Gefühllos?

Liebe www- Gemeinde,

Ich stelle in letzter Zeit mit wachsender Beunruhigung fest, dass mein Gefühlsleben sich rapide abkühlt. Ich bin immer weniger in der Lage, so Dinge wie Freude, Begeisterung, Mitgefühl, Liebe, Leidenschaft zu empfinden. Leidenschaft war als erstes weg. Dann Freude.
Ich leide schon seit langer Zeit an Depressionen schwankender Intensität. Manchmal zeigt sich autoaggressives Verhalten. Im Winter ritze ich mir die Arme auf, weil man da lange Pullover tragen kann. Im Sommer schlage ich den Kopf gegen die Wand oder fresse so lange, bis ich mich vor Schmerzen kaum noch bewegen kann. Aber dann fühle ich mich wenigstens wieder. Ich hab irgendwie Angst, dass ich verschwinde. Also… emotional.
Andererseits fürchte ich mich auch ein wenig vor einer Behandlung durch einen Psychologen. Vor zwei Wochen hatte ich ein Erlebnis, dass ich nachts mit dem Auto unterwegs war und plötzlich rechts ran fahren musste. Ich saß da im Dunkeln im Auto und schrie nur noch. Minutenlang. Es muss also noch jede Menge in mir drin sein. Ich hab Angst davor, was passiert, wenn das auf einmal alles rauskommt. Daher trau ich mich nich zum Psychologen…
Mein Freund, den ich sehr gern habe, bekommt diesen Zustand am deutlichsten zu spüren. Ich möchte ihm so gerne mehr geben. Er hatte auch versprochen, dass er mir hilft, mich zu überwinden und ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen, aber er hat so viel zu tun, dass er es einfach vergisst.
Alles ist schwierig. Alles fällt schwer. Alles ist traurig. Und ich fühl mich im Moment wahnsinnig allein. Poetisch ausgedrückt: Ich fühl mich wie ein Komet, der in völliger Einsamkeit durch das Weltall treibt, ohne irgendetwas je zu berühren. Total einsam.

Ich weiß: ich habe keine Frage formuliert. Ich hab auch keine. Vielleicht gibt es das ein oder andere Statement zu dem Thema. Ich wollte mich halt mal „erleichtern“. Und hier ist es so schön anonym…
Vielen Dank für Eure Geduld.

Grüße vom Igel

Hallo Igel !

hatte auch versprochen, dass er mir hilft, mich zu überwinden
und ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen, aber er hat so viel
zu tun, dass er es einfach vergisst.

Bei diesem Satz würde auch ich das Schreien anfangen. er vergisst es einfach, das darf doch nicht wahr sein.
Aber bevor ich mich noch weiter aufrege, wohnt Ihr denn zusammen bzw. wie sieht denn eure Partnerschaft allgemein aus?
Und wie wollte er denn helfen, Dich zu überwinden?

Bis später

Sabine

Nicht warten - handeln!
Hallo Igel,

Du musst keine Frage formulieren um eine Antwort zu bekommen. Das was ich gelesen habe reicht um Dir sagen zu können, Du MUSST eine/n Psychologen/in aufsuchen. Ich möchte keine Diagnosen stellen da ich keine Fachfrau bin, allerdings kenne ich das ritzen in den Arm von einer Freundinn, die auch meint das sie durch den Schmerz überhaupt merkt das sie da ist.

Also, nimm das Angebot Deines liebsten an, und geh zusammen mit ihm zu einem Arzt. Es muss nicht unbedingt heissen das er es vergisst, er möchte Dich nur nicht drängen und die entscheidung dir überlassen, schliesslich musst DU entscheiden ob Du zu einem Arzt gehst und nicht Dein Freund. Er wird Dich lediglich bei Deiner Entscheidung unterstützen, und sich dann auch die Zeit nehmen wenn es notwendig ist.

Warte nicht zu lange sondern handle sofort!!!

Alles Gute
Sandy

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Hallo, sabine

Bei diesem Satz würde auch ich das Schreien anfangen. er
vergisst es einfach, das darf doch nicht wahr sein.
Aber bevor ich mich noch weiter aufrege, wohnt Ihr denn
zusammen bzw. wie sieht denn eure Partnerschaft allgemein aus?
Und wie wollte er denn helfen, Dich zu überwinden?

Bis später

Sabine

Wir wohnen nicht zusammen und sehen uns auch so nich so oft, weil er viel unterwegs ist. Ich find es auch wichtig, dass er unterwegs ist: schließlich geht es dabei um seinen Lebensunterhalt. Ich wollt mich auch nicht bei Euch drüber beklagen, dass er es vergessen hat. Das hab ich bereits bei ihm getan.
Und: die Bitte, mir zu helfen, hab ich ihm erst gestellt, als dieses Erlebnis drei Tage zurücklag.

Gruß vom Igel

…schwierig…(Therapie und der Weg dahin)
Hallo Igel!

Es klingt schlimm, was Du schreibst. Du musst wirklich verzweifelt sein.

Und daran siehst Du auch, dass Du Deine Gefühle noch nicht verloren hast!
Du fühlst Deine Hilflosigkeit und Deine Angst. Und Du merkst vor allem, dass Du erhebliche Probleme hast!

Daraus dass du von einem Psychologen schreibst, schließe ich, dass Dir eigentlich auch klar ist, dass Du professionelle Hilfe brauchst…
…aber natürlich hast Du Angst!

Das ist ganz klar. Es ist auch etwas anderes zu einem Therapeuten zu gehen, als wegen Schnupfen zum Hausarzt.

Aber Du musst Dir klar machen, dass ein (guter!) Therapeut Erfahrung hat… und auf Dich eingeht!
Du musst Dich nicht verstellen vor ihm… im Gegenteil.

Ein guter Therapeut wird auch Deine Angst verstehen und wird versuchen, sie Dir zu nehmen.

Zu Anfang könntest Du ihm/ihr einfach diesen Artikel hier zeigen. Du hast darin, finde ich, sehr verständlich Deine Situation geschildert, incl. Deiner Angst.

Und dann wird der Therapeut auch nicht sofort mit der Tür ins Haus fallen.
Es wird langsam voran gehen und wenn Dir etwas nicht passt, dann kannst/solltest Du das sagen (oder aufschreiben…man muss nicht immer nur reden in einer Therapie).

Hm…vielleicht fragst Du Dich nun, wie man einen guten Therapeuten findet.

Also…es gibt Verhaltenstherapeuten und Psychoanalytiker. Bei einer Verhaltenstherapie schaut man, grob gesagt, wie man sein Leben wieder in den Griff bekommen kann. Man tut aktiv etwas.
Bei einer Psychoanalyse „gräbt“ man in der Seele. Der Psychologe sucht nach den genauen Gründen für das jeweilige Verhalten.

Natürlich tut das auch der Verhaltenstherapeut, aber da steht mehr das aktive Arbeiten an den Problemen im Vordergrund.

Um herauszufinden, welche Art von Therapie zunächst mal die richtige für Dich wäre, kannst Du zu einem/einer Psychiater/in gehen.
Dort kannst Du entweder Deine Probleme schildern, oder Du zeigst auch einfach diesen Artikel hier (oder schreibst Stichworte auf).

Dann sollte der Psychiater Dir auch diverse Adressen von Therapeuten geben. Falls er das nicht tut, kannst Du zu Deiner Krankenkasse gehen und eine Liste einsehen.

Am besten, Du machst mehrere Termine auf einmal bei verschiedenen Therapeuten/Analytikern! (Es stimmt nicht, dass die Krankenkassen nur fünf Probesitzungen bezahlen! Man kann so viele Therapeutenerstgespräche haben, wie man will. Nur dann gibt es, bei dem Therapeuten, für den man sich entschieden hat, fünf Probesitzungen und dann wird entweder ein Antrag auf Therapie gestellt oder nicht.)

Und dann musst Du wohl durch die Erstgespräche durch.
Das ist sehr anstrengend, ich weiß :frowning: ,aber so fängt der Weg der Besserung an.

Lass Dich nicht ärgern und entmutigen, wenn der ein oder andere Idiot dabei ist. Es gibt halt immer fähigere und unfähigere Menschen. :-/

Das wichtigste bei einem Therapeuten ist, dass Du ihm/ihr vertraust und dass die Chemie zwischen Euch stimmt.

Wenn Du Dich bei einem Therapeuten unwohl fühlst, dann hat die Therapie keinen Sinn!

Natürlich ist so eine Psychotherapie meist immer irgendwie unangenehm…trotzdem merkt man, ob man mit dem Therapeuten klar kommt oder nicht.

Also nimm Dir auf jeden Fall das Recht, Dir den Therapeuten zu suchen, der Dir gefällt!

So…hm…

Ich hoffe, das war jetzt alles nicht zu viel und Du kannst Dich dazu entschließen, eine Therapie zu machen.

Was Deinen Freund betrifft, denke ich, dass er ein wenig überfordert ist, mit der Situation. Es ist unheimlich schwierig mit so etwas umzugehen, vor allem, wenn es jemanden betrifft, der einem so Nahe steht.
Ich schätze auch, er weiß nicht richtig, wie er handeln soll… er will Dich sicherlich nicht noch mehr stressen.

Aber nimm sein Angebot auf Hilfe an!
Du musst das nicht allein durchstehen, wenn Du jemanden hast, der Dich unterstützen will und der Dich liebt.

Ich hoffe sehr, dass Du eine Lösung und die Kraft findest, aus dem Depressionsloch herauszukommen.
Lass Dich von Rückschlägen nicht zu sehr entmutigen…

…ach Mensch… ich wünsch Dir wirklich alles Gute.

Bitte such Dir Hilfe!

So eine Sache (Selbstverletzung etc.) kann böse enden.

Alles Liebe,
Leah

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Liebe Leah,

vielen Dank. Deine Antwort macht mir gerade echt Mut.
Ich möcht halt ein bißchen an die Hand genommen werden, damit ich den Schritt nicht alleine machen muß.
Ich hoffe, ich finde die Kraft, um Hilfe zu bitten.

Gruß vom Igel