Gedächtnisverlust

hallo ihr lieben,
mein Geschäftskollege hatte vor ca. einem Jahr einen schweren Motoradunfall. Er hat ein bein verloren, das andere kann er nicht bewegen, er lag ewig im koma und hat dadurch die erinnerung an uns alle verloren. Das alles war für mich wahnsinnig schwer, weil wir uns die zeit vor seinem unfall erst so richtig gut kennengelernt haben, wir konnten uns alles erzählen und hatten schon das nächste " ausgehen" geplant.
seit dem unfall habe ich ihn nur einmal besucht, der anblick war so schrecklich, dass ich jetzt total angst habe ihn wieder zu besuchen. weiß nicht ob er mich jetzt wieder erkennen würde - das letzte mal hat er nur so getan als ob- ich weiß nicht wie ich mich verhalten soll, was ich mit ihm reden soll… hat jemand mit so etwas erfahrung???

Hallo Fegerle :smile:

mmmh, da ist Deinem Kollegen ja ein echter Alptraum passiert… Und da ich Euch beide (und Euren Kontakt „vorher“) nicht kenne, isses natürlich schwer was zu raten. Aber ich könnte mir vorstellen, wenn ich mit einem Bein weniger und einem gelähmten Bein und Gedächtnisverlust (und womöglich noch mit anderen Verletzungen) im Krankenhaus liegen würde, ich würde mich wohl über jeden freuen, der mich besuchen kommt. Immerhin stelle ich mir das so schlimm vor, keine Erinnerungen mehr zu haben, daß ich - glaub ich - so viel wie möglich über „früher“ erfahren wollte…

seit dem unfall habe ich ihn nur einmal besucht, der anblick
war so schrecklich, dass ich jetzt total angst habe ihn wieder
zu besuchen.

Warum hast Du Angst? Meinst Du, er möchte Dich nicht sehen? Das kannst Du ja versuchen rauszukriegen, vielleicht indem Du ihm einen kurzen Brief (vielleicht mit Blumen, Pralinen oder so) schreibst und sagst, daß Du nicht recht weißt, ob er sich über nen Besuch freut. Oder Du läßt über jemanden, der ihn regelmäßig besucht, fragen, wie er so zu derlei Besuchen steht.
Ich würde den Besuch in jedem Fall auch erstmal nicht zu lange ausdehnen, damit Ihr beide etwas Gelegenheit habt, Euch an die „neue“ Situation zu gewöhnen. Aber natürlich mußt auch Du Dir im Klaren sein, daß so ein Besuch für Dich eine gewisse Belastung sein kann…

wie ich mich verhalten soll, was ich mit ihm reden soll…
hat jemand mit so etwas erfahrung???

Ähm, Erfahrung hab ich in der Richtung keine, aber ich würde mal sagen: So normal wie möglich. Die Mitleidsmasche fände ich nicht gut, eher so ein paar lustige Sachen aus dem Alltag, eventuell was aus der Arbeit oder so.

Auch-etwas-ratlose Grüße

Petzi

Hallo Fegerle :smile:, hallo Petzi,

also …ich versuch mal was:

Aber ich könnte mir vorstellen, wenn ich mit einem Bein weniger und einem gelähmten Bein und Gedächtnisverlust (und womöglich noch mit anderen Verletzungen) im Krankenhaus liegen würde, ich

würde mich wohl über jeden freuen, der mich besuchen kommt.

bei mir wäre das eher völlig umgedreht…ich würde niemand
sehen mögen…und ich weiss, dass es in solchen Situationen
vielen so oder so geht. Daher ist es wichtig rauszufinden,
wie es bei ihm ist…gaaanz vorsichtig, am besten übers Pflege-
personal, die Ärzte haben meist weniger Einblick in die Psyche,
da sie sich mehr auf die Physis konzentrieren…

Immerhin stelle ich mir das so schlimm vor, keine Erinnerungen
mehr zu haben, daß ich - glaub ich - so viel wie möglich über
„früher“ erfahren wollte…

Richtig, nur sollte man den richtigen Zeitpunkt abwarten, sprich, wenn der Betreffende von sich aus Fragen stellt…
Er muß erstmal die Orientierung wiederfinden, den Verlust
verarbeiten sowohl den körperl. als auch den seelischen…

seit dem unfall habe ich ihn nur einmal besucht, der anblick
war so schrecklich, dass ich jetzt total angst habe ihn wieder
zu besuchen.

Das ist ganz klar ein Schock, aber merke: der Patient spürt dies
sehr genau!!! Also sei ganz sicher, es zu verkraften, erst dann
geh wieder zu ihm, sonst kannst Du u.U. mehr Unheil anrichten,
was Du ja nun beileibe nicht willst.

Ich würde den Besuch in jedem Fall auch erstmal nicht zu lange

ausdehnen, damit Ihr beide etwas Gelegenheit habt, Euch an die
„neue“ Situation zu gewöhnen.

Das ist schwierig für Außenstehende zu beurteilen, wenn man zu früh geht, bleibt Ratlosigkeit, bleibt man zu lange wird es
quälend…am besten eine Zeitvorgabe wählen. So eine Art Notlüge, ich darf 15 min bleiben…dann evtl. steigern, nachfragen nützt meist nichts, weil der Pat. nicht zugibt, daß
er ermüdet, wiederum mit dem Pflegepersonal absprechen, überhaupt diese Leute so viel, wie es nur irgend geht, einbe-
ziehen.

Aber natürlich mußt auch Du Dir

im Klaren sein, daß so ein Besuch für Dich eine gewisse
Belastung sein kann…

Zeitvorgabe auch aus diesem Grund, richtig.

wie ich mich verhalten soll, was ich mit ihm reden soll…
hat jemand mit so etwas erfahrung???

Ähm, Erfahrung hab ich in der Richtung keine, aber ich würde
mal sagen: So normal wie möglich. Die Mitleidsmasche fände ich
nicht gut, eher so ein paar lustige Sachen aus dem Alltag,
eventuell was aus der Arbeit oder so.

Normal ist die Situation nicht, aber man kann ganz rational
drüber reden, nur bitte erst warten, ob das Gegenüber es schon
verkraftet, sprich, wie siehe oben, wenn er anfängt selber
Fragen zu stellen…

Das sind die Erfahrungen, die ich im Laufe meiner „Karriere“
*lacht* gemacht habe, aber sie sind nicht DIE Lösung, aber
meistens war es so…

vielleicht hilft es Dir ein wenig und Du brauchst Dich nicht
zu schämen, Angst zu haben, die hat jeder vor einer solchen
Situation, im Gegenteil, es ist schön, daß Du Dich kümmern
möchtest und glaub mir, dieser Mensch hat jede Hilfe nötiger,
als Du Dir denken kannst. Manchmal muß man auch gar nichts sagen, nur da sein…

Alles Gute und es geht immer, irgendwie, weiter…

H.-D.

Petzi

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danke ihr lieben!
ich werde auf jeden fall mal andere fragen, die ihn besucht haben. es ist nur so, dass er manche „angeblich“ wiedererkannt hat, sich aber an mich nicht erinnern kann. ich habe mir schon überlegt, ob ich ihm einige fotos von uns mitbringen soll, aber ich denke halt, mich würde das fertig machen, wenn ich fotos sehe, mich aber nicht daran erinnern kann.

außerdem, wie ihr angesprochen habt, fühle ich mich nicht stark genug, ihn zu besuchen, weil ich dann bestimmt wieder weinen muss, auch wenn es schon solange her ist, dass es passiert ist.

ich habe ihn halt so in erinnerung, wie ich ihn vor dem unfall gesehen habe. und wenn im tv mal was kommt, wo einer sein bein weggeschossen bekommt, oder ich jemanden auf der straße sehe, der nur ein bein hat, dann könnte ich jedesmal anfangen zu weinen!
Ich bin ein Mensch dem Krankheiten und Leid sehr nahe gehen. Ich will zwar immer helfen, bin aber zu schwach dazu.

naja, vielleicht schreib ich ihm ja mal einen brief und leg da die fotos rein.

Danke nochmal, für eure antworten!!!

gruß fegerle!