Hallo Nasi,
bitte beachte, dass all meine Anmerkungen darauf beruhen, dass ich – wie du – eins und eins zusammengezählt habe. Auch ich habe keinen Interpretationsschlüssel.
Also: Ich denke, daß es im groben um soziale Ungerechtigkeit geht.
Das Dritte Reich ist schon eine nahe liegende Interpretationsrichtung. Da auch ich davon ausgehe, dass dieses Thema Brecht während seiner Exiljahre stark bewegt hat, immerhin war jene Zeit eine sehr produktive Phase seines Lebens, spricht nichts dagegen, zu untersuchen, ob dieser Ansatz passt.
Die Piedestalen geben aber auch einen Hinweis aufs dritte Reich
Bei Piedestalen denke ich an Zirkus, man bezeichnet so meines Wissens die Gestelle zum Vorführen von Tieren. Vielleicht will Brecht andeuten, dass die Situation, die er beschreibt, keine Natürlichkeit besitzt, sondern eine konstruierte Zirkusnummer ist, die früher oder später enden wird.
Worte wie Göttlichen, Buch, Regen Hebe können aber auch ein typisches Bibel-Motiv sein
Das Buch ist wahrscheinlich die Bibel, da magst du Recht haben. Brecht soll ja gerne in der Bibel gelesen haben, auch wenn er Atheist war. Bei „Hebe“ denke ich eher an die griechische Göttin der Jugend, die außerdem Mundschenkin der Götter im Olymp war. Da das Wort im Zusammenhang mit Tränklein steht, die den Göttlichen gereicht werden, liege ich vielleicht richtig.
Wer sind die schwarzen Zwerge (braune Zwerge wären ja eindeutig!)?
Was muss passieren, damit jemand „schwarz“ wird?
Wie paßt der Titel zum Inhalt?
Schreibt Brecht über die Gegenwart oder blickt er zurück?
Ist mit Airs wirklich nur der englische Ausdruck für Luft gemeint?
Dies halte ich für den (selten verwendeten) Plural von „Air“, das der DUDEN mit „Aussehen, Haltung“ bzw. „Hauch, Fluidum“ definiert. Womöglich will Brecht damit sagen, dass die Grundlage, von der aus sie sich aufgehoben haben (DUDEN zu „sich aufheben“: (geh. veraltend) sich erheben, aufstehen), nicht mehr als eine angenommene Pose, ein flüchtiger Luftzug war.
Versteht er unter Äonen die geographische oder die theologische Bedeutung?
Ich bin ziemlich sicher, dass er die Bedeutung „Ewigkeit“ meint, womöglich ironisch im Kontrast zum gipsernen Hügel. Vielleicht spielt Brecht auf Gottes „ewiges Reich“ (Ps 145,13) an, gegen welches die beschriebene Herrschaft nicht bestehen kann.
Und warum gipsern (evetuell vergänglich oder von Menschenhand gemacht?)
Das finde ich keine schlechte Interpretation. Gips bröckelt, umso mehr, je trockener, d. h. älter, er wird.
Wer sind die Spatzen?
Meiner Meinung nach nichts anderes, als was auch wir sie empfinden: Kleine Vögel, die wegpicken, was übrig geblieben ist.
Warum ist das Gedicht voll von grammatischen Fehlern(Satzbau, Kongruenz, etc.)?
Ich entdecke auf Anhieb nur zwei oder drei Fehler, und selbst die fallen meiner Meinung nach unter die künstlerische Freiheit.
Unser grimmer Hunger, dass es solche gebe
Die nicht hungern, hat sie so verführet.
Im Übrigen glaube ich, dass dieser Satz mit dem Gedichttitel in direktem Zusammenhang steht.
Siehst du etwas klarer?
Viele Grüße
Christopher