Ich habe ein Zitat von Friedrich Wilhelm IV und würde gern wissen, wo dies her ist, würde gern noch mehr dazu lesen. Kann mir einer helfen: „Gegen Demokraten helfen nur Soldaten“
Gruß Jo
Ich habe ein Zitat von Friedrich Wilhelm IV und würde gern wissen, wo dies her ist, würde gern noch mehr dazu lesen. Kann mir einer helfen: „Gegen Demokraten helfen nur Soldaten“
Gruß Jo
Hallo !
Hier ein Stück aus der erop. Geschichte :
Im
Augenblick, Juni 1848, stießen die Tschechen der
Hauptstadt Prag und stieß besonders ein allslawischer
Kongreß, den sie, als Replik zur deutschen National-
versammlung, veranstaltet hatten, mit der österreichi-
schen Garnison zusammen. Der Kommandant der
Stadt, Fürst Windisch-Graetz, handelte nach dem
Grundsatz: »Gegen Demokraten helfen nur Soldaten«
Die Soldaten, Bauernsöhne meist slawischer Zunge,
gehorchten ihrem Feldmarschall, nicht den Demokra-
ten. Ihre Bomben trieben den Slawenkongreß ausein-
ander und unterwarfen die rebellische Stadt - der erste
Sieg der alten Ordnung in Österreich, so wie die Nie-
derwerfung des polnischen Aufstandes in Posen der
erste Sieg der alten Ordnung in Preußen gewesen war.
Und wieder: gegen diesen Sieg hatten die Deutschen
nichts einzuwenden.
Gruß Max
Etwas längerer Text und Quelle
Die Trennung der deutschen Nation von anderen,
nichtdeutschen Nationen, die mit ihr seither verknüpft
gewesen waren, gelang nicht; und gelang nicht auf
eine Weise, die den alten dynastisch-feudalen Mäch-
ten zugute kam. Sie erholten sich, kamen wieder zu
sich selbst, indem sie die Aufstände nichtdeutscher
Nationen niederschlugen. Sie taten es unter dem Bei-
fall der Deutschen. Aber dadurch war auch schon die
deutsche Revolution selber verloren; von allen euro-
päischen Revolutionen die kampfunlustigste, auf die
Schwäche von innen her und das freiwillige Kleinbei-
geben der alten Mächte am offenbarsten angewiesene.
Dies, in wenigen Worten, ist das Geheimnis von
1848. In Frankreich der Klassenkampf; in Mitteleuro-
pa der Kampf der Nationalitäten. Vor 1848 war der
deutsche Liberalismus polenfreundlich gewesen. Er
war es, als die Opfer, die man einer solchen Freund-
schaft konsequenterweise bringen mußte, praktisch
nicht zur Diskussion standen; solange überwog der
Wunsch, das den Polen von raubgierigen Fürsten,
nicht vom deutschen Volk, angetane Unrecht einmal
in Freiheit wiedergutzumachen. So auch noch im
Frühling des Revolutionsjahres. Selbst preußische
»Märzminister« dachten damals ernsthaft an ein
Bündnis mit der französischen Republik, gegen Ruß-
land, zum Zwecke der Wiederherstellung Polens. Daß
das revolutionäre Europa einen Krieg gegen den
Zaren zu führen haben würde, um seine Revolution zu
sichern, zu bestätigen, zu vertiefen, und Polen der
edelste Nutznießer eines solchen Krieges sein sollte,
war die Idee der Linken, der deutschen wie der fran-
zösischen. Dr. Marx, auf seinem Kölner Beobach-
tungsposten, meinte, er würde nicht bloß den Zaris-
mus, sondern ebenso die deutschen und westeuropäi-
schen Monarchien erledigen; ein Argument, das, wenn
und insofern es zutraf, erklären mag, warum der
König von Preußen auf einen deutsch-russischen
Krieg nicht sonderlich begierig war. Nicht nur kam es
zu diesem Krieg vorläufig nicht; auch zwischen den
Deutschen und den im deutschen Königreich Preußen
lebenden Polen entwickelten sich die Dinge während
des Revolutionsjahres zur Feindschaft. Es war der
Fluch des alten Raubes, der Teilungen von 1772 und
1793. In Posen, der preußischen Provinz, einem
Stück des alten Polen, das, eben weil es polnisch war,
nicht zum Deutschen Bund gehört hatte, zum neuen
Reich aber dennoch gehören sollte, stießen die beiden
Nationalitäten aufeinander; die preußische Militär-
macht, nach anfänglichem Zögern, kam den Deut-
schen gegen die Polen zu Hilfe; und das war ihr erster
Sieg, der erste Schritt zur Wiedergewinnung ihres seit
dem März übel gesunkenen Ansehens. Den Deutschen
gefiel es; auch den deutschen Liberalen zu Frankfurt
am Main. Die deutsche Nationalversammlung,
polenfreundlich in ihren Ursprüngen, war es nicht
mehr im Sommer des Jahres; nun hieß es, Macht sei
nur zu oft auf Kosten deutschen Rechtes gegangen
und es könnte und müßte dort, im preußischen Polen,
auch einmal deutsche Macht auf Kosten fremden
Rechtes gehen. Dies war die Ansicht nicht aller, aber
der überwiegenden Mehrheit; und blieb dabei.
Das österreichische Böhmen hatte zum alten Deut-
schen Reich gehört, so zu Metternichs Deutschem
Bund. Die deutschen Liberalen nahmen wie selbstver-
ständlich an, daß es auch zum deutschen National-
staat gehören werde, wobei sie den vorwiegend deut-
schen Charakter der städtischen Kultur Böhmens im
Auge hatten. Aus Prag kam die Antwort: die böhmi-
schen Lande seien tschechisch, die Tschechen ein
Glied der slawischen Völkerfamilie und wollten mit
einem deutschen Reich nichts zu tun haben. Palacký,
ihr Wortführer, fügte allerdings hinzu, daß sie, wie
zahlreiche andere Völker slawischer Zunge, auch
nicht für sich allein stehen könnten: ihr Hort sei
Österreich, das nichtdeutsche, nichtnationale, das po-
litische Heim der kleinen slawischen Nationalitäten,
das nimmermehr zerstört werden dürfe. Dies Schrei-
ben Palackýs, gerichtet an die Vorbereiter der Pauls-
kirchenversammlung, hat Bedeutung für die Ge-
schichte Europas: ein Trennungsstrich zwischen Sla-
wen und Deutschen, die Proklamierung einer Nation
und eines Nationalismus, von denen man bis dahin in
Deutschland nichts gewußt hatte. Die deutsche Ant-
wort war feindlich von der Rechten bis zur extremen
Linken; über dies neue Phänomen, den tschechischen
Nationalismus, haben Marx und Engels den giftigsten
Hohn ausgeschüttet, dessen sie fähig waren. Eine po-
sitive Möglichkeit lag in dem, was man später
Austro-Slawismus genannt hat, der Bejahung des
Habsburgerimperiums als eines schützenden Daches
über vielen kleinen Völkern. Sie hat, obgleich sie
wohl künstlich war, im 19. Jahrhundert eine nützliche
Rolle spielen können; in der einfacheren, barbarische-
ren Welt des 20. Jahrhunderts ist sie verklungen. - Im
Augenblick, Juni 1848, stießen die Tschechen der
Hauptstadt Prag und stieß besonders ein allslawischer
Kongreß, den sie, als Replik zur deutschen National-
versammlung, veranstaltet hatten, mit der österreichi-
schen Garnison zusammen. Der Kommandant der
Stadt, Fürst Windisch-Graetz, handelte nach dem
Grundsatz: »Gegen Demokraten helfen nur Soldaten«
Die Soldaten, Bauernsöhne meist slawischer Zunge,
gehorchten ihrem Feldmarschall, nicht den Demokra-
ten. Ihre Bomben trieben den Slawenkongreß ausein-
ander und unterwarfen die rebellische Stadt - der erste
Sieg der alten Ordnung in Österreich, so wie die Nie-
derwerfung des polnischen Aufstandes in Posen der
erste Sieg der alten Ordnung in Preußen gewesen war.
Und wieder: gegen diesen Sieg hatten die Deutschen
nichts einzuwenden.
Im Frühling schwankte die Habsburger Monarchie
wie ein großes Schiff ohne Steuer; die Zentralregie-
rung, die Nachfolger Metternichs, unerfahren und
schwach; die Hauptstadt Wien, bereit und begierig,
sich mit Deutschland zu vermählen, ohne über die
Folgen, die eine solche Verbindung für das Habsbur-
gerreich und ihre eigene hauptstädtische Stellung
haben mußte, sich klar zu sein; Ungarn, Kroatien,
Böhmen, Galizien wirbelnd mit unbotmäßigen Forde-
rungen. Und Italien in hellem Aufruhr. Mit Italien ge-
meinsame Sache zu machen wäre die unabdingbare
Aufgabe des deutschen Liberalismus gewesen. Ein
preußischer Konservativer, Bismarck, hat später die
italienische Karte zu spielen gewagt und gewonnen.
Die Liberalen von 1848 spielten sie nicht.
Von Hause aus kämpferischer, dramatischer ge-
sinnt als die Deutschen, überdies von einer eigentli-
chen Fremdherrschaft belästigt, handelten die Italiener
mit größerer Energie. Zwei Wochen nach dem Sturz
Metternichs erhoben sich die Mailänder; der österrei-
chische Kommandant, Radetzky, mußte seine Trup-
pen in das Festungsviereck im Zentrum der Po-Ebene,
den »Quadrilateral«, zurücknehmen. In Venedig
wurde eine Republik ausgerufen. Der König von Sar-
dinien-Piemont, Karl Albert, ließ sich bereden, mit
dem Strom zu schwimmen, den er nicht aufhalten
konnte, und schickte den aufständischen Lombarden
sein Heer zu Hilfe. So tat das päpstliche Rom, so
Neapel; eine kurze Zeit war ganz Italien revolutionär
und im erklärten oder unerklärten Kriegszustand
gegen Habsburg. Es war der erste Krieg, den das
europäische Friedensfest provozierte. Verlor ihn
Österreich und wurde es aus Italien vertrieben, so
konnte es auch in Deutschland nicht mehr viel tun und
hindern; anders, wenn es seine italienische Stellung
noch einmal rettete.
Es gelang. Dieselben panösterreichischen Magna-
ten, die Prag unterworfen hatten, Kenner des nordita-
lienischen Kriegstheaters, an der Spitze wohlgedrillter
Bauernsoldaten, eroberten die Lombardei; die Pie-
montesen, vernichtend geschlagen, mußten Ende Juli
sich zu einem Waffenstillstand bequemen. Die Hilfe,
welche Italien von Frankreich erhoffte, blieb aus und
mußte ausbleiben; die französische Revolution war
gelähmt und gegen sich selber gerichtet seit der Juni-
schlacht. Die deutschen Liberalen hatten gegenüber
den italienischen Dingen von vorneherein Behutsam-
keit geübt, das sei Sache Österreichs und gehe sie
nichts an; es würde sie aber, drohten sie, sehr wohl
etwas angehen, wenn Italien etwa Forderungen auf
deutsches Bundesgebiet, auf Triest, anmelden sollte.
Kurzsichtige Drohungen, die ebensowenig wahr
gemacht werden konnten wie Hilfsversprechen von
dieser Seite; die deutschen Liberalen hatten versäumt,
sich rechtzeitig Macht zu organisieren. Der österrei-
chische Sieg in Italien war ein rein militärischer; un-
genügend, um die italienische Frage dauerhaft zu
lösen, aber genügend doch, um das Schicksal Mittel-
europas für ein Jahrzehnt zu bestimmen. Von seinen
Grenzprovinzen her wurde das Habsburgerimperium
zusammengezwungen und wiederhergestellt. Die Sol-
daten, die Mailand eroberten, würden demnächst
Wien selber erobern und so Deutschland von Öster-
reich isolieren und das Unternehmen der deutschen
Nationalversammlung zum Spott machen. Gegen
Ende des Jahres kam es in Italien zu einer zweiten Be-
wegung, unter schon viel ungünstigeren, eigentlich
hoffnungslosen Umständen. Sie ging aus von Rom,
wo die Demokratie dem liberalisierenden Papst über
den Kopfwuchs. Im November floh er, als Priester
verkleidet, südwärts, in den Schutz Neapels. Die Bür-
ger der Hauptstadt proklamierten eine römische Re-
publik (Februar 1849); des war, um ihr zu Hilfe zu
kommen, getrieben von dem panitalienischen, natio-
naldemokratischen Impetus, daß Piemont sich noch
einmal ins Getümmel wagte und den Waffenstillstand
mit Österreich kündigte. Vergebens. Novara (23.
März) bestätigte Custozza; König Karl Albert dankte
ab; sein Sohn, Victor Emanuel, schloß Frieden mit
dem noch übermächtigen Nachbarn. Dies ließ Rom
allein; unter einem Triumvirat, dem Mazzini vor-
stand. Ein anderer Volksführer, Träger eines großen
Namens der Zukunft, schlug damals zuerst das Volk
von Rom in seinen Bann: Giuseppe Garibaldi. Aus
der Gegend stammend, wo Italien in Frankreich über-
geht, Schiffskapitän in der Levante, republikanischer
Verschwörer in Genua, dann viele Jahre lang Aben-
teurer, Bürgerkriegssoldat, Guerillaführer in Uruguay,
brachte der wildbärtige Mann auf weißem Roß etwas
von südamerikanischen Kampfesmethoden, amerika-
nisch-romantischer Freiheitsluft in den italienischen
Befreiungskrieg; menschenbezwingend in seiner
Reinheit, der Phantasie, dem unbeugsamen Willen
seiner Kraftnatur. Damals kam er zu früh; hielt sich
aber heil und bereit, um zehn Jahre später zur rechten
Zeit wiederzukommen.
Der römische Streit wurde durch Louis Napoleon
entschieden. Es ist nahezu sicher, daß er andernfalls
durch österreichische Truppen entschieden worden
wäre, die schon im Kirchenstaat standen, und daß der
Prinz-Präsident etwas Wahres sagte, wenn er sein
Parlament wissen ließ, in Rom müsse Frankreich han-
deln, um Österreich zuvorzukommen. Andererseits
war er begierig, dem französischen Katholizismus zu
gefallen, überhaupt irgend etwas Stattliches zu tun.
So übernahm denn ein französisches
[Propyläen-Weltgeschichte: Golo Mann: Politische Entwicklung Europas und Amerikas 1815-1871, S. 324 ff.Digitale Bibliothek Band 14: Propyläen-Weltgeschichte, S. 12795 (vgl. PWG Bd. 8, S. 492 ff.) © Ullstein Verlag]