Geburt im KH - Entwicklung seit ca. 1950

Hallo,

ab welchem Zeitpunkt wurde es hierzulande eigentlich grundsätzlich usus, im KH zu gebären, unabhängig von Risikoschwangerschaften und zu erwartenden Komplikationen?

Anders gefragt: Ab wann war es für eine schwangere Frau völlig selbstverständlich, ihr Kind im KH und nicht mehr zu Hause zur Welt zu bringen? In meiner Generation (* Ende 60er/ Anfang 70er) kenne ich z.B. kaum jemanden, der per Hausgeburt zur Welt kam.

Gibt es Statistiken zur Rückläufigkeit der Hausgeburten in den vergangenen Jahrzehnten? Und wie sieht die Entwicklung derzeit aus?

Danke + Grüße
Diana

Hallo Diana,

ich habe hier auf die Schnelle ein Pamphlet gefunden, das sehr ausführlich über außerklinische Geburten (allerdings nur in der jüngeren Vergangenheit) berichtet.
http://www.quag.de/downloads/QUAG_bericht2005.pdf
Vielleicht kann dir der Bund Deutscher Hebammen oder der Bund freiberuflicher Hebammen Deutschlands weitere Informationen zur Verfügung stellen.

Ich habe irgendwo gelesen, dass momentan etwa 2 % aller Geburten in Deutschland zu Hause stattfinden, Tendenz steigend, seit Anfang der 1980er steigen die Zahlen wieder an.

Früher auf dem Land war es sicher üblicher, die Kinder daheim zur Welt zu bringen. Bei meinen Schwestern (in den 60ern geboren) war das noch der Fall, bei mir (Bj. 1978) schon nicht mehr.

Konkreter antworten kann ich dir leider nicht.

Gruß
Miriam

Hallo Diana,

wie Myriam schon schrieb, war die Entwicklung nicht flächig homogen.
In der Stadt war es schon vor weit über fünfzig oder siebzig Jahren üblich, Kinder im Krankenhaus zu gebähren, auf dem Land (deutlich) später.
Aber auch eine soziale Schichtung war gegeben.
‚Höhergestellte‘ gingen eher ins Krankenhaus und ich kenne Frauen, die nur mit Hilfe ihrer Nachbarinnen ihre Kinder auf die Welt gebracht haben, in gegenseitiger Hilfe.
Das war allerdings zwischen den Weltkriegen, während des 2. Weltkrieges und kurz danach. Zu einem guten Teil sicher aus der Not geboren (schönes Wortspiel).

Gandalf

Hallo Miriam,

vielen Dank, das sieht schon mal vielversprechend aus, werde mich heute Abend mal genauer mit dem ‚Pamphlet‘ befassen.

Ich habe irgendwo gelesen, dass momentan etwa 2 % aller Geburten in Deutschland zu Hause stattfinden, Tendenz steigend, seit Anfang der 1980er steigen die Zahlen wieder an.

Ja, das meine ich auch zu beobachten. Genauso wie es wieder üblich ist bzw. nahezu gefordert wird, Kinder zu stillen, was in den 70ern auch nicht mehr usus war.

Viele Grüße
Diana

Hausgeburten in den 70ern/80ern
Hallo Gandalf,

die Entwicklungsgeschichte der Geburten in KH bis kurz nach den Kriegen ist mir bekannt, mich interessiert vor allem, wann die Selbstverständlichkeit von Geburten in KH allgemeiner Konsens wurde.

In den 70ern/80ern waren Hausgeburten bis auf evtl. völlig ländliche Dorfgemeinschaften meiner Vermutung nach absolut unüblich geworden - das ist aber, wie gesagt, nur eine Vermutung, basierend auf Gesprächen mit Menschen aus diesen Jahrgängen.

Mich interessiert auch, warum diese Entwicklung seit kurzem wieder leicht rückläufig ist und sich Hebammen wieder mehr etablieren. Vielleicht parallel dazu ist das Stillen ja auch wieder schwer in Mode gekommen und Geburten ohne Periduralanästhesie (wobei mir zum Beleg Zahlen fehlen).

Woran liegt das?

Vielen Dank + viele Grüße
Diana

Hallo Diana,

ich bin beim sinnentleerten Herumgoogeln über etwas zur Situation in der DDR gestolpert: http://edoc.hu-berlin.de/dissertationen/major-sabine…

Beste Grüße

=^…^=

Hallo Diana,

Mich interessiert auch, warum diese Entwicklung seit kurzem
wieder leicht rückläufig ist und sich Hebammen wieder mehr
etablieren.

unser zweiter war eine geplante Hausgeburt.
Das ist ein unbeschreibliches Erlebnis. Wenn eine Geburt im KH schon überwältigend ist, das ist noch ne Spur ‚besser‘.
Dazu kommt noch, daß die Gebährende in einer vertrauten Umgebung ist, die Hebamme meist auch die Schwangerschaft begleitet hat und in vielen Fällen fast so etwas wie eine Freundschaft zwischen Schwangeren und Hebamme entstanden ist.
Alles viel intimer und vertrauter.

Vielleicht parallel dazu ist das Stillen ja auch
wieder schwer in Mode gekommen

Es hat sich eben rundgesprochen, daß Stillen das so ziemlich beste ist, was eine Mutter einem Baby antun kann.

und Geburten ohne
Periduralanästhesie (wobei mir zum Beleg Zahlen fehlen).

Das ist wieder so eine Sachen.
Die Geburt des ersten war für die Mutter eine ziemlich üble Quälerei, weil sie eingeleitet wurde und schlußendlich fast 24 h dauerte.
Irgendwann hielt sie die Schmerzen nicht mehr aus und kollabierte fast.
Ohne PDA wäre wohl ein Kaiserschnitt fällig gewesen.
Beides wollte meine Ex zwar auf keinen Fall, aber die PDA war dann doch das kleiner Übel.

Gandalf

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Hallo Diana,

unser Sohn kam 1994 geplant zu Hause zur Welt. Damals war es recht schwierig, Hebammen zu finden, die Hausgeburten begleiten - vielleicht auch, weil es ein ziemlicher Knochenjob ist, ohne planbare Arbeitszeiten?

Ich weiß nicht, wie das heute aussieht, aber vielleicht gäbe es mehr Hausgeburten, wenn man solche Hebammen an jeder Ecke fände - nur mal als Denkansatz.

LG
sine

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