GEbärdensprache

Weiß jemanden, ob Taubstumme, wenn sie mit sich selbst sprechen, jetzt nicht im Sinne einer leichten VErwirrung , sondern , so wie es jeder mal im Alltag tut- ob sie tatsächlich Gebärden benutzen oder ob sie einfach nur zu sich denken, vielleicht dabei das GEsicht verziehen. Eben wie das Taubstumme in ihrer Sprache handhaben.

Danke im Voraus.

Hi Isabella,

erst mal etwas Grundsätzliches. Menschen die kein Gehör haben nennen sich selber ‚Gehörlose‘ und finden es recht unziemlich als ‚Taubstumme‘ tituliert zu werden.

Dann zu Deiner Frage:

Da kann man nichts allgemeines sagen.
Es mag sicher Gehörlose geben, die mit sich selber gebärden, wenn sie Selbstgespräche führen, die Regel ist das aber sicher nicht. Genausowenig kann man sagen, daß alle Hörenden, wenn sie in sich gehen Selbstgespräche führen.
Gebärde ist schließlich die Sprache der Gehörlosen. Viele Gehörlose geben das als Muttersprache an, nicht Deutsch oder Englisch oder sonstewas.

Aber genauso wie es Hörende unterschiedlich handhaben, tun es auch Gehörlose.

Gandalf

full off topic, aber kurz

erst mal etwas Grundsätzliches. Menschen die kein Gehör haben
nennen sich selber ‚Gehörlose‘ und finden es recht unziemlich
als ‚Taubstumme‘ tituliert zu werden.

Warum?

fragt

Gollum

full off topic, aber länger
Hallo Gollum,

zunächst einmal ist der Begriff „taubstumm“ falsch.

„Stumm“ ist keiner von Ihnen, sie können nur nicht oder nur schlecht sprechen, weil sie Sprache nicht hören und keine ständige Selbstkontrolle ihres Gesprochenen über das Ohr haben.

„Taub“ im Sinne von völlig gehörlos sind nur sehr wenige, die meisten haben noch ein Resthörvermögen. Zudem ist „taub“ abwertend: Eine taube Nuss ist zu nichts nütze und zugleich Schimpfwort.

Daneben gibt es auch emotionale Gründe.

„Taubstumme“ sind in der Vergangenheit oft als minderwertig betrachtet worden und waren im Dritten Reich sogar ein Fall für die Euthanasie. Das ist ähnlich wie bei den Sinti und Roma, die nicht mehr Zigeuner genannt werden wollen.

Trotzdem wird das nicht von allen Betroffenen so eng gesehen. Eine der größten WebSites für Gehörlose nennt sich

http://www. taubenschlag.de

und erläutert ihren Namen als Wortspiel zwischen „Tauben“ als Vögel oder als Gehörlose.

Liebe Grüße
Peggy

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Danke
Hallo Peggy!

Ich wußte das nicht und hätte Gehörlose weiterhin als Taubstumme bezeichnet. Ich denke aber, daß das wie mit den Farbigen ist, sie wissen, daß manche von uns Neger sagen, dies aber nicht abwertend meinen.
Ich werde mir das zu Herzen nehmen.

liebe Grüße

Gollum

Farbige? (So was von off topic)
Hallo.

Farbigen ist

„Wenn ich auf die Welt komme, bin ich schwarz. Wenn ich größer werde, bin ich schwarz. Wenn ich friere, bin ich schwarz. Wenn ich in der Sonne war, bin ich schwarz. Wenn mir schlecht ist, bin ich schwarz, und wenn ich sterbe, bin ich immer noch schwarz. — Und Du? Wenn Du zur Welt kommst, bist Du rosa. Wenn Du größer wirst, bist Du weiß. Wenn Du frierst, bist Du blau. Wenn Du in der Sonne warst, bist Du rot. Wenn Dir schlecht ist, bist Du grün, und wenn Du stirbst, bist Du grau. Und Du nennst mich einen Farbigen!“

Gruß kw

sie sind braun
, die wenigsten sind wirklich schwarz, wenn wir schon Haare spalten.

Hallo Peggy!

Ist das nur im deutschsprachigen Raum so oder ist es in anderen Sprachen genauso, dass die Leute nicht als „taub“ bezeichnet werden wollen? Ich kenne nämlich einen Schotten, der sich selbst als „deaf“ bezeichnet und ich habe schon den Eindruck, dass der Begriff im Englischen auch negativ verwendet wird wie auch im Deutschen.

Ist das nicht letzendlich wieder mal übertriebene „Political Correctness“?

MfG,
Car

political correctness
Sch… pc, aufgrund der diktiert wird, wie man etwas zu sagen hat.
Der Euphemismus blüht, Dicke sind nicht mehr dick sondern nur noch
vollSCHLANK, Taube nicht mehr taub sondern gehörlos, wobei sie
garantiert noch ein Gehör besitzen (Trommelfell, Schnecke, Flimmer-
härchen,…), Neger nicht mehr Neger sondern Farbige, wobei na,
jeder Mensch eine HautFARBE hat,…

Link - zum Anklicksen :wink:
Liebe Peggy,
da ist dir beim Tippen ein Leerzeichen hinein gerutscht, sodass die Seite nicht aufzurufen war.

Jetzt geht’s:
http://www.taubenschlag.de

:smile:Helene

Hi Isabella,

erst mal etwas Grundsätzliches. Menschen die kein Gehör haben
nennen sich selber ‚Gehörlose‘ und finden es recht unziemlich
als ‚Taubstumme‘ tituliert zu werden.

Das ist in der Tat ein Sprachbegriff aus der Vergangenheit, aber in der Umgangssprache durchaus gebräuchlich und deshalb meiner Meinung nach nicht zu verurteilen

Dann zu Deiner Frage:

Da kann man nichts allgemeines sagen.
Es mag sicher Gehörlose geben, die mit sich selber gebärden,
wenn sie Selbstgespräche führen, die Regel ist das aber sicher
nicht. Genausowenig kann man sagen, daß alle Hörenden, wenn
sie in sich gehen Selbstgespräche führen.
Gebärde ist schließlich die Sprache der Gehörlosen. Viele
Gehörlose geben das als Muttersprache an, nicht Deutsch oder
Englisch oder sonstewas.

Aber genauso wie es Hörende unterschiedlich handhaben, tun es
auch Gehörlose.

Gandalf

Hallo Gollum,

zunächst einmal ist der Begriff „taubstumm“ falsch.

„Stumm“ ist keiner von Ihnen, sie können nur nicht oder nur
schlecht sprechen, weil sie Sprache nicht hören und keine
ständige Selbstkontrolle ihres Gesprochenen über das Ohr
haben.

„Taub“ im Sinne von völlig gehörlos sind nur sehr wenige, die
meisten haben noch ein Resthörvermögen. Zudem ist „taub“
abwertend: Eine taube Nuss ist zu nichts nütze und zugleich
Schimpfwort.

Daneben gibt es auch emotionale Gründe.

„Taubstumme“ sind in der Vergangenheit oft als minderwertig
betrachtet worden und waren im Dritten Reich sogar ein Fall
für die Euthanasie. Das ist ähnlich wie bei den Sinti und
Roma, die nicht mehr Zigeuner genannt werden wollen.

Ich finde die Bezeichnung Zigeuner für den betreffenden Volksstamm nicht abwertend. ---- vom MOD gestrichen, da diskriminierend ----
Ebensowenig wie es der Begriff „Neger“ ist. Noch vor zirka 30 Jahren war weder an dem einen noch dem anderen Begriff etwas anstößig. Der Begriff Taubstumm erklärt sich aus der damaligen Sicht der Menschen, da die betreffenden tatsächlich nicht hören und auch nicht für jeden verständlich sprechen konnten. Das ist heute glücklicherweise anders, so dass sich auch gehörlose Menschen durchaus als vollwertige Mitglieder der Gesellschaft fühlen können (zu Recht ).

Trotzdem wird das nicht von allen Betroffenen so eng gesehen.
Eine der größten WebSites für Gehörlose nennt sich

http://www. taubenschlag.de

und erläutert ihren Namen als Wortspiel zwischen „Tauben“ als
Vögel oder als Gehörlose.

Liebe Grüße
Peggy

full off topic, aber länger zu Zigeuner
Hallo Elritz,

ich habe dir gemailt, das „Zigeuner“ nichts mit „ziehen“ und „Gauner“ zu tun hat. Das ist eine ganz krude Volksetymologie (Der Bodensee heißt „Bodensee“, weil ich den Boden nicht mehr seh!):wink:

Die leider nicht ganz sichere Herleitung des Wortes ist:

Zigeuner (nach Kluge, etwas zurückhaltend)

Substantiv Maskulinum Standardwortschatz (15. Jh.)Entlehnung.

Als Stammesbezeichnung bezeugt seit dem 15. Jh. (vorher Tatar u.ä.).
Entlehnt aus it. zingaro, ung. czigány. Der Name ist weit verbreitet, aber in seiner Herkunft unklar (keine Selbstbezeichnung). Aus sachlichen Gründen auch übertragen auf „Leute ohne festen Wohnsitz“, auch als Schimpfwort benutzt.
Ebenso nndl. zigeuner, ne. tzigane, nfrz. tzigane, nschw. zigenare, nisl. sígauni.
Wiener, L. ASNSL 109 (1902), 280-304. ?

Zigeuner (nach Pfeifer, geht weiter mit der Herleitung)

Angehöriger eines ursprünglich nomadisierenden, über viele Länder verstreut lebenden indoeuropäischen Volkes, das im 10. Jh. aus Nordindien ausgewandert ist, in Gruppen vor allem auf dem Wege über den Iran, Armenien und die Balkanländer, teilweise wohl auch über Syrien, Nordafrika und Spanien nach Europa gelangt und Anfang des 15. Jhs. (urkundlich zuerst 1417 nachweisbar) deutschen Boden betritt.

Der mit Selbstbezeichnungen wie zigeunerisch sinto (meist sinti, Plur.), auch rom (eigentlich 'Mann, ), manusch (eigentlich ‚Mensch, Mann‘) nicht in Zusammenhang stehende deutsche Name findet sich in seiner heute üblichen Lautgestalt schon in den frühesten hochdeutschen Zeugnissen als frühneuhochdeutsch (bairisch) Zigeuner (1418), Cigäwnär erste Hälfte 15. Jh.).
Der Diphthong der zweiten Silbe dieser Form setzt einen Tonvokal –u- (umgelautet -ü-) voraus, der auch in frühneuhochdeutsch (westmitteldeutsch) Ziguner, mittelneudeutsch següner (beide 15. Jh.) begegnet, aber noch der Erklärung entbehrt. Daneben stehen Varianten wie frühneuhochdeutsch (schweizerisch) Ziginer (15. Jh., mit Entrundung des -ü-, vielleicht begünstigt durch Anklang an frühneuhochdeutsch Sarraciner ‚Sarazene, Heide‘, das in der Schweiz zunächst gleichfalls Benennung für die umherziehenden fremdartigen Menschen ist), (oberdeutsch) Zingyner (16. Jh.) und in verschiedenen Landschaften bis ins 18. Jh. verbreitetes Zigäner, auch (umlautlos) Ziganer (vgl. mittelneudeutsch sigener, vereinzelt siganer), sämtlich mit der im Deutschen für Stammesnamen gebräuchlichen Endung -er.

Die Form mit dem Tonvokal -a- schließt sich an mittelneudeutsch sekane ‚Zigeuner‘ (15. Jh., vgl. mittellateinisch secanus, sechanus) an, das seinerseits Entlehnung aus dem Slawischen ist und Herkunft des Ausdrucks aus dem südosteuropäischen Raum erkennen lässt, vgl. alttschechisch cikán, cigan (tschech. cikán), slowak. cigán, serborkroatisch cigan(in) Sing., cigani Plur., mittelbulgarisch aciganin* Sing., acigane Plur. (bulg. cíganin), ferner rumänisch tigan, ungarisch cigány.

Zugrunde liegt wohl das (in italienisch zingaro, älter auch zingano ebenfalls fortlebende) gleichbedeutende mittelgriechische tsínganos, älter atsínganos latinisiert mittellateinisch acinganus), das wahrscheinlich auf mittelgriechisch Athínganoi Plur. (die Unberührbaren), den Namen einer ketzerischen Sekte in Phrygien und Lykaonien (erwähnt seit Anfang 9. Jh.), zurückzuführen ist; dieser wurde möglicherweise auf die durch Kleinasien ziehenden, gleichermaßen verabscheuten Zigeuner übertragen.

Von der 2. Hälfte des 16. Jhs. an wird Zigeuner im Deutschen auch metaphorisch für ‚ein unstetes Leben führende, wie ein Zigeuner lebende Person‘ verwendet. -

Beste Grüße Fritz

Weiß jemanden, ob Taubstumme, wenn sie mit sich selbst
sprechen, (…) tatsächlich Gebärden benutzen

Hallo Isabella!
So etwas ähnliches habe ich mal gelesen. Ich glaube es war in dem Buch „Stumme
Stimmen“ von Sacks. Er gibt in seinem Buch sehr interessante Einblicke in die
Welt der Gehörlosen und berichtet auch von einer Insel, auf der wegen eines
Gendefektes extrem viele Gehörlose lebten, sodass alle auf der Insel
Gebärdensprache konnten. er erzählt, wie Hörende manchmal völlig Nahtlos von
Englisch zu Gebärden und zurück wechselten. Er beschreibt auch eine ältere Frau,
die manchmal in Gedanken versunken da saß und deren Hände dann manchmal zuckten,
also wohl innere Selbstgespräche „fast“ gebärdeten. Auch meine ich mich zu
erinnern an die Beschreibung von Leuten, die im Schlaf sprachen - also
„gebärdeten“.
Meine Erinnerungen an das Buch sind nicht mehr 100%, aber ich fand es spannend zu
lesen, da ich damals etwas Gebärdensprache lernte und mich mit der Kultur der
Gehörlosen auseinandersetzte.

Insgesamt halte ich gebärdete Selbstgespräche für denkbar, zumindest bei von
Geburt an Gehörlosen, da ja „Begriffe“ durch Gebärden und nicht durch Wörter im
Hirn repräsentiert sind (…denk ich mir so…)
und die Gebärden werden im Gehirn von Gebärdensprachlern im Sprachzentrum
verarbeitet (…heißt es…), das heißt, dass einem da sicher mal „die Hand
ausrutscht“. Aber geh doch einfach auf die von anderen bereits erwähnte
Internetseite www.taubenschlag.de, dort gibt es Diskussionsforen, in denen der
ein oder andere sicher von seinen eigenen Erfahrungen berichtet.

Viele Grüße

Martin