nun kommt ein Freund vorbei der ähnliche Tage erlebt hat und das Wetter ist fürchterlich. Das wäre doch eine gute Gelegenheit zu sagen: „Laßt Euch heute in Gottes Namen von der Kiste zudaddeln bis Ihr viereckige Augen habt…aber morgen machen wir einen ausgedehnten Spaziergang und der Gamecube bleibt ein paar Tage im Schrank.“
Viele Grüße
Stefan
mein Sohn (10) hat sich neuerdings vom Taschengeld ein
Gamecube gekauft. Er hat vorher auch schon mal Gameboy oder
Computerspiele gespielt, aber das hielt sich zeitmäßig alles
sehr in Grenzen und war meist nach 2 Wochen oder so wieder
ganz out.
Der Gamecube scheint einen deutliche größere Anziehungskraft
auszustrahlen, und mir ist nicht ganz wohl dabei, dass er am
Wochenende incl. Freitag ca. 5 Stunden damit verbringt (mehr
hab ich ihm nicht erlaubt, aber er würde gern mehr - grad das
finde ich bedenklich). Ein schnelles Abfaluen wie bei den
anderen Spielen ist auch nicht absehbar.
Wie handhabt Ihr das? Wie gefährlich ist die Geschichte?
Gruß, Anne