Gastroenterologie

Liebe/-r Experte/-in,
heute sollte eine Magenspiegelung bei mir gemacht werden. Ich bekam eine Narkose und hinterher sagte mir der Arzt, die Spiegelung sei nicht möglich gewesen. Ich hätte mir den Schlauch herausgezogen und um mich geschlagen. War erst mal total perplex. Hatte schon einige Spiegelungen und so etwas ist noch nie passiert - ich war allerdings früher bei anderen Ärzten u. nur einmal davor zur Spiegelung bei diesem Arzt - Kontrolluntersuchungen finden bei mir alle zwei Jahre statt, wegen Refluxkrankheit. Kann das denn sein? Ich dachte immer bei einer Narkose schläft man tief und fest, was ich ja auch getan habe (bin erst über 2 Stunden nach der Narkose aufgewacht). Ich erinnere mich aber, dass ich mich bevor die Spritze gewirkt hat, darüber gewundert habe, dass ich kein Mundstück bekommen habe. Bei den anderen Spiegelungen musste ich immer auf solch einen Plastikring mit einer Öffnung beißen, in die dann das Endoskop geschoben wird. Kann es sein, dass der Arzt dies schlichtweg vergessen hat und deshalb die Spiegelung nicht durchführen konnte? Wäre Euch für Antworten wirklich dankbar, weil ich die ganze Geschichte ein bisschen komisch finde.
Gruß
Sandra

Hallo Sandra.
Natürlich kann man nicht pauschal sagen, ob das möglich ist oder nicht. Das Merkwürdigste ist allerdings, dass Du kein Mundstück bekommen hast. Das braucht man nämlich hauptsächlich damit Du nicht das Endoskop zerbeißen kannst. Also hat der Arzt ein großes Interesse daran, dass er Dir ein Mundstück gibt, vergessen hat er es ganz sicher nicht. Außerdem; Narkose 2 Stunden deutet darauf hin, dass dieser Arzt noch kein Propofol (heute geläufiges Narkosemittel) benutzt. Die Aussage, es wäre nicht möglich gewesen die Untersuchung zu machen, deutet auf wenig Erfahrung (zumindest wenig Personal) hin. Ich kenne sehr viele Endoskopiker in Krankenhäusern in ganz Deutschland und habe davon eigentlich nie gehört, dass eine Magenspiegelung nicht möglich war. Es ist von allen endoskopischen Untersuchungen die Einfachste. Ich würde den Arzt wechseln und, wenn möglich in ein Krankenhaus gehen. Die arbeiten dort meistens mit Propofol. Musst Dich nur halt erkundigen, auch ob sie dort im KH auch ambulante Patienten spiegeln.
Gruß, Arno

Liebe Sandra,

die meisten Magenspiegelungen werden heute mit dem Wirkstoff Propofol durchgeführt, der wegen seiner guten Dosierbarkeit und geringem Nachhang, sowie minimaler Risiken geschätzt wird.
Sehr selten kommt es vor, dass Patienten außergewöhnlich hohe Mengen benötigen, z.B. wenn wegen Einnahme anderer Medikamente oder z.B. Alkohol die Abbauwege des Körpers in der Leber sehr „trainiert“ sind, oder auch einfach aus Veranlagung. Es gibt dann sogar Patienten, die auf die Sedierung „paradox“ reagieren, d.h. extrem unruhig reagieren.

Zumeist gelingt es dann aber, durch höhere Dosierung oder zusätzliche Gabe eines anderen Wirkstoffes vernünftige Untersuchungsbedingungen zu erreichen.
In unserer Klinik mit ca. 6000 Gastroskopien jährlich ist es mir daher praktisch gar nicht erinnerlich, dass wir eine Untersuchung wegen Unruhe gar nicht durchführen konnten.
Dazu ist aber zu sagen, dass wir aufgrund des sicheren Umfeldes einer Klinik sicherlich mutiger mit Sedierungsmitteln umgehen können, als ein niedergelassener Gastroenterologe, dem Überwachungs- und Notfallmöglichkeiten fehlen.

Insofern will ich den Kollegen durchaus „verteidigen“, denn es gehört zu einem guten Arzt, auch einmal Grenzen zu respektieren, die den Patienten gefährden würden. Sicherlich war es für ihn sehr unerfreulich, sich für die unverrichteten Dinge rechtfertigen zu müssen - schließlich hängt sein Ruf und Erwerb ja vom guten Service ab.

Mundstück: Tatsächlich kann es kniffelig sein, das notwendige Mundstück einzusetzen, wenn man die frühe Einschlafphase verpasst hat. Manche Patienten kneifen dann sehr vehement im Schlaf die Zähne zusammen. Aber dass der Zugang zum Mund dann gar nicht mehr zu gewinnen war, ist mir noch nicht untergekommen.

Alles in allem ist es sicher das Wichtigste, dass Du das Vertrauen in die Untersuchung allgemein nicht verlierst. Ich hoffe der Kollege hat Dir einen alternativen Weg aufgezeigt, wie die Untersuchung problemlos durchführbar wäre.

Schöne Grüße,

Holger

Hallo Sandra, ich wuerde aus dem Geschilderten keinesfalls einen Fehlet des Arztes schlussfolgern. Auch bei mir konnte neulich eine spiegelung nicht durchgefuehrt werden weil ich mit dem Medizinerteam „gekaempft“ habe, wie man mir sagte. und mit Gewalt macht es keinen Sinn. Dazu muss man wissen, das unter Propofol die Reflexe nicht ausgeschaltet werden , atmen und schlucken, und das Unterbewusstsein aktiv bleibt. Es ist ein Hypnotikum, das eigentlich willenlos machen soll damit der Patient in der Lage ist, den Schlauch zu schlucken. Mein Unterbewusstsein war trotz Propofol nicht willens, mir einen Schlauch in den Hals stecken zu lassen. Da kann der Arzt nichts fuer. Ich hatte in der Nacht zuvor getraeumt, dass es nicht zu der Untersuchung kommt und hatte viel Angst. Bespreche mit deinem Arzt, welche Alternativen Diagnosemethoden er dir empfiehlt. Gruss, D.