Gedanken zur persÖnlichen nachfolge jesu!

Vorwort
Gestattet sei mir eine Vorbemerkung zu den nachfolgenden Ausführungen.
Sie sind meine Gedanken und Überlegungen die ich im Bewusstsein der Subjektivität und verbunden mit der Einladung sich damit kritisch auseinander zu setzen, verstehend als Impuls zu eigenen Überlegungen, zur Diskussion stelle. In aller Deutlichkeit weise ich darauf hin, sie erheben keinerlei Anspruch auf allgemeinverbindliche Richtigkeit.

Seinen Frieden machen
Es war der Satz eines Freundes und Bruders, der mich zu diesen Gedanken veranlasst hatte. Über diesen Satz, sich im Kreise zu drehen, über den habe ich lange nachgedacht, da ich es oft selbst auch so empfinde. Und so habe ich damit die weitergehende Frage an mich gerichtet, warum ist das so - was ist der Grund dafür?
Die gefundene Antwort lautet, es hängt tatsächlich mit diesem seinen Frieden machen zusammen, einzig aus dem heraus man auch seine Ruhe finden kann.
Ich denke, erst wenn man seine Ruhe gefunden hat, wird auch dieses sich im Kreis drehen weniger bis es irgendwann ganz aufhören wird.

Von den beiden Leben
Über diese Ruhe habe ich nachgedacht und ich muss in aller Ehrlichkeit zugeben, ich kann sie nicht finden, da man sie mir nicht gestattet.
Was ich einfach einmal so in den Raum stellen will. Ich empfinde diese Ruhelosigkeit, die weniger von innen kommt als von außen.
So habe ich mir die Frage gestellt, gab es überhaupt in meinem Leben eine Zeit, wo ich ganz in Ruhe war, diese Ruhe gefunden habe und darin leben konnte, da ich meinen Frieden gemacht hatte - mit allem - im wahrsten Sinn des Wortes, mit Gott und der Welt?
Und tatsächlich diese Zeit gab es, so unglaublich es klingt und ich war sehr glücklich in dieser Zeit, die ich als das „neue Leben“ bezeichne.
Noch einmal habe ich mich auf das „alte Leben“ eingelassen, wobei die Gründe hierfür unerheblich sind, die dazu führten.
Will ich wieder zu dieser „Vollendung“ meiner Ruhe und meines Glücks und Freude kommen, ist die einzige Möglichkeit dieses „neue Leben“ wieder aufzunehmen.
Im Grunde bin ich mir Klaren darüber, was immer ich tue, solange ich in diesem System bleibe, werde ich mich immer mehr oder weniger vor einen Karren spannen lassen müssen, um Überleben zu können.
Dies gilt natürlich im Verständnis dessen, dass ich die „klassische Lebensgestaltung“ fortführe - die ich das „alte Leben“ nenne.
Am Ende ist es eine Gewissensfrage, in wie weit man sich darauf einlassen kann, wo die Grenzen liegen. Im Bewusstsein aller Gefährlichkeit, die damit verbunden ist, dass diese sich ungünstig - denn fliessend - verschieben.
Ich habe lange überlegt was eigentlich dafür oder dagegen spricht, diese Lebensform wieder aufzunehmen, an dem Punkt wieder „einzusteigen“, wo ich ausgestiegen bin. Natürlich habe ich auch über Alternativen nachgedacht, die mir gleiches bieten, um zu sagen in der Anlage und Grundlage gleich sind.
Nicht in Worte fassen kann ich, wie müde ich dessen alles bin, täglich fremd bestimmt, im wahrsten Sinn des Wortes, mehr oder weniger „vergewaltigt“ zu sein.
Meine Ahnungen über diesen spirituellen Weg habe ich einmal niederge-schrieben, mit der Formulierung ich spüre die bevorstehende Veränderung, von der ich glaube sie wird in einer Radikalität stattfinden, die an Brutalität grenzt.
Heute weiß ich, im Kern ist dieses Gefühl zutreffend gewesen, wenn gleich im Ansatz verkehrt - denn diese Veränderung muss ich aktiv auslösen und zwar in einer Radikalität, die wahrhaftige Brutalität ist, die nach außen scheint, wie das sich „zwingen“ und im Grunde nicht mehr ist, als das wirkliche sich nochmals „bezwingen“, aus der die Freiheit wieder gewonnen wird, die ich schleichend hingegeben habe.
Mit der Gewissheit der Erkenntnis lebe ich, diese Freiheit kann man sich nicht proportional umgekehrt wieder zurück holen, wie man sie hingegeben hat. Man holt sie sich zurück - in aller damit verbundener Konsequenz - oder es gilt einzusehen, dass man dafür nicht „taugt“, im Sinne sie „verdient“ zu haben.
Seinen Frieden machen, was nützt es, wenn man selbst dazu bereit ist und es getan hat, jedoch die „anderen“ nicht bereit sind dieses ebenfalls zu tun, mindestens es zu tolerieren?
Erwächst daraus nicht das Recht, in aller Konsequenz handeln zu dürfen, im Sinne einer Reaktion auf die erlebte Aktion?

Abkehr von der Welt - Folge der gelebten Spiritualität
Ich erinnere mich des Nachdenkens darüber - an einen Satz, allen „großen Geistern“ war es unmöglich am Leben in dieser Welt teilzuhaben, im Verständnis es für sich ab zu lehnen, funktionierendes Teil des materiellen Systems zu sein. Tatsächlich ist es eine Unmöglichkeit solches zu tun, diesen Kompromiss einzugehen.
Warum das so ist, ist mir zu erklären unmöglich. Was ich dazu sagen kann ist, diesen Kompromiss einzugehen macht „unglücklich“ und „be- bis hin zu verhindert“ die erwachende Spiritualität sowie deren Entwicklung. Sich darauf einzulassen - auf diesen Kompromiss, dem Geistigen zu folgen und gleichzeitig am Treiben dieser materiellen Welt teilzuhaben erzeugt einen inneren Konflikt, der zuerst einmal nicht aufgelöst werden kann.
Ich will nicht behaupten recht zu haben, einzig aus dem eigenen Erfahren und Erleben kann ich berichten, die Abkehr von dieser Welt - im Verständnis daran nicht mehr teilzuhaben, als funktionierender und aktiver Bestandteil dieses materiellen Systems - ist tatsächlich für gewisse Menschen die einzige Möglichkeit einer erfüllenden und damit wirklich „glücklichen“ Existenz, kommend aus der Freude der erreichten „Befreiung“.
Wahrscheinlich ist es zulässig zu behaupten, es ist der Anfang des spirituellen Weges, der zwar niemals eine „Rückkehr“ in diese materielle Welt ermöglicht, solange man diesen bereit ist zu gehen, jedoch eine gewisse „Teilnahme“ daran das Ziel sein muss, die außerhalb des Materialismus liegt.

Mut zur Umkehr - Rückschritt kann Fortschritt sein
Was mich selbst betrifft habe ich einen fatalen Irrtum begangen, weswegen es auch zu der erlebten „katastrophalen Entwicklung“ kam, in dem ich die Teilnahme an der Gesellschaft mit der Rückkehr in das materialistische System verwechselt habe.
Sich zu irren ist jederzeit gestattet, so wie ich mir auch eingestehe, solches getan zu haben - dies erkennend und dann nichts zu ändern, ist in jedem Fall verhängnisvoll.
Zwischen der Erkenntnis des Irrtums und der Anerkenntnis desselben liegt ebenfalls eine Strecke Weges, die es zurückzulegen gilt. Der man sich - wie ich es getan habe - zu erst einmal verweigern kann, bis am Ende keine andere Möglichkeit bleibt, als sie zu gehen, da weitere Verweigerung nicht mehr möglich ist, will man den spirituellen Weg nicht endgültig aufgeben.
In bildlichen Vergleich gebracht - auf mich angewendet - ich habe erkannt einen Irrweg eingeschlagen zu haben, sozusagen falsch abgebogen zu sein und muss deswegen zurück an diese Kreuzung, an der ich falsch abgebogen bin.

Lässt die Gesellschaft gelebte Spiritualität zu
Auf der Suche nach dem Platz, von diesem Gedanken getragen, habe ich meine Überlegungen angestellt, in dem ich die Frage formuliert habe, hat nicht auch diese Gesellschaft und deren System einen Platz für solche Menschen vorgesehen, die so völlig aus dem „Rahmen“ fallen, wie ich?
Einen wirklichen Platz der Ruhe, an dem man in Ruhe gelassen wird!
Hier bin ich nur auf eine Antwort gekommen, die mich schon lange als Alternative umtreibt, die Einsiedelei. Es ist wohl die letzte Alternative, die unsere Gesellschaft zulässt und sei es nur im Verständnis einer Duldung.
Wenn gleich man sich darüber im Klaren sein muss, sich auf die Einsiedelei einzulassen ist nicht ohne Gefahr, sich selbst vollständig in der Spiritualität zu verlieren und so eine aktive Teilnahme an der Gesellschaft auszuschließen. Ohne dies bewertend beurteilen zu wollen, stellt sich dennoch die Frage, ob nicht gerade die Teilnahme an der Gesellschaft ein wesentlicher Bestandteil des spirituellen Weges ist, da nur solche positiv verändern wirkt - in dem diese Spiritualität in die Gesellschaft getragen wird?
Sofern man sich der Gefahren auf die man sich einlässt bewusst bleibt, ist mit Sicherheit die zeitliche Einsiedelei, im Verständnis des persönlichen Rückzuges und dem sich damit bewussten Entziehen der Gesellschaft, der Anfang einer neuen Wegstrecke. Oft ermöglicht solches erst, den Beginn des eigenen und persönlichen spirituellen Weges.
Die Einsiedelei ist eine Möglichkeit, solange sie ohne Anspruch gelebt wird, in der definierten Äußerlichkeit ihres Erscheinens zwingend zu verwirklichen. Was bedeutet, man sollte für alle Alternativen, gleichen „Inhaltes“ offen bleiben.
Im Kern geht es um dieses (wieder) mit sich selbst ins Reine kommen, woraus dieses „in Frieden mit sich kommen“ erwächst, im Verständnis der Wiederher-stellung der eigenen Harmonie, die auch mir - im besten Sinne des Wortes - abhanden gekommen ist.
In Wirklichkeit geht es immer und einzig, um diesen Frieden, den man unter Umständen bereits gehabt hat und wieder haben möchte.
Nur aus dem gefundenen Frieden und der daraus folgenden inneren Harmonie, die immer ein energetischer trinitarischer Ausgleich ist, kann man neuerlich einen Schritt auf diese Welt zu machen, um nicht in der Abkehr zu verharren, sondern wieder an dieser teilzuhaben.
Wobei zur Trinität zu bemerken ist, diese bildet sich auf den Mensch angewendet aus den Komponenten, Körper Geist und Seele.
Denn ist es nicht letztendlich unsere Aufgabe an dieser Welt teilzuhaben, in dem wir die Welt an uns teilhaben lassen, an unseren Gedanken, Erkenntnissen und Erfahrungen - völlig losgelöst von jeder Rechthaberei und dem Anspruch auf Richtigkeit?
Ist es nicht einfach zulässig, eine Lebensform aus Überzeugung zu leben und diese damit in die Welt zu stellen, nicht als Vorbild, sondern als sicht-bares Beispiel, sich selbst bewusst dazu bekennend, ohne damit etwas zu verbinden?
Solches sollte man nur tun, sofern man sich bewusst und bereit ist, in Frage gestellt, kritisiert und vielleicht auch angegriffen zu werden.
Ist dies am Ende nicht in Wirklichkeit die gelebte und damit erkennbare Entscheidung, im Sinne des eigenen Bekenntnisses der Bereitschaft für den „Königsweg“, den Jesus gegangen ist?

Die Nachfolge Jesu - Die Hoffnung auf den Königsweg
Ist nicht dies eine echte Chance ins Verständnis dieses Jesus zu kommen, was wiederum Voraussetzung für das Verständnis seines Weges ist, den ich mit dem Königsweg bezeichne?
Noch einmal auf die Einsiedelei kommend, stellte sich mir die Frage, ist nicht alle andere Form der Nachfolge zwar eine lebbare Alternative, im wirklichen Verständnis einer Alternative, deren Anspruch auf Vollkommen-heit in Frage gestellt bleibt, ohne soweit gehen zu wollen, zu behaupten solche zu erreichen - chancenlos bleibt?
Kein Mensch konnte mir bis heute wirklich eine gesicherte Antwort geben, auf diese Frage, nach der rechten Nachfolge. Diese Antwort habe ich im Grunde nicht wirklich erwartet, wissend um die Unmöglichkeit einer „zutreffenden und vollständigen“ Antwort.
So wie auch jede Vorstellung über den Königsweg, den Jesus unstrittig gegangen ist, eine Ahnung bleiben muss und in der Art - wie immer wir bemüht sind - ihm diesen nachzugehen, ohne Anspruch bleibt, dass unser Weg tatsächlich zu diesem erwächst.
Wer demnach glaubt, bereits mit der eigenen Entscheidung und der daraus folgenden gelebten Verpflichtung und Bereitschaft, zur Nachfolge Jesu, sich automatisch auf dem Königsweg zu befinden, befindet sich im Irrtum.
Aus dieser Erkenntnis drängt sich die Frage auf, soll man es nicht besser gleich lassen, sich überhaupt auf den Weg zu machen, da dieser unter Umständen nicht zum Ziel führt, nicht zu dem wird, was wir in der Tiefe unseres Herzens ersehnen?
Auch diese Frage muss jeder für sich selbst beantworten. Mir jedoch scheint es wichtig, aus der persönlichen und nicht zuletzt aus der gesamten Verantwortung für die Welt - wenn gleich dieser persönliche Weg unter Umständen nicht zu diesem Ziel führt - ihn dennoch zu gehen!
Einzig deswegen zu gehen, da auch dieser Weg - der immer mein persönlicher spiritueller Weg sein wird - gegangen sein muss, wenn gleich er am Ende nur die Erkenntnis zeitigen könnte, er führt eben nicht zu diesem höheren Ziel.
Und dennoch behaupte ich, selbst wenn er nicht zum Königsweg erwächst, wird er ein Stück gelebte und erfahrene Nachfolge Jesu sein.

Die Einladung Jesu - von der Annahme und den Folgen
Sie steht im Raum, den Jesus selbst hat sie in die Welt gestellt, diese Einladung an uns, die uns gestattet - jedem der sich aufmachen will und so auch mir - uns auf den Weg zu machen, getragen von der guten Absicht und dem ehrlichen Bemühen. Wir dürfen uns einlassen auf diesen Gott, uns ihm hingeben - ihm vertrauend - diesen unseren spirituellen Weg zu gehen, der uns in jedem Fall hinführen wird zu ihm, bauend auf diese Hoffnung, diese Chance zu ergreifen - will man es einmal allgemein verständlich formulieren.
Ein Stück dieses Weges, eine kleine Strecke habe ich zurück gelegt, wenn gleich ich spüre, noch weit von diesem Königsweg entfernt zu sein, so lebe ich heute dennoch in der Gewissheit und Überzeugung diesem Gott bereits begegnet zu sein, in aller Unbeschreiblichkeit bleibend, die mit einer solchen Erfahrung einhergeht.
Ist nicht einfach die Zeit reif, die Erkenntnis längstens in mir gefestigt, nur wenn ich bereit bin ganz loszulassen, wirklich alles aufzugeben und mich vollständig zu lösen bereit bin, von allem was mich in dieser materiellen Welt bindet und festhält, werde ich die Kraft finden diesen - meinen - Weg auszuhalten, der mindestens eine erleb- und erfahrbare Ahnung von der Vollkommenheit des Königsweges Jesu in mir erwecken könnte?

Die sich auflösende materielle Werteordnung
Im Grunde stellt sich mir noch eine ganz andere Frage, wiederum darf ich hierbei auf eigene Erfahrungen zurückgreifen, die ich gemacht habe.
Vorausschicken möchte ich in aller Deutlichkeit und Betonung, dass ich das materielle System unserer Gesellschaft nicht ablehne und von dessen Wichtigkeit für die Mehrheit der Menschen überzeugt bin, vor allem um deren Leben eine gewisse Ordnung und damit Orientierung zu geben, was ich anerkenne und befürworte.
Doch vergessen wir dabei nicht, mit zunehmender Wegstrecke, auf dem eigenen spirituellen Weg, beginnt sich diese gesellschaftlich materielle Werte-ordnung in Frage zu stellen, bis sie am Ende durch eine neue Werteordnung ersetzt ist.
Wobei ich heute soweit gehe zu sagen, es ist viel weniger - im allgemeinen Verständnis - eine neue Werteordnung, denn mehr eine Ordnung der Ausrichtung der eigenen Lebensprinzipien.

Von den Pseudosicherheiten und dem eigenen Überleben
Um auf die Frage zurück zu kommen, die sich stellt, sind nicht alle materiellen Sicherheiten, über die wir angeblich verfügen und darauf zurück greifen können, in Wirklichkeit Pseudosicherheiten, da sie im Ernstfall nicht das halten was sie vorgeben?
Und was passiert mit uns, wenn wir in die Situation kommen, wo diese Sicherheiten nicht wirklich greifen, beginnt nicht dann ein Kampf ums Überleben, den wir bereits vor seinem Beginn verloren haben, da wir alles verlernt haben - dessen wir bedürfen - um zu überleben?
Sind nicht die Menschen, die vermeintlich am Rande der Gesellschaft stehen, genau solche, die dieses Schicksal ereilt hat, die wir so gerne des öfteren abwertig als Bettler und Penner bezeichnen?
Menschen die sich nicht selten in Alkohol und Drogen flüchten, um dieses Leben auszuhalten, das wohl mehr einer vergehenden Existenz gleicht?
Wenn wir fest eingebunden sind in dieses materielle System und die Gesellschaft, wollen wir es im Grunde nicht wirklich wissen, wie wenig uns von diesen Menschen trennt, wie schnell deren Schicksal auch das unsere werden kann!

Der persönliche Besitzstand - Überlebensgarantie?
Ich nehme mich von dem nicht aus, was ich jetzt sage, in dem ich deutlich darauf hinweise, wir halten fest an unserem Besitz, weswegen wir ständig in der Gefahr leben, diesen zu verlieren und in dem Fall alle schmerzlichen Gefühle zu durchleben haben, die mit diesem Verlust einhergehen und was noch schlimmer ist, uns ständige Verlustängste quälen.
Wobei sich für jeden Einzelnen von uns die Frage stellt, in wie weit brauchen wir den persönlichen Besitz?
Aus der Beantwortung bildet sich der Grad der Gefahr des Verlustes, mit allen damit verbundenen unangenehmen Folgen.
Dieser Frage habe ich mich auch gestellt und so will ich nicht verschweigen, im Grunde bin ich zuerst einmal zu keiner befriedigenden Antwort gekommen, statt dessen zu einer betrüblichen Erkenntnis.
Für alles, was ich besitze, habe ich eine Begründung gefunden, warum ich es besitzen muss und was dagegen spricht mich davon zu trennen.
Wer sich dieser Frage stellt, wird in aller Ehrlichkeit zugeben müssen, längst haben wir den Überblick verloren, da wir nicht mehr in der Lage sind unseren Besitz nach wichtig und unwichtig zu unterscheiden. Wir können es nicht - auch ich hatte es verlernt!
Diese Möglichkeit haben wir verloren, weswegen wir unser Leben dazu verwenden, Besitzstand anzuhäufen, den wir am Ende unserer Zeit in dieser Welt zurücklassen werden, da wir ihn eben nicht „mitnehmen“ können.
Alle Kraft und Energie braucht es, um ihn anzusammeln und zu erhalten, in der bekannten Ungewissheit der jederzeitigen Gefahr des Verlustes, die einhergeht mit den bis dahin quälenden Verlustängsten.
Wir haben verlernt zu überleben und damit auch vergessen was es dazu wirklich braucht. Die persönliche Unabhängigkeit, da wir jeder einmal für uns selbst überlebensfähig waren, haben wir geopfert. Wir sind abhängig geworden von dem materialistischen System unserer Gesellschaft, das uns die das eigenen Überleben sichern soll. Wird es diesem Anspruch wirklich gerecht?
Wir sollten uns bewusst werden, solange wir diese Abhängigkeit aufrecht erhalten, solange sind wir vom Wohl und Wehe dieses materiellen Systems abhängig - einfacher formuliert - wir haben ein Leben in Freiheit der Unfreiheit der Zwänge unterworfen.
Wissend um den Protest, den ich mit dieser Aussage auslöse, behaupte ich dennoch, das Maß der persönlichen Freiheit bestimmt sich am Grad der eigenen Unabhängigkeit, insbesondere von den vorgegebenen Lebensprinzipien der materiellen Gesellschaft, im Verständnis der materiellen Werteordnung, die den persönlichen Besitz ganz oben ansiedelt.
Denn wer besitzt hat Erfolg und darüber definiert sich dessen Wert für die Gesellschaft. Was im Grundsatz nicht mehr ist, als die logische Konsequenz, solange man die Gesellschaft erkennt, als die materielle Wertegemeinschaft.

Verantwortung und Schuld für die Entwicklung der Welt
Unstrittig bleiben die Tatsachen, der Mensch war es, der aus dieser Welt eine materielle Welt gemacht hat. Weshalb sich kein Mensch aus dieser kollektiven Verantwortung persönlich frei sprechen kann, denn mindestens bis zum eigenen Erkennen und Verständnis ist er Teil dieser materiellen Welt gewesen und hat so auch seinen Beitrag dazu geleistet.
Nicht geht es um die Frage von Schuld, sondern um die Verantwortung - aus der zwar Schuld erwachsen kann aber nicht zwingend muss. Für etwas verantwortlich zu sein ist eine Sache, sich schuldig zu machen eine andere.
Denn wer sich der Verantwortung bewusst wird, bekommt ein Gefühl für entstehende Schuld und wird demnach alles daran setzen sich nicht schuldig zu machen.
Wobei unbeantwortet die Frage bleibt, ist die Abkehr von und die Verweigerung der Teilnahme und Mitwirkung an der materiellen Welt der richtige Weg?
Ich persönlich erlaube mir dies in Frage zu stellen, da es für mich die Verweigerung der Annahme der eigenen Verantwortung ist, die in jedem Fall Schuld auslöst, durch das sich damit vollziehende Unterlassen.

Wie schwierig es ist, dieser Verantwortung gerecht zu werden, erkennt man am Grad der Entwicklung der materiellen Welt. Wir tragen zuerst einmal Verantwortung für die Menschen. Vergessen wir nie, die materielle Welt haben wir soweit entwickelt, dass es für die Masse der Menschen unmöglich ist außerhalb dieser zu überleben. Weswegen größte Vorsicht geboten ist, bei jeder Veränderung dieser materiellen Welt, wenn wir solche anstreben - damit wir nicht dadurch das Überleben der Menschen gefährden.
Wollen wir diese Entwicklung der materiellen Welt verändern - in dem wir die Menschen aus der Abhängigkeit in die Unabhängigkeit führen, müssen wir selbst zuerst wieder das selbständige Überleben lernen und dieses Wissen dann an die Menschen weiter geben. Unabhängigkeit bedeutet demnach in erster Linie in der Lage zu sein, als Mensch zu überleben - ohne fremde Hilfe, da sich sonst daraus wieder neue Abhängigkeit erzeugen würde.

Leben - Eine Frage des materiellen Besitzstandes?
Alle Menschen, die sich als funktionierende Bestandteile des materiellen Systems betrachten und sich damit in der materiellen Welt beheimatet wissen, werden darauf entgegnen - genau deswegen bedarf es des eigenen Besitzstandes, um Überleben zu können.
Ist nicht da der feine Unterschied übersehen worden, zwischen materiellen Notwendigkeiten zur Erhaltung der eigenen Existenz, die das rein physische Überleben sichern und dem was ich meine, dem Überleben des Menschen selbst?
Der Mensch in seiner Gesamtheit - spricht man vom Leben - kann eben nicht nur auf die Körperlichkeit reduziert werden, sondern ist die Summe von Körper, Geist und Seele. Dies ist was den Menschen bildet und ausmacht, in aller Unterschiedlichkeit, die wir Individualität nennen, wie er für uns andere Menschen erfahr- und erlebbar wird.

Das selbst entworfene Bild Gottes
Die gefährliche Fata Morgana der Seele?
Zurückkehrend auf die eigene spirituelle Entwicklung, die allgemein verständlich - mit dem Weg hin zu Gott - bezeichnet wird, aus dem zugegeben ein persönliches Gottverständnis und -verhältnis erwachsen kann.
Nicht wirklich trifft es diese Bezeichnung, denn einen Weg hin zu Gott gibt es nicht!
Vielmehr kann man seinen Gott entdecken, aus dem heraus wir kommen und ihn deswegen in uns tragen - im besten Sinne des Wortes - durch die Zeit unserer weltlichen Existenz mitnehmen. Völlig unabhängig ob wir dessen Existenz verleugnen und bestreiten, wozu im Übrigen Gott selbst uns berechtigt hat.
Seinen Gott entdecken bedeutet demnach nicht mehr, als ihn zu zulassen, ihm in uns und unserem Leben Raum zu geben. Was ich als den beginnenden Dialog mit Gott bezeichne, auf den es sich einzulassen gilt.
Wohl verstanden, zuerst einmal gilt es sich auf diesen Dialog einzulassen, ohne dabei zu hinterfragen - wer oder was ist Gott.
Sehr lange habe ich gebraucht, bis ich begriffen habe, sich eine Vorstellung über und von Gott zu machen ist wenig hilfreich und ich gehe heute soweit zu sagen, es wird verhindern und behindern.
Selbstverständlich habe ich es falsch angefangen, da ich mir ein sehr genaues Bild von Gott gemacht habe und dabei teilweise aus bestehenden und mir bekannten Bildern das entnommen habe, was ich für mein Bild passend empfand.
Die Folge war, wie ich diesen Gott erfahren und erlebt habe, als ich mich auf den Dialog eingelassen habe, erzeugte dies Widersprüche in mir. Diese wiederum drohten unauflöslich zu werden und lief so Gefahr an diesen zu zerbrechen.
Blicke ich heute zurück, auf meine fast zehnjährige Zeit im Orden, die ich einmal unter diese allgemein verständliche Begrifflichkeit stellen will, „meinen Weg hin zu Gott“, so erkenne ich die vielen guten Ansätze und wertvollen Erkenntnisse, die mir zuteil wurden.
Am Ende waren es nur Ansätze und Erkenntnisse, die mich nicht fest genug auf dem Weg hielten, sondern wankelmütig scheinend - nach rechts und links - von diesem Weg abweichen ließen.
Heute bin ich mir Klaren darüber, was diese Abweichungen vom Weg verursacht hat, es waren die in mir wachsenden Widersprüche, die sich ergaben, einerseits aus dem Erfahren und Erleben Gottes und andererseits - dagegen stehend - das in mir zuvor fundamentierten Gottesbild (durch mich geschaffen).
Dieses selbst geschaffene Gottesbild ist zwischenzeitlich abgelöst, durch das erfahrene und erlebte.

Über Gott führt der Weg zu Jesus - dem Erlöser
Unweigerlich wird man mit dem zunehmenden Dialog mit Gott, sich zwingend auch mit dessen Sohn, Jesus Christus, beschäftigen.
Geht man - ohne theologisches oder sonstiges lehramtlich vermitteltes Wissen - an diese Jesus Geschichte heran, ist die erste Feststellung sicher diese, ein unglaublicher Mensch, ein Revolutionär - der aufgerüttelt und die Menschen mehr oder weniger nachhaltig beeindruckte!
Geht man dann noch etwas tiefer in die überlieferten Geschichten, die in der Bibel nachzulesen sind, stellt man fest, welche Gefahr für das damalige Gesellschaftssystem von diesem Jesus - in seiner Zeit - ausgegangen ist.
Wobei die Gefährlichkeit nicht negativ, wenn gleich sie so empfunden wurde - sondern positiv verändernd - zu verstehen ist, denn im Grunde genommen hätte dieser Jesus, wäre man ihm gefolgt (wozu man nicht in der Lage war), die ganze Welt und damalige gesellschaftliche materielle Werteordnung auf den Kopf gestellt, die übrigens bis heute nach wie vor Gültigkeit hat.
Wen wundert es wirklich, wenn die damaligen Machthaber und „Besitzenden“, sich dieser Gefahr bewusst werdend, dieser nachhaltig und konsequent begegnet sind, in dem sie sich dieses Jesus entledigten.
Dies ist, was auffällt, im ersten Moment. Dennoch ist es längst nicht alles, beschäftigt man sich mit seinem Tod.
Aus dieser - von den Mächtigen - organisierter Tötung Jesu, vollzog sich die göttliche Erlösung der gesamten Menschheit.
Zwei Fragen stellen sich mir dabei, haben die Mächtigen ihr Ziel erreicht und was ist gemeint mit dem Erlösungstod?
Erste Antwort, die Mächtigen haben ihr Ziel tatsächlich erreicht, die mutmaßlich erkannte Gefahr ist - wirkungsvoll bis heute - beseitigt.
Seit her ist keiner mehr in diese Welt gekommen, der ernsthaft am Besitzstandsdenken und der materiellen Werteordnung der Gesellschaft in dieser materiellen Welt so nachhaltig gerüttelt hat, wie Jesus es tat.
Selbst die Religionen und Konfessionen, die sich als Nachfolger Jesu verstanden und verstehen, haben dieses Besitzstandsdenken übernommen und nicht zuletzt bleibt es eine historische Tatsache, dass dafür Kriege geführt wurden.
Die Bewertung, in wie weit sich damit Religion und Konfession selbst, im vermeintlichen Auftragsverständnis Jesus handelnd, in Frage stellt, fühle ich mich zu beurteilen überfordert und so soll es jedem selbst überlassen sein, solches zu tun oder zu lassen.
Vielmehr möchte ich, statt dessen - auf die mit dem Tod Jesus einhergehende göttliche Erlösung der gesamten Menschheit eingehen und auch hier nicht eine Bewertung anstellen, sondern es ebenfalls anheim stellen, diese aus dem eigenen Verständnis zu tun oder zu lassen.
Etwas hat mit Sicherheit stattgefunden, ob es in der Begrifflichkeit unseres heutigen Verständnisses eine wirkliche Erlösung war, darf sicher in Frage gestellt werden.
Stellt man diese Erlösung in den Kontext zu der vollzogenen Absicht der damaligen Mächtigen und Besitzenden, sich einer Gefahr durch Beseitigung der Gefahr zu entledigen, könnte diese Erlösung auch dahingehend verstanden werden, dass zwar durch die Tötung die vermeintliche Gefahr beseitigt war, dies jedoch trotzdem sinnlos bleibt und ist, da sich diese Gefahr nicht wirklich ergibt, sobald sich die Menschen zu „ihrem“ Gott, nicht kollektiv - sondern persönlich - bekennen.
Denn tun sie solches, beginnen sie die beiden Gebote zu leben, die Jesus als die wichtigsten und - gleich wichtig - erklärte. Die so zum bestimmenden Mittelpunkt ihres Lebens werden, gemeint ist das Gebot seinen Gott zu lieben und das Gebot der Nächstenliebe.
Allein aus dem gelebten Gebot der Liebe würde das eigene Besitzstandsdenken eine andere Dimension erfahren, im beginnenden Verständnis, Besitz darf nicht persönlich, um des besitzen willens sein, sondern ist Allgemeingut, um dieser gelebten Nächstenliebe willen und die jeweils Besitzenden sind nicht mehr als die Verwalter des allen gemeinsamen Besitzes.
Woraus sich eine weitere Frage formuliert, die nach der jeweils persönlichen Beantwortung durch einen jeden Menschen verlangt, sofern er Besitzender ist.
Bin ich bereit, mich der Aufgabe der Verwaltung von Besitztum zu stellen, in aller damit einher gehender Verantwortung?
Persönlich beantworte ich diese Frage mit einer klaren Ablehnung, da ich für mich andere Aufgaben erkannt habe und für diese frei sein will.
So kehre ich noch einmal zum persönlichen Besitzstand zurück, unter der Voraussetzung des persönlichen Wunsches, diese Nachfolge Jesu anzutreten, im Verständnis seinen persönlichen spirituellen Weg zu gehen.
Gibt es nicht tatsächlich nur eine Entscheidung, unter Berücksichtigung der vorstehenden Gedanken, die es in aller Konsequenz und Radikalität zu vollziehen gilt, sich vom eigenen Besitz zu trennen, sofern man diese Aufgabe des Verwalters nicht übernehmen will?
Kann nicht solches Handeln bereits Teil der beginnenden Erlösung sein, auch wenn wir hier selbst Hand anlegen - was mit Sicherheit nicht im Widerspruch zum grundsätzlichen Erlösungsgedanken steht?

Die wirkliche Veränderung unserer Welt
Lässt man sich auf diese Ausführungen gedanklich ein, kann man diesen interessante Überlegungen abgewinnen.
Das Nachfolgende soll weder eine Bewertung noch eine Beurteilung von Konfession, Religion oder Bekenntnis sein, wie es auch nicht in Kontext zu diesen gestellt werden soll.
Eine Veränderung der materiellen Welt aus sich selbst heraus ist unmöglich, was wohl unstrittig ist. Jede Veränderung muss aus den Menschen heraus kommen, nicht einzelnen - sondern in der Gesamtheit der Menschheit.
Sobald sich der Mensch dieser göttlichen Abstammung bewusst wird und diese anerkennt - ohne sie dabei zu definieren - erwächst das eigene Bewusstsein für die in ihm implantierte Gottesliebe, zu der er fähig ist und die er in der praktizierten Nächstenliebe zum Leben erweckt.
Sobald diese Nächstenliebe zu leben ihm selbstverständlich wird, verändert sich damit auch sein Verhältnis zum Besitzstand. Beides ist untrennbar miteinander verbunden und das ist im Wesentlichen auch die Jesus Aussage, die allen diesbezüglichen Gleichnissen in der Bibel gemeinsam ist.
Denn zu keiner Zeit hat Jesus den Besitzstand verteufelt, sondern die jeweilige Einstellung dazu. Besitzstand ist grundsätzlich nichts schlechtes oder gar verwerflich, solange man sich als verantwortungsvoller Verwalter um dessen Beschaffung bemüht, wie auch dessen Verwendung.
Würde hier der Umdenkprozess in unserer materiellen Gesellschaftsordnung stattfinden, wäre es völlig in Ordnung, dass die einen mehr und die anderen weniger besitzen, der in jedem Fall allgemeiner Besitz wäre.
Die jeweiligen Besitzmengen wären dann nur Ausdruck der jeweiligen persönlichen Verwaltereignung.
Darüber sollte man sich im Klaren sein, nicht jeder eignet sich zum Verwalter, weswegen es nicht verkehrt ist - entscheidet man für sich selbst, sich vom persönlichen Besitz zu befreien, wenn man sich in aller Ehrlichkeit eingestehen muss, von diesem belastet und behindert zu werden.
So kann zusammenfassend festgestellt werden, diese materielle Welt und das dazugehörige materielle System der Gesellschaft ist zulässig und sinnvoll, lediglich am rechten Verständnis und der Einstellung mangelt es.
Solange wir aber diesen kollektiven Besitzgedanken nicht verinnerlicht haben, solange müssen wir alle - ob wir uns zum Verwalter eignen oder nicht - diese Verwaltungsaufgabe ausüben, da Besitzstand Teil dieser materiellen Welt ist.
Ein letzter Gedanke dazu sei gestattet, es gab einige Versuche der Menschheit, was kollektiven Besitz betraf, die allen scheiterten, man nannte es Sozialismus und Kommunismus.
Sind sie am Ende nicht einfach deswegen gescheitert, weil die Menschen aus sich selbst heraus handelten, bewusst diesen Gott verneinend und verleugnend. Denkt man über diese kommunistischen und sozialistischen Experimente nach, fühle ich mich unweigerlich in die Zeit Jesu versetzt, wo Menschen von Eigeninteressen bestimmt zur Sicherung derselben, sich dieses Jesus entledigten. Verwundert es wirklich, dass am Ende diese im Kommunismus und Sozialismus staatlich ausgeübte Willkür zum Scheitern verurteilt war?
So wenig wie wir diesen Jesus in Abrede stellen und seinen Tod bestreiten können, so wenig wird der Mensch umdenken, solange er sich nicht zu seiner Abstammung bekennt und damit seinen Gott anerkennt.

BITTE VERSCHIEBEN INS STORYBRETT!
Lieber Pater,

du scheinst das Prinzip von wer-weiss-was nicht verstanden zu haben. Sonst würdest du hier nicht einen Gedankenschwall nach dem anderen niederschreiben, und dass im Bewusstsein, dass das wirklich nicht erwünscht ist (wie dir ja schon mitgeteilt wurde).

Zur christlichen Nächstenliebe gehört auch die Achtung vor dem Anderen. Und das impliziert, dass man sich nicht aufdrängt (GROSSBUCHSTABEN, ELLENLANGER TEXT), zumal nicht, wenn man das an einem Ort macht, der nicht dafür vorgesehen ist (über die Eignung könnte man ja streiten, aber das ist ja nicht das Thema).

Niemand hat etwas gegen deine schriftlichen Glaubensvergewisserungen einzuwenden, wenn du sie dort platzieren würdest, wo sie hingehören. Hier aber fühle ich mich persönlich von deinen Texten gestört - und nicht nur ich …

Herzliche Grüße

Thomas Miller

…Gedanken und Überlegungen die ich im
Bewusstsein der Subjektivität und verbunden mit der Einladung
sich damit kritisch auseinander zu setzen, verstehend als
Impuls zu eigenen Überlegungen, zur Diskussion stelle. In
aller Deutlichkeit weise ich darauf hin, sie erheben keinerlei
Anspruch auf allgemeinverbindliche Richtigkeit.

Hier ist mein Diskussionsbeitrag.
Er erhebt ebenfall keinen Anspruch auf allgemeinverbindliche Richtigkeit.

Brauchen wir eine neue Theologie?

  1. Die Krise des christlichen Glaubens

Nie zuvor in der zweitausendjährigen Geschichte des Christentums ist der Rückgang des Glaubens so dramatisch gewesen wie seit der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts. Die alte Volksreligiosität mit ihrer Gewißheit ist nicht mehr vorhanden; die Zahl derer, die keinerlei Bezug zu christlichen Begriffen, Vorstellungen und Glaubensinhalten haben, wächst rasch. Immer mehr Menschen fühlen sich in ihrer Befindlichkeit vom spirituellen Angebot des Christentums nicht mehr angesprochen und verstanden, sie betrachten es als weltfremd und wie einen überlebten Aberglauben. In Westeuropa und Nordamerika schrumpft die Zahl der Mitglieder der beiden großen Kirchen jährlich um mehr als ein Prozent. Die Nachwuchssorgen besonders des katholischen Klerus, aber auch der evangelischen Geistlichkeit werden immer ernster.

Was ist der entscheidende Grund für diesen offensichtlichen Niedergang?

Ist es der, daß wir heute in einer aufgeklärten Welt leben, in der die explosionsartig sich entwickelnde Wissenschaft den Glauben immer mehr zurückdrängt, wie so oft behauptet wird? - Sicher nicht. Denn gerade im rasanten Wissenschaftsfortschritt wird uns auch die große Gefahr bewußt, daß wir ihn aus der Kontrolle verlieren könnten; wir fühlen uns auf vielen Gebieten (Militär-, Medizin-, Gentechnik usw.) hilflos ausgeliefert und fragen nach Grenzen zu unserem Selbstschutz, nach ethischen Kriterien, die außerhalb unseres ehrgeizigen wissenschaftlichen, allein auf enge, menschliche Maßstäbe reduzierten Denkens liegen. Dieses Fragen mündet bei vielen Menschen durchaus auch in religiöses Suchen, wie wir beobachten können.

Liegt der Grund für den Verfall des christlichen Glaubens im Zeitgeist, in der materialistischen Grundorientierung des heutigen „westlichen“ Menschen? - Wieder eindeutig nein, denn je materialistischer eine Gesellschaft eingestellt ist, desto mehr braucht sie ein Gegengewicht zu dieser Einseitigkeit, braucht sie die Religion. Wir spüren das sehr deutlich an dem zunehmenden Gefühl der inneren Leere, die sich in so vielen, vor allem jungen Menschen breitmacht und das sie unter anderem mit der Flucht in Formen sinnloser Zeitvergeudung oder in eine Computerspiel-Scheinwelt, mit Rauschmitteln, aggressiven und autoaggressiven Verhaltensweisen, lebensgefährlichen Sportarten und der Entdeckung immer neuer „Kicks“ zu betäuben versuchen. Aber auch in der Suche nach Gemeinschaft in ideologischen (etwa neonazistischen) Gruppierungen, in religiösen (vor allem fernöstlichen) und pseudoreligiösen (wie etwa satanischen) Kulten zeigt sich die Sehnsucht nach einer Ausfüllung dieser Leere.

Nach meiner Auffassung liegt die Hauptursache für die gegenwärtige Krise des Christentums in einer Theologie begründet, die bis zum heutigen Tag nicht bereit ist, die Erkenntnisse von hundert Jahren Religions- und Bibelwissenschaft zur Kenntnis zu nehmen; in einer Theologie, deren halbherzige Versuche, den christlichen Glauben im Licht der Gegenwart und der Bibelforschung neu zu überdenken, auf gelehrte Publikationen und Vorlesungen beschränkt bleiben, während dem Volk weiterhin in Predigten und Erbauungsschriften verkündet wird, was nicht verstanden werden kann, sondern angeblich nur geglaubt werden muß. Der mündige Mensch von heute aber mit seinem kritischen Denken und seinen vielen Fragen, der Wert legt auf Erkenntnis und Lebensnähe, auf Meinungs- und Entscheidungsfreiheit; der selbstbewußte Zeitgenosse, dem Institutionen mit absolutem Wahrheitsanspruch zuwider sind und der eine unüberwindliche Abneigung hat gegen Bevormundung und hohle Phrasen, der ist mit theologischen Lehraussagen, die vor Jahrhunderten auf der Grundlage einer mißverstandenen Botschaft ein für allemal festgelegt wurden und die mit dem Verstand nicht zu erfassen sind, kaum noch zu erreichen, geschweige denn für die christliche Religion zu öffnen.

  1. Hauptforderung an eine zukünftige Theologie

Unter „Theologie“ verstehen wir

  • im allgemein üblichen Sinne die wissenschaftliche Erforschung, Interpretation und Vermittlung von Glaubensaussagen,

  • im weiteren Sinne jede religiös geprägte Erkenntnisbemühung und

  • im engeren Sinne (an die eigentliche Wortbedeutung [theos = Gott und logos = Wort, Rede, Einsicht] anknüpfend) eine spezielle Lehre vom „wahren“ Wesen Gottes als Basis eines umfassenden Lehrgebäudes.

Die ganze bisherige christliche Theologie hat sich vorrangig mit der aus der dritten Bedeutung abzuleitenden Aufgabe identifiziert und ihr die sich aus der ersten, der hauptsächlichen Bedeutung ergebende untergeordnet.

Hätte sie sich im notwendigen Maße dieser ersten und eigentlichen Aufgabe zugewandt, dann wären unter anderem folgende wichtige Erkenntnisse der Bibelwissenschaft und der allgemeinen und vergleichenden Religionsgeschichte heute selbstverständliches Wissensgut der Gläubigen:

(1) Wir können absolut nichts darüber sagen, wer oder was „Gott“ ist. Alles, was wir zu wissen glauben, sind Projektionen der Gläubigen, Bilder, die der Mensch sich selber von dem macht, was er „Gott“ nennt. Diese Bilder können hilfreich sein, aber sie dürfen nicht für Wahrheit oder gar als Kriterien für den „rechten“ Glauben ausgegeben werden.

Der (heiliggesprochene) Thomas von Aquin definierte sehr zu recht den „Theologen“ als jemanden, „der nicht weiß, wovon er spricht“. 1

(2) Die Geschichte Jesu Christi im Neuen Testament ist nicht als Bericht über tatsächliche Begebenheiten zu lesen, sondern als die spezifische Ausgestaltung eines uralten Mythos. Es ist ein (von der Amtskirche fleißig unterstützter) Irrtum, Geschichten mit Wahrheit zu identifizieren und Mythen mit Erfindung. Aber nur wenn wir das Christentum als einen großen Mythos verstehen, können wir wesentliche existentielle Erkenntnisse über uns selbst, das Wesen des Menschen sowie die Zukunft der Menschheit und der Welt, in der wir leben, entdecken und erfassen. So bedeutet „Glaube“ unter anderem auch, die tiefe Wahrheit der christlichen Mythen ernstzunehmen und im eigenen Leben zu erfahren. Zum Verständnis unseres Woher und Wohin und des Sinnes unseres Lebens und des Lebens überhaupt sind religiöse Mythen unverzichtbar.

„Vom Jesus-Mythos zu sprechen, bedeutet nicht, Jesus abzuwerten oder die Tatsache zu bezweifeln, daß er gelebt, gelehrt, gelitten hat und auf Golgatha gestorben ist. Im Gegenteil, es bedeutet, ihm Ehre zu erweisen.“ 2

„Wenn Gott den Jesus von Nazareth … zum ‚Menschensohn‘ erhöht hat, der auf den Wolken des Himmels kommen wird, um Gericht zu halten und das Heil der Gottes Herrschaft zu bringen, so ist damit … der Mythos auf einen konkreten Menschen übertragen worden, und die Folge wird sein, daß die Kraft der Zuversicht unermeßlich gewachsen ist.“ 3

Der historische Jesus hat nur wenig gemein mit dem im Neuen Testament und später von der Kirche verkündigten Christus. Die Evangelien enthalten nicht Jesu Biographie, sondern Nachschöpfungen seiner Reden und Taten zum Zwecke der Deutung seines Lebens und Wirkens und seines Todes sowie theologische Interpretationen. Glauben und Handeln auf die in der Bibel stehenden Worte Jesu zu gründen, die ihm zumeist erst viel später in den Mund gelegt worden sind, ist naiv und kann leicht in die Irre führen.

„Sie [die Evangelien - RENATUS] immer wörtlich zu nehmen, auch wenn sie nicht so gemeint sind, ist dumm, oberflächlich und letztlich areligiös.“ 4

(3) Die christliche Religion kann angesichts der Tatsache, daß sie ihre tiefsten Wurzeln mit anderen Religionen gemeinsam hat, keine Einzigartigkeit beanspruchen. Sie hat sich wie alle Religionen als Ausdruck der ewigen Suche der Menschheit nach dem Göttlichen in einem speziellen Kulturkreis und in einem bestimmten historischen Rahmen entwickelt. In ihrer speziellen Ausprägung enthält sie nicht mehr und nicht weniger Wahrheit als andere Religionen aller Zeiten und Kulturen.

(4) Christlicher Glaube hat auf Dauer keine Zukunft, wenn er nicht aus der Kruste von Katechismen und Dogmen herausgebrochen wird und wenn der Geist des Evangeliums sich nicht in der Institution Kirche widerspiegelt und beispielsweise auch im Vatikan Einzug hält.

Den Wortlaut des Apostolischen Glaubensbekenntnisses wird selbst ein gläubiger Christ heute höchstens in Achtung vor dem ehrwürdigen Ursprung und dem hohen Alter dieses Textes oder vielleicht gar nur aus Gewohnheit mitsprechen, keinesfalls aber ernsthaft in seinem Wortlaut nachvollziehen können. Erst recht sind für Menschen, die der christlichen Tradition fernstehen, solche Vorstellungen wie das Dreieinigkeitsdogma, die Transsubstantiationslehre, die Jungfrauen- geburt, die Totenerweckungen, die Auferstehung und die Himmelfahrt Jesu sowie das Unfehlbarkeitsdogma unzumutbar, solange der buchstäbliche Glaube daran verlangt und erwartet wird.

All dies (und noch weit mehr) zu akzeptieren und den Menschen ehrlich und glaubwürdig zu vermitteln, das muß als eine vorrangige Aufgabe der Theologie erkannt werden, wenn das Christentum nicht noch weiter an Boden verlieren soll.

Die künftige Theologie wird gezwungen sein, sich überall dort vom Staub der Jahrhunderte zu befreien, wo er das ureigentlich Gemeinte - die lebenschaffende und erlösende Kraft des Jesus-Mythos - bis zur Unkenntlichkeit überlagert. Sie wird nicht umhin können, Mißverständnisse und Irrtümer abzustreifen, die längst als solche erkannt sind. Sie wird sich schließlich unbedingt der eminent wichtigen Frage zu stellen haben, wie den heute und künftig lebenden Generationen die ewige Wahrheit des Christentums so aktuell vermittelt werden kann, daß sie von ihnen angenommen wird. Nur dann kann die ursprüngliche revolutionäre und erlösende Kraft des Glaubens wieder erwachen und uns zur Helferin werden bei der Bewältigung unserer geistlich-seelischen Nöte sowie beim Verstehen und Verändern der bedrohten Welt, in der wir leben.

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1 Thomas v. Aquin: Summa theologica, Graz-Wien-Köln, 1985, S. 151
2 de Rosa, Peter: Der Jesus-Mythos, München 1991, S. 51
3 Bultmann, Rudolf: Theologie des Neuen Testaments, Tübingen 1980, S. 61
4 de Rosa, Peter, a.a.O., S. 42

Hier aber fühle ich
mich persönlich von deinen Texten gestört - und nicht nur ich

In der Tat, Thomas,
auch ich finde, dass hier nicht die Plattform für Erweckungspredigten mit missionarischem Eifer irgendwelcher Art ist.
Die Brettbeschreibung ist eindeutig:
„In diesem Brett sollen Fragen über religiöse und moralische Ansichten erörtert werden.
Verbale Kreuzzüge sind jedoch unerwünscht.“
Zumal Sermone diesen Umfanges einer wirklichen Diskussion nicht gerade förderlich sind. Sie scheinen mir eher - höchst unchristlich - ein Rüchlein der Selbstbeweihräucherung um sich zu verbreiten.
Gruß
Eckard.

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Ignoriert es doch einfach ! (owT)
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