Gastronomie

Hallo Leute,
ich hab zwar schon ein paar Experten angesprochen, glaube aber, dass ich hier im Forum noch eine breitere Masse an Meinungen einholen kann.
Hier meine Gedanken :wink: :

Ich bin eine 23 Jahre junge Frau, die etliche Jahre in der
Gastronomie gearbeitet hat, und schon aus einer Gastronomiefamilie
stammt. Ich bin somit damit aufgewachsen. Nun jetzt habe ich vor
einigen WOchen ein Pachtangebot in der Zeitung gelesen. Es handelt
sich um eine ehemalige Bar, die letztes Jahr von einem zweiten
Pächter in ein Restaurant umgewandelt wurde. Der Name, das Konzept
und auch die Pächter waren jetzt ein Jahr lang neu, und leider nicht
erfolgreich. Dabei lief das alte konzept super. Der ursprüngliche
Pächter musste jedoch aus privaten Gründen wegziehen.
Lange Rede kurzer Sinn: Ich überlege jetzt diese Location wieder zu
der alten Bar, natürlich neu Aufgemacht zu übernehmen.
Problem: Es sollen 10.000 eur Abstand (soweit ich ersehen kann,
anhand der Inventarliste auch berechtigt) , plus zwei Jahre lang 700
eur im Monat an die alten Pächter, 25.000 eur Kaution, 4.000,- eur
Pacht (220qm NFL) 60 Plätze innen und ca. 150 aussen und 800 eur
Nebenkosten. Alles in allem klingt das ziemlich viel. Noch dazu
müssten die Bäder neu gemacht werden, und neues Personal müsste
gefunden werden. Das alles steht zum 01.05 zur Pacht.
Ich bin zwar kein 100% Profi auf dieser Schiene, dennoch würde ich
mir dieses Geschäft durchaus zutrauen.
Was sagt ihr dazu? Glaubt ihr das könnte rentabel sein?

Und noch was, der Pachtvertrag ist auf 5 Jahre vorgesehen. Ist das
üblich? Wie sieht es da mit einer Rücktrittsklausel aus?
Ausserdem habe ich überlegt mich an eine grosse Brauerei zu binden,
ist das zu empfehlen, der Kredit ist dann zumindest Zinsfrei, und man
kann sich ja auf eine geringe Abnahmemenge einigen, oder?

Was ist mit dem ehemaligen Namen? Ich würde gerne den Namen auch
wieder übernehmen, weil er schon bekannt ist in der Stadt. Aber in
der NG hab ich jetzt gelesen, dass ich dann eventuell Altschulden mit
übernehmen würde, stimmt das?

Ich weiss es sind jetzt ne Menge Fragen, aber ich versuche so viele
Meinungen und Wissen anzuhören wie es geht. Immerhin geht es hier um
eine gravierende Entscheidung.
Ich danke euch deshalb schon im Voraus für eure Mühen und Zeit.

Viele Grüße Jelena

Hallo Jelena,

Das alles steht zum 01.05 zur Pacht.

Da heisst es aber Gas geben !
Ich bin zwar kein 100% Profi auf dieser Schiene, dennoch würde
ich
mir dieses Geschäft durchaus zutrauen.

In welcher Art Gastronomie hast Du vorher gearbeitet ? Ähnliches Publikum / Genre ?

Was sagt ihr dazu? Glaubt ihr das könnte rentabel sein?

  1. Business Plan einschl. Ertrags- und Liquiditätsvorausschau erstellen, ist auch absolute Basis für die Bankverhandlung.
  2. Investitionsplan aufstellen, dabei auch die eigenen Lebenshaltungskosten und Fixkosten der Firma für ca. 6 Monate dazuzählen, da Du wohl kaum vom ersten Moment an volles Haus hast.
  3. Eine Bar fällt und steht mit dem Umsatz, daher Breakeven-Point berechnen (wie viele Leute müssen kommen / wieviel Umsatz muß ich machen, damit es gerade noch aufgeht, ist dieser Betrag realistisch ?)
  4. Steuerberater suchen, insbesondere für Buchhaltung und Personalbuchhaltung sowie Bestätigung Plausibilität des Business Plans
  5. für Business Plan zusätzlich noch einen Existenzgründungsberater (z.B. in einem Existenzgründerzentrum, wird staatlich gefördert) hinzuziehen.
  6. Bankverhandlungen führen (hast Du mindestens 20% der benötigten Summe als Eigenkapital ?)
  7. Personal einstellen (hast Du Erfahrung im Umgang mit Personal ? Hast Du schon Mitarbeitergespräche geführt ? Hast Du schonmal einen Personaleinsatzplan gemacht ? Wie stellst Du sicher, dass Du nicht über’s Ohr gehauen wirst ?)

Und noch was, der Pachtvertrag ist auf 5 Jahre vorgesehen. Ist
das
üblich? Wie sieht es da mit einer Rücktrittsklausel aus?

Das ist in vielen Branchen üblich, wie’s in der Gastronomie aussieht weiss ich nicht. Ausstiegsklausel: wenn Du Pleite bist und der Vermieter kein Geld mehr sieht. Ansonsten bleibt Dir nur eine Untervermietung (sind das die 700€ mtl. für 2 Jahre an den alten Pächter ?)

Ausserdem habe ich überlegt mich an eine grosse Brauerei zu
binden,
ist das zu empfehlen, der Kredit ist dann zumindest Zinsfrei,
und man
kann sich ja auf eine geringe Abnahmemenge einigen, oder?

Vorteile:

  • Brauerei kann Eigenkapital stellen für Bankkredit oder eigenen Kredit vergeben
  • Brauerei kann bei der Organisation / dem Start helfen

Nachteile:

  • geringe Marge durch Preisbindung
  • verpflichtende Abnahmemenge
  • Getränkesortiment vorgegeben (inwieweit kannst Du dann noch auf Szene-Moden reagieren ?)

Was ist mit dem ehemaligen Namen? Ich würde gerne den Namen
auch
wieder übernehmen, weil er schon bekannt ist in der Stadt.

Wenn der Name dann frei ist, könntest Du ihn übernehmen. Evtl. auch nur als „Bar xy, Inhaberin Jelena Arandjelovic“

Aber in
der NG hab ich jetzt gelesen, dass ich dann eventuell
Altschulden mit
übernehmen würde, stimmt das?

Wenn Du die Firma des Vorgängers übernimmst, ja. Wenn Du eine eigene Firma gründest und Dir dann vom Vorgänger Inventar und Namensrecht geben lässt (sofern überhaupt geschützt), nein.

Ich weiss es sind jetzt ne Menge Fragen, aber ich versuche so
viele
Meinungen und Wissen anzuhören wie es geht. Immerhin geht es
hier um
eine gravierende Entscheidung.

Finde ich gut, dass Du Dich intensiv vorbereiten willst. Da es hier um Beträge im eindeutig 6-stelligen Bereich (sowohl Investition als auch Umsatz und Bilanzsumme) geht, rate ich Dir dringend, Dich an einen professionellen Existenzgründungsberater / Existenzgründungszentrum zu wenden. Dazu gibt es staatliche Förderprogramme.

Grüsse

Sven

Hi!

Nur ein paar Gedanken von mir dazu. Habe auch ein paar Jahre in der Branche mitgemacht.

Lange Rede kurzer Sinn: Ich überlege jetzt diese Location
wieder zu
der alten Bar, natürlich neu Aufgemacht zu übernehmen.
Problem: Es sollen 10.000 eur Abstand (soweit ich ersehen
kann,
anhand der Inventarliste auch berechtigt) ,

Das ist o.k.

plus zwei Jahre
lang 700
eur im Monat an die alten Pächter,

Was soll das? Würde ich ablehnen. Dein Ansprechpartner ist der Verpächter. Die alten Pächter können abstand verlangen oder sich ihren Kram ausbauen und fertig.

25.000 eur Kaution,

Das ist evtl. verhandelbar.

4.000,-
eur
Pacht (220qm NFL)

Ist es sehr wahrscheinlich, dass der Verpächter schnell wieder einen Interessenten findet?
Falls nicht, ist die Pacht evtl. auch verhandelbar.

60 Plätze innen und ca. 150 aussen und 800
eur
Nebenkosten.

Sind die Nebenkosten durch alte Rechnungen belegbar? Hier benötigst Du auf alle Fälle eine realitische Kalkulationsgrundlage.

Alles in allem klingt das ziemlich viel. Noch
dazu
müssten die Bäder neu gemacht werden,

Verhandlungssache mit dem Verpächter. Würde ich nicht selbst machen.

und neues Personal
müsste
gefunden werden.

Das Thema sollte Dir nach der Beschreibung Deiner Branchenerfahrung geläufig sein. Fühlst Du Dich hier unsicher, hake die Sache gleich ab. In Bars arbeiten ja meistens junge Aushilfen, die man einfach im Griff haben sollte.

Das alles steht zum 01.05 zur Pacht.
Ich bin zwar kein 100% Profi auf dieser Schiene, dennoch würde
ich
mir dieses Geschäft durchaus zutrauen.
Was sagt ihr dazu? Glaubt ihr das könnte rentabel sein?

Das kommt auf die zu erwartende Besucherfrequenz an. Mach einen Business-Plan, wie mein Vorposter ihn beschrieben hat.

Und noch was, der Pachtvertrag ist auf 5 Jahre vorgesehen. Ist
das
üblich? Wie sieht es da mit einer Rücktrittsklausel aus?

Das ist verhandlungssache.
5 Jahre sind realistisch.
25 Jahre würde ich nicht unbedingt mitmachen…

Ausserdem habe ich überlegt mich an eine grosse Brauerei zu
binden,
ist das zu empfehlen, der Kredit ist dann zumindest Zinsfrei,
und man
kann sich ja auf eine geringe Abnahmemenge einigen, oder?

Brauereibindungen sind für die meisten Kleingastronomen eine lästige Pflicht. Freue Dich doch, wenn die Bar frei davon ist. So kannst Du frei verhandeln und bis zu 50% sparen.

Was ist mit dem ehemaligen Namen? Ich würde gerne den Namen
auch
wieder übernehmen, weil er schon bekannt ist in der Stadt.
Aber in
der NG hab ich jetzt gelesen, dass ich dann eventuell
Altschulden mit
übernehmen würde, stimmt das?

s. Vorposting. Nehmen wir an, der Name der BAr war „XY“. Warum nennst Du sie nicht „New XY“?

Ich weiss es sind jetzt ne Menge Fragen, aber ich versuche so
viele
Meinungen und Wissen anzuhören wie es geht. Immerhin geht es
hier um
eine gravierende Entscheidung.

Stimmt.

Ich danke euch deshalb schon im Voraus für eure Mühen und
Zeit.

Gerne. Wenn der Laden eröffnet ist, komme ich auf 2-9 Bier vorbei…

Grüße,

Mathias

Vielen Dank für eure schnellen Antworten und lg!
An Happy Eastern!!!

Hi Jelena,

die beiträger meiner vorposter würd ich mir auf jeden fall zu herzen nehmen!

du solltest dir auf jeden fall unterstützung von deiner familie holen. wenn die aus dem gastro-gewerbe kommen auf jeden fall sinnvoll (gewerbe, personal, etc…).

mir würden noch folgende fragen einfallen:
wohin ist das publikum der ehemaligen bar ausgewichen?
gibt es in der nähe alternativen die sich inzwischen vielleicht sogar etabliert haben haben?
wieviel einwohner im einzugsgebiet?

grüße

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