ob ich hier richtig bin? Finde aber nichts besseres…
Schon oft ist mir aufgefallen, daß z.B. bei Fernsehnachrichten, bei denen ja manchmal die Informationen parallel durch eine Dame mit Gebärdensprache (oder ist Gehörlosenspreche richtiger ?) vorgetragen werden, diese mühelos mitkommt.
Das an sich ist eigentlich schon verwunderlich. Jetzt aber lese ich, die Gebärdenspreche sei oft sogar ausdruckstärker etc. Wie kommt das?
Und vor allem: Was machen wir mit unserer „normalen“ Sprache falsch?
Hallo Antal!
Gebärdensprachen wurden lange Zeit als minderwertige primitive Formen menschlicher Kommunikation angesehen. Tatsächlich aber sind es „richtige“ Sprachen, die genauso komplex und ausdrucksstark sind wie Deutsch oder Italienisch oder sonst eine Lautsprache. Ich glaube, es bringt wenig, zu überlegen, ob eine Sprache „besser“ ist als eine andere.
In Deutschland sprechen die Gehörlosen „DGS“, (deutsche Gebärdensprache), allerdings aufgespalten in verschiedene „Dialekte“. Mit Gebärden und Mimik werden einfache oder ganz komplizierte Dinge ausgedrückt. Man kann sich also in DGS sowohl über Fußball als auch über die Psychoanalyse Sigmund Freuds unterhalten. Natürlich ist die Grammatik von DGS ganz anders als die der deutschten Lautsprache. Ein Problem ist allerdings für DGS, dass es so wenig Sprecher (Gehörlose) gibt.
In vielen Städten werden (z. B. von der Volkshochschule) Gebärdensprachkurse angeboten. In Hamburg gibt es an der Uni das „Institut für Gebärdensprache“.
Ich hoffe, ich konnte dir weiterhelfen.
Schöne Grüße!
Christian
Gebärde ist inzwischen als Sprache anerkannt, das nur nebenbei.
Bei Gebärde gibt es im Vergleich zu Deutsch Vor- und Nachteile.
Zum einen lassen sich viele Sachen recht klar darstellen, ein schönes Beispiel wurde mir mal gegeben:
‚Ich koche vor Wut‘
Das wird in gebärde so dargestellt, daß man nie an Kochen im Sinn von Nahrungsbereitung denken würde.
Allerdings gibt es in Gebärde nur sehr beschränkte Möglichkeiten abstrakte Begriffe darzustellen. Diese Begriffe werden dann ‚gefingert‘, d.h. mit einer Hand werden die Buchstaben des Wortes buchstabiert.
Trotzdem ist der Wortschatz abstrakter Begriffe bei Menschen die von Geburt an Gehörlos sind häufig eingeschränkt.
Ein Vorteil von Gebärde ist allerdings, daß es einen mehr oder weniger universellen Grundwortschatz gibt. Dazu sollte man aber sehr gut Gebärde beherrschen, was ich nicht tue, denn wie ich schon sagte ‚mehr oder weniger‘ und es kommt auch in Gebärde zu recht drolligen bis hochnotpeinlichen Mißverständnissen, wenn sich Gehörlose aus verschiedenen Ländern treffen.
Hallo Gandalf,
es fällt mir schwer sachlich zu bleiben, denn das, was du hier verbreitest, ist schlicht und ergreifend falsch!
Gebärdensprachen sind ganz genauso wie Lautsprachen in der Lage, abstrakte Begriffe darzustellen (und zwar nicht nur „gefingert“)! Da gibt es keinen Unterschied!
Auch einen universellen Grundwortschatz, von dem du redest, gibt es überhaupt nicht, jede Gebärdensprache ist in Wortschatz und Grammatik völlig anders.
Wenn du DGS kannst, wirst du dich mit amerikanischen Gehörlosen nicht verständigen können. Das gehörlose Menschen mit unterschiedlichen Muttersprachen sich dennoch leichter als Hörende verständigen können, liegt an ihrer Fähigkeit zur „nonverbalen Kommunikation“, also die Fähigkeit, aus sich allein verständliche, „bildhafte“ Gebärden zu produzieren und zu verstehen. Das liegt aber auf einer ganz anderen Ebene als die Gebärdensprache!
Christian
Gebärdensprachen sind ganz genauso wie Lautsprachen in der
Lage, abstrakte Begriffe darzustellen (und zwar nicht nur
„gefingert“)! Da gibt es keinen Unterschied!
ich hab vor Jahren eine Ausbildung zum Gehörlosentutor gemacht. Die Ausbilder waren überwiegend Gehörlose, teilweise spätertaubt, teilweise von Geburt an gehörlos.
Bei den Spätertaubten, hing es vom Alter ab, in dem sie das Gehör verloren, aber von den von Geburt an gehörlosen wurde mir immer wieder erklärt, das viele abstrakte Begriffe kaum gebärdet werden können und daher gefingert würden.
Auch war der Wortschatz bei von Geburt an Gehörlosen häufig deutlich kleiner als der von Hörenden.
Auf diesen Umstand wurde ich regelmäßig zu Beginn von Gesprächen hingewiesen und einige Gehörlose haben u.a. auch deswegen ihr Studium abgebrochen.
Auch einen universellen Grundwortschatz, von dem du redest,
gibt es überhaupt nicht, jede Gebärdensprache ist in
Wortschatz und Grammatik völlig anders.
Nun, mit Grundwortschaftz meine ich das, was Du weiter unten mit nonverbaler Kommunikation beschreibst.
Die Gebärde für Essen, Trinken, Schlafen, Freuen etc. werden weitestgehend weltweit verstanden.
Wenn du DGS kannst, wirst du dich mit amerikanischen
Gehörlosen nicht verständigen können.
Das hab ich auch nicht behauptet.
Nebenbei sagten mir die Ausbilder, daß sie in südlichen Ländern meist kein Problem haben sich zu verständigen, weil dort die nonverbaler Kommunikation wesentlich lockerer gehandhabt wird.
Hallo Gandalf!
Vielen Dank für deine Antwort. Nur noch eine kurze Erwiderung.
Da viele Menschen intuitiv davon ausgehen, alle Gehörlosen sprächen eine Art „Universalsprache“, finde ich es wichtig, die Eigenständigkeit nationaler/ regionaler Gebärdensprachen zu betonen.
Ich glaube, man muss zwischen den Fähigkeiten (vieler) Gehörloser und den Möglichkeiten von Gebärdensprache unterscheiden. Das alte Problem „Gehörlose können nicht abstrakt denken“ hat viele Gründe, einer der wichtigsten ist die zum Teil bis heute andauernde Unterdrückung ihrer kommunikativen Entwicklung (Gebärden wurden und werden verboten/ unterdrückt). Ich kenne jedenfalls Gehörlose, die sich abstrakt und auf hohem Niveau in DGS ausdrücken können.
Viele Grüße!
Christian
Christian und Gandalf haben das meiste schon erklärt und auch im Archiv findest Du viel über Gebärdensprache.
Schon oft ist mir aufgefallen, daß z.B. bei
Fernsehnachrichten, bei denen ja manchmal die Informationen
parallel durch eine Dame mit Gebärdensprache (oder ist
Gehörlosenspreche richtiger ?) vorgetragen werden, diese
mühelos mitkommt.
Die Gebärdensprachdolmetscherin bei Phoenix bereitet sich intensiv auf die Nachrichten vor (es gab im WDR vor kurzem einen Bericht über eine der Frauen) und es ist schwerer als es aussieht. Am schwersten ist es, wenn kurzfristig neueste Nachrichten dazukommen.
Das an sich ist eigentlich schon verwunderlich. Jetzt aber
lese ich, die Gebärdenspreche sei oft sogar ausdruckstärker
etc. Wie kommt das?
In der Gebärdensprache ist die Mimik ein wichtiger Teil der Grammatik, das was Hörende eben mit der Stimme machen (z.B. Fragen stellen) wird mit über die Mimik gemacht. Andere Laut-Sprachler (ich nenne die Hörenden mal jetzt so) sind in ihrer Mimik und Gestik auch nicht unbedingt ausdruckslos. Es kommt immer auf das Naturell des Menschen an und in welcher Kultur er groß geworden ist und die jeweiligen sozialen Regeln gelernt hat.
Du kannst ja gerne mal im Netz schauen, da findest Du bestimmt auch das Forum http://www.taubenschlag.de)
Grüße von
Enno
P.S. Ich weiß das von meiner Lebensgefährtin, die in Hamburg an der Uni studiert u.a. am Institut für Deutsche Gebärdensprache und Kommunikation Gehörloser (http://www.sign-lang.uni-hamburg.de)