Ich versuch’s mal:
Et que me fait a moi qu’on soit belle ou jolie,
Was kümmert es mich, dass man schön oder hübsch ist,
A moi qui, par raison, ai fait une folie;
Was, wer, durch Vernunft, aus seiner Rolle fällt*;
*Ich kenne « faire une/des folie[s] » nur als „Geld aus dem Fenster werfen“, aber laut Wörterbuch gibt es auch diese Bedeutung.
Je ne puis que gemir lorsque tout me sourit.
Ich kann nichts als ächzen*, wenn alles mir zulächelt.
auch: stöhnen, jammern
Et l’austere vertu qui partout suit mes traces*,
Und die strenge Tugend(haftigkeit)*, die mir auf Schritt und Tritt folgt,
wörtlich: „… die überallhin meinen Spuren folgt“
A peine me permet les plaisirs de l’esprit,
Erlaubt mir kaum Vergnügungen des Geistes,
Lorsque mon coer emu veille au chevet* de graces.
Wenn mein bewegtes Herz am Gnadenbett** wacht.
*„chevet“ ist das Kopfende eines Betts; gemeint ist mit dieser Formulierung, dass man Wache hält am Bett eines meist Kranken.
**Kleingeschrieben bedeutet « grâce » so viel wie „Gnade, Anmut, Grazie, Reiz; Gunst, Wohlwollen“; daher die Übersetzung (auch möglich: „am Bett der Gnade(n)“). Als Sammelbegriff für Euphrosyne, Thalie/Thaleia und Aglaé/Aglaia schreibt man « les Grâces » üblicherweise groß. Vielleicht gibt es eine feststehende Redewendung, die mir entgeht.
Gruß
Christopher