Ganzen Satz zitieren: Zeichensetzung?

Hallo,

nun muss ich doch einmal fragen, wie ihr das eigentlich macht, wenn ihr einen ganzen Satz zitiert. Es geht mir um die Groß- und Kleinschreibung sowie um die Zeichensetzung.

Beispiel:
Da hat jemand etwas Tolles gesagt, und " E s fügt sich nahtlos in den von mir geschriebenen Text ein .", wenn da nicht die Groß- und Kleinschreibung sowie der Punkt wären.

Kann man sehen, worum es mir geht? Würdet ihr „es“ groß schreiben? Oder „[e]s“? Wie würdet ihr das machen?

Und was passiert mit dem Punkt, den der Satz ja im Original hatte? Lasse ich den einfach weg?

Ich habe mir diese Frage schon öfter gestellt, aber nun stelle ich sie einmal hier, und hoffe auf eine Antwort.

Schöne Grüße

Petra

Hallo,

Würdet ihr „es“ groß schreiben? Oder „[e]s“?

ich plädiere für Letzteres. Solange du den Sinn eines Zitats nicht entstellst, darfst du Änderungen – ob syntaktischer oder orthographischer Art – vornehmen, musst diese aber in eckigen Klammern kenntlich machen.

Als Beispielsatz nehme ich mir einen kurzen Satz aus einer AFP-Meldung von heute: »Der britische Premierminister Tony Blair will sich in der kommenden Woche zu seinem erwarteten Rücktritt erklären.« Folgende Varianten gibt es:

Auslassung
»Der britische Premierminister Tony Blair will sich […] zu seinem erwarteten Rücktritt erklären.«

Fehler im Original
»Der britische Premierminister Tony Bliar [sic!] will sich in der kommenden Woche zu seinem erwarteten Rücktritt erklären.«

Flexion und Orthographie
Man rechnet damit, dass sich »[d]er britische Premierminister Tony Blair […] in der kommenden Woche zu seinem erwarteten Rücktritt erklär[t]«.

Hervorhebung
»Blair will sich in der kommenden [Hervorhebung von mir, d. Verf.] Woche zu seinem erwarteten Rücktritt erklären.«

Interpolation (Ergänzung)
»Er [der britische Premierminister Blair] will sich in der kommenden Woche zu seinem erwarteten Rücktritt erklären.«

Auf den ersten Blick mag es einem unnötig vorkommen, gerade in Fällen wie der Flexion eine scheinbar marginale Änderung mit eckigen Klammern zu kennzeichnen oder die Auslassungspunkte in ebendiese nicht sehr hübschen Klammern einzufassen. Bei Sachtexten kann es sein, dass auch ohne den typographischen Hinweis auf die Modifikation am Original keine Missverständnisse entstehen. Bei Quellen mit künstlerischem Anspruch, die womöglich selbst mit Ellipsen und Groß-/Kleinschreibung als Stilmittel arbeiten, wird jedoch schnell klar, dass bei der Zitierweise die Form der Funktion folgen sollte. Im angloamerikanischen Raum wird dessen ungeachtet auf die Klammern verzichtet.

Und was passiert mit dem Punkt, den der Satz ja im Original hatte? Lasse ich den einfach weg?

Ja, den kannst du ohne Kennzeichnung weglassen. Wieder dasselbe Beispiel:

Originalsatz
Der britische Premierminister Tony **Blair will sich in der kommenden Woche zu seinem erwarteten Rücktritt erklären >.

Wenn du nur eine Passage zitieren möchtest, beispielsweise die zwischen den spitzen Klammern in meinem Beispiel, setzt du einfach dort ein bzw. wieder aus, wo es beliebt. Auslassungen werden in der Regel nur in zusammenhängendem Text durch Punkte markiert. Also:

Zitat
»Blair will sich in der kommenden Woche zu seinem erwarteten Rücktritt erklären«, um …

Natürlich ließe sich mit dieser Regel Schindluder treiben, indem ich etwas am Satzanfang weglasse, um anschließend dem Autor des Originals zu unterstellen, er habe diesem von mir getilgten Aspekt keine Beachtung geschenkt. Allerdings geht diese Regel vom Normalfall aus, in dem es günstiger als ein Klammernfriedhof ist, dem Autor wissenschaftlicher Literatur eine gewisse Redlichkeit im Umgang mit Zitaten zu unterstellen.

Gruß
Christopher**

Hallo Christopher,

danke für die Erklärungen. Nun weiß ich zumindest Bescheid, was ich mit dem Punkt mache. Aber es geht hier gar nicht um Politikerzitate. Das hätte ich vielleicht gleich besser erklären sollen.

Ich schreibe derzeit einen Reisebericht, in dem immer wieder einmal wörtliche Rede vorkommt. Und die besteht ja auch aus ganzen Sätzen. Es entstehen also Sätze dieser Art:

Er fragte uns „Warum seid ihr erst jetzt gekommen?“, was sich sicher auf unsere Verspätung bezog.

Ok, blödes Beispiel, ich geb’s ja zu. Mir ist gerade kein besseres eingefallen. Aber du siehst das Problem? Das große W mitten im Satz stört etwas. Wie gesagt: Es ist kein Politikerzitat, nur wörtliche Rede. Das Fragezeichen kann ich lassen, oder? Und wenn da ein Punkt gewesen wäre, dann würde ich ihn einfach weglassen?

Die ganze Konstruktion umzustellen, wäre natürlich eine Möglichkeit. Aber das möchte ich nicht immer.

Schöne Grüße

Petra

danke für die Erklärungen.

Gerne.

Ich schreibe derzeit einen Reisebericht, in dem immer wieder einmal
wörtliche Rede vorkommt. Und die besteht ja auch aus ganzen Sätzen.

Ah, wir nähern uns dem Kern der Sache. Ich dachte, es gehe um schriftlich fixierte Zitate im (halb)wissenschaftlichen Bereich. Der Tony-Blair-Satz war ohnehin nur ein Beispiel, weil ich mir nichts Unsinniges aus den Fingern saugen wollte.

Er fragte uns „Warum seid ihr erst jetzt gekommen?“, was sich sicher auf unsere Verspätung bezog.

Dieser Fall lässt sich mithilfe der Orthographieregeln klären. Das »Regelwerk zur deutschen Rechtschreibung« leistet dazu einen kostenlosen und hilfreichen Beitrag. Im § 89 steht ein Beispielsatz, dem zufolge deiner so aussehen muss:

Er fragte uns: »Warum seid ihr erst jetzt gekommen?«, was sich sicher auf unsere Verspätung bezog.

Das große W mitten im Satz stört etwas.

Verstehe ich. Der Doppelpunkt verdeutlicht, dass danach ein – wenn auch zitierter – Ganzsatz beginnt und ein Großbuchstabe stehen »darf«.

Das Fragezeichen kann ich lassen, oder?

Du solltest du es sogar lassen. Wieder ein Zitat aus dem oben angeführten »Regelwerk zur deutschen Rechtschreibung«:

§ 91 – Sowohl der angeführte Satz als auch der Begleitsatz behalten ihr Ausrufe- oder Fragezeichen.

Beispiele:
»Kommst du morgen?«, fragte er.
(statt: »Kommst du morgen«, fragte er.)Sag ihm: »Ich habe keine Zeit!«!
(statt: Sag ihm: »Ich habe keine Zeit«!)

Und wenn da ein Punkt gewesen wäre, dann würde ich ihn einfach weglassen?

So ist es. Das Regelwerk sagt dasselbe aus wie mein vorheriges Posting, aber eine verlässliche Quelle kann ja nicht schaden:

§ 92 – Beim angeführten Satz lässt man den Schlusspunkt weg, wenn er am Anfang oder im Innern des Ganzsatzes steht. Beim Begleitsatz lässt man den Schlusspunkt weg, wenn der angeführte Satz oder ein Teil von ihm am Ende des Ganzsatzes steht.

Beispiele:
»Ich komme morgen«, versicherte sie.
(statt: »Ich komme morgen.«, versicherte sie.)»Komm bitte«, sagte er, »morgen pünktlich.«
(statt: »Komm bitte«, sagte er, »morgen pünktlich.«.)

Hilft dir das weiter?

Gruß
Christopher

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Ach so, da muss man einen Doppelpunkt verwenden. Dankeschön! Da hätte ich auch selber drauf kommen können. :wink:

Von was für einem „Regelwerk“ sprichst du? Gibt’s das irgendwo online? Oder meinst du den Duden? … Spätestens seit der Rechtschreibreform fasse ich dieses Machwerk nur noch aus beruflichen Gründen an. Eine Weile habe ich sogar mit dem Gedanken gespielt, besagten Bericht auf Englisch zu schreiben - aber mich dann wieder gegen diese Idee entschieden.

Na, jedenfalls weiß ich jetzt, wie ich meine Zitate schön in den Text einbaue.

Schöne Grüße

Petra