Gas- und/oder Strom importieren

Hallo,

Da die Gewinne im Strom- und Gasbereich (m.E. aufgrund des Oligopols) nicht zu den geringsten gehoeren frage ich mich ob es theoretisch moeglich waere selbst Strom/Gas in Deutschland zu verkaufen. Entweder selbst produziert (Strom) oder aus dem Ausland gekauft.

Es gibt schon Ansaetze dazu (siehe Video: „Energie: Das Kartell 1 Im Griff der Energiekonzerne“ bei http://www.youtube.com/watch?v=paYjEWUlJ2Y) aber wie sieht es mit den Kosten fuer Weiterleitung… aus dem Ausland aus? Da den bisherigen Energielieferanten die Infrastruktur gehoert koennen sie dafuer ueberteuerte Preise verlangen - oder?

Waere es in diesem Fall nicht langfristig sinnvoll selbst Infrastruktur aufzubauen um einige Stadte zu versorgen?

Was koennte einem Energieimport (und Verkauf) noch im Wege stehen?

Gruss

Desperado

Hallo,

Da die Gewinne im Strom- und Gasbereich (m.E. aufgrund des
Oligopols) nicht zu den geringsten gehoeren frage ich mich ob
es theoretisch moeglich waere selbst Strom/Gas in Deutschland
zu verkaufen. Entweder selbst produziert (Strom) oder aus dem
Ausland gekauft.

Das Produzieren oder Importieren sollte kein Problem sein. Sowas in der Art soll es auch geben, kann aber nicht mit Erfahrungen dienen: http://www.energiegenossenschaft.de/

aber wie sieht es mit den Kosten fuer Weiterleitung… aus dem Ausland aus? Da den bisherigen Energielieferanten die Infrastruktur gehoert koennen sie dafuer ueberteuerte Preise verlangen - oder?

Das ist in der Tat der Point of Knack.

Waere es in diesem Fall nicht langfristig sinnvoll selbst
Infrastruktur aufzubauen um einige Stadte zu versorgen?

Nö, bei solchen Netzen handelt es sich wohl um klassische natürliche Monopole. Stell Dir mal vor überall würden statt einer Leitung nun zwei Leitungen lang laufen. Da dadurch ja der Markt nicht verdoppelt wird, verdoppeln sich nur die Preise. Und es wird jetzt schon jedesmal ein Riesenfass aufgemacht, wenn mal irgendwo nur eine neue Trasse langezogen werden soll.

Was koennte einem Energieimport (und Verkauf) noch im Wege stehen?

Möglicherweise haben die Russen kein Interesse ihren Abnehmern einen zusätzlichen Konkurrenten auf den Hals zu hetzen.
Vielleicht bekommt man aus Frankreich, Tschechien oder sonstwo her nur ganz bösen Atom- oder Kohlestrom und Umweltaktivisten scheiden deine Leitungen durch.
Die Großen könnten mal kurz die Preise senken, so dass man über kurz oder lang seine riesigen Investitionen nicht wieder reinbekommt.

Grüße

Hallo ElBuffo,

Nö, bei solchen Netzen handelt es sich wohl um klassische
natürliche Monopole. Stell Dir mal vor überall würden statt
einer Leitung nun zwei Leitungen lang laufen. Da dadurch ja
der Markt nicht verdoppelt wird, verdoppeln sich nur die
Preise.

Das sehe ich nicht so: Bei den hohen Gewinnmargen der bisherigen Anbieter wuerde sich die Schaffung doppelter Infrastruktur rasch amortisieren - vor allem wenn man sich auf gewinntraechtige Dinge konzentriert wie z.B. nur Stromleitungen in die Industriegebiete der Ballungszentren. Die Nutzungsentgelte fuer die Benutzung der Infrastruktur sind, wie ich inzwischen herausgefunden habe, zwar fest aber immer noch sehr hoch (rund 1/4 des Strompreises, siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Netznutzungsentgelt).

Vielleicht bekommt man aus Frankreich, Tschechien oder sonstwo
her nur ganz bösen Atom- oder Kohlestrom und Umweltaktivisten
scheiden deine Leitungen durch.

Ach, wenn sogar die Gruenen den Bau neuer Kohlekraftwerke zustimmen duerfte der Protest ausbleiben - vor allem wenn man als neuer Anbieter den bisherigen Feuer unterm Hintern macht.

Die Großen könnten mal kurz die Preise senken, so dass man
über kurz oder lang seine riesigen Investitionen nicht wieder
reinbekommt.

Kommt auf die Finanzstaerke des Investors an, aber das koennte wirklich ein Problem werden auf das man sich einstellen muss.

Gruss

Desperado

Hallo ElBuffo,

Nö, bei solchen Netzen handelt es sich wohl um klassische
natürliche Monopole.

Das sehe ich nicht so.

Also wir könnten uns zumindest darauf einigen, dass zwei gleiche und parall verlaufende Netze doppelt soviel Herstellungs- und Betriebsaufwand verursachen wie eins.

Bei den hohen Gewinnmargen der bisherigen Anbieter wuerde sich die Schaffung doppelter Infrastruktur rasch amortisieren

Hast dafür Zahlen? Ich würde jetzt mal zumindest rein matehmatisch gesehen behaupten, dass dafür die Gewinnmarge bei den Netzentgelten mindestens 50% betragen müßte.
Das mag auf jene bereits längst abgeschriebenen bestehenden Netze zutreffen. Für neue gilt das sicher erstmal nicht.

  • vor allem wenn man sich auf gewinntraechtige Dinge konzentriert wie z.B. nur Stromleitungen in die Industriegebiete der Ballungszentren.

Die Nutzungsentgelte fuer die Benutzung der Infrastruktur sind, wie ich inzwischen herausgefunden habe, zwar fest aber immer noch sehr hoch (rund 1/4 des Strompreises, siehe
http://de.wikipedia.org/wiki/Netznutzungsentgelt).

Also Wikipedia halte ich nicht für eine zitierfähige Quelle. Aber selbst wenn man das mal beiseite läßt, dann gilt diese Aussage eben nur für die Privathaushalte. Du möchtest Dich aber auf die Industriegebiete der Ballungszentren konzentrieren. Da wird es ein bißchen inkonsistent. Also sollte man rausbekommen, wie hoch der Anteil bei Industriekunden ist. Aber selbst das sagt noch nichts zur Gewinnmarge bei den Netzentgelten. Denn ein Viertel Anteil an den Stromkosten bedeutet nicht, dass dort 25% Gewinn gemacht würden. Wenn man noch den Anteil, denn der Stadt abgreift und die Herstellungskosten abzieht, kommt man langsam in die Richtung, was als Gewinn übrig bleiben könnte.

Vielleicht bekommt man aus Frankreich, Tschechien oder sonstwo
her nur ganz bösen Atom- oder Kohlestrom und Umweltaktivisten
scheiden deine Leitungen durch.

Ach, wenn sogar die Gruenen den Bau neuer Kohlekraftwerke
zustimmen duerfte der Protest ausbleiben - vor allem wenn man
als neuer Anbieter den bisherigen Feuer unterm Hintern macht.

Oh, da hast du wohl in der letzten Zeit etwas verpasst. Die Grünen sind gegen alles und protestieren da auch rum.

Die Großen könnten mal kurz die Preise senken, so dass man
über kurz oder lang seine riesigen Investitionen nicht wieder
reinbekommt.

Kommt auf die Finanzstaerke des Investors an, aber das koennte
wirklich ein Problem werden auf das man sich einstellen muss.

Ja. Die Großen schätzen diese Gefahr aufgrund der Subadditivität der Kosten wohl als äußerst gering ein. Es ist einfach unwirtschaftlich ein zweites Netz aufzubauen, wenn sich nicht auch die absetzbare Kapazität zumindest über die des ersten erhöht.
Das Thema zweites Netz muss wohl begraben werden.

Grüße