Gefühle und Reden

(Jetzt ist es leider sehr lang geworden, entschuldigung)

Hallo Ihr Lieben,

ich verfalle gerade wieder in mein schlechtes Verhaltensmuster, nämlich nicht zu reden mit jemandem, mit dem ich reden sollte.
Es handelt sich um meine große Liebe, mit dem ich in einer WG zusammenwohne.
Die Vorgeschichte: wir hatten ein schönes freundschaftliches Verhältnis zueinander, verbrachten viel Zeit miteinander, mit viel Spass, Reden über Gott und die Welt und die Lebensvorstellungen, ich hörte mir auch immer wieder seine chaotischen Frauengeschichten an. Und leider hatte auch ich mich in ihn verliebt, kurz nachdem ich in diese WG gezogen war. Insgesamt hatten wir ein recht enges, liebevolles Verhältnis zueinander, auch wenn er nicht zu den Menschen gehört, die einen nach den eigenen Problemen im Leben befragen oder fragen, warum man traurig ist. Das hat mir schon ein wenig gefehlt, aber man sieht ja über so einiges hinweg, wenn man verliebt ist. Ich zumindest.

Dann ging ich ins Ausland. Einen Monat zuvor passierte es, dass auch er sich anders für mich interessierte und wir hatten eine Art Beziehung, die sich sehr auf Nachts verlagerte. Heißt, wir schliefen keine Nacht mehr allein, ich fühlte mich ihm nahe. Tagsüber merkte ich allerdings eher wenig davon, ich dachte, er bekennt sich nicht dazu, er dachte, ich will nicht, dass es jemand weiss. Aus Angst, zuviel von meinen Gefühlen für ihn preiszugeben, die stärker waren als seine für mich, habe ich versucht, ihm mitzuteilen, was mir wehtut, aber manchmal denke ich, da, wo ich das Gefühl hatte, mich schon so sehr aus dem Fenster gelehnt zu haben, hat er einfach nichts mitbekommen (wollen?).

Ich bekam keine wilden Liebesbriefe, die ich natürlich gerne bekommen hätte, kleine nette Aussagen seinerseits haben immer wieder ein Gefühl der Freude und der Traurigkeit hinterlassen. Eindeutigere Reaktionen hätte ich mir insgeheim gewünscht, aber das Bedürfnis danach so weit verdrängt, dass für mich eben schon diese kleinen Aussagen, dass es schade sei, dass ich nicht mehr da bin, viel bedeuteten. Aber er könne sich gerade nicht auf eine Beziehung einlassen (er hatte mit seiner langjährigen Freundin ein halbes Jahr zuvor Schluss gemacht, ich glaube, er hängt das noch immer nicht ganz hinter sich gelassen).

Bei einem Zwischenbesuch in Deutschland hat er mir dann gesagt, dass er eine Freundin habe. Das hat meine Welt natürlich erstmal einstürzen lassen. Erwartungen und Vertrauen waren enttäuscht worden. Zum Abschied noch einmal große Bekundungen, wie gern wir uns haben und wie wichtig wir uns sind. Ich danach eher in Wartestellung, ich wollte wissen, was einfach mal nur von ihm kommt. Ich ging auf Distanz, brach damit den Kontakt fast ab, mit der zweifelhaften Intention und Hoffnung, dass er sich fragt, was mit mir ist und merkt, wie er mich verletzt hat.

Seit Anfang des Jahres wohnen wir nun wieder zusammen, er hat immer noch diese Freundin, manchmal denke ich, eine merkwürdige Beziehung, hoffe dann niederträchtig, dass es keine gute Beziehung sei. Zumindest bringt er sie momentan nicht mit nach Hause, nachdem sie in meine (schützende) Privatsphäre eindrang und für mich einfach ihre Grenze massiv übertrat. Danach hatten er und ich eine ganz schlecht Phase, da ich davon ausging, dass er davon wusste. War nicht so, es hat sich also wieder gebessert, seitdem wurde ich verschont.

Da ich gerne für ihn da bin und ich es liebe, mit ihm zu diskutieren, haben wir letztens mal wieder den Wein geleert und bis morgens geredet, bzw. wir haben berufliche und menschliche Belange beredet, ich habe sein Ego bestärkt und ihm wissenschaftlich weitergeholfen. Es war sehr unterhaltsam, aber es ging fast nur um ihn, bis er mich zum Schluß fragte, ob ich nicht mein Selbstwertgefühl auch aus der Höhe der professionellen Bezahlung ableiten würde. Wir streiften gerade noch das Thema, dass es für mich eher aus dem Privaten kommt, dass es zwei für mich traurige Erlebnisse mit Freundinnen gibt, die mich immer wieder traurig machen. Dann war es einfach zu spät und er blau. Heißt, meine Belange wurden nicht durchgesprochen wie seine. Er fragte aber an den folgenden Tagen auch nicht mal nach, nach dem Motto, „hey, ich würde gerne mal wieder mehr von Dir wissen, komm, jetzt hör ich Dir mal zu“. Dann hätte ich ihm vielleicht mal in einem normalen Gespräch sagen können, wie sehr es mir wehtut mit ihm, ihn nicht mehr und doch immer sehen zu wollen.

Irgendwann wurde ich dann komisch, steigerte mich in das Gefühl des Benutztwerdens hinein und wurde wortkarg. Wenn er dann nachts nicht hier ist, bin ich verletzt, wenn er da ist, mache ich mir Hoffnung, die prompt enttäuscht wird. Die Traurigkeit, das Unglücklichsein wird stärker, ich rede weniger, heute morgen dann gar nicht mehr. Weil ich den Tränen nahe bin und nicht weiß, was ich sagen soll, weil ich übersprungsmäßig ihn anfahren würde, um nicht gleich zu weich und schwach dazustehen, weil ich hoffe, er würde mich mal fragen.

(Dummerweise hat mir eine gemeinsame Freundin gesagt, sie fände ihn seit einiger Zeit komisch, ich solle ihn ignorieren. Sie hat das sicher nicht so gemeint…).

Tut mir leid, wenn das jetzt so lang war, aber ich musste das erstmal erklären.

Ist das Gefühl des Benutztwerdens etwas, dass ich erlernen könnte, nicht zu fühlen? Ich bin da anfällig für (fand mich durch das Thema Frustrationstoleranz dahingehend wieder).Oder wie wehre ich mich dagegen?
Ein gängiges Muster bei mir ist dieses „aufhören zu reden“, wenn ich verletzt wurde, oft merke ich es anfangs gar nicht, dass ich durch die Handlung mir Nahestehender tief traurig bin, sondern gehe eher innerlich aggressiv damit um, verleugne die wahren Gefühle der Traurigekeit, des Enttäuschtseins, weil ich dann dem anderen sagen müßte, dass er mich traurig gemacht hat. Und an diesem Punkt fühle ich mich so verletzbar, er könne es ausnutzen und genau da nochmal Salz in die Wunde streuen und nicht nach dem Motto „einen der am Boden liegt, den tret ich doch nicht auch noch“, wie eine Freundin immer sagt.
Ich mache jedenfalls immer wieder den Fehler, Kontakte abzubrechen. Bei Menschen, die mir sehr viel bedeuten. Das würde ich gerne in den Griff kriegen, eine Therapie hat mir da bislang nicht geholfen.
Vielleicht ist es im Ganzen die Frage, wie schaffe ich es, zu meinen Gefühlen zu stehen und darüber zu reden, sie darzulegen, ohne Angst zu haben, dass ich diese Gefühle nicht haben sollte, positive wie negative. Denn ich schrecke mit einer Härte, die ich an den Tag lege oder diesem für andere unerträglichen Schweigen ja nicht nur oben genannten Herrn von mir ab.

Danke für Eure Antworten sagt Nara

Hallo Nara

Ich mache jedenfalls immer wieder den Fehler, Kontakte
abzubrechen. Bei Menschen, die mir sehr viel bedeuten. Das
würde ich gerne in den Griff kriegen

Ich habe durch Deine Schilderung eher den gegenteiligen Eindruck bekommen, also eben NICHT, dass Du abbrichst, sondern eher. dass Du „klebst“, wo man längst hätte abbrechen bzw. auf Distanz gehen sollen.
Es ist ja nicht ungewöhnlich, dass bei zwei Menschen einer MEHR verliebt ist als der andere. Das hat wenig mit „Benutzt-werden“ zu tun (meiner Erfahrung nach wird dieses Wort zu schnell von Frauen benutzt), sondern ist -so tragisch es subjektiv sein mag- eine häufige Konstellation.
Die alte Weisheit: „Nicht klammern, sondern sich rar machen“ ist zwar oft schwer zu befolgen (und wird oft weg-rationalisiert mit den Worten „Ich will nicht taktieren“, dabei müßte es heißen „ich KANN nicht taktieren“), aber nach wie vor meist nicht falsch.
Gruss, Branden

(Jetzt ist es leider sehr lang geworden, entschuldigung)
[das alte Lied; sie liebt, er lässt es sich gefallen]

Wenn ein Mann eine Frau lieben können soll, geht
das nur, wenn er sie vorher auch achten kann.
So wie Du Dich verhältst, ist das, von der Seite des
Mannes aus betrachtet, lächerlich.

Du „liebst“ ihn, er hat leichtes Spiel, wenn
ihm mal „danach ist“. Er weiss, er wird niemals
dafür einstehen müssen, er handelt insofern
„unternehmerisch sinnvoll“ (kosteneffektiv).

Sei hart. Sei böse. Schreibe die Regeln. Nenne die
Gesetze, wenn er so naiv ist, diese nicht zu erkennen.

Entweder findet er seine Achtung zu Dir; steht zu Dir
und alles wird gut - oder es geschieht das, was schon
lange hätte geschehen müssen. Dass die Wahrheit auf den
Tisch kommt.

Es sei denn, Du brauchst das Gefühl, dass er der Mächtige
ist, der frei über Deine Gefühle verfügt. Dann solltest Du
nächtelang grübeln, ob es gut ist, dass es schlecht ist
und ob es schlechter wird, wenn es besser wird.

Euer CMБ

Hallo Tina,

wenn Du die Alltagssituationen in den Griff bekommst, sind Extremreaktionen nicht mehr erforderlich. Du reagierst aber, wie mir scheint, in alltäglichen Situationen aus Angst „paradox“, ich meine damit daß Du dich nicht abgrenzt wenn es nötig wäre oder dich abgrenzt wenn es fehl am Platz ist. Dennoch: Richte Dich nicht nur nach anderen, sondern nach Deiner inneren Stimme und reflektiere immer, ob Du erfolgreich warst. So kannst Du im Laufe der Zeit lernen, autentischer zu sein. Erlaube Dir, Fehler zu machen, und nimm nicht immer Rücksicht, daß Du den einen oder anderen Freund verlieren könntest. Wenn es dann aus dir herausbricht und Du bockig wirst, verlierst Du denjenigen ja sowieso. Aber nimm Dir vor, jeden Fehler nur einmal zu machen. Also sei kreativ im Erfinden neuer Fehler! Es gibt Flirtkurse und so, da kann man auf ziemlich lockere Art herausfinden, wie man empfindet und was man daraus macht.

Wenn Du einem Menschen nahe sein möchtest, dann sage es ihm, sorge selber für Situationen, die es dem anderen ermöglichen, Deinem Wunsch nach Nähe nachzukommen. Und erlaube dem anderen, das im Moment nicht zu wollen. Und wenn Du über Dich sprechen möchtest, dann sage ihm, Du, der Abend letztens war so toll, hat mich neugierig gemacht, hast Du morgen / am wochenende / demnächst nochmal Zeit und Lust?

Wenn Du auf Distanz gehst, erwarte nicht, daß Du dadurch Nähe erzeugst. Gehe also nur auf Distanz, wenn Du Distanz auch wirklich willst. Auch im Ausland kann man telefonisch Nähe aufrechterhalten. Lebe Deine eigneen Bedürfnisse, wenn Du also wirklich Distanz willst dann brauchst Du auch keine künstliche telefonische Nähe erzeugen.

Ich finde Du bist ein klassischer Fall der Mann - Frau Beziehung wie sie in dem Buch „Männer sind anders, Frauen auch“ von John Gray beschrieben ist. Lies das Buch mal, sehr unterhaltsam!

Gruß, AndyM

(Jetzt ist es leider sehr lang geworden, entschuldigung)
[das alte Lied; sie liebt, er lässt es sich gefallen]

Wenn ein Mann eine Frau lieben können soll, geht
das nur, wenn er sie vorher auch achten kann.
So wie Du Dich verhältst, ist das, von der Seite des
Mannes aus betrachtet, lächerlich.

Du „liebst“ ihn, er hat leichtes Spiel, wenn
ihm mal „danach ist“. Er weiss, er wird niemals
dafür einstehen müssen, er handelt insofern
„unternehmerisch sinnvoll“ (kosteneffektiv).

Sei hart. Sei böse. Schreibe die Regeln. Nenne die
Gesetze, wenn er so naiv ist, diese nicht zu erkennen.

Entweder findet er seine Achtung zu Dir; steht zu Dir
und alles wird gut - oder es geschieht das, was schon
lange hätte geschehen müssen. Dass die Wahrheit auf den
Tisch kommt.

Es sei denn, Du brauchst das Gefühl, dass er der Mächtige
ist, der frei über Deine Gefühle verfügt. Dann solltest Du
nächtelang grübeln, ob es gut ist, dass es schlecht ist
und ob es schlechter wird, wenn es besser wird.

Du spielst hier darauf an, dass Männer Frauen erobern wollen. Nur eine Frau, um die man kämpfen muss, ist es auch wert, dass man um sie kämpft…
Würde auch bedeuten, dass sich ein Mann, sobald er sich der Frau sicher zu sein scheint, nicht mehr weiter um sie bemüht. Folglich müsste man als Frau immer dafür sorgen, dass er sich eben nicht sicher ist. ???

Greetings,
Marla

Folglich müsste man als Frau immer dafür sorgen, dass er sich

eben nicht sicher ist. ???

Hallo zusammen,
Nein, aber Frau (Mann übrigens auch!) muss ihre Grenzen klar machen.
Signalisieren: ich bin jemand, mit dem man respektvoll umzugehen hat.

Solches signalisiert man weniger mit Worten als durch das Verhalten.

Im obigen Beispiel passiert das Gegenteil: Tina siglnalisiert: „Mach mit mir, was du willst, ich lasse es mir gefallen.“
Das macht es dem Typen leicht, sie auszunutzen.

Respekt kommen nämlich, anders als viele glauben, nicht aus dem guten Herzen des Gegenübers, sondern entsteht in der Beziehung durch das Verhalten beider Seiten.

Ergo; Mensch muss dafür sorgen, dass der andere sich immer sicher ist: mein Gegenüber ist respektvoll zu benhandeln.

liebe Gruße

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Hallo Ina!

Respekt kommen nämlich, anders als viele glauben, nicht aus
dem guten Herzen des Gegenübers, sondern entsteht in der
Beziehung durch das Verhalten beider Seiten.

Ergo; Mensch muss dafür sorgen, dass der andere sich immer
sicher ist: mein Gegenüber ist respektvoll zu benhandeln.

Und wie sorgt man dafür?
Ich finde es schon recht schwierig, jemandem das sichere Gefühl zu vermittel, „ich bin für dich da“, „du kannst dich auf mich verlassen“… ohne ihm gleichzeitig das Gefühl zu geben, dass man alles mit sich machen ließe.

Ich stecke gerade in einer Situation, in der ich mich auch manchmal frage, in wie weit es gut ist, zu signalisieren, dass ich IHN nicht fallen lasse - zumal er genau davor Angst zu haben scheint und sich deswegen nicht auf mich einlassen kann/will - denn ich möchte eben andererseits auch, dass er den Respekt mir gegenüber wahrt.

Greetings,
Marla

Hallo Nara,

Ist das Gefühl des Benutztwerdens etwas, dass ich erlernen
könnte, nicht zu fühlen?

Verstehe ich das richtig? du möchtest lernen, nicht mehr das Gefühl zu spüren, wenn du dich benutzt fühlst? Wenn ja, dann denke ich persönlich, dass es eher umgekehrt funktioniert, dass du dir dieses Gefühl noch bewusster machen solltest und vielleicht versuchen kannst, daraus ein anderes Verhaltensmuster für dich zu entwickeln. Warum fühle ich mich benutzt? wie kommt es überhaupt dazu, dass der andere diese Chance bekommt? Ich kann dem von Branden gesagten nur zustimmen. Es ist sicherlich häufig so, dass einer der Beziehungspartner derjenige ist, der sich eher bereit erklärt, mehr einzubringen. Es gehören ja nun mal zwei dazu, einer der „benutzt“ und einer „der sich benutzen lässt“.

Ich bin da anfällig für (fand mich
durch das Thema Frustrationstoleranz dahingehend wieder).Oder
wie wehre ich mich dagegen?

Dagegen „wehren“ halte ich - als Laie - für nicht so gut. Ich denke, du hast die Möglichkeit, entweder diese Eigenschaft an dir zu akzeptieren und da auch nichts „schlimmes“ dran zu finden oder du kannst dich damit auseinander setzen (s.o.).

Denn ich schrecke mit
einer Härte, die ich an den Tag lege oder diesem für andere
unerträglichen Schweigen ja nicht nur oben genannten Herrn von
mir ab.

Ich empfinde es nicht als Härte, die du da an den Tag legst (im Übrigen: ich kenne dieses Verhalten nur zu gut…) - du hättest härter reagieren können und vielleicht auch sollen, als du nach deinem Auslandsaufenthalt gemerkt hast, dass das Zusammenwohnen dir nicht gerade gut tut…

Liebe Grüße
Gerry

einer Härte, die ich an den Tag lege oder diesem für andere
unerträglichen Schweigen ja nicht nur oben genannten Herrn von
mir ab.

Ich empfinde es nicht als Härte, die du da an den Tag legst

Ich kann schon nachvollziehen was sie mit „Härte“ meint.

AndyM

Hallo,

ich glaube, ich meine mit der Härte, dass ich in Situationen, in denen ich mich verletzt fühle, erstmal unnachgiebig reagiere, dass in mir eine Wut hochkocht, die das wahre Gefühl, so etwas wie vernachlässigt worden sein, überdecken soll. Und in so einer Phase fällt es mir so schwer, auf den anderen zuzugehen und ihm zu sagen, „Können wir mal reden, mich hat das und das gestört und weil Du mir viel bedeutest, vor allem auch tief verletzt.“ Daraus resultiert, dass ich eben oft nicht sage, wenn ich mich benachteiligt oder benutzt oder vernachlässigt, was auch immer, fühle, eben nicht dazu stehe. Dann jedoch ist es irgendwann zuviel für mich und ich reagiere über. Platze plötzlich, weil ich vorher nicht für mich einstehen konnte. Und für die Außenwelt ist das wohl sehr schwer nachzuvollziehen, denn „was hat sie denn, was regt sie sich denn so auf“ (sonst tut sie das doch auch nicht). So war ich denn auch letztens wieder die „Doofe“, als ich meinem Mitbewohner sagte, dass ich gerne über eine (materielle, also nicht ans Herz gehend) Sache informiert hätte werden wollen, als sie vor mir zu verheimlichen und sie zu regeln, bevor ich was merke. Wortlaut weiss ich nicht mehr, nicht lieb, aber auch nicht böse, sondern eher sehr bestimmt. Das „für mich selbst eintreten“ wurde also bereits wieder als was Schlechtes an mir gewertet.

Gruß,
Nara

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo Ihr lieben Ratgeber,

ich wollte Euch für Eure Antworten danken. Eigentlich will ich auf einiges antworten und eingehen/ nachfragen, aber bislang wußte ich nicht so richtig, was wie schreiben. Bin einerseits verwirrt, andererseits kraftlos und konnte bei meinen Versuchen nicht so schreiben, wie ich wollte. Kommt aber jetzt wieder.

Nochmal Danke und
Gute Nacht!

(Jetzt ist es leider sehr lang geworden, entschuldigung)
[das alte Lied; sie liebt, er lässt es sich gefallen]

Wenn ein Mann eine Frau lieben können soll, geht
das nur, wenn er sie vorher auch achten kann.
So wie Du Dich verhältst, ist das, von der Seite des
Mannes aus betrachtet, lächerlich.

Ja, das stimmt, ich würde es selber lächerlich finden seinerseits (meinerseits nannte ich es als stur, kindisch usw., es ist dumm, ich weiss, aber ich handle schlussendlich doch so. Noch blöder)

Du „liebst“ ihn, er hat leichtes Spiel, wenn
ihm mal „danach ist“. Er weiss, er wird niemals
dafür einstehen müssen, er handelt insofern
„unternehmerisch sinnvoll“ (kosteneffektiv).

Tja, also hier dachte ich, daß ich dasselbe letztens auch schon mal dachte, dass er alles ökonomisch betrachtet. Dass Du es aber als „unternehmerisch sinnvoll“ (kosteneffektiv) betitelst, ja, das hat was. Fast hätte ich grinsen müssen.

Sei hart. Sei böse. Schreibe die Regeln. Nenne die
Gesetze, wenn er so naiv ist, diese nicht zu erkennen.

Was meinst Du mit „Sei hart und böse.“ Soll ich ihn mal anfauchen? Allen Konfliktregeln nach wäre das ja eher nicht gut, oder? Drum schweige ich ja auch wieder, weil ich ihn nicht anfauchen will und aber auch nicht einfach weiterhin nett sein konnte. „Schreibe die Regeln.“ Wie geht das? Ich weiss auch nicht, wie ich ihm zeigen soll, dass ich mich respektlos, lieblos behandelt fühle, dass er mich nicht achtet (danke für die Formulierung, irgendwie kam ich im Bezug auf mich nicht da drauf, suchte aber danach). Bringt es was, das einfach so zu sagen? Zugegebenermassen habe ich öfters nicht das Gefühl, mich zu kennen, mir zu vertrauen und mich zu achten. Zumindest momentan, das ändert sich immer nach Aussenlage, vor allem durch erfüllende Freundschaften.

Entweder findet er seine Achtung zu Dir; steht zu Dir
und alles wird gut - oder es geschieht das, was schon
lange hätte geschehen müssen. Dass die Wahrheit auf den
Tisch kommt.

Es sei denn, Du brauchst das Gefühl, dass er der Mächtige
ist, der frei über Deine Gefühle verfügt. Dann solltest Du
nächtelang grübeln, ob es gut ist, dass es schlecht ist
und ob es schlechter wird, wenn es besser wird.

Es hat mir mal meine ehemalige Therapeutin gesagt, ich hätte so ein Abhängigkeitssyndrom. Leider kam es aus Streit nicht mehr dazu, dass sie mir erklären konnte, wie ich dagegen worgehen kann. Ob ich das dann machen würde? Irgendetwas hält mich immer an alten Dingen fest, ich finde es überraschen, wenn jemand einfach abschliessen und nach vorne gucken kann. Übertrieben umschrieben hiesse es, etwas in mir läßt mich nicht abschliessen wollen, sondern will, dass ich weiter an etwas, wie Branden sagte, „klebe“ und mir scheinbar in dieser Leideposition gefalle bzw. nicht bereit bin, Aussichtloses fallen zu lassen und das Beste für mich zu suchen. Im Gegenteil. Immer schön lange an dem knabbern, was mir nicht gut tut, mir wehtut.

Danke für Deine Ausführungen und lieben Gruß, Nara

Euer CMБ

Hallo Branden,
ja, Du hast recht, ich klebe an Altem, an leider Vergangenem. Ich kriege es aber nicht anders hin. Diese kraftvollen Momente sind sehr selten, in denen ich einen Abstand fühle.
„sich rar machen“ ist so schwierig, weil man ja am liebsten ganz viel Zeit mit dem verbringen will, den man mag und liebt. Ausserdem verliert man irgendwann vielleicht den Kontakt, Gemeinsamkeiten, die dem anderen dann vielleicht auch fehlen und der diese ebensowenig artikuliert. „sich ein bisschen rar machen“ ginge vielleicht eher, meinem Gefühl nach, aber einerseits klappt das nicht gut, andererseits ist es eben nur die physische Abwesenheit. Im Kopf ist man ja immernoch mit demjenigen beschäftigt. Das artet dann vielleicht in merkwürdigen Komplikationen aus, wenn man kurze Zeiten der Nicht-Abwesenheit kompensieren will mit Nähe, dabei vielleicht zu intensiv wird und evtl. auch noch eigene Hirngespinste unbewußt einbringt.
Wie es machen?

Liebe Grüße von Nara

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]