Gant

Hallo,

mir ist ein kleiner Schatz, eine Jahresausgabe einer bay. Wochenzeitung von 1873, in die Hände gefallen. Beim Schmökern bin ich über ein Wort gefallen, dass mir noch nie untergekommen ist:

Im Zuge der Berichterstattung über die Großbetrügerin Adele Spitzeder ist zu lesen, dass gegen Besagte ein Ganterlass ergangen sei.

Kann mich jemand aufklären, was das ist?

Danke im Voraus

Gruss
Feanor

Hallo Feanor,

die Gant:

mhd. gant > zu lat. in quantum = wieviel? (Frage des Auktionators bei Versteigerungen. ital.: incanto, franz. encan.)

Gemeint ist damit eine Versteigerung.

Wird heute eigentlich nur noch in der - sprachlich etwas rückwärts orientierten - Schweiz gebraucht.

Ein

Ganterlass

ist dem entsprechend eine gerichtlich angeordnete öffentliche Versteigerung, also eine Zwangsversteigerung.

Gruß Fritz

Sprachökonomie…
Hallo Fritz

Wird heute eigentlich nur noch in der - sprachlich etwas
rückwärts orientierten - Schweiz gebraucht.

Das ist unsere Sprachökonomie! Ein schnellschnauziger Deutscher hat für das Sprechen des Wortes „Versteigerung“ etwa gleich lang wie wir für das (zutreffendere!) Wort „Gant“.:smile:
„Gant“ findet man mehrheitlich im mündlichen Umgang.
„Versteigerungs-Anzeigen“ haben die „Gant-Anzeigen“ in der Presse leider überflügelt, dies trotz dem unökonomischen Mehr an Buchstaben…:wink:
Ein Trost sei dir: Wir verstehen beides, im Gegensatz zu…

Du scheinst noch nicht verwunden zu haben, dass wir locker auf das dir heilige Eszett verzichten. *g*

Schönen Abend noch
Mäni

Hallo Mäni,

Wird heute eigentlich nur noch in der - sprachlich etwas
rückwärts orientierten - Schweiz gebraucht.

Das ist unsere Sprachökonomie!

Die von mir bewundert wird! Ich habe gern dem Schweizer Radio gelauscht und gern in der Schweiz fern gesehen. Und vermisse beides hier.

Ein Trost sei dir: Wir verstehen beides, im Gegensatz zu…

Gut.

Du scheinst noch nicht verwunden zu haben, dass wir locker auf
das dir heilige Eszett verzichten. *g*

Ich muss da nichts verwinden, eher bedaure ich es, dass es da, wo es sinnvoll - aber keineswegs heilig - ist, nicht zur Verfügung steht.
Ärgern tu ich mich aber schon, wenn ich sehe, welch Schindluder in Deutschland damit getrieben wird.
„Getränkegrossmarkt, grosse Auswahl“, das tut weh.

Gleichfalls schönes Wochenende.
Fritz

Ich fahre jetzt nach Stuttgart, wo ich dich hoffentlich im Herbst treffe.

Hallo Fritz,

„Getränkegrossmarkt, grosse Auswahl“, das tut weh.

… und ist auch falsch!
„Groß“ wird weiterhin mit ß geschrieben, da vorher langer Vokal! Dagegen gibt’s das „dass“ mit ß nicht mehr, sondern mit „ss“, abgesehen davon, dass es mir graust, wenn ich sehe, dass es viele sonst intelligente Leute nicht hinkriegen, das „dass“ vom „das“ hinterm Komma zu unterscheiden…
Markus

die Gant:
mhd. gant > zu lat. in quantum = wieviel? (Frage des
Auktionators bei Versteigerungen. ital.: incanto, franz.
encan.)

Hallo, Fritz,
ich kenne den Begriff als „auf Gant gehen“ d.h. Pleite gehen.
Meine Schwiegermutter(1) (aus dem Sudetendeutschen stammend) gebrauchte ihn so.

Grüße
Eckard.

Gruss
Feanor