Huhu!
Mir hat eben jemand erzählt, das man mit rauchen Gefühle
abstellen könnte, da rauchen die Atemfrequenz stark
verändert/beeinflußt, und Gefühle immer köperliche Reaktionen
seien, die auch stark mit der Atmung zusammenhängen.
Das bezweifele ich auch gar nicht, und ich erinnere micht, das
ich da mal was zu gelesen habe, aber kann mir irgendwer das
bestätigen?
Eher andersherum.
Das Menschenbild, welches sich hinter der oben genannten Theorie verbirgt, hört sich ein bisschen nach den 60er Jahren an, und ist mittlerweile gottseidanki widerlegt.
Funktionell macht es auch gar keinen Sinn, dass Emotionen durch körperliche Zustände hervorgerufen werden.
Schachter und Singer (1962) haben mit ihrer „2-Prozess-Theorie der Emotion“ allen ernstes geglaubt, dass eine Emotion nichts anderes als die Interpretation eines Körpererregungszustands sei - was mittlerweile als widerlegt gilt (z.B. durch Marshall & Zimbardo, 1979).
Auch vor dem evolutionstheoretischen Hintergrund ist eher anzunehmen, dass Emotionen einen Einfluss auf die verschiedenen Körperzustände haben. Dabei können Emotionen anhand von Stimulie ausgelöst werden - eine physiologische Veränderung des Systems Mensch ist zur Entstehung von Emotionen nicht notwendig.
Eine Veränderung der Atemfrequenz kann also eher die Folge eines Emotionalen Zustandes sein, nicht anders herum.
U.a. haben Bradley, Codispoti, Cuthbert & Lang (2001) einen Artikel zum Thema Emotion herausgebracht, wo die Präsentation von emotional valenten Stimuli verschiedene peripherphysiologische Daten signifikant beeinflussen konnte, aber derlei Untersuchungen gibt es heutzutage zu 100ten.
Es wird davon ausgegangen, dass Emotionen Reaktionen auf unterschiedliche Reize sind, die handlungsvorbereitend sein sollen.
Z.B. kann durch angstauslösende Reize direkt Adrenalin und etwas später Kortisol ausgeschüttet werden, welches Gegenmaßnahmen zum Reiz begünstigt: Herzschlag beschleunigt, Durchblutung & Atmung erhöht, Glukoseverstoffwechselung erhöht -> Kampf- oder Fluchtverhalten wird vorbereitet (so gesehen auch schon von Selye, 1976 bzw. Cannon, 1913).
Bradley & Lang sprechen von Annäherung- und Vermeidungsverhalten, welches durch die von Ihnen in die Dimensionen Valenz und Arousal eingeteilten Emotionen handlungsvorbereitet werden soll.
Neuere Artikel zum Thema Emotion zeigen andere Modelle, die auch von einer Handlungsvorbereitung ausgehen, aber das wesentlich spezieller (z.B. Panksepp, 2002). Diesen Autor kann ich zum Thema Emotion sehr empfehlen. Interessant in dem Zusammenhang, dass hiermit wieder Darwin’sche Theorien aufgegriffen werden.
Natürlich kann Atmung auch Emotionen auslösen - z.B. eine Panik durch Astma.
Beim Rauchen selber wird aber bewusst und tiefer als gewöhnlich inhaliert - weswegen die Atemfrequenz eher optimiert würde. Nachteil ist eher, dass mit der Inhalation zahlreiche toxische Subtanzen in die Lungen transportiert werden, die den Organismus langfristig und schwer schädigen können (vor allem die Lungen).
Aber auch diese toxischen Substanzen werden heute als antidepressiv wirksam diskutiert, da sie z.B. direkt die Ausschüttung von Serotonin, Endorphin und Dopamin als im ZNS wirksame Substanzen zur Folge haben.
Wenn Raucher in irgend einem Zusammenhang als emotionsärmer gesehen werden, dann vielleicht maximal dadurch, dass die Anfälligkeit zur Nikotinsucht durch pathologische Anlage (z.B. für depressive Episoden) verstärkt sein könnte: wenn Rauchen antidepressiv wäre, dann könnte es eine Art Selbstmedikation darstellen.
Wenn Nikotinsucht also eine Komorbidität zu verschiedenen psychischen Störungen darstellt (in psychiatrischen Kliniken im Gegensatz zu allen anderen Krankenhäusern wird das neue Nichtraucherschutzgesetz übrigens nicht durchgesetzt werden), und diese verschiedenen psychischen Störungen als emotionsärmer klassifiziert werden könnten, dann wäre zumindest der grobe Zusammenhang Raucher - Gefühlsärmer herstellbar (da es z.B. mehr depressive Raucher gibt als depressive Nichtraucher).
Persönlich würde ich aber niemals auf die Idee kommen, einen Menschen, ob depressiv oder nikotinsüchtig erkrankt, als „gefühlsärmer“ zu klassifizieren. Ganz im Gegenteil kenne ich Menschen (beider Colour), die zu ganz außergewöhnlichen, positiven Emotionen imstande sind.
Lieben Gruß
Patrick