Gedicht auf franzoesisch

Hallo,

mein noch nie besonders glorreiches Schulfranzoesisch reicht nicht. Kann mir jemand folgendes Gedicht uebersetzen?

Et que me fait a moi qu’on soit belle ou jolie,
A moi qui, par raison, ai fait une folie;
Je ne puis que gemir lorsque tout me sourit.
Et l’austere vertu qui partout suit mes traces,
A peine me permet les plaisirs de l’esprit,
Lorsque mon coer emu veille au chevet de graces.

Vielen Dank schon mal!

Schoenen Gruss,
Gnlwth

Ich versuch’s mal:

Et que me fait a moi qu’on soit belle ou jolie,

Was kümmert es mich, dass man schön oder hübsch ist,

A moi qui, par raison, ai fait une folie;

Was, wer, durch Vernunft, aus seiner Rolle fällt*;

*Ich kenne « faire une/des folie[s] » nur als „Geld aus dem Fenster werfen“, aber laut Wörterbuch gibt es auch diese Bedeutung.

Je ne puis que gemir lorsque tout me sourit.

Ich kann nichts als ächzen*, wenn alles mir zulächelt.

auch: stöhnen, jammern

Et l’austere vertu qui partout suit mes traces*,

Und die strenge Tugend(haftigkeit)*, die mir auf Schritt und Tritt folgt,

wörtlich: „… die überallhin meinen Spuren folgt“

A peine me permet les plaisirs de l’esprit,

Erlaubt mir kaum Vergnügungen des Geistes,

Lorsque mon coer emu veille au chevet* de graces.

Wenn mein bewegtes Herz am Gnadenbett** wacht.

*„chevet“ ist das Kopfende eines Betts; gemeint ist mit dieser Formulierung, dass man Wache hält am Bett eines meist Kranken.
**Kleingeschrieben bedeutet « grâce » so viel wie „Gnade, Anmut, Grazie, Reiz; Gunst, Wohlwollen“; daher die Übersetzung (auch möglich: „am Bett der Gnade(n)“). Als Sammelbegriff für Euphrosyne, Thalie/Thaleia und Aglaé/Aglaia schreibt man « les Grâces » üblicherweise groß. Vielleicht gibt es eine feststehende Redewendung, die mir entgeht.

Gruß
Christopher

  1. Vorschlag:

Et que me fait a moi qu’on soit belle ou jolie,

Was kümmert es mich, dass man schön oder hübsch ist,

A moi qui, par raison, ai fait une folie;

Mich, die für die Vernunft, eine Torheit begangen habe

Je ne puis que gemir lorsque tout me sourit.

Ich kann nichts als ächzen*, wenn alles mir zulächelt.

obwohl mir alles zulächelt

Et l’austere vertu qui partout suit mes traces*,

Und die strenge Tugend(haftigkeit)*, die mir auf Schritt
und Tritt folgt,

A peine me permet les plaisirs de l’esprit,

Erlaubt mir kaum Vergnügungen des Geistes,

Lorsque mon coeur emu veille au chevet* de graces.

Wenn mein bewegtes Herz am Gnadenbett** wacht.

graces: hat mit Schönheit oder Charme zu tun… etwas graziös…

Anmerkungen:

A moi qui, par raison, ai fait une folie;

Mich, die für die Vernunft, eine Torheit begangen habe

Ja, das ist eindeutig besser. Da habe ich nicht genau hingesehen. Nur « par raison » mit „für die Vernunft“ zu übersetzen, gefällt mir nicht sonderlich. Gefällt dir „aus/durch Vernunft“ nicht?

Ich kann nichts als ächzen*, wenn alles mir zulächelt.

obwohl mir alles zulächelt

Mag sein oder nicht, dass das gemeint ist. Geschrieben steht es nicht dort.

Lorsque mon coeur emu veille au chevet* de graces.

Wenn mein bewegtes Herz am Gnadenbett** wacht.

graces: hat mit Schönheit oder Charme zu tun… etwas graziös…

« Grâce » ist aber auch ein religiöser Begriff, der in diesem Zusammenhang „Gnade“ bedeutet. „Marie pleine de grâces“ ist doch zum Beispiel „Maria voll der Gnade“ und nicht „voll der Schönheit/des Charmes“. Ohne nähere Informationen zu dem Gedicht können wir wohl nur vermuten.

Wie dem auch sei: Danke für deine Ergänzungen!

Gruß
Christopher

Vielen Dank!
Jetzt wird mir einiges klarer. Es muss sich tatsaechlich um ein Krankenbett handeln, da der Verfasser das Gedicht am Bett einer Kranken geschrieben hat. Allerdings koennte es (zusaetzlich) auch eine Doppelbedeutung haben oder ein Wortspiel sein.
Der Verfasser heisst Charles-Maurice de Talleyrand-Perigord, und war (lange Zeit, nachdem er am Bett einer Freundin dieses Gedicht verfasst hat) Aussenminister Napoleons.
Talleyrand war Priester - unfreiwillig, denn seine Eltern haben ihn dazu gezwungen, weil er einen Klumpfuss hatte. Sein Leben lang litt er sehr darunter, dass seine Eltern ihn enterbt und in einen Beruf gezwungen hatten, fuer den er nicht die leiseste Berufung spuerte. Er war nicht nur unfreiwillig Priester, sondern auch sehr widerwillig, weshalb er sich nicht im allergeringsten an irgendwelche Vorstellungen von „Tugend“ oder „Sittenhaftigkeit“ hielt - im Gegenteil, vermutlich hat kein Mensch oeffentlicher und offensiver das Zoelibat missachtet. Das hat ihm (neben unehelichen Kindern) natuerlich den entsprechenden Ruf beschehrt - wahrscheinlich die „strenge Tugend“, die ihm auf Schritt und Tritt folgt und ihm die „Freuden des Geistes“ (und wohl einige andere auch noch) verwehrt. Mit der Dummheit, die er der Vernunft wegen begangen hat, ist vermutlich seine Weihe zum Priester gemeint - haette er sich nicht weihen lassen, haette ihn seine Familie verstossen, und da er bereits enterbt war, kein Geld und keine Macht hatte und einen verkrueppelten Fuss, blieb ihm nichts anderes uebrig.
Das zum Hintergrund. Wer den noch einmal vertiefen moechte: http://www.talleyrand.napoleon-online.de/index.html

Also, vielen Dank nochmal, und schoenen Sonntag,
Gnlwth

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