Tun!
Hallo Danielle,
was Du beschreibst ist auch mir nicht unbekannt.
(M)Ein Erfahrungs-, Erlebnis- und Ergebnisbericht:
Das Verharren in alten Verhaltensmustern, das Gefangensein in einem unbefriedigenden Alltag und die damit einhergehende Lethargie resultieren oftmals aus einem Gefühl der Angst vor allem „Neuen“. So sehr man sich auch wünscht, dass so vieles anders sein möge, so sehr scheut man doch die Anstrengung, den Kraftaufwand, die aufzubringende Energie und - nicht zuletzt - die manchmal nicht wirklich abzuschätzenden Konsequenzen aus dem eigenen Handeln.
Man denkt und denkt und denkt … ich könnte, ich sollte, ich müsste. Und letztlich ertappt man sich bei der gedanklich gebastelten Rechtfertigung dafür, dass man nichts tut … alles ist so schwer, alleine schaffe ich das eh nicht, würde sich wirklich was ändern, ach was. Der Kreis hat sich geschlossen und alles beginnt von vorne.
Man schreckt noch nicht einmal davor zurück, andere für das eigene Nichtstun - quasi - verantwortlich zu machen … schließlich war man als Kind schon immer pummelig, schließlich haben uns unsere Eltern Mut nie vorgelebt, schließlich - so hat man uns gesagt - muss man ja funktionieren und schließlich gibt es da ja einen, der die These aufgestellt hat, dass zu viel Denken zu zu wenig Handeln führt - jaja, das wird schon stimmen … *seufz*.
Durch diese und ähnliche Gedanken ist das einzige, das sich ändert, der Grad der - ständig wachsenden - Unzufriedenheit, die Qualität des - ständig sinkenden - Selbstvertrauens und die - niedriger werdende - Schwelle zur Resignation.
Im schlimmsten Fall gelangt man über diesen Kreisverkehr an einen Punkt, der eine so paradoxe Handlung mit sich bringt, dass man schon an unserem Verstand zweifeln muss; die Folge sind echte „Fehllei(s)tungen“. Man isst eine Tüte Chips, obwohl man abnehmen will, man zeugt ein Kind mit einem Mann, den man - eigentlich - verlassen will, man sagt „ja“ zu etwas, zu dem man „nein“ sagen will etc.
Die Lebensqualität leidet, man selbst leidet - waren wir an dieser Stelle nicht schon einmal?!
Auf der Stelle tretend neigt man dazu, alle Probleme gleichzeitig bedenken und vor allem lösen zu wollen. Da das - natürlich - nicht gelingt, erscheint der Problemberg vor uns unüberwindbar.
Ein erster Schritt kann in dem Erkennen liegen, dass man den Problemberg vor sich gar nicht überwinden, sondern abtragen muss. Stück für Stück einen (Stolper)Stein nach dem anderen aus dem Weg räumen.
Eigentlich dachte ich immer, dass ein kontinuierliches Visualisieren
der Sachen, die ich erreichen möchte, mich irgendwann auch zur
Realisierung bringt.
[Hervorhebungen von mir]
Kontinuierliches Visualisieren, hmm … ist das so was wie ein Raum-Zeit-Kontinuum bei Voyager
oder vielleicht … ein Tagtraum?
Der Zeitpunkt namens “irgendwann“ ist so schwammig, dass Du auf dem Weg dorthin Gefahr läufst, im Morast der Frustration zu versinken.
Die Realisierung eines jeden Vorhabens hat einen Anfang und aller Anfang ist untrennbar mit einem Tun verbunden. Als ich das begriffen hatte, habe ich aufgehört zu „visualisieren“ und hypothetische Formulierungen zu gebrauchen und habe angefangen zu „realisieren“.
Was ist mir am wichtigsten? Was muss getan werden, um es zu erreichen? Welche - kleinen - Schritte kann ich unternehmen? Welche Etappenziele können auf dem Weg angesteuert werden?
Ich habe angefangen und gesehen, dass es mir zunehmend leichter fiel, die nächsten Schritte zu gehen, neue Ziele klar zu definieren und die Zwischenstationen zu erreichen. Mit zunehmender Aktivität wurde auch vieles zum Selbstläufer und der nächste Stein des Berges kullerte von allein weg, weil ich den darunter herausgezogen hatte.
In der Zeit war ich mir selbst am wichtigsten und musste einigen Menschen vor den Kopf stoßen; das war sicher nicht schön, aber notwendig. Ich habe mich aufgelehnt gegen alles, was mich persönlich einengte und was mir das Gefühl vermittelte, mich am Leben zu hindern und/oder nicht weiterzubringen. Ich habe, ohne dass ich mich jemals auf meinen Körper reduziert hätte oder von anderen hätte darauf reduzieren lassen, 10 kg abgenommen, war im Fitnessstudio und habe mich mit Dingen beschäftigt, die mir das Gefühl des „flow“ brachten.
Nun ja, einmal angefangen, könnte ich - wie ich gerade feststelle - wohl stundenlang so weiterschreiben. Ich lasse es mal damit genug sein. 
Vielleicht hat es Dir ja ein paar Anregungen gebracht.
Viel Glück!
Birgit