Hallo,
ich weiß nicht, wie ich es sagen soll. Einerseits verstehe ich die Wut über die Reaktionen aus der Nachbarschaft nur zu gut, finde das teilweise an den Tag gelegte Verhalten auch ganz übel, … aber andererseits denke ich auch, dass man sich vorher überlegen muss, dass man mit einem Garten eine gewisse Verantwortung eingeht, und insoweit einige „Mindeststandards“ auch von der Nachbarschaft erwartet werden dürfen. Ich bin jetzt ganz sicher auch nicht die Kleingärtnerseele, die mit der Nagelschere durch den Garten läuft, und sich über jedes Unkraut in Nachbars Garten beschweren würde (davon habe ich im eigen Garten selbst genug), aber schon bei deinem ersten Posting dachte ich mir, dass da jemand sich etwas aufgeladen hat, von dem er gar nicht weiß, wie er damit umgehen soll, und was es bedeutet, die entsprechende Verantwortung zu tragen.
Wenn man wirklich 0,0 Lust und Zeit hat, über Wochen und Monate hinweg wenigstens auch nur die absoluten Minimaldinge im Garten zu tun, und auch den Wert dieser Arbeit für sich selbst nicht schätzt (sieht gut aus, man kann sich zum Sonnen reinlegen, den Grill anschmeißen, sich an den Blumen freuen), dann sollte man besser ein Objekt ohne Garten bewohnen. Das ist jetzt gar nicht böse gemeint, sondern ist einfach nur eine ganz sachliche Geschichte.
Als Du z.B. in deinem ersten Posting geschrieben hast, dass Du bislang dieses Jahr noch nicht einmal den Rasen gemäht hast, da hatte ich als durchaus beruflich auch angespannter Freiberufler und mit schwerem Krankheits- und Todesfall in der Familie doch wenigstens schon zweimal den Mäher angeschmissen, einfach weil es einem sonst über den Kopf wächst, und es nichts nützt, davor die Augen zu verschließen. Die braven Nachbarn mit viel Zeit und ordentlichen Rasenflchen machen das jede Woche, ich muss es eben wenigstens alle zwei bis drei Wochen mal unterkriegen meine Pferdewiesen unter Kontrolle zu halten. Und angesichts von momentan zu bearbeitenden 3500m² brauchen wir über klassisches Unkrautzupfen bei uns auch nicht zu reden, aber wenigstens zweimal im Jahr schwinge ich dann doch die Motorsense, um die Sache abseits der im direkten eigene Blick stehenden Zierbeete nicht vollkommen verkommen zu lassen. Auch mindestens ein Schnitt der Sträucher und Bäume im Jahr (besser zwei) muss einfach sein, ob ich dann dafür gerade eigentlich keine Zeit habe, nach einer anstrengenden Woche mir schöneres als einen ganzen Samstag im Garten vorstellen kann, hin oder her. Es erledigt sich eben nicht durch Zeitablauf selbst.
Das hat also alles weniger damit zu tun, dass ich mir das Gerede der Nachbarn ersparen will, sondern damit, dass es einfach Arbeiten sind, die erledigt werden müssen, weil einem die Sache sonst ganz schnell vollkommen aus dem Ruder läuft, und zumindest ich selbst mich dann auch nicht mehr im eigenen Haus und Garten wohl fühlen würde. Wenn ich einen Garten habe, dann ist dessen (zumindest Grund-) Pflege einfach ein Teil der täglich zu erledigenden Haushaltsdinge wie Wäschewaschen und Geschirrspülen.
Dafür kann man dann aber eben auch viel Spaß und Freude mit einem eigenen Garten haben, die diesen Aufwand locker aufwiegen, und ich kann 1000 mal beim letzten Mähen wieder die Weiten unseres Anwesens verflucht haben, wenn ich dann am Abend mit einem lecker Weinchen am Teich sitze, ist das alles wieder vergessen. Diese Begeisterung ist aber einfach nicht jedem gegeben, und das ist auch nicht schlimm. Nur sollte man dann auch die nötigen Konsequenzen ziehen, bzw. sich vorher rechtzeitig überlegen, ob man der richtige Typ für ein Objekt mit Garten ist.
Natürlich wird es auch immer Nachbarn geben, denen man es nie wird rechtmachen können, aber ich kann mir auch vorstellen, dass jemand den Hass auf sich zieht, der vom ersten Tag an ein Grundstück vollkommen sich selbst überlässt und über Wochen und Monate keinerlei Anstalten macht, auch nur die Basics mal zu erledigen. Zwischen dem täglichen Gang mit der Nagelschere und kniehohem Graß ist eben ein weites Feld durchaus angemessener und vom Aufwand her akzeptabler Gartenpflege. Ich selbst liege da sicher auch eher in Richtung „kniehoch“, denn in Richtung Nagelschere, bin aber bei meinen Nachbarn trotzdem akzeptiert, weil die wissen, was ich sonst noch so um die Ohren habe, und mir trotzdem zumindest Mühe gebe, und wenigstens dafür sorge, dass es nicht ganz nach Urwald aussieht, und auf den würde ich umgekehrt bei den Nachbarn auch nicht schauen wollen.
Gruß vom Wiz