Hallo Philipp,
bin zwar kein Experte (auch ein Arzt, speziell kein Gynäkologe), versuche aber trotzdem eine Antwort:
Eine Abtreibung ist ein großer körperlicher und seelischer Eingriff. Speziell die Methode der Absaugung und deren Risiken sind nicht zu unterschätzen. Je nachdem, ob die Frau, bei der der Eingriff vorgenommen wird, bereits ein Kind/Kinder hat oder kinderlos ist, sind nach m. M. folgende Punkte zu beachten: Bei einer Frau, die bereits Kinder geboren hat, ist der Muttermund bereits gedehnt. Die für die Absaugung erforderliche künstliche Weitung des Muttermundes ist dabei einfacher, als bei einer Frau, die noch keine Kinder geboren hat.
Es kann also trotz vorsichtiger Vorgehensweise des behandelnden Arztes zu einer Überdehnung kommen, die dann bei nachfolgenden Schwangerschaften Probleme hervorrufen kann (vorzeitige Öffnung des Muttermundes mit erhöhter Gefahr einer Frühgeburt).
Eine weitere Komplikation kann die Verletzung des Uterus beim Schwangerschaftsabbruch sein, da n. m. K. eine Absaugung meist mit einer nachfolgenden Ausschabung einhergeht, um sicherzustellen, dass alle Reste entfernt wurden.
Auch hier kommt es auf das fachliche Können des Arztes an.
Die psychischen Folgen eines Schwangerschaftsabbruches (egal aus welchen Gründen - persönliche oder medizinische Indikation) können teilweise verheerend sein (das wurde ja bereits angesprochen).
Mir ist keine Studie bekannt, die speziell einen Zusammenhang zwischen vorausgegangenem Schwangerschaftsabbruch und behinderten Kindern belegt. Es soll aber Studien geben, die einen Zusammenhang zwischen Abbruch und nachfolgenden Problemen bei Schwangerschaften (Fähigkeit, überhaupt schwanger zu werden, Risikoschwangerschaften, Komplikationen, Frühgeburten usw.) begründet erscheinen lassen.
Das hat nichts mit natürlichen Fehlgeburten zu tun, die nach Ansicht eines bekannten Frauenarztes (Prof. Dr. Kraatz, ehemaliger Chefarzt der Gynäkologie der Charité Berlin) die ebenfalls natürliche Antwort/Lösung von Programmierfehlern der Natur darstellen (wenn ich die Zahl richtig im Kopf habe, die er in seiner Autobiografie dazu nannte, waren es über 90 % der Fehlgeburten, bei denen Entwicklungsfehler/schwere Entwicklungsstörungen des Föten vorlagen).
Ein Schwangerschaftsabbruch ist immer die allerletzte und schlechteste Option der Familienplanung. Die Möglichkeiten zur Verhütung sind so umfassend, dass eigentlich für fast jedes Problem eine Verhütungsoption zur Verfügung steht. Die Verantwortung für Verhütung liegt bei beiden Partnern, wobei heute neben der Verhütung von ungewünschten Schwangerschaften auch und nicht zuletzt der Schutz vor Aids erforderlich ist.
Anzunehmen, dass ein Schwangerschaftsabbruch eigentlich nur ein Klacks ist, morgens schnell hin, kurz absaugen und gut, ist naiv.
Deiner Vita entnehme ich, dass Du Schüler bist (leider kein Alter).
Sowohl Eltern als auch die Schule sind in der Verantwortung, hier vertrauensvolle Aufklärung zu leisten, bevor die Notbremse inform eines Abbruches gezogen werden muss.
Einen schönen Abend wünscht trotzdem Bommelmops