Gehalt eines Schriftstellers?

Hi!

Mich würde mal interessieren, was Schriftsteller so durchschnittlich verdienen.
Natürlich gibt’s da Unterschiede…

Ich meine einfach… wenn ein Buch ganz gut läuft und in durchschnittlichem Maße verkauft wird.

Wäre toll, wenn mir das jemand beantworten könnte.

Lieben Gruß,
Leah

Anhaltspunkte Belletristik
Hallo…

sowas kann man sich leicht selber ausrechnen. Zumindest „über den Daumen gepeilt“. Ich benutze glatte Zahlen zum einfacheren Rechnen.

Setze mal voraus, dass ein durchschnittlich bekannter Schriftsteller im Bereich Belletristik ca. 10 % des Ladenverkaufspreises für jedes verkaufte Hardcoverexemplar bekommt.

Setze weiterhin voraus, dass das Buch im Laden 20 € kostet.

Nun gehen wir mal davon aus, dass die Erstauflage 10.000 Exemplare beträgt (für ein Hardcover nicht schlecht - kein Grisham, aber nicht schlecht), und dass ein Jahr später nochmal 10.000 nachgedruckt werden.

Das sind also 10% von 400.000 €, also 40.000 € - allerdings auf den gesamten Verkauszeitraum verteilt… wenn wir 2 Jahre ansetzen, bis alle Hardcovers verkauft sind, dann wäre das ein monatliches „Gehalt“ von ca. 1700 Euro im Monat. Brutto.

Wenn man Glück hat, gelingt es dem Verlag, die Taschenbuchrechte oder die Verfilmungsrechte zu einem guten Preis zu verkaufen. Hiervon bekommt der Autor in der Regel einmalig 50% und keine weiteren Tantiemen. So können möglicherweise nach ein paar Jahren nochmal ein paar zehntausend Euro hinzukommen.

Man sieht: soange man nicht mindestens 2 oder 3 Bücher pro Jahr herausbringt (die dann auch je 20.000 mal verkauft werden müssen) oder man nicht gerade ein Bestsellerautor ist, dessen Bücher hundertausendmal oder häufiger verkauft werden, kann man davon nicht ohne weiteres leben.

Ob es einem gefällt oder nicht: Hier wird auch deutlich, weshalb es so viel schlecht geschriebene Massenware gibt: je mehr man als Schriftsteller „herausrotzt“, umso eher kann man davon leben. Dass hierbei eine andere Qualität entsteht, als wenn man ein Jahr an einem Buch arbeitet, sollte klar sein. Und am Erfolg von Seifenopern im Fernsehen ist zu sehen, dass herausragende Qualität nicht notwendig ist, um Massen anzusprechen.
Ein solcher Schriftsteller profitiert also doppelt: er schreibt nicht eins sondern vier Bücher pro Jahr, und statt je 20.000 „Intellektuelle“ lesen jedes seiner Bücher 100.000 „Normalos“ - statt 20.000 verkauft er also 400.000 Exemplare.
Selbst wenn seine Bücher wegen einfacherer Qualität für nur 12 Euro statt für 20 Euro über den Tisch gehen, liegen seine Einnahmen nicht bei 40.000 sondern bei 480.000 Euro.

Das soll keine Lanze für schlechte Qualität brechen. Aber so ist das Leben. Bücher sind Produkte. Kunst oder Kommerz ist nicht nur eine Gewissensfrage, oder des Anspruches, sondern mithin auch eine Frage des simplen Überlebens.

Es sei denn natürlich, man hat Glück oder ist besonders gut, und das aufwändige, anspruchsvolle Buch, an dem man ein Jahr oder länger gearbeitet hat, wird ein Bestseller. Geht durch die Decke, und verkauft sich plötzlich mehrere hundertausendmal, wird in viele, viele Sprachen übersetzt und verfilmt, und man bekommt riesige Beträge als Vorschuss für den Folgeband, und kann verdient Millionen mit Merchendising-Artikel. Zum Beispiel Rowling. Dreimal darfst du raten, wie oft sowas passiert… aber: es passiert.

Viel Erfolg weiterhin und trotzdem nicht unterkriegen lassen!

Andreas

welchen schriftsteller meinst du?
hallo leah,

ich kann dir die 5 höchstbezahlten (amerikanischen) autoren des jahres 2000 nennen:

  1. stephen king : 44 mio $
  2. tom clancy : 37 mio $
  3. j.k. rowling : 36 mio $
  4. dean koontz : 35 mio $ und
  5. john grisham : 28 mio $

oder meinst du etwa die fast 260.000 deutscher autorinnen und autoren und 6.500 verlage, die bei der VG-Wort (das ist die GEMA für gedrucktes) registriert sind? das sind journalisten, publi- und andere zisten, gelegenheits-, und solche, die vom schreiben leben, sach-/fachbuchautoren, romanciers und lyriker.

man könnte die gleiche präzise antwort auf die frage „wie lang ist ein seil…?“ erwarten.

aus dem buch „vom schreiben leben: schriststeller“ von manfred plinke (ISBN 3-932909-71-2 Buch anschauen [Buch anschauen]) zitiere ich hier mal einen abschnitt - und der ist sehr nah an der realität:

_ Einkommen eines Schriftstellers

Geschrieben:
8 Bücher. Davon werden 3 noch verkauf, ihre Garantiehonorare sind bereits durch entsprechende Verkäufe abgegolten. Für ein Buch konnte der Verlag die Taschenbuchlizenz verkaufen.
Für l neues Buch, den Nachfolger des sich gut verkaufenden Buchs C, Verlagsvertrag abgeschlossen: Garantiehonorar.

Buch A 1252 Ex. verkauft, Honorar -,66…826,32 €
Buch B 327 Ex. verkauft, Honorar 1,30…425,10 €
Buch C 2792 Ex. verkauft, Honorar -,74 …2066,08 €
Buch D Taschenbuchlizenz 50% … 2500,00 €
Buch E Verlagsvertrag Garantiehonorar …3000,00 €
7 Zeitungsartikel Zeilenhonorar l,- bis 1,50…2120,00 €
22 Lesungen Buch C Honorare 150,- bis 250,- …4200,00 €
l Übersetzung 13,-pro Seite …2730,00 €
Jahreseinkommen …17.867,50 €

Davon müssen die laufenden Kosten abgezogen werden, die relativ niedrig sind. Die Anschaffung eines neuen PC wurde aufgeschoben. Da der Schriftsteller in der Großstadt lebt, braucht er kein Auto. „Hat es zum Leben gereicht?" fragte ich ihn. „Meine Frau ist Lehrerin", sagte er._

Ich meine einfach… wenn ein Buch ganz gut läuft und in
durchschnittlichem Maße verkauft wird.

ja ok, wenns ganz gut läuft… das kann aber jahre dauern. vielleicht „rechnet“ sich ein buch erst über die dauer von 10 oder 20 jahren oder noch mehr. schön ist es allerdings, wenn man die rechte an einem buch verkaufen kann, wenn es schon ein- oder mehrmals erschienen ist. das ist dann wie ein kleiner prämiensparvertrag: geld, das einem in den schoß fällt, ohne daß man dafür arbeiten mußte. nett sowas.

fröhliche grüße bei wasser & brot *g*
ann

Hallo Andreas,

im prinzip hast du ja recht, aber zwischen den von dir und annjabusch genannten verdienst-extremen und dem normalen tagesgeschäft eines hauptberuflich arbeitenden autors klaffen eben welten. auch ich habe das schreiben viele jahre als hobby, von dem man nicht leben kann, betrachtet und tagsüber einen gutbezahlten beruf gehabt.

dennoch muss ich dir wiedersprechen.

startauflagen von 10.000 und mehr im hardcover für deutsche autoren kann man wohl an 10 fingern abzählen, wenn man nicht gerade hohlbein, walser, grass oder effenberg heisst. und bei vielen „literarischen“ arbeiten wären einkommen wie durch hartz IV noch ein geschenk des himmels. dennoch schließt das eine das andere nicht zwangsläufig aus.

ich bin inzwischen hauptberuflich autor von lesbaren, möglichst genau recherchierten historischen romanen und habe bestsellerauflagen im sechsstelligen bereich (hardcover + taschenbuch zusammen).

in dieser art schreibt man aber keine 4 romane mit mehr als 500 seiten im jahr, sondern maximal einen, wobei schon die recherchen in archiven und an den handlungsplätzen mehrere jahre dauern und einige investitionen kosten können.

die konzeption des erfolges ist dann aber, daß diese art von romanen keine schnell runtergekloppten schmonzetten mit atemlos kurzer halbwertzeit, sondern beinahe garantiert longseller werden - d.h. auch nach 20 jahren noch im in- oder ausland nachdrucke erleben.

ich freue mich bei jedem (nachdruck-)vertrag, dass ich heute schon ganz allein vom schreiben zwar schlechter als ein schrotthändler oder ein höherer beamter, aber doch frei und ganz gut leben kann.

das erfolgsgeheimnis in der belletristik ist daher relativ einfach (und seit 2000 jahren bekannt): keinen tag ohne zeile. genau genommen ist nämlich der erfolg beim schreiben (wie bei jedem anderen beruf) nichts anderes als disziplin und ausdauer.

also - was verdient man durchschnittlich durchs schreiben?
das, was man sich selber tag für tag zumuten will und kann.

mfg
trpm

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Ui… vielen Dank
Hi!

Vielen Dank an Euch.

Ihr habt mir wirklich einen guten Überblick gegeben.

Dass es da seehr große Unterschiede gibt, hab ich mir gedacht, ich wollte trotzdem einfach mal so blöd fragen. Ich wusste ehrlich gesagt nicht, wie das im Schriftstellermetier so läuft.

Also danke, dass ihr trotz der schwammigen Frage so ausführlich geantwortet habt.

Liebe Grüße,
Leah

P.S.: Das mit dem Seil is gut… :wink:

Hallo Thomas,

deine Homepage http://www.trpm.de/ , die von wirklich eindrucksvoller Schaffenskraft zeugt, zeigt mehr als all unsere Worte, wieviel man schreiben muss, um davon leben zu können - und (wie von dir beschrieben) nicht einmal als Krösus.
Dies beantwortet die ursprüngliche Frage wohl mehr, als unsere Beispiele und Rechnereien.

Um Leah noch einen weiteren Anhaltspunkt zu geben:

Natürlich kommen zur „Gehaltsfrage“ auch noch Aspekte hinzu. Zujm Beispiel das Themengebiet: schreibt man Krimis, Thriller, Fantasy, historische Romane, Liebesromane, anspruchsvolle Literatur oder leichtfüßige Urlaubsunterhaltungs usw., jedes Themengebiet hat sein eigenes Publikum, einiges ist vielleicht eher Mainstream oder Mode, lässt sich einfacher und häufiger verkaufen.
Ausserdem darf man nicht vergessen, dass der deutsche Markt wesentlich kleiner ist, als zum Beispiel der amerikanische. Ein Amerikaner kann spontan ein viel größeres Publikum erreichen und daher mehr Geld verdienen (natürlich ist seine Konkurrenz aber auch größer). Zudem werden amerikanische Romane eher ins Ausland verkauft, als dass deutsche Romane nach Amerika verkauft würden.

Ich hoffe, wir konnten Leah weiterhelfen und nicht entmutigen :smile:

Andreas

nich dafür :smile:
hallo leah,

Ich wusste
ehrlich gesagt nicht, wie das im Schriftstellermetier so
läuft.

komm doch einfach mal zu lesungen o.ä. da hast du oft auch gelegenheit, fragen zu stellen, die nicht nur den gelesenen text, sondern auch das drumrum des autors betreffen.

in berlin hast du doch alle auswahl. siehe z.b. hier: http://www.literaturcafe.de/termine/termine.htm

und falls du in spandau oder an der U7 wohnst: im klitzekleinen bücherladen „Bücher am Nonnendamm“ in siemensstadt sind jeden monat tolle lesungen mit interessanten autoren. sehr gemütlich, sehr persönlich immer.

schöne grüße
ann

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