Obwohl der Dativ dem Genitiv sein Tod sein soll, fällt mir als Nicht-Muttersprachler zunehmend auf, dass Präpositionen, nach denen - so habe ich es in der Schule gelernt - der Dativ stehen soll, mit dem Genitiv verwendet werden.
Ich las: „entgegen dieser Vermutungen“. Beispiel aus dem Stern-Magazin (7.1.2010, S. 104): „Das Wettbüro liegt gegenüber des Platzes, sagt Hagedorn“.
Ich habe den Eindruck, dass die Leute, die das sagen, den Genitiv als „schicker“ empfinden, aber ob dieser Gebrauch richtig ist?
ich habe nur eine Vermutung: es handelt sich um Hyperkorrektur, also übermäßiges Korrigieren, Ausbessern von Fehlern, die nicht da sind.
An vielen Stellen, an die eigentlich ein Genitiv gehört, wird heutzutage umgangssprachlich der Dativ verwendet. Wenn man das weiß, versucht man es zu vermeiden. Da kann es dann passieren, dass man an Stelle eines richtigen Dativs einen falschen Genitiv verwendet.
korrekt ist der Gebrauch der beiden Präposition mit dem Genitiv wohl nicht.
Bei canoo findet man vier Präpositionen, bei denen sowohl Dativ als auch Genitiv als richtig bezeichnet werden, nämlich binnen, dank, laut, zufolge. http://www.canoo.net/services/OnlineGrammar/Wort/Pra…
Der Grund für die falsche Benutzung des Genitivs bei entgegen, gegenüber könnte durchaus die vermeintlich „schickere“ Ausdrucksweise sein - l’auteur pète plus haut que son cul (frei übersetzt: der Autor furzt höher, als ihm der Arsch hängt).
Denkbar wäre auch ein weiterer Grund: die beiden Präpositionen werden recht oft mit weiblichen Abstrakta auf -ung benutzt, bei denen Dativ und Genitiv im Singular gleich sind. Vielleicht gibt es sogar viele weibliche Abstrakta ohne diese Endung; mir fallen gerade nur „Kenntnis“ und „Absicht“ ein.
Analog dazu entsteht der Fehler dann bei nicht-weiblichen Nomen.
Und drittens ist die Benutzung des richtigen Kasus im Deutschen überhaupt recht undurchsichtig: ein Fußballer steht grammatisch korrekt fern, außerhalb oder innerhalb des 18-Meter-Raums. Wenn er gegenüber des gegnerischen Torwarts steht, steht er grammatisch falsch.
das hat mit Wichtigtun nicht immer was zu tun. Das ist nur etwas, das mitten im Wandel geschieht - während einer Zeit also, als das „neue“ schon gang und gäbe ist, das „alte“ aber noch ebenso gebräuchlich. Da verwechselt man gerne mal. Das kann in bester Absicht geschehen.
„Wichtigtuer“ ist ein sehr abwertender Begriff.