Gamma-Strahlen-Lamm

Hallo alle zusammen,

ich weiß nicht, ob ich im richtigen Forum bin. Meine Freundin und ich haben uns heute darüber unterhalten, was man alles im Deutschunterricht durchstehen musste.
Daraufhin fiel ihr schlagartig ein Gedicht ein in dem das o.g. Lamm in der ersten Strophe vorkam.

Leider weiß sie sonst nichts mehr über das Gedicht. Kann uns jemand helfen?

Gruß

Tanja

Hallo Tanja,

ich weiß nicht, ob ich im richtigen Forum bin. Meine Freundin
und ich haben uns heute darüber unterhalten, was man alles im
Deutschunterricht durchstehen musste.
Daraufhin fiel ihr schlagartig ein Gedicht ein in dem das o.g.
Lamm in der ersten Strophe vorkam.
Leider weiß sie sonst nichts mehr über das Gedicht. Kann uns
jemand helfen?

das Gedicht stammt von Gottfried Benn und heißt „Verlorenes Ich“. Auszüge findest du hier:

http://www.sicetnon.cogito.de/artikel/kunst/benn.htm .

Ich kann im Moment den kompletten Text nicht finden, weil ich meine Ausgabe verlegt habe, aber in (fast) jeder Stadtbibliothek kannst du es finden.

Herzliche Grüße

Thomas Miller

Kompletter Text

das Gedicht stammt von Gottfried Benn und heißt „Verlorenes
Ich“.

Ergänzend zu Thomas hier der komplette Text:

Verlorenes Ich?

Verlorenes Ich, zersprengt von Stratosphären,
Opfer des Ion -: Gamma-Strahlen-Lamm -
Teilchen und Feld -: Unendlichkeitschimären
auf deinem grauen Stein von Notre- Dame.

Die Tage gehn dir ohne Nacht und Morgen,
die Jahre halten ohne Schnee und Frucht
bedrohend das Unendliche verborgen -
die Welt als Flucht.

Wo endest du, wo lagerst du, wo breiten
sich deine Sphären an - Verlust, Gewinn -:
ein Spiel von Bestien: Ewigkeiten,
an ihren Gittern fliehst du hin.

Der Bestienblick: die Sterne als Kaldaunen,
der Dschungeltod als Seins- und Schöpfungsgrund,
Mensch, Völkerschlachten, Katalaunen
hinab den Bestienschlund.

Die Welt zerdacht. Und Raum und Zeiten
und was die Menschheit wob und wog,
Funktion nur von Unendlichkeiten -
die Mythe log.

Gottfried Benn

Liebe Grüße, Nike

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Sehr schön, liebe Nike, vielen Dank,

es fehlt aber aus meiner Erinnerung (!) noch der Schluß,
in etwa

"Und wie sich alle einer Mitte neigten, ???
und auch die Denker nur an sich gedacht ???
sie sich dem Hirten und dem Lamm verzweigten, ???
wenn aus dem Kelch das Blut sie rein gemacht, ???

Und alle rannen aus der einen Wunde, ???
brachen das Brot, das jeglicher genoss, ???
O ferne, zwingende, erfüllte Stunde, ???
die einst auch das verlorene Ich umschloss." ???

Wichtig: Das ist nur ungefähr der Text, wie ich ihn noch aus meiner Schulzeit (das muss so in den frühen 70er Jahren gewesen sein) im Ohr habe.

Warum kann ich auch nur diese dämliche Ausgabe nicht finden ???
Grrrh!!! (Es war doch mein Lieblingsgedicht, schluchz!)

Als unordentlicher Mensch grüßt

Thomas Miller

ehrlich, der fehlt?
Teufelswerk… stand nicht dabei. Und dies ist eines der wenigen Gedichte, die ich nie auswendig konnte, also hab ich’s auch nicht bemerkt. Asche auf mein Haupt!

Postest Du, wenn Du es gefunden hast? Jetzt will ich’s auch wissen!

Liebe Grüße, Nike

Hallo,

wie du siehst, es hat mir keine Ruhe gelassen. Ich benutze deinen Text und verbessere etwas (Kommasetzung und so);
ich hoffe du hast nichts dagegen.

Voilá!

Verlorenes Ich
(Welche Ausgabe schreibt denn hier ein Fragezeichen?)

Verlorenes Ich, zersprengt von Stratosphären,
Opfer des Ion -: Gamma-Strahlen-Lamm -,
Teilchen und Feld -: Unendlichkeitschimären
auf deinem grauen Stein von Notre-Dame.

Die Tage geh’n dir ohne Nacht und Morgen,
die Jahre halten ohne Schnee und Frucht
bedrohend das Unendliche verborgen -,
die Welt als Flucht.

Wo endest du, wo lagerst du, wo breiten
sich deine Sphären an -, Verlust, Gewinn -:
ein Spiel von Bestien: Ewigkeiten,
an ihren Gittern fliehst du hin.

Der Bestienblick: die Sterne als Kaldaunen,
der Dschungeltod als Seins- und Schöpfungsgrund,
Mensch, Völkerschlachten, Katalaunen
hinab den Bestienschlund.

Die Welt zerdacht. Und Raum und Zeiten
und was die Menschheit wob und wog,
Funktion nur von Unendlichkeiten -,
die Mythe log.

Woher, wohin-, nicht Nacht, nicht Morgen,
kein Evoe mit zwei Punkten auf dem „e“! , kein Requiem,
du möchtest dir ein Stichwort borgen -,
allein bei wem?

Ach, als sich alle einer Mitte neigten
und auch die Denker nur an Gott gedacht,
sie sich den Hirten und dem Lamm verzweigten,
wenn aus dem Kelch das Blut sie rein gemacht.

und alle rannen aus der einen Wunde,
brachen das Brot, das jeglicher genoß -,
oh ferne zwingende erfüllte Stunde,
die einst auch das verlor’ne Ich umschloß.

Ähem: Gottfried Benn in alter Rechtschreibung …

Quelle:
Gottfried Benn, Gedichte (in der Fassung der Erstdrucke);
Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt 1982
(Mein Nachdruck ist von 1986)

Hallo, (Kleine Verbesserung!!)

wie du siehst, es hat mir keine Ruhe gelassen. Ich benutze
deinen Text und verbessere etwas (Kommasetzung und so);
ich hoffe du hast nichts dagegen. Es fehlten also sogar drei Strophen.

Voilá!

Verlorenes Ich
(Welche Ausgabe schreibt denn hier ein Fragezeichen?)

Verlorenes Ich, zersprengt von Stratosphären,
Opfer des Ion -: Gamma-Strahlen-Lamm -,
Teilchen und Feld -: Unendlichkeitschimären
auf deinem grauen Stein von Notre-Dame.

Die Tage geh’n dir ohne Nacht und Morgen,
die Jahre halten ohne Schnee und Frucht
bedrohend das Unendliche verborgen -,
die Welt als Flucht.

Wo endest du, wo lagerst du, wo breiten
sich deine Sphären an -, Verlust, Gewinn -:
ein Spiel von Bestien: Ewigkeiten,
an ihren Gittern fliehst du hin.

Der Bestienblick: die Sterne als Kaldaunen,
der Dschungeltod als Seins- und Schöpfungsgrund,
Mensch, Völkerschlachten, Katalaunen
hinab den Bestienschlund.

Die Welt zerdacht. Und Raum und Zeiten
und was die Menschheit wob und wog,
Funktion nur von Unendlichkeiten -,
die Mythe log.

Woher, wohin-, nicht Nacht, nicht Morgen,
kein Evoe mit zwei Punkten auf dem „e“! ,
kein Requiem,
du möchtest dir ein Stichwort borgen -,
allein bei wem?

Ach, als sich alle einer Mitte neigten
und auch die Denker nur an Gott gedacht,
sie sich den Hirten und dem Lamm verzweigten,
wenn aus dem Kelch das Blut sie rein gemacht.

und alle rannen aus der einen Wunde,
brachen das Brot, das jeglicher genoß -,
oh ferne zwingende erfüllte Stunde,
die einst auch das verlor’ne Ich umschloß.

Ähem: Gottfried Benn in alter Rechtschreibung …

Quelle:
Gottfried Benn, Gedichte (in der Fassung der Erstdrucke);
Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt 1982
(Mein Nachdruck ist von 1986)

1 „Gefällt mir“

Super, danke!
Mir hat’s nämlich auch keine Ruhe gelassen. :smile:

Liebe Grüße, Nike

Hallo,

du hast mir noch nicht gesagt, woher deine Fassung (die mit dem Fragezeichen in der Überschrift) stammt.

Gruß

Thomas

du hast mir noch nicht gesagt, woher deine Fassung (die mit
dem Fragezeichen in der Überschrift) stammt.

oh, Entschuldigung, ich hatte nicht mitbekommen, daß Du es wirklich wissen wolltest. :smile:

Das war aus einem Aufsatz von Ariane Rieser mit dem Titel „Nacktheit vor und hinter dem Gesetz“, zu finden ist er hier:

http://www.humboldt-forum-recht.de/7-2000/Drucktext…

Das Fragezeichen mag sich dadurch erklären, daß die Autorin den Titel des Gedichts auch als Titel des Kapitels gewählt hat - wie ich erst jetzt, nach nochmaligem Lesen, erschließe… mein Fehler, ich hätte es rauslöschen sollen.

Liebe Grüße, Nike

Hallo Thomas,

vielen Dank für die Info!

Gruß
Tanja

Thanks! o.w.T.

Ach, als sich alle einer Mitte neigten
und auch die Denker nur den Gott gedacht,
sie sich den Hirten und dem Lamm verzweigten,
wenn aus dem Kelch das Blut sie rein gemacht,
und alle rannen aus der einen Wunde,
brachen das Brot, das jeglicher genoß-
o ferne zwingende erfüllte Stunde,
die einst auch das verlorene Ich umschloß.

Wichtig: Das ist nur ungefähr der Text, wie ich ihn noch aus
meiner Schulzeit (das muss so in den frühen 70er Jahren
gewesen sein) im Ohr habe.

beneidenswertes Gedächtnis

Warum kann ich auch nur diese dämliche Ausgabe nicht finden
???
Grrrh!!! (Es war doch mein Lieblingsgedicht, schluchz!)

Als unordentlicher Mensch

imho - ein ordentlicher mensch ist ein fauler mensch / ich bin irrsinnig fleißig

schöne Grüße