Gedichtinterpretation Brecht: Enntäuschung

Hallo ihr Lieben,

ich muss das Gedicht Enttäuschung (siehe unten) von Brecht interpretieren, habe aber große Probleme damit.
Kann mir vielleicht einer helfen?

Gedicht von Bert Brecht, entstanden zwischen 1941 und 47, textimmanente Interpretation

Enttäuschung

Woher hatten sie´s, wenn sie´s nicht stahlen
Jene Airs, sich ewig aufzuheben?
Auf den ungeheuren Piedestalen
Läßt es sich nicht so lang menschlich leben.
Solche schwarze eingeschrumpfte Zwerge
Wie man wegschafft, sind sie nicht gewesen
Nur: auf ihrem gipsernen Äonenberge
Hatten sie den Spatzen diese Krumen wegzulesen.
Alles, was den Göttlichen ja nach dem Buch gebühret
Sind die Tränklein aus der kleinen Regen Hebe!
Unser grimmer Hunger, dass es solche gebe
Die nicht hungern, hat sie so verführet.

Nicht so einfach, gell? Find ich auch!
Ich bin für jeden Tipp dankbar.

Viele Grüße,

Nasibah

Hallo Nasibah,

was hast du denn bisher herausgefunden?

Gruß
Christopher

Hallo Christopher!

Also: Ich denke, daß es im groben um soziale Ungerechtigkeit geht. Die Piedestalen geben aber auch einen Hinweis aufs dritte Reich, was gut hineinpassen würde, da das Werk in Brechts Exilzeit verfasst wurde. Worte wie Göttlichen, Buch, Regen Hebe können aber auch ein typisches Bibel-Motiv sein, was Brecht in seinen Gedichten ja auch häufig nutzt.

Meine Probleme sind jetzt: Wer sind die schwarzen Zwerge (braune Zwerge wären ja eindeutig!)? Wie paßt der Titel zum Inhalt? Ist mit Airs wirklich nur der englische Ausdruck für Luft gemeint? Versteht er unter Äonen die geographische oder die theologische Bedeutung? Und warum gipsern (evetuell vergänglich oder von Menschenhand gemacht?) Wer sind die Spatzen? Warum ist das Gedicht voll von grammatischen Fehlern(Satzbau, Kongruenz, etc.)?
Das alles verwirrt mich echt!

Vielleicht weißt Du ja weiter???

Hallo Nasi,

bitte beachte, dass all meine Anmerkungen darauf beruhen, dass ich – wie du – eins und eins zusammengezählt habe. Auch ich habe keinen Interpretationsschlüssel.

Also: Ich denke, daß es im groben um soziale Ungerechtigkeit geht.

Das Dritte Reich ist schon eine nahe liegende Interpretationsrichtung. Da auch ich davon ausgehe, dass dieses Thema Brecht während seiner Exiljahre stark bewegt hat, immerhin war jene Zeit eine sehr produktive Phase seines Lebens, spricht nichts dagegen, zu untersuchen, ob dieser Ansatz passt.

Die Piedestalen geben aber auch einen Hinweis aufs dritte Reich

Bei Piedestalen denke ich an Zirkus, man bezeichnet so meines Wissens die Gestelle zum Vorführen von Tieren. Vielleicht will Brecht andeuten, dass die Situation, die er beschreibt, keine Natürlichkeit besitzt, sondern eine konstruierte Zirkusnummer ist, die früher oder später enden wird.

Worte wie Göttlichen, Buch, Regen Hebe können aber auch ein typisches Bibel-Motiv sein

Das Buch ist wahrscheinlich die Bibel, da magst du Recht haben. Brecht soll ja gerne in der Bibel gelesen haben, auch wenn er Atheist war. Bei „Hebe“ denke ich eher an die griechische Göttin der Jugend, die außerdem Mundschenkin der Götter im Olymp war. Da das Wort im Zusammenhang mit Tränklein steht, die den Göttlichen gereicht werden, liege ich vielleicht richtig.

Wer sind die schwarzen Zwerge (braune Zwerge wären ja eindeutig!)?

Was muss passieren, damit jemand „schwarz“ wird?

Wie paßt der Titel zum Inhalt?

Schreibt Brecht über die Gegenwart oder blickt er zurück?

Ist mit Airs wirklich nur der englische Ausdruck für Luft gemeint?

Dies halte ich für den (selten verwendeten) Plural von „Air“, das der DUDEN mit „Aussehen, Haltung“ bzw. „Hauch, Fluidum“ definiert. Womöglich will Brecht damit sagen, dass die Grundlage, von der aus sie sich aufgehoben haben (DUDEN zu „sich aufheben“: (geh. veraltend) sich erheben, aufstehen), nicht mehr als eine angenommene Pose, ein flüchtiger Luftzug war.

Versteht er unter Äonen die geographische oder die theologische Bedeutung?

Ich bin ziemlich sicher, dass er die Bedeutung „Ewigkeit“ meint, womöglich ironisch im Kontrast zum gipsernen Hügel. Vielleicht spielt Brecht auf Gottes „ewiges Reich“ (Ps 145,13) an, gegen welches die beschriebene Herrschaft nicht bestehen kann.

Und warum gipsern (evetuell vergänglich oder von Menschenhand gemacht?)

Das finde ich keine schlechte Interpretation. Gips bröckelt, umso mehr, je trockener, d. h. älter, er wird.

Wer sind die Spatzen?

Meiner Meinung nach nichts anderes, als was auch wir sie empfinden: Kleine Vögel, die wegpicken, was übrig geblieben ist.

Warum ist das Gedicht voll von grammatischen Fehlern(Satzbau, Kongruenz, etc.)?

Ich entdecke auf Anhieb nur zwei oder drei Fehler, und selbst die fallen meiner Meinung nach unter die künstlerische Freiheit.

Unser grimmer Hunger, dass es solche gebe
Die nicht hungern, hat sie so verführet.

Im Übrigen glaube ich, dass dieser Satz mit dem Gedichttitel in direktem Zusammenhang steht.

Siehst du etwas klarer?

Viele Grüße
Christopher

Noch ein paar Überlegungen
Hallo Nasibah!

Gedicht von Bert Brecht, entstanden zwischen 1941 und 47,
textimmanente Interpretation

Interessant wäre wirklich zu wissen, ob es nach '45 oder vorher entstanden ist. Aus dem Bauch heraus macht es für mich eher nach dem Sturz des Hitler-Regimes Sinn, da es in der Vergangenheitsform geschrieben ist.

Enttäuschung

Lies als „Ent-Täuschung“ = Aufhebung der Illusion, der Täuschung.

Woher hatten sie´s, wenn sie´s nicht stahlen
Jene Airs, sich ewig aufzuheben?

Jene „Dreistigkeit“, sich selbst zu erhöhen?

Auf den ungeheuren Piedestalen

Ich vermute hier hat Brecht aus dem Frz. „geklaut“. „piédestal“ heißt u.a. „Sockel“ und das würde passen, denn auf einem Sockel, noch dazu einem ungeheuren, ist man soweit vom „Bodensatz des Lebens“, dem Rest der Menschheit, entfernt, dass man sich „entmenschlicht“. Oder schlichtweg für etwas Besseres hält -> Herrenmenschen?

Läßt es sich nicht so lang menschlich leben.
Solche schwarze eingeschrumpfte Zwerge
Wie man wegschafft, sind sie nicht gewesen

Die Uniformen der SS waren schwarz, nur die „gemeine“ SA (HJ etc.) hatte braune Uniformen.

Wahrscheinlich sehr weit hergeholt: Das Ganze als Anspielung auf die Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse? Das „Wegschaffen“ der „schwarzen Zwerge“ brachte mich wohl drauf. Denn: Wer schafft sie weg und in welchem Sinne?

Aus: „Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui“:
So was hätt einmal fast die Welt regiert!
Die Völker wurden seiner Herr, jedoch
Daß keiner uns zu früh da triumphiert -
Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch!

Nur: auf ihrem gipsernen Äonenberge

Lose Assoziation: Hitlers Berghof.

Hatten sie den Spatzen diese Krumen wegzulesen.

Es ist nur EIN Spatz, das finde ich auffällig. Entweder Anspielung auf eine bestimmte Person (Hitler?, immerhin ein körperlich recht kleiner Mensch) oder auf irgendeine Geschichte/Märchen/Sage?

Und: Welche Krumen? Krumen von was?

Was mich irritiert: Das „Nur“ sollte normalerweise einen Widerspruch/Einwand einleiten, der sich auf das direkt davor Geschriebene bezieht.

Alles, was den Göttlichen ja nach dem Buch gebühret
Sind die Tränklein aus der kleinen Regen Hebe!

„Hebe“ kann auch „Stütze“ heißen oder „die erhebung von leistungen an zins und frohne“ oder „die handlung des empor- oder aufhebens“ (siehe Wörterbuch Brüder Grimm).
„die kleinen Regen“ - Plural? Kleine Regenschauer?

Auf jeden Fall halte ich es für eine Anspielung auf irgendetwas, für mich hört es sich aber weniger nach der Bibel an, es erinnert mich mehr an die verschiedenen Götterhimmel (Asen?). DAS würde m.E. auch besser zu den „germanisch“ angehauchten Nazis passen.

Die Tränklein, die sich gebühren, scheinen der Gegensatz zu den Krumen zu sein, die sich eben nicht gebühren.

Unser grimmer Hunger, dass es solche gebe
Die nicht hungern, hat sie so verführet.

Der „grimme Hunger“ könnte „Neid“ sein. Sozialneid auf die „ach-so-reichen“ Juden? Wobei ich es eigentlich logischer fände, wenn sich sowohl „grimmer Hunger“ als „die nicht hungern“ auf dieselbe Art von Hunger beziehen würde.

Grüße,
Christiane

Gedicht von Bert Brecht, entstanden zwischen 1941 und 47,
textimmanente Interpretation

Tja, zwischen 44 und 46 liegt bekanntlich ein großer Unterschied in der Geschichte. Ich gehe mal kühn davon aus, dass es _nach_ dem Ende des 2.WK (oder jedenfalls nach dem dieses absehbar war) geschrieben wurde. Begründung siehe Ninquelote.

Enttäuschung

Woher hatten sie´s, wenn sie´s nicht stahlen
Jene Airs, sich ewig aufzuheben?
Auf den ungeheuren Piedestalen
Läßt es sich nicht so lang menschlich leben.
Solche schwarze eingeschrumpfte Zwerge
Wie man wegschafft, sind sie nicht gewesen
Nur: auf ihrem gipsernen Äonenberge
Hatten sie den Spatzen diese Krumen wegzulesen.
Alles, was den Göttlichen ja nach dem Buch gebühret
Sind die Tränklein aus der kleinen Regen Hebe!
Unser grimmer Hunger, dass es solche gebe
Die nicht hungern, hat sie so verführet.

die „airs, sich ewig aufzuheben“ verstehe ich wie ninquelote als Überheblichkeit, des sich über die anderen erheben. Die Piedestale sind die (Denkmal-)Sockel, auf die sie sich selbst gehoben haben.
Bei den schwarzen Zwergen bin ich angestanden, aber auch hier scheint mir Ninquelotes Interpretation nicht abwegig. Es könnten aber nicht nur Nazis, sondern auch involvierte Industrielle gemeint sein. Aber die werden ja von „ihnen“ weggeschafft. Was mich auf den Gedanken gebracht hat, das hier die Nürnberger Prozesse bzw. ihre Macher gleich mitkritisiert werden (was für Brecht ja auch nicht abwegig wäre). Dagegen spricht allerdings, dass das Gedicht in meiner Brecht-Gesamtausgabe unter Gedichten steht, die 1943/44 entstanden sind. (Das Gedicht selbst trägt leider keine Jahreszahl.)

Bei „gipsern“ bin ich auf deiner Linie: gipsern als zerbrechlich, leicht zu zerstören. Aber „den Spatzen die Krumen weglesen“ - da weiß ich nicht wie Ninequelote auf Einzzahl kommt. Das ist für mich eindeutig Mehrzahl. Und die Spatzen sind für mich die „normalen Leute“, die kleinen Leute.

Alles, was den Göttlichen ja nach dem Buch gebühret
Sind die Tränklein aus der kleinen Regen Hebe!

Interpretiere ich im biblischen Sinne. Ich weiß, dass es im Judentum eine „Hebe“ gibt, die - wenn ich das richtig verstanden und in Erinnerung habe - so etwas wie ein Zehent an die Priesterschaft ist, den man im Tempel darbringt. Was der kleine Regen im Speziellen soll, ist mir aber schleierhaft.

Tja, insgesamt werde ich auch nicht wirklich schlau daraus. Sorry.

Livia

Hallo Christiane,

nachdem du etwas deutlicher geworden bist, was ich erst vermeiden wollte, um Nasibah nicht den Spaß am Erschließen zu nehmen, kann ich mich ja einklinken (kein Kommentar = Zustimmung):

Solche schwarze eingeschrumpfte Zwerge
Wie man wegschafft, sind sie nicht gewesen

Die Formulierung lässt mich an Brandleichen denken, die oft schwarz sind und durch Entzug von Flüssigkeit eingeschrumpftes Gewebe haben. Unklar ist, ob es sich um ein symbolisches Feuer oder ein konkretes handelt, das die einst Mächtigen getötet hat.

Hatten sie den Spatzen diese Krumen wegzulesen.

Es ist nur EIN Spatz, das finde ich auffällig.

Leider falsch, dann müsste es „dem Spatzen“ heißen.

Ich bringe die letzten Zeilen zu folgendem Bild zusammen: Die ganze Szene spielt in einem Götterhimmel oder auf einem Götterberg, sagen wir der Einfachheit halber: dem griechischen Olymp. Eine kleine Gruppe, mit sie bezeichnet und zuvor beschrieben, maßt sich an, sich ebendort einen gipsernen Sockel zu errichten, im Glauben, für Äonen in den Rang von Göttern aufsteigen zu können. Doch sie spielen dort oben nicht die gewünschte Rolle, kommen nicht an den süßen Nektar, den Hebe serviert. Sie müssen den Spatzen die Krumen streitig machen, um die sich sonst keiner schert. Brecht begründet den Wunsch des Aufstiegs mit der Not des hungernden Volkes, dem sie einst selbst angehörten und aus dem sich sie erhoben haben, die sie hat vermuten lassen, auf dem Olymp – bei denen, die nicht hungern – könne es ja nur besser sein. Sie müssen allerdings merken, dass es auch dort nichts zu essen gibt, sondern nur Köstlichkeiten, die sie nicht erlangen können. Als Verbrannte/Verweste werden sie in die Niederungen getragen, aus denen sie kamen.

Wie abwegig klingt das?

Gruß
Christopher

Hallo Christopher,

oh schön, noch eine Antwort! :smile:

Hatten sie den Spatzen diese Krumen wegzulesen.

Es ist nur EIN Spatz, das finde ich auffällig.

Leider falsch, dann müsste es „dem Spatzen“ heißen.

Wieso Dativ? Der Akkusativ ist doch schon richtig und dann ist’s Singular, Plural wäre ja „die Spatzen“.

Lass mich den Satz noch einmal in Gänze wiedergeben:
„Nur: auf ihrem gipsernen Äonenberge Hatten sie den Spatzen diese Krumen wegzulesen.“

Immer gesetzt den Fall, es wurde richtig abgetippt, lese ich diesen Satz so: „Auf ihrem gipsernen Äonenberge hatten sie den Spatzen (,um) diese Krumen wegzulesen.“

Minuten später:
AARRGH! Nachdem ich jetzt den Satz zum zigsten Mal durchgelesen habe, verstehe ich jetzt endlich, wie man ihn so verstehen kann, wie du schreibst! „Hatten … wegzulesen“ = „mußten … weglesen“.

Ich bringe die letzten Zeilen zu folgendem Bild zusammen: Die
ganze Szene spielt in einem Götterhimmel oder auf einem
Götterberg, sagen wir der Einfachheit halber: dem griechischen
Olymp. Eine kleine Gruppe, mit sie bezeichnet und zuvor
beschrieben, maßt sich an, sich ebendort einen gipsernen
Sockel zu errichten, im Glauben, für Äonen in den Rang von
Göttern aufsteigen zu können. Doch sie spielen dort
oben nicht die gewünschte Rolle, kommen nicht an den süßen
Nektar, den Hebe serviert. Sie müssen den Spatzen die
Krumen streitig machen, um die sich sonst keiner schert.
Brecht begründet den Wunsch des Aufstiegs mit der Not des
hungernden Volkes, dem sie einst selbst angehörten und
aus dem sich sie erhoben haben, die sie hat
vermuten lassen, auf dem Olymp – bei denen, die nicht hungern
– könne es ja nur besser sein. Sie müssen allerdings
merken, dass es auch dort nichts zu essen gibt, sondern nur
Köstlichkeiten, die sie nicht erlangen können. Als
Verbrannte/Verweste werden sie in die Niederungen
getragen, aus denen sie kamen.

Wie abwegig klingt das?

Das hört sich überhaupt nicht abwegig an.
Und damit verstehe ich dann auch das „menschlich leben“ in „Auf den ungeheuren Piedestalen läßt es sich nicht so lang menschlich leben“ nicht im Sinne von abstrakter Menschlichkeit, sondern innerhalb des Bildes erst einmal „ganz profan“ als körperliches Bedürfniss (Nahrungsaufnahme). „Solche, die nicht hungern“ erklärt sich dann auch fast von selbst.

Nur mit „Solche schwarze eingeschrumpfte Zwerge
Wie man wegschafft, sind sie nicht gewesen“ stehe ich nach wie vor auf Kriegsfuß.

Grüße,
Christiane

Hallo!

Also, ich habe das wahrscheinliche Entstehungsdatum gefunden: 1943,
somit vor dem Hitler-Sturz.

Nasibah

Hallo ihr Lieben!

Ihr seid wirklich klasse, Vielen Dank erstmal!

Ich habe meine Gedanken ein wenig gesammelt:
Hebe scheint am besten im Sinn von Opfergabe zu passen, die im Judentum den Priestern gereicht werden.

Airs als Plural von Air (Haltung, ungeheure Haltung, die sie von den Göttlichen stahlen?) paßt meiner Meinung nach am besten.

Auf den Piedestalen läßt es sich nicht so lange menschlich leben: Das ist ja negativ gemeint, obwohl nach der Erhebung in höhere Gefilde doch eigentlich ein Göttlicher Touch erreicht werden sollte. Vielleicht deshalb, weil sie ihne göttliche Bestimmung versucht haben, sich zu erheben?

Wie man wegschafft, sind sie´s nicht gewesen:
Das macht ja eigentlich mehr Sinn, wenn Brecht es nach Ende des 2. WK geschrieben hätte. Er hat es aber vorher geschrieben, deshalb bleibt es für mich ein wenig rätselhaft. Kann trotzdem die undurchschaubare Bürokratie des dritten Reichs gemeint sein, die ja eigentlich erst in den Nürnberger Prozessen raus kam, gemeint sein, oder habt ihr dazu eine andere Idee?

Und warum grade DIESE Krumen? Nimmt er Bezug auf etwas bestimmtes?

Liebe Grüße,
Nasibah

Hallo, Nasi!

Auf den Piedestalen läßt es sich nicht so lange menschlich
leben: Das ist ja negativ gemeint, obwohl nach der Erhebung in
höhere Gefilde doch eigentlich ein Göttlicher Touch erreicht
werden sollte. Vielleicht deshalb, weil sie ihne göttliche
Bestimmung versucht haben, sich zu erheben?

Ich denke, hier kommt wieder einmal Brechts Betonung der Menschlichkeit zu Tage. Er sagt ja, es lässt sich nicht _menschlich_ leben. Götter sind über- und damit aber auch unmenschlich. Siehe auch z.B. „Der gute Mensch von Sezuan“, wo die Götter auch unmenschlich agieren, weil sie eben nicht menschlich, nicht human sein können.

Liebe Grüße
Livia