Gebaerdensprache Grammatik

Hallo Leute

Ich habe zwar das Archiv durchgestoebert, aber meine Frage blieb
unbeantwortet:
Kann man in Gebaerdensprache so etwas sagen wie:
Waere die Differenzialdiagnostik anders verlaufen, haette der Patient
jetzt problemlos Breichen essen koennen.

Danke fuer Antworten, Tychi

tach Tychi,

in der gebaerdensprache werden keine wirklichen saetze gebildet, wie wir sie kennen… es wird auf das wesentliche reduziert. ebenso aendert sich die reihenfolge der woerter.

"ich frankfurt stadt gehen mit dir. "
zum beispiel. woerter , die vom allgemeinem sprachgebrauch abweichen werden mit dem fingeralphabet buchstabiert.

ich hoffe ich habe mich nicht geirrt. mein wissen resultiert aus 2 jaehriger zusammenarbeit mit zwei gehoerlosen… und einem gebaerdenlehrgang. war sehr interessant.

grusz

PixelKoenig

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Hallo Tychi
Klar kann man auch Sätze wie

Waere die Differenzialdiagnostik anders verlaufen, haette der
Patient
jetzt problemlos Breichen essen koennen.

in Gebärdensprache übersetzen. Aber auch der PixelKönig hat recht, die Grammatik unterscheidet sich von der der deutschen Lautsprache.
So ist z.B. die Reihenfolge innerhalb eines Satzes Subjekt-Objekt-Verb (einfache Satzkonstruktion)

Dein vorgeschlagener Satz ist, so wie er in Lautsprache dasteht, nicht 1zu1 übertragbar, sinngemäß aber schon.

Liebe Grüße, Melanie

Danke.
Nun moechte ich aber gern noch wissen, wie in Gebaerdensprache
der Unterschied zwischen „die D. verlaeft anders“, „die D. verlief
anders“, „die D. wuerde anders verlaufen“, „die D. wird anders
verlaufen“ und „die D. waere anders verlaufen“ ausgedrueckt wird.
Gibt es so etwas wie Zeitformenanzeiger, also bestimmte Gebaerden,
die mitteilen, in welcher Zeitform das Verb stehen soll?
Und ist so ein ausgefallenes Wort wie „Differenzialdiagnostik“ eine
Gebaerde, die alle kennen oder wie wird es im Unterschied zu z.B.
„Mann“ dargestellt?

Gruss, Tychi

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Hi Tychi,

Kann man in Gebaerdensprache so etwas sagen wie:
Waere die Differenzialdiagnostik anders verlaufen, haette der
Patient
jetzt problemlos Breichen essen koennen.

klar ginge das, aber ettliche Wörter hätten ‚gefingert‘ werden müssen, weil es für sie keine Gebärde gibt.
Gefingert bedeutet, daß man sie mit dem Fingeralphabet buchstabiert und gleichzeitig betont ‚lippig‘ spricht, was wiederum bedeutet, daß man das Wort sehr deutlich mit den Lippen ausspricht.
Häufig wird aber versucht, solch komplizierte Worte wie ‚Differenzialdiagnostik‘ in mehrere Worte zu zerlegen, für die es wieder Gebärden gibt.

Gandalf

Hi Tychi
in der DGS gibt es einen sog. Zeitstrang, der von hinten über die Schulter nach vorne verläuft. Alles was nach hinten verwiesen wird, spielte sich in der Vergangenheit ab, Mitte ist, klar, Gegenwart, dann gibt es noch die zukünftigen Geschehnisse, die ihren Index nach vorn bekommen. Man kann auch noch zwischen nächster Zukunft und kürzlich Vergangenem unterscheiden. Wichtig ist dabei auch das Mundbild bzw. die Gesichtsmimik, um den Zusammenhang deutlich zu machen.
Worte, die Spezialgebieten entstammen, werden entweder mittels Fingeralphabet buchstabiert (siehe auch Gandalfs Antwort) oder sie werden mit gebräuchlichen Gebärden umschrieben und erklärt - letzteres ganz so, wie man das auch in der Lautsprache tun würde, um jemanden z.B. „Differentialdiagnose“ zu erklären, der das Wort vorher noch nie gehört hat.
Der DGS fehlt generell keine Ausdrucksmöglichkeit, wie wir sie aus der Lautsprache kennen.

Gruß, Melanie

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