da ist mir doch etwas passiert, das ich nicht für möglich
gehalten habe:
War mir eigentlich seit vielen Jahren sicher, daß ich in einem
Haus modernster Bauart leben will, wenn`s dann Zeit wird für
einen Bau. Also transparent, leicht, mit Stahl, Beton, große
Glasflächen, große Räume etc. Und der geplante Architekt sollte
Schaudt aus Konstanz sein.
Und da bekomme ich nach langer Zeit wieder erstklassige
Bildbände über GAUDI und HUNDERTWASSER in die Finger. ich fange
an zu überlegen, ob man wirklich mental nicht in einem solchen
amorphen Bau besser aufgehoben ist - auch für längere Zeit?
Normalerweise bin ich nicht wechselhaft in meinen Ansichten -
eher im Gegenteil - zumal ich beruflich als Produktdesigner für
hochwertige Güter auch der rationalen, modernen Richtung
angehöre und langlebige, reduzierte Formensprache anwende.
Doch beeindruckt hat mich bei Gaudi und Hundertwasser eben genau
der Detailreichtum, den ich sonst weglassen wollte. Es ist doch
schön, wenn das Auge bzw. alle Sinne immer wieder neue Details
wahrnehmen.
Man könnte aus dieser Sicht die rationale Architektur als
„Gestaltarmut“ bezeichnen! Recht provokant!
Es muß nicht so eine Festung wie das Vicens-Haus sein, auch
nicht streng dem Dogma „gerade Linien sind gottlos“ folgen,
doch die Türme des Guell-palastes oder die Säulen der Santa
Barbara-Kirche, oder die graphischen Flächen des Fernwärmewerks
Spittelau haben schon `was emotionales. Nur größere Glasfenster
würde ich mir wünschen.
Gibt es eigentlich einen zeitgenössischen Architekten, der so
arbeitet?
Wer denkt ähnlich oder auch gegensätzlich?
wenn ich mir aussuchen könnte, mein Haus von Gaudi planen zu lassen, wäre ich sofort dabei. Die Moderne hin oder her, Gaudi war genial. Bei den Hundertwasser-Projekten würde ich mir das schon überlegen. Die Qualität der Bauten ist doch häufig nur mittelmäßig. Da muß man schon den Geschmack haben. Ein paar schiefe Stufen und ein bißchen lila ums Fenster herum, ich find’s fürchterlich. Von krummen Linien kann einem auch schlecht werden. Die Berliner stehen ja auf Baller. Der baut auch schnörkelich schief und krumm, seine Häuser sind in der ganzen Stadt verteilt. Unter Architekten heute hat er deswegen natürlich nen miesen Ruf, er hält auch nicht soviel von Kostenplänen und meistens tropfts bei ihm rein. Aber schlecht sind die Sachen eigentlich nicht. Schaus Dir mal an!
zu Hundertwasser leider nichts positives sagen, aber das wäre sowieso keine Antwort auf Deine Frage … nur bitte, reih´ dich nicht bei denen ein, die behaupten, er hätte „das Gründach erfunden“ … das (!) tut nämlich wirklich weh.
Vielleicht ist aber die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift „Baumeister“ interessant - das Thema ist nämlich Expressionismus - ideal also, um ein bisschen zu theoretisieren und ein paar zeitgenössische Beispiele zu sehen …
zum hundertwasser-fan bin ich nicht geworden, dazu hat er schon
zuviel Senf von sich gegeben!
ein paar details von ihm sind pfiffig, und für mein rationales
hirn ganz gut.
Wie z.B. Fliesenbruch. Das hatte für mich immer was von
„billig“, Notlösung, Basteln etc. - wahrscheinlich weil man es
nur auf ebenen Flächen sieht. Habe vielleicht auch nur schlechte
Beispiele gesehen.
Aber auf den verformten Flächen wird das wieder richtig. Und
wenn`s farblich abgestimmt ist, ist das ein nettes, zusätzliches
feature.
Vielen Dank für den Tip „Baumeister“ - werde ich mir besorgen!
ja, ein Gaudi-Haus könnte mir auch gefallen - braucht man da
wahrscheinlich die südliche Sonne dazu, um das richtig zu
genießen? Oder daß die Farben richtig kommen?
Wenn ich mir das bei dem momentanen Sch…wetter vorstelle, find
ich eine Höhle passender, aus der man möglichst wenig hinaus
sieht!
Mit der Qualität haben alle „Außenseiter“ zu kämpfen, das liegt
aber wohl nicht an der Architektur bzw. dem Entwurf selbst,
sondern an der mangelnden Praxis der Ausführenden mit
Nicht-DIN-Teilen-oder?
schiefe Stufen oder den unebenen Fußboden is auch nicht mein
Ding, is auch zu gefährlich - so doof das auch klingt. Obwohl-
meinem Jüngsten würde das gefallen: Mit dem Bobbycar ducrh die
Bude düsen wie in einer Achterbahn!
Über Baller hab ich nur ein-zwei Beispiele gefunden, muß mal
längere www-Sitzung einlegen, oder weißt du gerade eine site?
Ich schaue auch mal in einer guten Bücherei danach.
hallo leute,
als wienerin, die auch im restlichen österreich viel herumkommt, sehe ich tagtäglich hundertwasser-architektur, z.b. das fernheizwerk spittelau - einfach schrecklich!
finde das so gar nicht emotional, sondern eigentlich nur verlogen.
das wohnhaus und das kunsthaus liegen völlig zurecht in der nähe des wiener praters,…ich mag ehrlichen kitsch, der nicht vorgibt, etwas anderes, z.b. kunst zu sein.
hundertwassers großes pech ist, dass gaudi vor ihm geboren ist, sein glück, dass das viele nicht wissen und spanien weit weg ist. wien und österreich hat diese bauten leider verdient!
zum glück haben wir auch wirklich tolle architekten im land.
übrigens sind seine unebenen böden völlig unpraktisch, der meister selbst ist in seinem café einmal mit dem sessel umgekippt und unsanft gelandet.
ich besuche das kunsthaus gelegentlich wegen interessanter sonderausstellungen, ich kann diese räume, wenn ich mich einige stunden darin aufhalte, dann längere zeit nicht mehr sehen.
am besten mal ausprobieren, österreich ist voll davon!
andrea
Hi Andrea,
war in Wien über Pfingsten (frau ist auch Wienerin) und hab`mir
das Kunsthaus und die Hundertwasser-ausstellung gegönnt. Also
ich fand das wirklich gut! Und meine 12-jährige war erst
begeistert!
Aber sehe das weniger als direkte Umgebung für uns, sondern eher
als Bereicherung der Architekturlandschaft - denn orginell ist
das wirklich!
Und das Fernwärmewerk Spittelau finde ich hundert -mal
besser als einen kahlen Industriebau mit Trapezblechen in Ral
7045 o.ä… Spittelau, da guckt man doch hin, und reagiert
emotional, oder? Und damit ist doch das Ziel erreicht?
Grüße von peter,
dem-hundertwasser-gefällt-und-trotzdem-modern-baut
war in Wien über Pfingsten (frau ist auch Wienerin) und
hab`mir
das Kunsthaus und die Hundertwasser-ausstellung gegönnt. Also
ich fand das wirklich gut!
sehe das weniger als direkte Umgebung für uns, sondern
Und das Fernwärmewerk Spittelau finde ich hundert -mal
besser als einen kahlen Industriebau mit Trapezblechen in Ral
hallo peter, freut mich, dass es euch gefallen hat…beim kurzbesuch würde ich es vieleicht auch originell finden.
das fernheizwerk sehe ich täglich und wünsche mir, es wäre ein ehrlicher, kahler industriebau. habe mich nach vielen jahren nicht daran gewöhnt.
liebe grüße
andrea