Gefahrenbremsung (Blockieren oder nicht?)

Hallo ihr Wissenden,

ich habe mir ein neues (gebruachtes) Motorrad gekauft - ne
Yamaha TDM 850.
Ich hatte schon letztes Jahr ein kleineres Motorrad und weiss,
dass ich „Angst“ habe eine Vollbremsung zu machen. Jetzt mit
der neuen Maschine will ich natürlich auch für Gefahren-
situationen gewappnet sein und entsprechend üben.
Jetzt meine Frage: Wie kann man sich am besten an das Limit
rantasten? Ist es schlimm, wenn man bei einer Vollbremsung das
Vorderrad zum Blockieren bringt - geradeaus-Fahrt vorausgesetzt?
Macht man es vielleicht auch tatsächlich so, dass man sich bis
an’s Blockieren ranbremst und dann die Bremse wieder ein klein
wenig löst, damit das Rad eben nicht blockiert ist während des
gesamten Bremsvorgangs?
Wie kann man sich bei einer neuen bzw. ungewohnten Maschine am
besten auf entsprechende Gefahrensituationen vorbereiten? Hat
jemand ein paar Tipps?

Vielen Dank,

Kai

Hallo Kai!

Wie kann man sich bei einer neuen bzw. ungewohnten Maschine am
besten auf entsprechende Gefahrensituationen vorbereiten? Hat
jemand ein paar Tipps?

Ich bin zwar keine Motorradfahrerin, aber in meinem Freundeskreis fahren eigentlich alle Männer Motorrad. Daher kann ich Dir mit gutem Gewissen ein Fahrsicherheitstraining empfehlen. Das wird in Deutschland z.B. vom ADAC angeboten.

Dort kannst Du, unter anderem, auch richtiges Bremsen lernen. „Meine Herren“ machen alle 2-3 Jahre zu Saisonbeginn einen 2-tägigen Kurs zur Auffrischung und jedes Jahr einen halbtägigen Kurs zum Saisonstart.

Auf der Homepage des ADAC kannst Du Dich über die angebotenen Fahrsicherheitstrainings informieren.

Wünsche Dir eine tolle Saison!
Frauke

Hallo Kai,

beim Durchlesen Deines Beitrages kam mir sofort das in den Sinn, was meine Vorrednerin bereits gesagt hat.
Ich empfehle Dir unbedingt ein Sicherheitstraining, da genau diese Dinge dort geübt und gefahren werden!!
Ich selbst ( fahre bereits seit 13 Jahren ) mache FAST jedes Jahr ein solches Training zu Beginn der Saison mit und lerne immer noch jedes Mal neues für mich hinzu!!
Gerade das RICHTIGE Bremsen ist ein sehr wichtiger Faktor für uns Zweiradfahrer und da sollten die ca. 40,- Euro ( hab den genauen Preis jetzt gerade nicht im Kopf ) einem nicht zuviel sein für seine eigene Sicherheit!!
Und: jeder der über ein solches Training lästert dem sei gesagt: mach mal eins mit, überwinde Dich mal auf nasser Strasse die Bremsen zuzumachen oder Dich im „Damensitz“ während der fahrt auf Dein Mopped zu setzen o.ä.
Ist wirklich genial und sein Geld wert.
Angeboten werden verschiedene Kurse von Anfänger über Kurventechnik, Bremstraing bis „Superfahrer“ :wink:
An einem solchen Training teilzunehmen ist kein zeichen von Schwäche oder Unsicherheit, sondern von Weiterlernen und Sicherheit ( auch für sich selbst ) !!!

Gruß
funr@cer

Hallo,
meine Fahrschule in der ich gelernt habe kann ich jederzeit ansprechen und die machen mit mir Übungen in dem Bereich.
Bezahle halt die Stunden habe aber ein individuelles Träning
für mich alleine. Macht aber nur sinn wenn die Fahrschule Motorradbegeistert ist.

Gruß Anno

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo,

das ist ja alles gut und schön mit dem Sicherheitstraining.
Will ich auch machen und habe mich auch schon angemeldet
über den ADAC. Aber dummerweise ist der erste Kurs erst
am 4. Mai und bis dahin wollte ich schonmal noch ein paar
Profitipps einholen, um gleich mit der neuen Maschine alles
richtig zu machen (bzw. mehr richtig zu machen als ohne
Tipps).
Aber wie gesagt - Sicherheitstraining mache ich eh!

Danke!

Kai

Nun mal im Ernst.
Hallo Kai,
die Sicherheitstrainings sind gut und schön,aber bei einer spontan auftretenden Gefahrensituation helfen sie Dir nur bedingt.Beim Training weisst Du ja,daß gleich etwas passieren wird,das richtige Leben ist da meistens überraschender.Da hilft Dir eigentlich nur lange Fahrpraxis mit eben solchen Situationen und selbst dann gehts noch oft in die Hose.Du hast ja nicht die Zeit zu überlegen:„Ich brems jetzt nur so stark, das ich kein Rad überbremse“, sondern zumeist hackst Du in die Eisen was die Hand und der Fuß hergeben.Das ist eine unterbewußte Reaktion, die sich nur sehr schwer steuern lässt;eben jahrelange Erfahrung.
Wenn das Vorderrad blockiert liegst Du auf dem Maul,egal ob Kurve oder Gerade, weil die Karre seitlich wegrutscht;kannst Du ja mal ganz langsam auf Schotter ausprobieren.
Wenn das Hinterrad blockiert, fängt das Heck an zu tanzen und Du mußt das durch Lenkbewegungen ausgleichen;läßt Du die Bremse abrupt los,kannst Du Dir den klassischen Highsider einhandeln.
Deshalb sollte eigentlich kein Rad beim bremsen blockieren.Beim Kurven anfahren ist das kein Problem,ausser Du bist halt einen Tick zu spät.Bei Schrecksituationen rauchts schon mal gewaltig.
Wenn Du richtig Angst davor hast solltest Du dich für eine Maschine mit ABS entscheiden, aber bedenke, ABS heisst:„Auch BMW-Fahrer stürzen“.In einer Kurve mit Blätter oder anderem rutschigen Kram auffe Bahn legst Du dich damit beim bremsen auch lang.
Fazit: Nach meiner Ansicht kann man das nicht in relativ kurzer Zeit „erlernen“, sondern nur durch lange Fahrpraxis „verinnerlichen“.
Grüße
Klaus

Hallo Klaus,

danke für die Tipps. Einmal hatte ich eine Gefahrensituation, die mich dann auch flach gelegt hat, weil ich das „Hindernis“ getroffen habe (war aber unkritisch). Im Nachhinein ist mir bewusst geworden, dass ich fast gar nicht vorn sondern fast nur hinten (mit blockierendem Rad) gebremst hatte. Und das will ich nie wieder erleben. Aber wie du schon sagst - da hilft nur üben (und dass am besten bei Gefahrensituationen).
Ich habe gerade eine interessante Seite entdeckt, wo auch zu Übungszwecken zum Blockieren des Vorderrades geraten wird:
http://dcc.motorradseiten.at/html/vb_blockieren.htm

Ich denke mal, ich muss hauptsächlich die Angst vor dem Blockieren verlieren, dann klappts auch in Gefahrensituationen (besser).

Kai

Hallo Kai,
das ist genau das typische für Leute die viel Auto und wenig Motorrad fahren.Bei Schrecksituation mit dem Fuß voll auf die Bremse und Lenkrad gerade halten.Die in Deinem Link angesprochene Thematik hat mir auch schon öfters geholfen;beim ersten Schreck voll in die Eisen, dann Bremse lösen und neu anbremsen oder(oft noch effektiver)versuchen dem Hinderniss auszuweichen und nicht bremsend ins Verderben rutschen.
Eine „gesunde“ Portion Angst ist beim fahren ja auch garnicht verkehrt,schützt vor Selbstüberschätzung.Darf halt nur nicht so viel sein,daß Du den Spaß daran verlierst.
Ich weiss,daß solche Sprüche hier nicht so gerne gesehen werden,aber ich meine,wer sich noch nie hingelegt hat ist auch noch nie richtig gefahren;meine ganz persönliche Meinung.
Gruß
Klaus

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Moin!

Ist es schlimm, wenn man bei einer Vollbremsung das
Vorderrad zum Blockieren bringt - geradeaus-Fahrt
vorausgesetzt?

Gute Bereifung und griffigen, trockenen Asphalt vorausgesetzt wird es gar nicht einfach, das Vorderrad zum Blockieren zu bringen. Viel gefährlicher ist da, daß die Maschine hinten hochgeht und Du Dich schlicht überschlägst (kontrolliert, also ohne Überschlag, heißt sowas Stoppie).

Gut. Angenommen, der Asphalt ist nicht griffig (naß, verschmiert, was auch immer), dann solltest Du Deine Fahrweise ohnehin den Straßenverhältnissen anpassen. Dennoch kann natürlich immer eine Gefahrensituation auftreten. Jede Gefahrensituation ist allerdings anders. Ideal ist scharfes Anbremsen und nachfolgendes Ausweichen, aber das natürlich nur da, wo genug Platz dafür ist.

Ein blockierendes Vorderrad ist immer eine üble Sache. Der Fahrer merkt in der Regel zu spät, daß es blockiert ist, nämlich meist erst dann, wenn es seitlich wegschmiert. Ein Sturz ist dann kaum noch vermeidbar, schließlich ist die Fuhre zum Zeitpunkt des Wegschmierens nicht mehr ausbalanciert. Die beste Chance, sturzfrei davonzukommen, hat der, der beim ersten Anzeichen des Wegschmierens die Bremse wieder löst. Zu diesem Zeitpunkt ist die Fuhre noch nicht so weit aus der Balance, daß extremes Gegensteuern erforderlich wäre.

Je später die Bremse gelöst wird, desto größer ist die Sturzwahrscheinlichkeit.

Soweit zum eigentlichen Bremsvorgang. Wir sollten dabei aber nicht das Hindernis vergessen. Manchmal ist es die beste Option, das Blockieren des Vorderrades und den Sturz in Kauf zu nehmen, dafür aber bestenfalls stark verlangsamt auf das Hindernis aufzuprallen. Die Alternativen wären evtl:

  • Anbremsen und in den Gegenverkehr ausweichen
  • Anbremsen und in den Straßengraben, die Leitplanke oder den Abhang auszuweichen
  • zu zögerliches Abbremsen und nahezu unverzögert in das Hindernis zu rauschen

Wie gesagt, es hängt von der Situation ab. Hinterher weiß man zumeist, wie man optimal reagiert hätte, aber trotz Sicherheitstraining schaffen dies die wenigsten.

Weiterhin sollte Dir klar sein, daß der größte Teil der Bremswirkung mit der vorderen Bremse erreicht wird. Durch die negative Beschleunigung verlagert sich nämlich die Hauptlast auf Vorderrad, während das Hinterrad entlastet wird (im Extremfall, dem Stoppie, hebt sich das Hinterrad sogar in die Luft und trägt logischerweise überhaupt nichts zur Bremswirkung bei). Fast ausschließlich hinten zu bremsen, ist also neben überhaupt nicht bremsen die uneffektivste Bremsmethode. Nicht umsonst sind die vorderen Bremsen deutlich üppiger dimensioniert, als die hinteren.

Noch eines abschließend: Generell solltest Du die Grenzen Deines Moppeds kennenlernen. Erfahrungsgemäß läßt sich recht allgemein sagen, daß Deine persönlichen Grenzen (Schräglage, Bremsen) früher erreicht sind. Das ist ein Grund, warum es so manchen Moppedfahrer aus der Kurve trägt, obwohl noch mehr Schräglage drin gewesen wäre…

Neben einem Sicherheitstraining wäre evtl. noch ein Renntraining anzuraten.

Munter bleiben… TRICHTEX

Hallo Kai,
in meinem letzten Sicherheitstraining haben die uns erklärt, dass wir die Vorderradbremse immer so „ziehen“ sollten, wie man einen nassen Schwamm ausdrückt. Also zügig aber nicht ruckartig oder sogar plötzlich. Das wäre die beste Methode um schnell aber sicher eine sogenannte Gefahrenbremsung zu machen.

Grüße movie