Garten wässern: Zu welcher Tageszeit?

Hallo!

Man hört ja immer wieder, dass man lieber abends den Garten wässern soll. Zum einen, weil die Sonne das Wasser tagsüber unnötig rasch wieder verdunsten würde, zum andern weil „Verbrennungen“ durch die Linsenwirkung der Tropfen entstehen könnten.

Aber: Der Stoffwechsel der Pflanzen stellt sich doch in der Dunkelheit um. Können die nächtliches Wasser überhaupt nutzen?

Was meint Ihr?

Tschuess, Sven.

Servus,

Zum einen, weil die Sonne das Wasser tagsüber
unnötig rasch wieder verdunsten würde,
zum andern weil
„Verbrennungen“ durch die Linsenwirkung der Tropfen entstehen
könnten.

In beiden Fällen ist falsch bewässert worden. (1) Jeder Tropfen auf einem Blatt ist nutzlos verschwendetes Wasser. Bewässert wird so, dass das Wasser in den Boden kommt, wo es gebraucht wird. Wer sich die Mühe mit der Gießkanne nicht machen will, legt im Frühjahr perforierte Perlschläuche und hat einen ganzen Sommer Ruhe.

(2) Wässern heißt nicht „oberflächlich anfeuchten“. Oberflächliches Anfeuchten, dessen Wirkung tatsächlich nach einem Sonnentag wieder vorbei ist, ist sowas wie ein Partyservice für Schnecken. Die Pflanzen brauchen das Wasser aber nicht oben auf dem Boden drauf, sondern im Boden - d.h. in größeren zeitlichen Abständen, dann aber ruhig einige fünf mm Wasser / m² aufwenden.

Aber: Der Stoffwechsel der Pflanzen stellt sich doch in der
Dunkelheit um. Können die nächtliches Wasser überhaupt nutzen?

Pflanzen leben sehr viel langsamer als Menschen, da gibts keine Kippschalter. Sehr viele Pflanzen kommen bei Sonneneinstrahlung viel besser mit Trockenheit klar als nachts. Brauchen tun sie das Wasser sowieso, auch für den nächtlichen Stoffwechsel - Assimilattransport, Wachstum. Aber, siehe oben: Tägliches oberflächliches Wässern bringt den Pflanzen sowieso so gut wie nix.

Mach doch mal den Versuch und schau nach der Bodenfeuchtigkeit in etwa 15-20 cm Tiefe, unter gehacktem Boden. Du wirst überrascht sein, wie feucht der jetzt nach all den trockenen Wochen sogar noch bei Euch in der Reichsstreusandbüchse ist. An diesem Versuch kannst Du sehen: (1) Viel weniger Bewässerung, als man glaubt, ist notwendig - Ausnahme Rasen, aber das ist sowieso eine artifizielle Sache, die man mit dem Rest des Gartens nicht vergleichen kann. (2) Von Natur aus brauchen Pflanzen kein Wasser an der Oberfläche, sondern im Wurzelraum. (3) Jeder Gartenboden hat ein gewisses Wasserhaltevermögen, sogar auf Sand - die Rhythmen sind länger als von Tag zu Tag.

Kurz: Was nicht mit der Kanne geht, geht mit Perlschlauch. Wenns denn unbedingt von oben und über die Blätter sein muss, möglichst früh morgens: Dann ist alles Wasser abgeperlt oder verdunstet, wenn die Sonne hoch steht, und vor allem haben in der folgenden Nacht die Schnecken nichts mehr davon.

Schöne Grüße

MM

Differenzierte u. schlüssige Antwort. Danke!! owT
.

Servus,

dass ich Coswig in die Reichsstreusandbüchse verlegt habe, ist allerdings unverzeihlich; war eine dumme Verwechslung mit der falschen Eselsbrücke…

Schöne Grüße

MM