Was kann man davon halten:
Mein Freund, ist nach 4-monatiger Trennung ( er hatte eine andere ) wieder zu mir zurückgekommen, und unsere Beziehung war bisher wieder völlig ok.
Wir wohnen nicht zusammen, und ich habe ihn besucht. Im Auto vor einer roten Ampel erwähnt er, dass wir in der Kneipe rechts ja zusammen mit einem befreundeten Ehepaar essen waren. ICH WAR NOCH NIE IN DIESER KNEIPE! Es muss wohl seine Ex-Freundin gewesen sein. Ich sage: da war aber nicht ICH dabei, und er geht gar nicht darauf ein, sondern redet über etwas anderes.
Als ich ihn später nochmals darauf angespreche, behauptet er steif und fest, ich sei dabei gewesen.
Ich halte mich für einen ziemlich normalen Menschen ohne kaputtes Gedächtnis, ich war echt noch nie in dieser Kneipe! Was mich jetzt am meisten fertigmacht ist, dass er uns beide einfach verwechselt! Ist es Männern so schrottegal, mit welcher Frau sie gerade zusammen sind?
Abgesehen von möglichen krankhaften Erscheinungen (die ich den diplomierten Psychologien überlasse) kommt es aber auch vor, dass wenn jemand einen Menschen intensiv (und/oder lange) kennt, er Erinnerungen mit dieser Person besetzt.
Meine Eltern sind seit 25 Jahren zusammen, meine Mutter ist in dieses Dorf gezogen. Mein Vater hatte als jugendlicher eine Laube (sowas wie ne Disco) und sämtliche Bekannten sind *fest* davon überzeugt, dass meine Mutter bei bestimmten Events dabei war, dann heißt es schonnmal „Weißt du noch als …“ oder „Wie fandest du es denn dass er an der Bar stand? Er hatte doch bestimmt ganz wenig Zeit für dich…“ oder „Weißt du noch, als ich dich kennengelernt habe bei dem Irish Wiskey…“.
Meine Mutter trinkt keinen Alkohol und die Laube war schon lange abgerissen als sie hierherzog, der Garten wo sie stand existierte nichteinmals mehr.
Dennoch sind einige erst nach Beweisfotos von diesem Glauben abzubringen.
Und solche Vorkommnisse geschehen auch mit anderen Dingen, z.B. Gegenständen, ich habe z.B. einen Bekannten der einen knallroten Mondeo fährt und viele meinen sich daran erinnern zu können, ihn darin kennengelernt zu haben- er hat ihn aber erst seit einem Jahr, zuvor fuhr er einen grünen Van, also was komplett anderes.
Dass er darüber nicht redet, könnte vielleicht heißen, dass er sich schämt das verwechselt zu haben.
Vielleicht ist es eine Epidemie, aber ich bin von meiner Umgebung gewohnt das schonmal ein „Und dann war das, und das, weißt du noch?“ kommt und im besten Fall ein „Ach du warst ja gar nicht dabei…“
Abgesehen von möglichen krankhaften Erscheinungen (die ich den
diplomierten Psychologien überlasse)
die dafür aufgrund dieser Infos auch null Anhaltspunkte haben
Ich seh das genauso wie Kate
Als ich ihn später nochmals darauf angespreche, behauptet er steif und :fest, ich sei dabei gewesen
Was hätte ihn denn bitte erwartet, wenn er zugegeben hätte, dass er sich da leider in der Frau geirrt hat? Das ist der klägliche Verlust das Gesicht nicht zu verlieren- wahrscheinlich in dem Bewusstsein, dass man schon mitten drin steht im Fettnapf.
Egal wie er sich verhalten würde, würde es Dir nicht gefallen.
Was mich jetzt am meisten fertigmacht ist, dass er uns beide einfach :verwechselt! Ist es Männern so schrottegal, mit welcher Frau sie :gerade zusammen sind?
Du solltest da eine gewisse „Coolness“ entwickeln. Das ist ihm sicher nicht schrottegal (sonst wär er doch auch nicht wieder da oder?).
Sieh es ein wenig lockerer und von der anderen Seite: es scheint ein netter Abend gewesen zu sein, wenn er sich da noch dran erinnert (sonst tun Männer sich da ja häufig etwas schwer, was die Erinnerung solcher Ereignisse angeht:smile: ) - und wenn er „netter Abend“ mit Dir assoziiert ist das doch eigentlich was schönes.
So lang er Dich anderen gegenüber nicht mit falschem Namen vorstellt, wär ich da nicht so hart.
Gib ihm ne Chance aus dem Fettnapf wieder rauszukommen.
Es macht Dich nun so rum fertig und anders rum wäre es nicht anders gewesen. Und wie auch Kate schon schrieb, ist es Dir zb. gegenüber Freundinnen sicher auch schon passiert „Weißte noch? Wie Du warst nicht mit?“ …
Die sehr schönen Beispiele von Kate zeigen, dass Erinnerung keine 1:1-Abbildung der Vergangenheit sind, die wir beliebig aus einem zuverlässigem Speicher abrufen können. Die Fehler, die sie beschreibt, enstehen im Vorgang des Erinnerns. Dabei muss häufig aus verschiedenen Fetzen ein konsistentes Bild konstruiert werden. Dabei müssen Menschen wegen der begrenzten zur Verfügung stehenden Zeit, der begrenzten Informationsmenge und begrenzten kognitiven Ressourcen auf Heuristiken zurückgreifen. Demnach könnte sich z. B. volgendes abgespielt haben: „Ich habe in dieser Kneipe einen schönen Abend mit meiner Freundin verbracht. Sie war bezaubernd – das war bestimmt…“
In deinem Beispiel spielt aber vermutlich noch etwas anderes eine Rolle: die Kategorie Partnerin. Es könnte sein, dass er sich in der Zeit, als er noch mit seiner Ex-Freundin zusammen war, an diesen Abend erinnert und sich dabei den Fakt „Ich war mit meiner Freundin in dieser Kneipe.“ eingeprägt hat. Möglicherweise hat er sich daran erinnert als ihr an der Kneipe vorbeigefahren seid. In diesem Fall beruhte sein Fehler darauf, dass sich die Bedeutung des Wortes „Freundin“ geändert hat, während er seine sämtlichen Erinnerungen in denen diese Wort vorkommt, aber noch nicht umschreiben konnte. Das fände ich ebenfalls völlig normal.
Außerdem: Die mentalen Repräsentationen von Menschen, die für jemanden zur gleichen Kategorie gehören weisen für ihn sehr viele verbindende Assoziationen auf. Da Erinnern auf Assoziieren basiert, passiert es sehr leicht, dass man Menschen, die zur selben Kategorie gehören verwechselt. So ist es auch bei einer meiner Großmütter. Ihre Kinder und Enkelkinder sind für sie sehr wichtig; sie sind auch sehr unterschiedlich. Dennoch verwechselt sie regelmäßig ihre Namen (was sie meist bemerkt). Diese und der Fehler deines Freundes zeugen also davon, wie das menschliche Gedächtnis funktioniert. Ich vermute deshalb das sein Fehler nichts damit zu tun hat, wie er dich bewertet, sondern damit, wie Gedächtnis funktioniert.
in Ergänzung zu den bisherigen Ratschlägen kurz und knapp:
nichts hinein-interpretieren, nicht überbewerten, also gar nichts tun, sondern Dich einfach freuen, dass Ihr Euch wieder versteht und wieder zueinandergefunden habt!