Hi an Euch,
ich durfte heute nachmittag die Geburt eines Kalbes auf einem Bauernhof (der auch Ferienwohnungen vermietet) miterleben.
Seitdem gehen mir unendlich viele Gedanken durch den Kopf …
Der Bauer sagte, die Kuh werde heute noch kalben. Er sagte, es sei ihre erste Geburt, fühlte nach und die Fruchtblase öffnete sich.
Die Kühe herum blickten zu dieser gebährenden Kuh, es war ganz unglaublich. Sie schienen sie durch ihre Anwesenheit zu unterstützen. Ja, klingt jetzt blöd, aber so war es.
Unser Dackel war mucksmäuschenstill, kein Rumgezerre an der Leine, kein Protest gegen Enge, Dunkelheit und viele Füße ohne direkte Sicht aufs Geschehen.
Das Kalb wurde mit Hilfe einer Metallstange, die zum Herausziehen der Vorderbeine benutzt wurde, herausgezogen. Wir sahen die Vorderhufe, dann die Zunge, dann den Kopf …
Wer schon selbst Kinder geboren hat, dem wirds bei dem Anblick wirklich weich im Getriebe.
Weil das Kalb schwach zu sein schien, wurde es sofort mit Heu in der Herzgegend massiert. Und mit dem kalten Wasserschlauch abgespritzt.
Vermutlich sollte dieser Schock dem Kalb helfen, es half auch. Es lebte.
Mir wurde schlecht bei dem Anblick, wie ein neugeborenes Lebewesen binnen weniger Minuten aus der schützenden Wärme genommen und so hart auf dem kalten Boden liegend abgekühlt wurde. Aber gut, was hilft, hilft eben zum Leben.
Daraufhin wurde es mit der Schubkarre in ein kleines Gatter (mit Wärmelampe, die jedoch nicht eingeschaltet wurde) gelegt, so wie jedes andere Kalb auch.
Die herumstehenden Kinder wurden gefragt, ob jemand das Kalb mit Stroh noch weiter abreiben wolle. Wollte keines, die waren noch völlig baff vom Anblick der Geburt, vermutlich.
Die Kuh wird ihr Kalb niemals sehen, sie wird es nicht säugen dürfen. Ihre Milch wird weiterhin täglich an die Molkerei gehen. Das Kalb wird mit einem Sauger am Eimer versorgt werden.
So, ich hab seit Stunden ein Problem damit:
ich verstehe den Bauern, es ist sein Einkommen und seine Existenz. Die Kühe bringen Milch und Kälber. Fleisch ist relativ preiswert, Milch kostet weniger als Toilettenpapier. Kein Vorwurf an ihn.
Nur, wer fühlt sich eigentlich noch verantwortlich für solch tägliche Tragödien?
Wir Frauen sind doch eigentlich größtenteils davon begeistert, dass uns das Rooming-in nach der Geburt unseres Kindes angeboten wird. Viele von uns wollen den direkten Kontakt nach der Geburt mit ihrem Kind. Wir sind doch glücklich darüber, dass unsere Neugeborenen nicht mehr steril zusammengeschnürt isoliert von uns mit der Flasche auf der Geburtsstation von fremden Menschen gefüttert werden.
Und gleichzeitig klopfen wir billige Bratwürste auf den Grill, ohne sehen zu müssen, um welchen Preis.
Bio-Fleisch kann sich bei weitem nicht jeder leisten, es ist wirklich teuer. Wir auch nicht, dachte ich immer. Wir futtern eh nicht viel Fleisch. Nur irgendwie … ne, ich krieg das jetzt so nicht mehr hin.
Ich glaub, ich hab hier noch nie so viel hintereinander geschrieben.
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Was könnte ich tun, um zu vermeiden, dass Tiere wie Gebährmaschinen und Neugeborene wie Neukapital gehandelt werden?
Bin noch immer leicht neben der Spur, sorry,
S:smile:nja


