Guten Tag,
ich habe Mitte März hier in Niedersachsen einen neuen Job angefangen.
Das Vorstellungsgespräch lief irgendwie chaotisch und lustig ab, nicht so wie man es standartmäßig kennt. Trotzdem hatte ich einen guten Eindruck, nur hat man mir nicht die Möglichkeit gegeben Fragen zu stellen. Ich war dann so naiv und bin gutgläubig an die Sache herangegangen. Als ich dann vor meinem Arbeitsvertag saß, sah ich das die Firma keinen Tarifvertrag oder ähnliches hat. Ich habe 24 Urlaubstage, kein Weihnachtsgeld und kein Urlaubsgeld.
Jetzt hat sich herausgestellt das ich weniger verdiene als die anderen im Verhältnis in der Firma. In der Verwaltung, in der ich auch arbeite, hat jeder eine andere Wochenstundenzahl. Zwischen 20 und 37 Stunden. Ich habe einen Arbeitsvertrag unterschrieben mit 40 Stunden / Woche. Das arbeiten aber dort nur die Mitarbeiter aus der Produktion und auf dem Lager. Ich bin im Gehalt, aber wenn ich mein Gehalt umrechne verdiene ich in der Stunde weniger als die Hilfsarbeiter in der Produktion, welches zumeist ungelernte, schlecht deutschsprachige Immigranten sind. Das Unternehmen ist auch sehr konservativ in dem die Frau noch unter dem Mann gestellt wird. Zumindest die Damen in der Verwaltung habe alle mindestens einen halben Tag die Woche frei. Ich mache nur eine halbe Stunde Mittagspause, statt einer Stunde, so wie die anderen, damit ich Freitag wenigstens etwas eher gehen kann. So lange ich in der Probezeit bin möchte ich keine Verhandlung machen, aber für Ende September habe ich mir das vorgenommen. Ich habe Industriekauffrau gelernt, mittlerweile 7 Jahre Berufserfahrung und eine Weiterbildung zur Industriefachwirtin. Hier muss ich aber zugeben dass der Industriefachwirt nicht Einstellungsrelevant war. Im Vorstellungsgespräch bin ich gefragt worden ob ich etwas Englisch kann um mal einen kleinen Brief zu tippen, aber mittlerweile habe ich schon Handelsverträge übersetzen müssen. Zum Glück gibt es Wörterbücher
Die Firma ist ein mittelständiges irgendwie bäuerliches Unternehmen, bei dem z.B. Englisch gleich Englisch ist und es keine Unterschiede macht ob es für Verträge normalerweise Fachpersonal machen sollte. Ich begleite im Moment die Einführung einer neuen Verkaufssoftware und soll danach in den Verkaufsinnendienst eingearbeitet werden.
Jeden Tag wenn ich darüber nachdenke entrüste ich mich aufs Neue über die Gehaltsverhältnisse. Ich habe Arbeitskollegen die nicht mal 40 Stunden in der Woche in der Firma anwesend sind und dann auch noch viel Arbeitszeit damit verbringen sich privat im Internet herumzutreiben. Dazu gehört auch ein Prokurist der meiner Ansicht nach hier nicht seiner eigentlichen Vorbildsfunktion gerecht wird. Jedoch haben diese Herren einen höheren Stellenwert als ich und gehen alle mit weit mehr als dem doppelten Gehalt als ich nach Hause. Ich bin sehr engagiert und leistungsfähig und habe die Sorge dass das in der Firma vielleicht auch gar nicht anerkannt werden wird.
Meine Frage ist hier ob man, wenn die Verhandlung scheitern sollten, vielleicht auch rechtlich mehr Gehalt bekommen kann? Ich habe bis jetzt noch keine Stelle länger als 3 Jahre gemacht, weil sich immer was ergeben hatte, aber ich denke hier über mich das das vielleicht auch komisch aussehen mag in meinem Lebenslauf wenn ich mich jetzt schon wieder anfange zu bewerben. Kann das sein? Ich weiß dass ich in der Wirtschaftskrise froh sein sollte eine Stelle zu haben, aber dem Unternehmen geht es auch jetzt noch erstaunlicherweise ziemlich gut! Sie haben neue Rekordumsätze gemacht.