Gedächtnisübungen für das Kurz/Langzeitgedächtnis

Hallo,
ich bin 29 Jahre und stelle vermehrt fest, dass ich mir Dinge nur kurzfristig merken kann, aber nicht in mein Langzeitgedächtnis abspeichere. Das bezieht sich z.B. auf Personen, geschichtliche Ereignisse, Gedichte oder einfach nur Erzählungen von anderen Personen.
Zudem bringe ich das erzählte von Personen durcheinander,d.h. ich bin der festen Überzeugung, dass eine bestimmte Person mir etwas erzählt hat, es in Wahrheit eine andere war.
Gibt es hierfür sinnvolle Übungen, wie das Gehörte oder Gelesene gezielt im Kopf abspeichern kann und es auch zu 100% richtig wiedergeben kann, auch noch in ein paar Monaten?
Danke schon mal für die Hilfe

Hallo Tanja

Du willst also an folgende Sachen besser erinnern können:

  1. Namen von Personen
  2. generelle Fakten
  3. Personen welche dir etwas erzählt haben

Der Grundsatz, auf den du dich konzentrieren musst, ist, das dein Gedächtnis hauptsächlich auf Bilder basiert. Immer, wenn du dir etwas gut merken willst, solltest du dir den Bildern, die dir in den Kopf schiessen, bewusst werden. Das ist natürlich einfacher zu tun, falls du dir ein Gedicht auswendig lernst, als wenn du einer Person zuhörst. Das würde dann eher ablenken…
Zweitens ist es wichtig zu begreifen, das dein Hirn sich lustige, absurde und sexuelle Eselsbrücken extrem gut merken kann. Falls du dir Eselsbrücken bildets, sollten sie so wenig rational wie möglich sein.

Also Punkt für Punkt:

  1. Namen von Personen merken. Das Problem hatte ich auch oft, man lernt jemanden kennen, hört kurz den Namen, unterhält sich mit der Person und Zack… der Name ist weg. Noch schlimmer wenn man gleich 4 Personen nacheinander Hallo sagt.
    Ein Trick, der mir sehr geholfen hat, ist, das du dir sofort bewusst werden musst, was das erste ist, an das du denkst (bzw das erste Bild, das dir durch den Kopf schiesst), wenn du den Namen hörst. Das ist natürlich oft eine bekannte Person, kann aber auch etwas sein, das ähnlich klingt (Norbert -> Nur Bart).
    Der zweite Schritt ist, etwas Markantes an der Person zu entdecken. Das kann etwas im Gesicht sein oder auch etwas an der Kleidung.
    Der dritte Schritt ist, Schritt 1 und 2 zu verlinken. Falls der Norbert einen Bart hat, ist das Problem natürlich praktisch gelöst, falls nicht, hat er vielleicht eine spezielle Krawatte. Diese stellst du dir dann zum Beispiel mit Barthaaren vor - ein Bild das du sicher noch 15 min später im Kopf hast.
    Diese Schritte während eines Gesprächs durchzugehen, ist zumindest anfangs sehr schwierig. Falls möglich, versuche Zeit zu gewinnen, indem du ein Frage stellst, oder falls mehrer Personen in der Runde sind, nutze die Zeit wenn die Personen unter sich sprechen.

  2. Generelle Fakten merken. Hier sind Eselsbrücken das A und O. Wie oben erwähnt, ist rational langweilig fürs Gehirn, deshalb wirds kaum abgespeichert.
    Wenn du willst, kannst du mir einen Teil eines Gedichts schreiben, dann mach ich ein Beispiel.

  3. Ähnlich wie bei 1) gehts hier ums verlinken. Wenn dir jemand etwas erzählt, versuch die Geschichte zu verlinken mit etwas markantem der erzählenden Person, dem Raum in dem ihr seit, was ihr gerade macht, wonach es riecht usw. Also wenn deine Freundin beim Kochen dir von der Party letzen Freitag erzählt, stell dir bildlich vor dass sie nen Haufen kleine Leute in den Kochtopf vor dir wirft und dann die Party dort drin zum brodeln bringt. Du wirst 100%ig auch noch in 3 Wochen wissen, dass sie dir diese Geschichte erzählt hat.

Ich hoffe ich konnte dir helfen. Falls du weitere Fragen hast, kannst du dich einfach melden.

Mfg Thierry

Hallo,

vielen Dank für die tollen Hilfestellungen!

Hier zum Beispiel ein Gedicht von Goethe. Wie würdest du die Eselsbrücken gestalten?

Das Wasser rauscht’, das Wasser schwoll,
Ein Fischer saß daran,
Sah nach dem Angel ruhevoll,
Kühl bis an’s Herz hinan.
Und wie er sitzt und wie er lauscht,
Teilt sich die Flut empor;
Aus dem bewegten Wasser rauscht
Ein feuchtes Weib hervor.

Wenn ich mir noch zusätzlich bestimmte Fakten von einem Gespräch mit einer Person merken mag,
z.B. Gesprächsthema war Deutschland.
Die Person erzählte mir von den Einwohnerzahlen, Arbeitslosenquote, diverse wichtige politische Personen in der deutschen Geschichte und die dazugehörigen Jahreszahlen (Deutsches Kaiserreich, Weimarer Republik)
Es ging um die 16 EU-Mitgliedstaaten der OECD, der NATO, der OSZE, der G8 und der G20.

Welche Eselsbrücken benutze ich hier? Das Thema ist für mich interessant, aber sehr trocken. Und ich kann mir beim besten Willen die dazugehörigen Jahreszahlen mit den wichtigen Personen aus bestimmten Zeiten nicht merken, geschweige denn, worum es in dieser zeit ging?

Das gleiche Problem habe ich aber auch mit Filmen! Wenn mich jmd. 4 wochen, nachdem ich ein Buch gelesen oder Film geschaut habe, fragt, worum es ging, kann ich nur bestimmte Sequenzen aus einem Film oder Buch wiedergeben, nicht aber eine Inhaltsangabe machen.
Wie kann ich dagegen vorgehen?

Viele Grüße
Tanja Herrmann

Hier würde ich die Mnemotechnik einsetzen, wobei man das visuelle Gedächtnis verwendet.
Hilfreiche Techniken sind z.B. im Buch
„Lernen wie ein Weltmeister“ beschrieben.
MaxiMemo

Zum Gedicht:

Was vielleicht helfen kann, ist dir zuerst den roten Faden zu merken:
Wasser - Fischer - Angel - Herz - sitzt und lauscht - Flut - bewegtes Wasser - feuchtes Weib
Versuche das erste Bild zu erfassen, dass dir durch den Kopf schiesst, wenn du Wasser hörst. Stell vor du bist „im Bild“, also dass das Bild um dich herum ist. So sollte man jede Eselsbrücke beginnen. Nun musst du in dieses Anfangsbild die folgenden Begriffe chronologisch einbauen. Zum Beispiel könntest du dir vorstellen, dass ein Fischer aus dem Wasser auftaucht und schreit: Das ist SAUKALT! Im Gedicht taucht er weder auf, noch schreit er etwas, aber je lebendiger und spannender du dir den roten Faden gestaltest, desto einfacher ist er zu merken. Dann nimmt er seine Angel heraus und fuchtelt damit herum. Er steckt ein blutiges kühles Herz an den Widerhaken und wirft ihn aus, usw.
Wenn du dir den roten Faden so gemerkt hast, weiss du zwar, worums in den Zeilen geht, aber kannst sie noch nicht eins zu eins widergeben. Dass würde ich dann durch laut sprechen üben. Jede Zeile zig mal widerholen, mal laut mal flüsternd, mal hoch mal tief, mal sehr zivilisiert, mal als wärst du ein Bauer am Stammtisch. Diese Abwechslung gefällt deinen Hirn, wodurch es sich die Sätze viel besser merken kann. Bewegung dazu hilf auch.
Wenn du dass gemacht hast, sollte es etweder von alleine gehen. Bei den Zeilen die dir Schwierigkeiten bereiten, kannst du auch die entsprechenden Wörter, die dir nicht einfallen in die Eselsbrücke einbauen.
Versuchs mal!

Thema Deutschland. Ich persönlich bin eher der visuelle Typ, wenn ich solche Sachen noch nie gehört habe, muss ich es erst schwarz auf weiss sehen und mir aktiv einprägen. Falls dich das Thema interessiert, empfehle ich dir, dich auf Wikipedia schlau zumachen! Das Gute ist, dass du fast alle Begriffe/Personen/Ereignisse die innerhalb eines Artikels vorkommen, sofort nachschauen kannst. Wichtig ist auch hier, dass du dir ein gewisses Grundgerüst aufbaust. Beispiel 19. Jht, merke dir für alle zwei Jahrzehnte das wichtigste Ereignis mit Jahreszahl. Daran kannst du dann weitere Fakten anknüpfen. Wenn du merkst, dass du etwas vergessen hast, schaus nochmals nach und prägs dir ganz intensiv ein. Lade dir Hörbücher über die Geschichte Deutschlands runter oder kauf sie dir!
Auch die Person, die dir all die Fakten über Deutschland erzählt hat, hat ihr Wissen wahrscheinlich nicht aus bloss einem Gespräch, die musste sich auch erst schlau machen.

Auch die Listen der Mitgliederstaaten der EU usw. findest du auf Wikipedia. Teil die 27 Staaten in drei 9er Packete, und mach dir ne Eselsbrücke dazu:
Belgien-Bulgarien-Dänemark-Deutschland-Estland-Finnland-Frankreich-Griechenland-Irland
-> Ein schöner ("Bel"gien) Bulle ("Bul"garien) bestellt sich einen riesigen Coupe Dänemark mit zwei Deutschländer Würstchen die im Coupe stecken. Er beginnt zu essen (Estland), schmatzt und grunzt und ruft schlussendlich dem Kellner: Ich finde (Finnland) diesen Coupe ausgezeichnet! Wie ist ihr Name? Der Keller heisst Frank. „Dass ist aber ein Scheissname!“ Dem Kellner ist das dermassen peinlich, dass er zurück in die Küche kriecht (Griechenland). Dort erzählt ers dem Koch, der darauf Irr wird vor Wut (Irland).
Versuchs mal mit dem restlichen 18 Staaten! Ich weiss, das braucht ein wenig Übung, dafür kannst du dir trockene Fakten extrem gut merken.

Mfg Thierry