Gedicht - was ist das?

Hallo!
Wenn ihr eine Definition des Begriffs „Gedicht“ geben müsstet, und das ganze auf einen Satz reduziert, wie sähe das dann aus?
viele Grüße
der Grönni

Hallo, Grönni!

Ein Text in gebundener Sprache.

Fritz

Ein Text, bei dem die Zeilen nicht ganz bis an den Rand gehen.
:wink:
Andre

Hallo!
Was meinst du denn mit „gebundener Sprache“? An wen oder was gebunden? Stilistische Vorgaben oder so?
Danke schonmal,
Gruß
Grönni

könnte vielleicht hilfreich sein:
http://www.allnacht.de/info/gedichte/

Schau mal, Grönni, ein schönes Zitat habe ich für dich gefunden:
M e t r a müssen b e g e i s t e r n. Eigentliche Poesie." So notiert Novalis in den Aufzeichnungen zur Fortsetzung des „Heinrich von Ofterdingen“. Ja, Metren sind das Geheimnis der „eigentlichen Poesie“. Und dieses verbirgt sich tatsächlich in den Worten: sie „müssen begeistern“. Doch wie ist das zu verstehen? Metren können „begeistern“, denn Verse haben - so empfinden wir noch heute - etwas Besonderes, Feierliches. Sie heben sich ab von der Prosa des Alltags. Sie unterstehen eigenen Gesetzen. Sie sind gebundene Sprache. Aber ist dies nicht nur artistische Sprachspielerei, die zudem großenteils veraltet, also im Wesentlichen nutzlos geworden ist? Und in der Tat, wer umfangreiche Artikel in Literaturlexika über „Ilias“ und „Odyssee“ nachliest, findet (z.B. in Kindlers Neuem Literatur Lexikon von 1996) nur die trockene, formale Feststellung, sie seien in Hexametern geschrieben. Doch was soll das besagen? Was bedeutet das für ihre ursprüngliche Realisierung im Vortrag des Sängers? Sprache, gesprochene, gar gesungene Sprache, verwirklicht sich nicht durch Buchstaben in Büchern. Sie lebt als Klangrede im Hörerkreis. Sie ist ursprünglich nicht Literatur (das heißt wörtlich: „Buchstaben“-Kunst), sondern Poesie („Gestaltetes“). Gebundene Sprache bindet auch die Hörer!
Gefunden hier:
http://www.humboldtgesellschaft.de/inhalt.php?name=e…

Grüße
Uschi

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Hallo!

gebunden? Stilistische Vorgaben oder so?

Genau das! In einem Gedicht, egal ob es nun als ein meilenlanges Epos, als eine Ballade, als ein Sonett, ob es in jambischen Trimetern, in Blankversen, in Knüttelversen oder in einfachen Paar- oder Kreuzreimen daherkommt, ist die Gestalt (des Gedichtes) nicht vom Inhalt, sondern von der Form festgelegt, selbst wenn die Form „formlos“ ist.

Für „formlose“ Form ein Beispiel von Brecht:

_ Schwächen

Du hattest keine
Ich hatte eine:
Ich liebte._

Selbst in der sogenannten „Konkreten Poesie“, wo graphische Vorgaben die Form festlegen, ist es so.

Und selbst bei dem Gelalle allerjüngster Poeten, die mit Zufallsgeneratoren arbeiten, ist eben der „Zufall“ das Formprinzip.

David Bowie erzählt, dass er seine Liedtexte manchmal in einem Akt „automatischen Schreibens“ - eine Erindung der Surrealisten (?) - fixiert, die Blätter anschließend in Streifen schneidet und dann neu zusammensetzt.
Und da versuchen manche, einen Sinn zu sehen! :wink:

Gruß Fritz

Oh, klasse, dankeschön dafür! Gibt gleich mal nen Bewertungspunkt. Ich frag aber trotzdem nochmal nach:
Gedichte bzw. Poesie sind also Texte, mit denen der Author sein Publikum begeistert, indem er vor allem ein begeisterndes Metrum wählt und ggf. stilistische Mittel verwendet, um das, was er sagen oder ausdrücken will, zu untermauern.
Aber gilt das nicht auch für andere literarische Gattungen? Kathrine Mansfield hat z.B. mal über ihre Kurzgeschichte „Miss Brill“ gesagt, dass sie diese Geschichte wieder und wieder durchgelesen habe, so lange, bis jedes Detail, jedes Wort, jeder Laut und der Rhythmus perfekt „gepasst“ habe. Na gut, vielleicht hat sie da übertrieben. Aber trotzdem wird ihr Werk nicht als Gedicht, sondern als Kurzgeschichte eingestuft.
Ist es vielleicht möglich, dass das Gedicht erst zum Gedicht wird, indem man es anhand der äußeren Form - Strophen, Zeilenumbrüche etc. - als solches identifiziert? Denn immerhin wird man dadurch ja zum Denken angeregt, warum der Poet gerade an dieser Stelle einen Zeilenumbruch gewählt hat oder warum gerade dieses Gedicht nur 2 Strophen hat.
Also nochmal zusammengefasst: Gibt es überhaupt eine eindeutige Definition für ein Gedicht?
viele Grüße und vielen Dank im Voraus,
Grönni

nochmal ich. Wenn du einen unterhaltsamen Einblick in die Welt der Poesie bekommen möchtest, ganz ohne oberlehrerhaften Zeigefinger, akademischem Schnickschnack und noch dazu von einem absoluten Kenner und nicht zu verachtenden Poeten, dann empfehle ich dir:
Andreas Thalmayr: Das Wasserzeichen der Poesie oder Die Kunst und das Vergnügen, Gedichte zu lesen.
sowie:
Derselbe: Lyrik nervt.
(Thalmayr = Hans Magnus Enzensberger)
Gruss Andre