Gehaltsgespräch ging voll daneben - was war das?!

Hallo,

ich hatte Freitag ein Gehaltsgespräch, das extrem merkwürdig verlaufen ist und würde gerne mal Input von euch bekommen.

Ihr verzeiht hoffentlich, dass das ein etwas längerer Text ist, aber ich meine, dass die ganzen Infos hier rein müssen, damit man das Thema möglichst komplett betrachten kann. Hier gleich zur Sache, weiter unten stehen optionale weitere Infos zur Situation.

Ich verdiente bisher 1.850 EUR, dabei sind 10% davon eine Leistungszulage, die nur zu 100% bezahlt wird, wenn auch der Plan des Unternehmens zu 100% erreicht wird. Der Plan wird natürlich am Jahresanfang immer so erstellt, dass diese 100% wenn überhaupt, dann nur mit Ach und Krach erreicht werden können (das ist den Kollegen, die ihr Leben lang noch nie selbst wirtschaften mussten sondern immer Angestellte waren offensichtlich nicht ganz bewusst). Seit Jahren wächst diese Firma und es geht ihr gut.

In Anbetracht meiner Leistungen hielt ich, von meinem Nettogehalt von ca. 1.250 EUR ausgehend, eine Gehaltserhöhung von 8-12% für gerechtfertigt. Meine untere Grenze waren dabei 8%, also 2.050 EUR brutto. 12% wären 2.150 gewesen. Da ich monatlich mindestens das vierfache davon reinbringe und damit im Vergleich zu den anderen Kollegen weit vorne liege (keine weiteren Kosten wie eigener Firmenwagen, 13. Monatsgehalt usw.), die Firma durch persönlichen Einsatz weiter bringe und die Auftragsbücher und Prognosen gut aussehen, hielt ich das als Verhandlungsbasis für angemessen.

Ich bin der Meinung, dass meine Arbeit auf jeden Fall über das hinaus geht, was vereinbart wurde.

Zum Gehaltsgespräch waren der Geschäftsführer, die Natter aus der Personalabteilung und mein Vertriebsleiter anwesend. Das Gespräch wurde vom GF eröffnet und in seinem Redeschwall kam er sehr schnell zum Punkt (er hielt einen Monolog und es gab noch keine Zeit für Fragen, Anmerkungen, wie auch immer) und sagte mir, dass die drei sich zusammen gesetzt haben und mir eine Gehaltsverbesserung auf 2.020 EUR geben möchten.

Da das unter meiner Untergrenze lag, dachte ich, dass es nun offensichtlich an der Zeit war, zu verhandeln, und sagte, dass ich mich über die Bereitschaft, mir eine Erhöhung zu geben sehr freue, und dass ich mir aber eher 2.100 EUR vorgestellt habe.

Ich erwartete, dass nun Verhandlungen anfangen, wir uns in der Mitte treffen und ich mit 2.060 EUR nach Hause gehe. Das wären 40 EUR im Monat mehr als die mir geboten haben, 480 EUR mehr im Jahr.

Jetzt kommt’s: In die Gesichter aller Drei legte sich Entsetzen, Erstaunen und Nicht-Glauben-Wollen. Der Chef machte klar, dass er sich jetzt persönlich enttäuscht fühle. „Sie sind doch schlau. Was meinen Sie, geht in mir jetzt vor, da wir Drei uns schon zusammengesetzt haben und besprochen haben, was wir Ihnen als Gehalt geben möchten, und dann kommen Sie und wollen verhandeln?!“ Mir wurde vorgerechnet, dass 2.100 EUR eine Unverschämtheit seien. Ich argumentierte so: Zwischen ihm als Arbeitgeber und mir als Arbeitnehmer besteht ja auch ein Geschäftsverhältnis. Er stellte mich ein, weil er sich ausgerechnet hat, dass das Geld, das ich bekomme sich dadurch amortisiert, dass ich mehr Geld rein bringe.

Da kam der nächste Sturm der Entrüstung, dass das ein viel zu hartes Wort sei und wenn überhaupt das Wort Partnerschaft besser passen würde. Ich erwiderte, dass in einer Partnerschaft auch ein ausgeglichenes Verhältnis herrschen sollte, und dass ich der Meinung bin, dass mein Marktwert (versteckte Info an den Chef, dass ich mich bei anderen Arbeitgebern vielleicht umgehört habe) eine Zahlung von mehr als 2.020 EUR rechtfertige. Ich sagte auch, dass der Chef meiner Meinung nach natürlich das Mindestgebot genannt hat, ich habe ein Wunschgehalt geäußert, und jetzt sollten wir kurz verhandeln und treffen uns irgendwo in der Mitte. Die Personalnatter (ich kann sie einfach nicht leiden) sagte, dass wir hier nicht auf einem Basar seien und dass ich ja eben noch 2.100 EUR gesagt habe, und was ich denn nun eigentlich wolle.

Hier habe ich das Gespräch abgebrochen mit dem Hinweis, dass wir das Gespräch auf in 2 Monaten (ein Jahr in der Firma) verschieben sollten, um mit den neu gewonnenen Kenntnissen übereinander noch mal zu verhandeln. Das war mehr oder weniger das Ende. Es gab natürlich noch mehr Dinge dazwischen, die aber nicht so wichtig sind, als dass sie diesen ohnehin schon viel zu langen Text ausweiten würden.

Ich bin der Meinung, dass - so wie das gelaufen ist - dieses vereinbarte Gehaltsgespräch eine Farce war. Wenn von vornherein klar ist, was ich bekommen soll und das absolut nicht verhandelbar ist, dann haben diese Leute meine Zeit verschwendet (die sie ja sowieso bezahlen), denn dann hätte auch eine Email a la „sie bekommen ab sofort eine Erhöhung auf 2.020 EUR“ gereicht.

Mir wurde jetzt mehr oder weniger Unverfrorenheit und eine Überschreitung dessen, was mir zusteht, vorgeworfen. In meiner Personalakte steht nun sicher „wagt es, beim Gehaltsgespräch verhandeln zu wollen“.

Ich bin natürlich auf eine Arbeitsstelle angewiesen, habe aber in der Tat ein Angebot eines ehemaligen Arbeitgebers, mit dem ich mich nach wie vor privat gut verstehe und hin und wieder haben wir geschäftlich zu tun. Dort würde ich nicht unbedingt reicher, aber glücklicher arbeiten. Von daher hängt mir jetzt nicht besonders viel an dieser Stelle, besonders nicht nach heute.

**Meine konkreten Fragen:

  1. Ist es in meiner Position unangebracht gewesen, nicht einfach einen Gehaltsvorschlag zu fressen, sondern verhandeln zu wollen?

  2. Was sind eure Erfahrungen in solchen Gehaltsgesprächen? Konntet ihr verhandeln, war das gewünscht, oder wurdet ihr ähnlich harsch abgewiesen? Ist vielleicht sogar ein User hier, der solche Verhandlungen führt und kann sich dazu äußern?

  3. Was denkt ihr? Ich würde gerne mehrere neutrale und externe Sichtweisen zu meiner Situation lesen können.**

Ich freue mich sehr über eure Antworten und Meinungen dazu, danke! Ich bin zwar selbstbewusst, aber die Sache nagt an mir und ich will nicht, das die Kiste anfängt, mich zu frustrieren. Bisher bin ich über den Verlauf des Gesprächs wirklich nur schockiert.

_Ein paar weitere Informationen, die nicht unbedingt notwendig sind:

Ich arbeite bei einem Unternehmen mit 50 Mitarbeitern in mehreren Standorten. Es geht um den Handel mit IT-Gütern und Dienstleistung für Geschäftskunden.

Ich bin ausgebildeter Heilpraktiker für Psychotherapie, habe aber in der IT-Branche bei Dienstleistung und Vertrieb eine über zehnjährige Erfahrung und war auch schon 5 Jahre selbständig.

In dieser Firma arbeite ich jetzt seit 10 Monaten. Bei meiner Einstellung wurde ein Gehalt vereinbart. Nach halbjähriger Probezeit sollte neu verhandelt werden.

Ich machte mich gut in dem Job (habe mein Gewinnziel immer übertroffen - auf ein Jahr gerechnet um durchschnittlich 20%), trotzdem gab es in den ersten Monaten kleine Unstimmigkeiten, die dazu führten, dass der Geschäftsführer (nicht Eigentümer der Firma) und ich einvernehmlich ein Gehaltsgespräch auf Anfang 2008 schoben.

Ich habe ein paar alte Kunden mitgebracht, Bestandskunden übernommen (ich betreue den größten Kunden bei seinen momentan größten Projekten), zeige Initiative, habe neue Geschäftsfelder eröffnet und bin der einzige, der bestimmte Dinge weiß und kann, die in der speziellen Branche schon längst im Repertoire der anderen sein müssten, diese dafür aber dann auf mich zurück kommen. Ich übernehme also „hinter dem Vorhang“ viele Zuarbeiten für die Projekte anderer Kollegen, und ich übernehme vermehrt Kunden, bei denen es Ärger gab - weil ich das Problem auf fachlicher und (sicher auch durch meine Ausbildung) menschlicher Ebene bisher immer schlichten konnte.

Auf der anderen Seite bin ich natürlich kein Lemming, der alles mit sich machen lässt und gehe meinem Chef regelmäßig auf die Nerven, wenn es um die Frage geht, wie denn z.B. geplante Wochenendarbeit vergütet würde usw. Ich bewege mich aber meiner Meinung nach dabei nicht auf Pfaden, die einem Arbeitnehmer nicht zustünden. Ich bin einfach meinem Chef unbequem, denke ich._

Abgesehen davon sind manche Argumentationsweisen usw. von mir nicht aus meiner „eigenen Genialität“ entstanden - ich habe mich natürlich auf dieses Gespräch vorbereitet und u.a. ein Buch „Geheime Tricks für mehr Gehalt“ von Martin Wehrle zu Rate gezogen, das meiner Meinung nach ein guter Ratgeber ist. (Wirkung sieht man ja…)

Ich erhebe keinen Anspruch darauf, dass ich meinen Text neutral und objektiv geschrieben habe, ich habe aber nicht zu meinen Gunsten Fakten ausgelassen, verdreht oder gefälscht. Trotzdem ist das natürlich recht subjektiv und nur aus meiner Sicht geschrieben, aber: Ich kann kommunizieren, das habe ich jahrelang in meiner Ausbildung gelernt. Das „Lenken“ durch Sprache und was Sprache unbewusst in einer Person auslöst ist sogar mein Hauptinteressengebiet bei meiner NLP-Ausbildung gewesen und ich bilde mir ein, das einigermaßen zu beherrschen und freundlich, höflich und nicht anmaßend zu sprechen.

Moin,

eventuell waren die Drei schlicht überfordert. Die hatten sich vorher schon geeinigt und waren auch recht stolz darauf, dir eine schöne Gehaltserhöhung geben zu wollen - und dann kommst Du und zeigst Dich wenig begeistert.

Eventuell hätte jeder der drei Verhandlungspartner für sich Deiner Forderung zugestimmt. So aber konnten sie sich gegenseitig die Blöße nicht geben (eine Vermutung).

In vielen privat geführten Firmen ist es auch so, dass für Personalthemen schlicht keine Ausbildung existiert. Man wurschtelt halt so rum und ist insgesamt nicht besonders professionell (geht mir auch so :smile:). Das ist m.E. ein großes Problem bei den kleinen und mittelständischen Firmen. Da werden Geschäftsthemen schnell emotional verarbeitet und am Schluss trennt man sich im Streit obwohl man das hätte locker in freundlicher Atmosphäre abklären hätte können.

Eventuell schnappst Du Dir den Vertriebler oder den Chef mal in den nächsten Wochen und versuchst, das nochmal zur Sprache zu bringen.

bye
Rolf

Hi Rolf,

danke für deine Antwort. In dieser Firma herrschen schon „besondere“ Umstände…

  1. Die Personalfrau wirkt recht eingefahren. Sie bleibt zwar auf dem Laufenden, was gesetzliche Dinge angeht, aber wie eine Personalabteilung in anderen Unternehmen funktioniert, kann sie denke ich kaum beurteilen, da sie schon lange in dieser Firma arbeitet. Es ist gerade eine neue Personalleiterin eingestellt worden, die zwar nicht für mich zuständig ist (die beiden Schwesterunternehmen teilen sich eine PA), aber vielleicht kann die dazu etwas sagen.

  2. Der Geschäftsführer hat seine Ausbildung in dieser Firma angefangen und sich in 17 Jahren zum Geschäftsführer hochgearbeitet. An der Kompetenz von Chefs zweifelt man als Untergebener ja immer pauschal, aber ich glaube, dass er massiv unter Druck der Eigentümer steht. Er emotionalisiert eigentlich alles und sieht es als Angriff auf seine Person - reagiert entsprechend zickig. Sein „Stil“ ist für mich fragwürdig, das liegt aber wirklich nicht in meinem Kompetenzbereich, das zu be- oder verurteilen.

  3. Der Vertriebsleiter ist auch Quereinsteiger, der im Schwesterunternehmen als Teilzeiter anfing und sich dann auch zum Vertriebsleiter hochgearbeitet hat. Er kennt also vermutlich auch keine anderen Arbeitgeber.

Da der GF so tickt, wie er tut, hat er wahrscheinlich meine bisher als Beobachtung (nicht Kritik) eingebrachten Verbesserungsvorschläge in der Firma (von denen ich viele aus meinen früheren Jobs habe) als bösartiges Kritisieren seiner Person aufgefasst - nur ist das ja ein Teufelskreis, da er mir nicht zugestehen würde, dass ich mich mal mit ihm auf Augenhöhe unterhalte. Er hat das ja nicht mehr nötig, da er jetzt Oberklasse auf Firmenkosten fährt und Golf spielt :wink:

Insofern, wenn ich den GF mal ganz emotional und polemisch als egomanen Parvenue bezeichnen darf :wink: zweifle ich daran, dass der - alleine schon, um sein Gesicht zu wahren - mit mir ausserhalb des nächsten Termins noch mal sprechen möchte.

Grüße


Saunauntensitzer

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die bieten dir 2020 und du willst min.2050—wo ist das problem?
ich handele NIE,sondern biete einen preis und dann ja oder nein.
warum suchst du dir nicht einen neuen job in einer anderen firma—neue chance auf mehr geld.

Die Gegenseite …
Auch hallo,

mir fällt auf, dass du erst seit 10 Monaten in der Firma arbeitest. Dafür ist eine Gehaltserhöhung um über 9% (auf dem Papier) m.E. ein sehr gutes Verhandlungsergebnis.

Die Gegenseite (der Arbeitgeber) denkt ja nicht nur an deine sicherlich sehr gute Leistung, sondern auch an zukünftige Gehaltsverhandlungen mit dir, an die aktuellen Bezüge deiner Kollegen und Gehaltsverhandlungen mit ihnen, an sein Geschäftsergebnis. Logisch.

Gegenbeispiel: ich arbeite seit vielen Jahren in der IT-Branche bei einem sehr großen weltweit operierenden Unternehmen - und mein Gehalt (das meiner Kollegen auch) ist in den letzten 10 Jahren um einiges gesunken (weniger variable ergebnisabhängige Bezüge trotz steigender Gewinne des Unternehmens, null persönliche Erhöhung trotz vom AG bestätigter sehr guter Arbeitsleistung).

Es geht im Laufe eines Berufslebens nicht immer nur nach oben. Du hast da sicher noch einige Jahre und mit Sicherheit auch weitere Enttäuschungen vor dir.

Vielleicht kannst du deinem AG ja bei Gelegenheit einen anderen als monetären ‚Bonus‘ als Ergänzung vorschlagen - Firmenwagen, Handy, Laptop, Seminare, AG-Zuschuss zu altersvermögenswirksamen Leistungen usw., je nachdem was bei euch in der Firma machbar und sinnvoll ist.

Und ansonsten: aussitzen, eigenes Potential weiterentwickeln, Marktwert steigern, auch in andere Prozesse bei deinem AG reinschnuppern - und in 2-3 Jahren ggfs. zu einem anderen AG wechseln.

Liebe Grüße
Carolin

Hi,

das Problem ist, dass ich nun mal als absolute Untergrenze 2.050 will und nicht 2.020. Ich habe mir einen Rahmen gesteckt, den ich für vertretbar, realistisch und gerecht halte, und die Frage kann ich auch andersrum stellen: Was wäre das Problem, 2.050 zu zahlen?

Gut, du bietest einen Preis und handelst nicht - aber zeigst du dich völlig entrüstet, fühlst dich persönlich enttäuscht und beleidigt, wenn jemand trotzdem handeln möchte?

Grüße


Saunauntensitzer

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Hallo Carolin,

Mein Einstellungsgehalt war ja Untergrenze (damals so ausgehandelt) für Grundtätigkeiten. Trotz Berufserfahrung usw. bekam (bekomme) ich so viel bzw. ein klitzekleinwenig mehr, als ein frisch ausgelernter Azubi (IT-Systemkaufmann glaube ich wird bei uns ausgebildet) in dieser Bude bekommt.

Ich habe mehr und wichtige Aufgaben übernommen, als im Vertrag stehen und hätte eigentlich direkt nach der Probezeit diese 2.020 wahrscheinlich angeboten bekommen.

Ich kam leider gar nicht dazu, über Boni ausserhalb des Bruttogehaltes zu reden (hatte mir alles vorbereitet mit Beispielrechnungen usw). Einen Firmenwagen möchte ich nicht (nicht, dass er mir angeboten wurde, obwohl ich regelmäßig der bin, der um den Poolwagen kämpfen muss, um die vielen Aussentermine wahrnehmen zu können), aber Geschichten wie Provision, Fahrkostenzuschüsse und was es nicht noch alles gibt hatte ich in der Hinterhand und war völlig flexibel. Nur ging es in meinem Fall ja wahrscheinlich nach einer Minute nicht mehr um die Höhe meiner Forderung, es war die Tatsache, dass ich überhaut eine Forderung äußerte! Da fielen die Türen ins Schloß und ich wurde angezickt.

Mir ist klar, dass die IT-Branche miserabel zahlt und ich prüfe natürlich auch andere Möglichkeiten und v.a. andere Branchen, aber rein aus Prinzip schon muss es doch einen einvernehmlicheren Weg geben, als mich vom Arbeitgeber zu trennen!

Grüße


Saunauntensitzer

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Moin,

In Anbetracht meiner Leistungen hielt ich, von meinem
Nettogehalt von ca. 1.250 EUR ausgehend, eine Gehaltserhöhung
von 8-12% für gerechtfertigt.

Gehaltserhöhungen gehen nie vom Nettogehalt aus, da das Nettogehalt eine Größe ist, die der Arbeitgeber weder beeinflussen kann, noch interessant findet. Interessant ist für den Arbeitgeber das Bruttogehalt. Hier hat es für dich eine Gehaltserhöhung um 10% gegeben, also mitten drin in deiner Erwartung von 8-12%.

sagte mir, dass die drei sich zusammen gesetzt haben und mir
eine Gehaltsverbesserung auf 2.020 EUR geben möchten.

Herzlichen Glückwunsch. Eine Gehaltserhöhung um 10% wenn du noch nichtmal ein Jahr in der Firma bist, ist hervorragend. Andere Leute haben ein Jahr Probezeit, da sind Gehaltserhöhungen nicht mal in Sicht und die geben auch ihr Bestes.

Da das unter meiner Untergrenze lag, dachte ich, dass es nun
offensichtlich an der Zeit war, zu verhandeln,

Wie kommst du darauf, dass Gehälter etwas sind, über die Unternehmen mit ihren Mitarbeitern in Einzelfall grundsätzlich verhandeln? Sowas kenne ich nur aus Einstellungsverhandlungen, wo Gehaltsvorstellungen in Kriterium sein können, welchen Bewerber man einstellt.

Ich argumentierte so: Zwischen
ihm als Arbeitgeber und mir als Arbeitnehmer besteht ja auch
ein Geschäftsverhältnis. Er stellte mich ein, weil er sich
ausgerechnet hat, dass das Geld, das ich bekomme sich dadurch
amortisiert, dass ich mehr Geld rein bringe.

Das ist kein Argument sondern eine Selbstverständlichkeit. Im Gegenzug zahlt das Unternehmen dir auch Gehalt wenn du Urlaub machst oder krank bist.

dass ich der Meinung bin, dass mein Marktwert
(versteckte Info an den Chef, dass ich mich bei anderen
Arbeitgebern vielleicht umgehört habe) eine Zahlung von mehr
als 2.020 EUR rechtfertige.

Entscheidend ist hier weniger, ob du dieser Meinung bist, sondern ob dein Chef ebenfalls dieser Meinung ist. Zudem muss dein Chef hier noch andere Punkte berücksichtigen, zum Beispeil dein Gehalt im Vergleich zum Gehalt der Leute, die eine vergleichbare Tätigkeit in der Firma ausführen.

Die
Personalnatter (ich kann sie einfach nicht leiden) sagte, dass
wir hier nicht auf einem Basar seien und dass ich ja eben noch
2.100 EUR gesagt habe, und was ich denn nun eigentlich wolle.

Diesen Ausspruch kann ich zumindest nachvollziehen wenn du anführst, dass du Feilschen automatisch als Bestandteil einer Gehaltserhöhung ansiehst, dies ist es nämlich nicht.

Hier habe ich das Gespräch abgebrochen mit dem Hinweis, dass
wir das Gespräch auf in 2 Monaten (ein Jahr in der Firma)
verschieben sollten, um mit den neu gewonnenen Kenntnissen
übereinander noch mal zu verhandeln. Das war mehr oder weniger
das Ende.

Selbst Schuld. Es ist zwar sicher schön, dass du anführst, was du aus deiner Sicht für die Firma leistest, aber vielleicht hättest du das Gespräch dafür nutzen sollen mal zu hören, wie dein Arbeitgeber deine Leistungs einschätzt.

Ich bin der Meinung, dass - so wie das gelaufen ist - dieses
vereinbarte Gehaltsgespräch eine Farce war.

Gehaltsgespräche nach nicht mal einem Jahr Betriebszugehörigkeit sollten nicht auf Gehalt reduziert werden, sondern meiner Meinung nach sollte dies auch eine Gelegenheit sein, die Vorstellung zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber bezüglich der Leistung des Arbeitnehmers grundsätzlich mal abzugleichen.

Ich bin natürlich auf eine Arbeitsstelle angewiesen, habe aber
in der Tat ein Angebot eines ehemaligen Arbeitgebers, mit dem
ich mich nach wie vor privat gut verstehe und hin und wieder
haben wir geschäftlich zu tun. Dort würde ich nicht unbedingt
reicher, aber glücklicher arbeiten.

Wenn du so sicher bist, dass dein „Marktwert“ über dem liegt, was dir dein bisheriger Arbeitgeber zahlt, dann frage ich mich, warum du dieses Angebot des ehemaligen Arbeitgebers annehmen willst. Sicher gibt es doch dann auch Angebote für dich, wo mehr gezahlt wird, und du trotzdem glücklich werden könntest. Oder war der Punkt mit dem angeblichen Marktwert von dir eine reine Finte?

  1. Ist es in meiner Position unangebracht gewesen, nicht
    einfach einen Gehaltsvorschlag zu fressen, sondern verhandeln
    zu wollen?

Wenn du nur um 50 Euro verhandeln wolltest, dann war dieses Gespräch meiner Meinung nach reine Zeitverschwendung.

  1. Was sind eure Erfahrungen in solchen Gehaltsgesprächen?
    Konntet ihr verhandeln, war das gewünscht, oder wurdet ihr
    ähnlich harsch abgewiesen? Ist vielleicht sogar ein User hier,
    der solche Verhandlungen führt und kann sich dazu äußern?

Zentraler Punkt sollte sein, was ein Arbeitnehmer für das Unternehmen leistet, auch im Vergleich zu Arbeitnehmern, die eine ähnliche Tätigkeit im Unternehmen ausüben. Dann kann man darüber reden, wie diese Leistung vergütet werden soll oder eine Perspektive für die Entwicklung eröffnen.

Ich bin ausgebildeter Heilpraktiker für Psychotherapie, habe
aber in der IT-Branche bei Dienstleistung und Vertrieb eine
über zehnjährige Erfahrung und war auch schon 5 Jahre
selbständig.

Dies mag ein Argument gewesen sein, dich einzustellen. Ist aber für das jetzige Problem unbedeutend. Da zählt nur das, was du aktuell leistest.

Ich habe ein paar alte Kunden mitgebracht, Bestandskunden
übernommen (ich betreue den größten Kunden bei seinen momentan
größten Projekten), zeige Initiative, habe neue
Geschäftsfelder eröffnet und bin der einzige, der bestimmte
Dinge weiß und kann, die in der speziellen Branche schon
längst im Repertoire der anderen sein müssten, diese dafür
aber dann auf mich zurück kommen. Ich übernehme also „hinter
dem Vorhang“ viele Zuarbeiten für die Projekte anderer
Kollegen, und ich übernehme vermehrt Kunden, bei denen es
Ärger gab - weil ich das Problem auf fachlicher und (sicher
auch durch meine Ausbildung) menschlicher Ebene bisher immer
schlichten konnte.

Wird diese Ansicht von der Geschäftsleitung geteilt oder ist das ausschließlich deine Meinung?

Auf der anderen Seite bin ich natürlich kein Lemming, der
alles mit sich machen lässt und gehe meinem Chef regelmäßig
auf die Nerven, wenn es um die Frage geht, wie denn z.B.
geplante Wochenendarbeit vergütet würde usw. Ich bewege mich
aber meiner Meinung nach dabei nicht auf Pfaden, die einem
Arbeitnehmer nicht zustünden. Ich bin einfach meinem Chef
unbequem, denke ich.

Ich denke, dass du immer nur über Geld redest und um 50 Euro Monatsgehalt feilschen willst. Das würde mir als Chef auf Dauer auch auf die Nerven gehen.

Abgesehen davon sind manche Argumentationsweisen usw. von mir
nicht aus meiner „eigenen Genialität“ entstanden - ich habe
mich natürlich auf dieses Gespräch vorbereitet und u.a. ein
Buch „Geheime Tricks für mehr Gehalt“ von Martin Wehrle zu
Rate gezogen, das meiner Meinung nach ein guter Ratgeber ist.

Vielleicht hättest du dich besser auf das Gespräch vorbereitet, indem du versucht hättest, deinen Wert für die Firma aus Sicht der Betriebsleitung zu erforschen. Dazu zählt z.B. auch mal zu hören, wie deine Leistungen aus Sicht der Firmenleitung sind. Dazu wirst du nicht in irgendwlechen Ratgebern finden, sondern musst schon mit den Leuten in der Firma reden.

Ich kann kommunizieren, das habe ich
jahrelang in meiner Ausbildung gelernt. Das „Lenken“ durch
Sprache und was Sprache unbewusst in einer Person auslöst ist
sogar mein Hauptinteressengebiet bei meiner NLP-Ausbildung
gewesen und ich bilde mir ein, das einigermaßen zu beherrschen
und freundlich, höflich und nicht anmaßend zu sprechen.

Man kann auch freundlich und höflich dermaßen stur und isoliert ein Thema bearbeiten, dass dem Gesprächspartner die Lust vergeht, weil z.B. sich jemand freundlich und höflich in 50 Euro festbeist, statt Gehaltsverhandlungen in dem Kontext zu sehen, in den er gehört. Zudem sind andere Leute auch nicht blöde. Manipulation funktioniert nur, wenn sie nicht durchschaut wird. Werden Manipulationsversuche durchschaut, geht der Schuss hingegen nach hinten los.

Gruß
Marion

Hi,

was mir jetzt auffällt: Du betrachtest das Ganze schon sehr egoistisch und m.E. auch etwas von Oben herab. Deine Chefs haben für Ihre Art der Geschäftsleitung schon auch Gründe, glaub mir.

Jedenfalls scheinst Du Dich nicht wirklich mit der Firma zu identifizieren. Wenn man Deine Zustandsbeschreibung so liest, scheint es durchaus angebracht, über einen Wechsel nachzudenken.

bye
Rolf

3 „Gefällt mir“

Hi,

nun ja - ich habe noch nie ein Geschäft dieser Größe mit Angestellten geführt und weiß daher davon relativ wenig, das ist absolut richtig. Beim von Oben herab gebe ich dir Recht, ich bin leicht frustriert über die Geschichte und daher wirkt das sicher so. Auf der anderen Seite arbeiten die Chefs viel und versuchen, tolle Dinge zu ermöglichen.

Inwiefern meinst du, dass ich das egoistisch betrachte? Ernst gemeinte Frage, da ich ja v.a. von meinem Gehalt rede. Die Firma hat genug Geld zum Investieren, da bin ich mir sehr sicher.

Richtig identifizieren kann ich mich mit der Bude nicht, das stimmt. Auf der anderen Seite sehe ich viel Potenzial für das Unternehmen, meine Kollegen und mich, daher ja auch meine bisherige Initiative und mein Bemühen, so gut wie 110%ig zu machen.

Ich finde, dass ich da Tolles leiste, und ich mag Wertschätzung. Bisher wurde mein Eindruck meiner Leistung auf aktives Nachfragen hin und durch Zahlen in den meisten Bereichen belegt (logischerweise bin ich nicht zu 100% perfekt, mache auch menschliche Fehler und gebe auch Anlass zu Kritik). Ich finde, dass ein Zugeständnis von 50 EUR mehr im Monat nach Verhandlung und Darlegung plausibler Gründe eine große Wertschätzung ist.

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo,

In Anbetracht meiner Leistungen hielt ich, von meinem
Nettogehalt von ca. 1.250 EUR ausgehend,

Von Nettobeträgen kannst du nicht ausgehen, es geht immer um das Bruttojahresgehalt.

Da ich
monatlich mindestens das vierfache davon reinbringe und damit
im Vergleich zu den anderen Kollegen weit vorne liege (keine
weiteren Kosten wie eigener Firmenwagen, 13. Monatsgehalt
usw.), die Firma durch persönlichen Einsatz weiter bringe und
die Auftragsbücher und Prognosen gut aussehen, hielt ich das
als Verhandlungsbasis für angemessen.

Das ist aber eine sehr egoistische Sichtweise. Zum einen sagt es wenig wieviel Du reinbringst weil das keine Aussagekraft hat. Das Unternehmen muß insgesamt funktionieren und die Verkäufer müssen die Gehälter der administrativen Mitarbeiter ebenfalls bei den Kunden verdienen. Nach deiner Argumentation wäre die Produktivität einer Vorstandssekretärin 0 oder irgendwo im Minusbereich weil sie kostet, aber nichts einbringt? So kann man das nicht sehen…

Im übrigen kommt es nicht so gut an wenn man sich als besserer Mitarbeiter sieht und denkt dass die anderen weniger effektiv sind. Es mag anhand der Zahlen zwar so sein dass der eine etwas mehr und der andere etwas weniger Umsatz bringt, aber dennoch haben auch andere Mitarbeiter ihre Daseinsberechtigung und ihre Kompetenzen.

Wenn Du als relativer Neuling im Unternehmen so redest/schreibst ist das menschlich nicht gerade angenehm. Hier geht es weniger um Fakten (die so sein mögen wie von dir beschrieben), sondern die Wahrnehmung deines Auftretens oder deiner Selbsteinschätzung.

Ich bin der Meinung, dass meine Arbeit auf jeden Fall über das
hinaus geht, was vereinbart wurde.

Kaum jemand macht „Dienst nach Vorschrift“, sondern es ist der Normalfall dass man leistet, was man leisten kann - und nicht nur 70% gibt weil man ja laut Vertrag nicht zu mehr verpflichtet ist.

Da das unter meiner Untergrenze lag, dachte ich, dass es nun
offensichtlich an der Zeit war, zu verhandeln, und sagte, dass
ich mich über die Bereitschaft, mir eine Erhöhung zu geben
sehr freue, und dass ich mir aber eher 2.100 EUR vorgestellt
habe.

Ich erwartete, dass nun Verhandlungen anfangen, wir uns in der
Mitte treffen und ich mit 2.060 EUR nach Hause gehe. Das wären
40 EUR im Monat mehr als die mir geboten haben, 480 EUR mehr
im Jahr.

Jetzt kommt’s: In die Gesichter aller Drei legte sich
Entsetzen, Erstaunen und Nicht-Glauben-Wollen. Der Chef machte
klar, dass er sich jetzt persönlich enttäuscht fühle. „Sie
sind doch schlau. Was meinen Sie, geht in mir jetzt vor, da
wir Drei uns schon zusammengesetzt haben und besprochen haben,
was wir Ihnen als Gehalt geben möchten, und dann kommen Sie
und wollen verhandeln?!“ Mir wurde vorgerechnet, dass 2.100
EUR eine Unverschämtheit seien. Ich argumentierte so: Zwischen
ihm als Arbeitgeber und mir als Arbeitnehmer besteht ja auch
ein Geschäftsverhältnis. Er stellte mich ein, weil er sich
ausgerechnet hat, dass das Geld, das ich bekomme sich dadurch
amortisiert, dass ich mehr Geld rein bringe.

Dass man nicht mit dir verhandelt hat sondern eher nur die feststehende Gehaltssteigerung verkünden wollte ist natürlich tatsächlich „kurios“. Damit hätte ich nun auch nicht unbedingt gerechnet. Insofern kann ich deine Verblüffung verstehen.

Andererseits: nicht du hast um eine Gehaltserhöhung gebeten - dann hätte man darüber sprechen können was du dir vorgestellt hast - sondern das Unternehmen hat sie dir angeboten. Und nicht nur das - man hat sie dir auch sehr schnell und frühzeitig angeboten. Angesichts deiner kurzen Firmenzugehörigkeit ist diese proaktive Maßnahme seitens der Geschäftsführung ein nicht zu verachtender Bonus und Ausdruck von Wertschätzung. Es dürfte wenige Unternehmen geben, in denen jemandem so schnell eine Gehaltserhöhung gewährt wird.

Diesem fairen Zug der Firmenleitung setzt du nun Unzufriedenheit wegen der Höhe der Zuzahlung entgegen. Wäre ich der GF würde mich das auch erstmal umhauen und ich würde das als ziemliche Undankbarkeit empfinden.

Dass du euer Verhältnis als reine Geschäftsbeziehung siehst - ähm… das ist so ziemlich das letzte, was man sagen sollte! Natürlich geht jeder arbeiten weil er Geld verdienen möchte. Aber so deutlich zu sagen dass einen die Firma wenig interessiert und man sich nur für die Kohle interessiert - das ist ein Hammer. Da verstehe ich sehr gut dass man als Arbeitgeber sehr vor den Kopf gestossen ist.

Gerade auch angesichts einer Summe von brutto 40 EUR so einen „Zirkus“ zu machen, Respekt, mein Lieber! Das ist schon ziemlich abgefahren…

Da kam der nächste Sturm der Entrüstung, dass das ein viel zu
hartes Wort sei und wenn überhaupt das Wort Partnerschaft
besser passen würde. Ich erwiderte, dass in einer
Partnerschaft auch ein ausgeglichenes Verhältnis herrschen
sollte, und dass ich der Meinung bin, dass mein Marktwert
(versteckte Info an den Chef, dass ich mich bei anderen
Arbeitgebern vielleicht umgehört habe) eine Zahlung von mehr
als 2.020 EUR rechtfertige.

Hier hättest du bei mir einen nicht mehr gutzumachenden Fauxpas gelandet. Wenn es noch eines weiteren Beweises bedurft hätte dass du dich nicht mit dem Unternehmen identifizierst - jetzt hättest du ihn endgültig erbracht.

Auch wenn die Wirtschaft boomt - niemand ist unersätzlich und du wärst bei mir jetzt auf der Abschußliste. Was hindert dich übrigens daran selber zu gehen? Eine Alternative scheinst du ja zu haben, überhaupt scheinen alle auf den Messias namens Saunauntensitzer zu warten…?

Du unterstellst mit deinem Partnerschaftsvergleich dass du von deinem Partner nicht fair behandelt wirst - das ist ganz harter Tobak. Gerade für einen Neuling ohne „Seniority“ führst du dich hier maximal schlecht ein. Das wiegt um so schwerer als du an anderer Stelle deine Menschenkenntnis bzw. deine entsprechenden Ausbildungen hervorhebst.

Ich sagte auch, dass der Chef
meiner Meinung nach natürlich das Mindestgebot genannt hat,
ich habe ein Wunschgehalt geäußert, und jetzt sollten wir kurz
verhandeln und treffen uns irgendwo in der Mitte.

Na wie gesagt - war das denn als Verhandlung gedacht oder hast du es nur so verstanden, während es aus AG-Sicht auch nur als Verkündung einer Gehaltsverbesserung gesehen wurde?

Hier habe ich das Gespräch abgebrochen mit dem Hinweis, dass
wir das Gespräch auf in 2 Monaten (ein Jahr in der Firma)
verschieben sollten, um mit den neu gewonnenen Kenntnissen
übereinander noch mal zu verhandeln.

Die nächste Totsünde. Wenn DU die Verhandlungen abbrichst würde mich als als Geschäftsleitung sehr angreifen - weil ICH als Chef habe dich zum Termin eingeladen und nicht du mich, und auch sonst paßt das nicht so recht ins Bild dass der AN dem AG den Verlauf der Unterhaltung vorgibt.

Saunauntensitzer, du bist ein ganz kleiner, popeliger, gerade neu in der Firma befindlicher Hanswurst, und noch dazu nicht der einzige, sondern da gibt es Kollegen mit genau dem gleichen Job. Du redest aber als ob du der Star der Firma seist, ohne den sie untergeht. Da solltest du, gute Zahlen hin oder her, auf den Boden der Tatsachen zurückkommen.

Ich bin der Meinung, dass - so wie das gelaufen ist - dieses
vereinbarte Gehaltsgespräch eine Farce war. Wenn von
vornherein klar ist, was ich bekommen soll und das absolut
nicht verhandelbar ist, dann haben diese Leute meine Zeit
verschwendet (die sie ja sowieso bezahlen), denn dann hätte
auch eine Email a la „sie bekommen ab sofort eine Erhöhung auf
2.020 EUR“ gereicht.

Sie haben deine Zeit gestohlen??? Also der kleine Herr Saunauntensitzer hat sich doch tatsächlich herabgelassen der Geschäftsführung einen Termin zu gestatten - und dann erdreisten die sich ohne gute Ergebnisse bei dir vorzusprechen? Ja, das ist natürlich eine Sauerei!

Warum hast du denen nicht gleich gesagt dass sie alles falsch machen und dass du gerne der 2. Geschäftsführer sein möchtest, dass du dann erstmal alle anderen Stümper, wie zum Beispiel die Natter, auf die Straße setzt und allen zeigst wie so ein Laden geführt gehört…

Mir wurde jetzt mehr oder weniger Unverfrorenheit und eine
Überschreitung dessen, was mir zusteht, vorgeworfen.

Zu Recht! Du bist ein Neuling, ein kleines Licht unter Vielen, und solange du dir keine Seniority oder eine höhere Stelle in der Hierarchie erarbeitet hast dist du nicht in der Position so zu reden, wie du es tust. Es geht nicht allein um deine Zahlen, es geht um deine Verhandlungsposition… und die ist Lichtjahre kleiner, als du selber denkst.

In meiner
Personalakte steht nun sicher „wagt es, beim Gehaltsgespräch
verhandeln zu wollen“.

Nö, aber dass du ein sich mit dem Unternehmen nicht identifizierneder Egoist bist, der seine Position völlig fehleinschätzt.

Ich bin natürlich auf eine Arbeitsstelle angewiesen, habe aber
in der Tat ein Angebot eines ehemaligen Arbeitgebers, mit dem
ich mich nach wie vor privat gut verstehe und hin und wieder
haben wir geschäftlich zu tun. Dort würde ich nicht unbedingt
reicher, aber glücklicher arbeiten. Von daher hängt mir jetzt
nicht besonders viel an dieser Stelle, besonders nicht nach
heute.

Was hindert dich daran zu gehen? Wenn du meinst dass 40 EUR brutto und 15 netto diesen Schritt wert sind - ja, dann wird es aber schleunigst Zeit zu gehen! Nur blöd dass auch der andere AG dein Supertalent nicht zu schätzen weiß und noch weniger zahlt.

  1. Ist es in meiner Position unangebracht gewesen, nicht
    einfach einen Gehaltsvorschlag zu fressen, sondern verhandeln
    zu wollen?

Verhandelm ist generell OK, aber ich denke schon dass du deine Position mächtigst überschätzt. Nicht nur weil die Realität es zeigte, ich hätte auch sonst geraten wesentlich defensiver aufzutreten.

  1. Was sind eure Erfahrungen in solchen Gehaltsgesprächen?
    Konntet ihr verhandeln, war das gewünscht, oder wurdet ihr
    ähnlich harsch abgewiesen? Ist vielleicht sogar ein User hier,
    der solche Verhandlungen führt und kann sich dazu äußern?

Wenn der AG eine Gehaltserhöhung anbietet bringe ich meine Freude zum Ausdruck und belasse es dabei. Sollte ich - aufgrund guter Argumente - um eine Gehaltserhöhung gebeten haben nenne ich meine Vorstellung, der AG seine und wir handeln es aus.

  1. Was denkt ihr? Ich würde gerne mehrere neutrale und externe
    Sichtweisen zu meiner Situation lesen können.

Ist aus meinem Posting insgesamt ersichtlich. Du bist nicht gerade der Typ Arbeitnehmer, den sich ein AG wünscht weil es ganz klar an menschlicher Kompetenz mangelt. Um so schlimmer als gerade das eine deiner Stärken sein sollte, als jemand, der gerade darin speziell geschult ist.

Du solltest immer die Interessen des Unternehmens und damit zugleich deine eigenen als AN vertreten, nicht deine persönlichen Vorteile - jedenfalls in solchen Gesprächen. Was du im Hinterkopf denkst ist die eine Sache, aber was man rüberbringt eine andere.

Ich bin ausgebildeter Heilpraktiker für Psychotherapie, habe
aber in der IT-Branche bei Dienstleistung und Vertrieb eine
über zehnjährige Erfahrung und war auch schon 5 Jahre
selbständig.

Schön und gut, du hälst dich deswegen für einen besonders toll ausgebildeten und erfahrenen Menschen. Ich will nicht bestreiten dass du das auch so sehen kannst, aber das gilt für deinen AG nichts. Der sieht dich als einen von 50 Mitarbeitern, noch dazu eher auf der unteren Hierarchieebene, Neuling, und man könnte sogar negativ fragen wie es kommt dass du diesen Job machst wenn du doch so kompetent bist und auch andere Jobs haben könntest. Im Lebenslauf wirkt das nicht gerade wie ein nach oben zeigender Verlauf, sondern eher wirr und auf einem absteigenden Ast.
Wobei dein AG das so nicht sehen wird, der freut sich schon über deine Erfolge, die überdurchschnittlich sind. Aber dennoch bist du nur einer unter Vielen, und noch dazu nicht richtig teamfähig bzw. für das Unternehmen tätig, sondern mehr egoistisch auf der Suche nach dem persönlichen Vorteil.

Ich machte mich gut in dem Job (habe mein Gewinnziel immer
übertroffen - auf ein Jahr gerechnet um durchschnittlich 20%),
trotzdem gab es in den ersten Monaten kleine Unstimmigkeiten,
die dazu führten, dass der Geschäftsführer (nicht Eigentümer
der Firma) und ich einvernehmlich ein Gehaltsgespräch auf
Anfang 2008 schoben.

Oha - dann gingen die Probleme also schön weit früher los - und jetzt dieser Eklat. Innerhalb von 10 Monaten ganz schön heftig. Auch wenn du deinen Job gut machst - einen Mitarbeiter wie dich würde ich versuchen loszuwerden weil das Vertrauensverhältnis gestört ist. Wenn es menschlich nicht paßt - und das tut es bei dir nicht - nützen die besten Zahlen nix.

Ich habe ein paar alte Kunden mitgebracht, Bestandskunden
übernommen (ich betreue den größten Kunden bei seinen momentan
größten Projekten), zeige Initiative, habe neue
Geschäftsfelder eröffnet und bin der einzige, der bestimmte
Dinge weiß und kann, die in der speziellen Branche schon
längst im Repertoire der anderen sein müssten, diese dafür
aber dann auf mich zurück kommen. Ich übernehme also „hinter
dem Vorhang“ viele Zuarbeiten für die Projekte anderer
Kollegen, und ich übernehme vermehrt Kunden, bei denen es
Ärger gab - weil ich das Problem auf fachlicher und (sicher
auch durch meine Ausbildung) menschlicher Ebene bisher immer
schlichten konnte.

Das zeigt aber auch dass dem Unternehmen reine Zahlen nicht alles sind, sondern die Kollegen, auch wenn sie fachlich nicht ganz dein Niveau halten, kommen unter dem Strich problemloser klar. Und am Ende zählt das, in einem funktionierenden Betrieb, mehr als ein Quertreiber, der zwar zahlenmäßig gute Ergebnisse bringt, ansonsten aber nicht ins Unternehmen paßt.

Auf der anderen Seite bin ich natürlich kein Lemming, der
alles mit sich machen lässt und gehe meinem Chef regelmäßig
auf die Nerven,

Ja - das ist toll! Wenn du jetzt noch einen kleinen Ansatz lieferst, aus dem man etwas drehen kann - sitzt du schneller auf der Straße als du schauen kannst. Und ob du mit dem wilden Lebenslauf und einem Zeugnis, das dir menschliche Unzulänglichkeit attestiert, so schnell einen neuen AG findest… ich glaube du täuschst dich sehr über deine Qualitäten und Positionen.

wenn es um die Frage geht, wie denn z.B.
geplante Wochenendarbeit vergütet würde usw. Ich bewege mich
aber meiner Meinung nach dabei nicht auf Pfaden, die einem
Arbeitnehmer nicht zustünden. Ich bin einfach meinem Chef
unbequem, denke ich.

Aber man muß nicht alles einfordern, was man theoretisch einfordern kann. Es wird auch Eigeninitiative und mehr als „Dienst nach Vorschrift“ erwartet… Du bist scheinbar doch ein Querulant, so dürfte dein AG dich sehen.

Abgesehen davon sind manche Argumentationsweisen usw. von mir
nicht aus meiner „eigenen Genialität“ entstanden - ich habe
mich natürlich auf dieses Gespräch vorbereitet und u.a. ein
Buch „Geheime Tricks für mehr Gehalt“ von Martin Wehrle zu
Rate gezogen, das meiner Meinung nach ein guter Ratgeber ist.
(Wirkung sieht man ja…)

Aber du hast deine Verhandlungsposition völlig falsch eingeschätzt.

Ich erhebe keinen Anspruch darauf, dass ich meinen Text
neutral und objektiv geschrieben habe

Du bist eher einer dieser Leute, die einem auf den Keks gehen, obwohl sie keine wirkliche Angriffsfläche bieten. Alles, was du sagst und argumentierst, stimmt grundsätzlich. Aber zwischen den Zeilen erkennt man doch dass du nur deine eigenen Ziele im Sinn hast und dich für den Primus inter pares hälst. Das mag an den nackten Zahlen gemessen so sein, aber menschlich dürftest du eher das Schlußlicht der Belegschaft sein. Und das erkennst du nicht…

Gruß,

MecFleih

Hallo MecFleih,

danke für deine sehr ausführliche, sehr ehrliche Antwort.

Hallo,

In Anbetracht meiner Leistungen hielt ich, von meinem
Nettogehalt von ca. 1.250 EUR ausgehend,

Von Nettobeträgen kannst du nicht ausgehen, es geht immer um
das Bruttojahresgehalt.

Da ich
monatlich mindestens das vierfache davon reinbringe und damit
im Vergleich zu den anderen Kollegen weit vorne liege (keine
weiteren Kosten wie eigener Firmenwagen, 13. Monatsgehalt
usw.), die Firma durch persönlichen Einsatz weiter bringe und
die Auftragsbücher und Prognosen gut aussehen, hielt ich das
als Verhandlungsbasis für angemessen.

Das ist aber eine sehr egoistische Sichtweise. Zum einen sagt
es wenig wieviel Du reinbringst weil das keine Aussagekraft
hat. Das Unternehmen muß insgesamt funktionieren und die
Verkäufer müssen die Gehälter der administrativen Mitarbeiter
ebenfalls bei den Kunden verdienen. Nach deiner Argumentation
wäre die Produktivität einer Vorstandssekretärin 0 oder
irgendwo im Minusbereich weil sie kostet, aber nichts
einbringt? So kann man das nicht sehen…

Ich sehe das schon in Relation. Jeder von uns hat ein straffes „Soll“, das ich zu 20% überschritten habe. Dass der reine Gewinn natürlich nicht alles ist, weiss ich auch, habe dazu in anderen Antworten schon geschrieben, das das nicht alles ist, was ich dort tue.

Im übrigen kommt es nicht so gut an wenn man sich als besserer
Mitarbeiter sieht und denkt dass die anderen weniger effektiv
sind. Es mag anhand der Zahlen zwar so sein dass der eine
etwas mehr und der andere etwas weniger Umsatz bringt, aber
dennoch haben auch andere Mitarbeiter ihre Daseinsberechtigung
und ihre Kompetenzen.

Wenn Du als relativer Neuling im Unternehmen so
redest/schreibst ist das menschlich nicht gerade angenehm.
Hier geht es weniger um Fakten (die so sein mögen wie von dir
beschrieben), sondern die Wahrnehmung deines Auftretens oder
deiner Selbsteinschätzung.

Ich spreche ihnen ihre Daseinsberechtigung und ihre Kompetenzen auf einen Fall ab. In Kurzform wälzen die Kollegen aber Dinge, die der Markt inzwischen fordert, aber auf mich ab, da sie keine Ambitionen haben, das mal selber zu lernen.
Das hat nichts mit „meiner Überqualifikation“ zu tun (hier geht’s um Computerdienstleistung, nicht um Quantenphysik) sondern meiner Ansicht nach mit deren Bequemlichkeit. Aber das ist etwas, was ich mit den Kollegen klären muss und jetzt erst mal nicht so wichtig.

Ich bin der Meinung, dass meine Arbeit auf jeden Fall über das
hinaus geht, was vereinbart wurde.

Kaum jemand macht „Dienst nach Vorschrift“, sondern es ist der
Normalfall dass man leistet, was man leisten kann - und nicht
nur 70% gibt weil man ja laut Vertrag nicht zu mehr
verpflichtet ist.

Das meine ich auch nicht. Ich rede von unbezahlter Abend/Wochenend/Nachtarbeit usw. Des Chef’s offizielle Ansage ist wortwörtlich: „Überstunden werden nicht gemacht“. Die Kollegen halten sich auch dran. Dass man mal ne halbe Stunde/Stunde länger bleibt, weil man nicht fertig geworden ist, sehe ich als selbstverständlich. Dass ich 2 Nächte hintereinander bis 5 morgens beim Kunden im Serverraum hocke, weil der externe Dienstleister Mist gebaut hat und ich das aus Verantwortung dem Kunden gegenüber flicke…

Da das unter meiner Untergrenze lag, dachte ich, dass es nun
offensichtlich an der Zeit war, zu verhandeln, und sagte, dass
ich mich über die Bereitschaft, mir eine Erhöhung zu geben
sehr freue, und dass ich mir aber eher 2.100 EUR vorgestellt
habe.

Ich erwartete, dass nun Verhandlungen anfangen, wir uns in der
Mitte treffen und ich mit 2.060 EUR nach Hause gehe. Das wären
40 EUR im Monat mehr als die mir geboten haben, 480 EUR mehr
im Jahr.

Jetzt kommt’s: In die Gesichter aller Drei legte sich
Entsetzen, Erstaunen und Nicht-Glauben-Wollen. Der Chef machte
klar, dass er sich jetzt persönlich enttäuscht fühle. „Sie
sind doch schlau. Was meinen Sie, geht in mir jetzt vor, da
wir Drei uns schon zusammengesetzt haben und besprochen haben,
was wir Ihnen als Gehalt geben möchten, und dann kommen Sie
und wollen verhandeln?!“ Mir wurde vorgerechnet, dass 2.100
EUR eine Unverschämtheit seien. Ich argumentierte so: Zwischen
ihm als Arbeitgeber und mir als Arbeitnehmer besteht ja auch
ein Geschäftsverhältnis. Er stellte mich ein, weil er sich
ausgerechnet hat, dass das Geld, das ich bekomme sich dadurch
amortisiert, dass ich mehr Geld rein bringe.

Dass man nicht mit dir verhandelt hat sondern eher nur die
feststehende Gehaltssteigerung verkünden wollte ist natürlich
tatsächlich „kurios“. Damit hätte ich nun auch nicht unbedingt
gerechnet. Insofern kann ich deine Verblüffung verstehen.

DANKE! Das ist mir der zweitwertvollste Part an deiner Antwort, denn ich vermute mal stark, dass du aus Arbeitgebersicht schreibst, und wenn du das auch kurios findest, dann ist mir hier der totale Selbstzweifel genommen.

Andererseits: nicht du hast um eine Gehaltserhöhung gebeten -
dann hätte man darüber sprechen können was du dir vorgestellt
hast - sondern das Unternehmen hat sie dir angeboten. Und
nicht nur das - man hat sie dir auch sehr schnell und
frühzeitig angeboten. Angesichts deiner kurzen
Firmenzugehörigkeit ist diese proaktive Maßnahme seitens der
Geschäftsführung ein nicht zu verachtender Bonus und Ausdruck
von Wertschätzung. Es dürfte wenige Unternehmen geben, in
denen jemandem so schnell eine Gehaltserhöhung gewährt wird.

Diesem fairen Zug der Firmenleitung setzt du nun
Unzufriedenheit wegen der Höhe der Zuzahlung entgegen. Wäre
ich der GF würde mich das auch erstmal umhauen und ich würde
das als ziemliche Undankbarkeit empfinden.

Korrektur: Zu Einstellung wurde nach einem halben Jahr eine potentielle Erhöhung vereinbart (keiner kauft gerne die Katze im Sack, so fing ich klein an), und nach den Unstimmigkeiten (dazu kommen wir gleich) sind der GF und ich einvernehmlich so verblieben, dass wir das Gespräch aufschieben auf Anfang dieses Jahres. Mir war das sehr recht, weil ich zu dem Zeitpunkt unsicher war, ob diese Firma und ich zusammenpassen und mich nicht durch eine zu frühe Gehaltserhöhung moralisch verpflichten wollte.

Dass du euer Verhältnis als reine Geschäftsbeziehung siehst -
ähm… das ist so ziemlich das letzte, was man sagen sollte!
Natürlich geht jeder arbeiten weil er Geld verdienen möchte.
Aber so deutlich zu sagen dass einen die Firma wenig
interessiert und man sich nur für die Kohle interessiert - das
ist ein Hammer. Da verstehe ich sehr gut dass man als
Arbeitgeber sehr vor den Kopf gestossen ist.

Gerade auch angesichts einer Summe von brutto 40 EUR so einen
„Zirkus“ zu machen, Respekt, mein Lieber! Das ist schon
ziemlich abgefahren…

Ich sagte nicht, dass ich das als REINE Geschäftsbeziehung, sondern AUCH als Geschäftsbeziehung sehe. Ich hoffe, dass da nicht für mich ein Unterschied besteht. Und noch mal: 1. Ich kam gar nicht dazu, mich auf eine Differenz von 40 EUR runterhandeln zu lassen, und 2. hast du als leitender Angestellter mindestens 50.000 im Jahr und selbst 40 EUR im Monat haben für dich nicht den gleichen Stellenwert wie für mich. Ich habe 1250 im Monat netto (schon durch Wahl einer billigsten Krankenkasse) und die Armutsgrenze in Deutschland liegt bei knapp 900 EUR im Monat. Die Differenz zwischen dieser Armutsgrenze und meinem Gehalt sind wahrscheinlich drei deiner Tankfüllungen (Auto hab ich nicht, kann ich mir nicht leisten, Motorrad ist gottseidank im Unterhalt so günstig, dass ich mir das als Luxus gönne). Aber ich will nicht den jammernden Verlierer der Rezession raushängen lassen, die Gehaltsklasse ist für meine Leistung weitestgehend in Ordnung.

Da kam der nächste Sturm der Entrüstung, dass das ein viel zu
hartes Wort sei und wenn überhaupt das Wort Partnerschaft
besser passen würde. Ich erwiderte, dass in einer
Partnerschaft auch ein ausgeglichenes Verhältnis herrschen
sollte, und dass ich der Meinung bin, dass mein Marktwert
(versteckte Info an den Chef, dass ich mich bei anderen
Arbeitgebern vielleicht umgehört habe) eine Zahlung von mehr
als 2.020 EUR rechtfertige.

Hier hättest du bei mir einen nicht mehr gutzumachenden
Fauxpas gelandet. Wenn es noch eines weiteren Beweises bedurft
hätte dass du dich nicht mit dem Unternehmen identifizierst -
jetzt hättest du ihn endgültig erbracht.

Auch wenn die Wirtschaft boomt - niemand ist unersätzlich und
du wärst bei mir jetzt auf der Abschußliste. Was hindert dich
übrigens daran selber zu gehen? Eine Alternative scheinst du
ja zu haben, überhaupt scheinen alle auf den Messias namens
Saunauntensitzer zu warten…?

So sehe ich das sicher nicht. Ich will nicht gehen (und hier ist meine fehlende Identifizierung mit dem Unternehmen), weil ich an das glaube, was wir versuchen, zu schaffen - und weil ich gerne Mitglied (und natürlich auch wichtiges Zahnrad) eines erfolgreichen Teams bin.

Du unterstellst mit deinem Partnerschaftsvergleich dass du von
deinem Partner nicht fair behandelt wirst - das ist ganz
harter Tobak. Gerade für einen Neuling ohne „Seniority“ führst
du dich hier maximal schlecht ein. Das wiegt um so schwerer
als du an anderer Stelle deine Menschenkenntnis bzw. deine
entsprechenden Ausbildungen hervorhebst.

Ich sagte auch, dass der Chef
meiner Meinung nach natürlich das Mindestgebot genannt hat,
ich habe ein Wunschgehalt geäußert, und jetzt sollten wir kurz
verhandeln und treffen uns irgendwo in der Mitte.

Na wie gesagt - war das denn als Verhandlung gedacht oder hast
du es nur so verstanden, während es aus AG-Sicht auch nur als
Verkündung einer Gehaltsverbesserung gesehen wurde?

Was hieltest du als Arbeitgeber davon, wenn du einen Mitarbeiter wie mich hättest und ich auf dich zukommen würde: „Herr MecFleih, ich würde gerne noch mal ganz kurz über dieses Gespräch am Freitag sprechen. Ich glaube, dass ich da ein riesiges Mißverständnis hatte. Als wir uns zum Gehalts gespräch verabredeten, ging ich davon aus, dass es Raum für Verhandlungen gäbe. Darin habe ich mich offensichtlich vertan und hoffe, dass das Einiges erklärt“ - wie würdest du reagieren? Ich bin nicht polemisch, ich meine die Frage ernst.

Hier habe ich das Gespräch abgebrochen mit dem Hinweis, dass
wir das Gespräch auf in 2 Monaten (ein Jahr in der Firma)
verschieben sollten, um mit den neu gewonnenen Kenntnissen
übereinander noch mal zu verhandeln.

Die nächste Totsünde. Wenn DU die Verhandlungen abbrichst
würde mich als als Geschäftsleitung sehr angreifen - weil ICH
als Chef habe dich zum Termin eingeladen und nicht du mich,
und auch sonst paßt das nicht so recht ins Bild dass der AN
dem AG den Verlauf der Unterhaltung vorgibt.

Mein Gesprächsabbruch war eher einem Kapitulieren zuzuordnen, und genau so habe ich das formuliert. In etwa formulierte ich so: „Könnten wir so verbleiben, dass Sie mir soweit entgegenkommen, dieses Gespräch jetzt so zu belassen und in zwei Monaten noch mal das Thema aufzugreifen“. Ich glaube, dass das keinem zickigen Aus-der-Tür-Rennen gleichkam.

Saunauntensitzer, du bist ein ganz kleiner, popeliger, gerade
neu in der Firma befindlicher Hanswurst, und noch dazu nicht
der einzige, sondern da gibt es Kollegen mit genau dem
gleichen Job. Du redest aber als ob du der Star der Firma
seist, ohne den sie untergeht. Da solltest du, gute Zahlen hin
oder her, auf den Boden der Tatsachen zurückkommen.

Das ist - ohne Quatsch - die wichtigste Aussage für mich in deiner Antwort. Ich habe definitiv nicht den gleichen Job wie die anderen (und das ist nicht allein meine Beobachtung), aber dass ich „so viel“ zu tun habe, ist eher ein Zugeständnis, dass man mir das zutraut und Vertrauen in mich hat. Ob durch mein kurzfristiges Ausscheiden ne Menge Deals den Bach runtergehen würden habe ich gar nicht nachgedacht, weil das ja nicht zur Debatte steht. Trotzdem stimmt das natürlich: Keiner lässt sich vom Neuen auf der Nase rumtanzen.

Ich bin der Meinung, dass - so wie das gelaufen ist - dieses
vereinbarte Gehaltsgespräch eine Farce war. Wenn von
vornherein klar ist, was ich bekommen soll und das absolut
nicht verhandelbar ist, dann haben diese Leute meine Zeit
verschwendet (die sie ja sowieso bezahlen), denn dann hätte
auch eine Email a la „sie bekommen ab sofort eine Erhöhung auf
2.020 EUR“ gereicht.

Sie haben deine Zeit gestohlen??? Also der kleine Herr
Saunauntensitzer hat sich doch tatsächlich herabgelassen der
Geschäftsführung einen Termin zu gestatten - und dann
erdreisten die sich ohne gute Ergebnisse bei dir
vorzusprechen? Ja, das ist natürlich eine Sauerei!

Genaugenommen frage ich mich, wie solche Termine sonst laufen. Aus 3 Stockwerken kommen 4 Leute zusammen, setzen sich 2 Minuten hin, das neue Gehalt wird verkündet, es fallen noch ein paar Danksagungen, Glückwünsche und Floskeln, und dann gehen nach 3 Minuten wieder alle? Erweckt das nicht auch bei dir ein kleines bisschen den Anschein, als ob es tatsächlich etwas zu besprechen gäbe? Sorry, aber das ist zu viel des Guten. Da reicht ein kurzes „ach kommen sie doch mal her, wo sie gerade an meinem Büro vorbe gehen - wir haben beschlossen, Ihnen ab sofort Gehalt in Höhe von xyz zu zahlen, weil wir recht zufrieden sind. Ich muss weg“. Aber das ist eine Stilfrage, für’s nächste Mal weiß ich’s dann besser.

Warum hast du denen nicht gleich gesagt dass sie alles falsch
machen und dass du gerne der 2. Geschäftsführer sein möchtest,
dass du dann erstmal alle anderen Stümper, wie zum Beispiel
die Natter, auf die Straße setzt und allen zeigst wie so ein
Laden geführt gehört…

Weil ich dazu noch die Eigentümer gerne dabei hätte, um ihnen die Optionen unter Marktpreis abzuquatschen, doch einer war den ganzen Tag meine Hemden in die Reinigung bringen.

Mir wurde jetzt mehr oder weniger Unverfrorenheit und eine
Überschreitung dessen, was mir zusteht, vorgeworfen.

Zu Recht! Du bist ein Neuling, ein kleines Licht unter Vielen,
und solange du dir keine Seniority oder eine höhere Stelle in
der Hierarchie erarbeitet hast dist du nicht in der Position
so zu reden, wie du es tust. Es geht nicht allein um deine
Zahlen, es geht um deine Verhandlungsposition… und die ist
Lichtjahre kleiner, als du selber denkst.

Im Kontext zu deinen anderen Ausführungen klar - aber vor dem Hintergrund, dass ich sinngemäß gesagt habe „ach so, wir verhandeln jetzt gar nicht, sondern Sie sagen mir einfach nur, was ich ab jetzt kriege?“ so ein Theater aufzuziehen? Die Reise südwärts begann ja erst im Folgenden. Auf mein reines, höflich vorgetragenes Anliegen hin, Verhandlungen zu wünschen, flippten die ja aus. Zumindest da kann man freundlich lächelnd den Kopf schütteln und sagen, dass das nicht zur Debatte stünde. „Sorry, das ist absolut nicht verhandelbar, aber das konnten sie ja nicht wissen. Entweder unser Vorschlag oder ihr altes Gehalt!“ hätte voll ausgereicht.

In meiner
Personalakte steht nun sicher „wagt es, beim Gehaltsgespräch
verhandeln zu wollen“.

Nö, aber dass du ein sich mit dem Unternehmen nicht
identifizierneder Egoist bist, der seine Position völlig
fehleinschätzt.

Ich bin natürlich auf eine Arbeitsstelle angewiesen, habe aber
in der Tat ein Angebot eines ehemaligen Arbeitgebers, mit dem
ich mich nach wie vor privat gut verstehe und hin und wieder
haben wir geschäftlich zu tun. Dort würde ich nicht unbedingt
reicher, aber glücklicher arbeiten. Von daher hängt mir jetzt
nicht besonders viel an dieser Stelle, besonders nicht nach
heute.

Was hindert dich daran zu gehen? Wenn du meinst dass 40 EUR
brutto und 15 netto diesen Schritt wert sind - ja, dann wird
es aber schleunigst Zeit zu gehen! Nur blöd dass auch der
andere AG dein Supertalent nicht zu schätzen weiß und noch
weniger zahlt.

Selbst wenn ich für reinen Telefonvertrieb nur 1500 brutto bekäme, wäre das in diesem Fall in Ordnung, weil der Job in dem Moment aufhört, wo ich aus der Tür gehe und danach noch was anderes tun kann.

  1. Ist es in meiner Position unangebracht gewesen, nicht
    einfach einen Gehaltsvorschlag zu fressen, sondern verhandeln
    zu wollen?

Verhandelm ist generell OK, aber ich denke schon dass du deine
Position mächtigst überschätzt. Nicht nur weil die Realität es
zeigte, ich hätte auch sonst geraten wesentlich defensiver
aufzutreten.

Danke. Nichts weiter als höflich meinen Verhandlungswunsch vorgetragen habe ich.

  1. Was sind eure Erfahrungen in solchen Gehaltsgesprächen?
    Konntet ihr verhandeln, war das gewünscht, oder wurdet ihr
    ähnlich harsch abgewiesen? Ist vielleicht sogar ein User hier,
    der solche Verhandlungen führt und kann sich dazu äußern?

Wenn der AG eine Gehaltserhöhung anbietet bringe ich meine
Freude zum Ausdruck und belasse es dabei. Sollte ich -
aufgrund guter Argumente - um eine Gehaltserhöhung gebeten
haben nenne ich meine Vorstellung, der AG seine und wir
handeln es aus.

Nichts weiter ist passiert. Ich habe um dieses Gespräch gebeten. Und bevor ich anfing zu verhandeln, habe ich auch artig gesagt, dass ich mich darüber sehr freue, dass mir eine Gehaltsverbessung angeboten wird.

  1. Was denkt ihr? Ich würde gerne mehrere neutrale und externe
    Sichtweisen zu meiner Situation lesen können.

Ist aus meinem Posting insgesamt ersichtlich. Du bist nicht
gerade der Typ Arbeitnehmer, den sich ein AG wünscht weil es
ganz klar an menschlicher Kompetenz mangelt. Um so schlimmer
als gerade das eine deiner Stärken sein sollte, als jemand,
der gerade darin speziell geschult ist.

Ich würde das in diesem Fall weniger als menschliche Kompetenz verallgemeinern. Ich habe offensichtlich ein Insubordinationsproblem.

Du solltest immer die Interessen des Unternehmens und damit
zugleich deine eigenen als AN vertreten, nicht deine
persönlichen Vorteile - jedenfalls in solchen Gesprächen. Was
du im Hinterkopf denkst ist die eine Sache, aber was man
rüberbringt eine andere.

Ich bin ausgebildeter Heilpraktiker für Psychotherapie, habe
aber in der IT-Branche bei Dienstleistung und Vertrieb eine
über zehnjährige Erfahrung und war auch schon 5 Jahre
selbständig.

Schön und gut, du hälst dich deswegen für einen besonders toll
ausgebildeten und erfahrenen Menschen. Ich will nicht
bestreiten dass du das auch so sehen kannst, aber das gilt für
deinen AG nichts. Der sieht dich als einen von 50
Mitarbeitern, noch dazu eher auf der unteren Hierarchieebene,
Neuling, und man könnte sogar negativ fragen wie es kommt dass
du diesen Job machst wenn du doch so kompetent bist und auch
andere Jobs haben könntest. Im Lebenslauf wirkt das nicht
gerade wie ein nach oben zeigender Verlauf, sondern eher wirr
und auf einem absteigenden Ast.
Wobei dein AG das so nicht sehen wird, der freut sich schon
über deine Erfolge, die überdurchschnittlich sind. Aber
dennoch bist du nur einer unter Vielen, und noch dazu nicht
richtig teamfähig bzw. für das Unternehmen tätig, sondern mehr
egoistisch auf der Suche nach dem persönlichen Vorteil.

Ich habe die Ausbildung zum HP Psychotherapie nebenbei gemacht, war aber immer in der IT-Branche tätig. Meine CV sieht eigentlich ziemlich gut aus.

Ich machte mich gut in dem Job (habe mein Gewinnziel immer
übertroffen - auf ein Jahr gerechnet um durchschnittlich 20%),
trotzdem gab es in den ersten Monaten kleine Unstimmigkeiten,
die dazu führten, dass der Geschäftsführer (nicht Eigentümer
der Firma) und ich einvernehmlich ein Gehaltsgespräch auf
Anfang 2008 schoben.

Oha - dann gingen die Probleme also schön weit früher los -
und jetzt dieser Eklat. Innerhalb von 10 Monaten ganz schön
heftig. Auch wenn du deinen Job gut machst - einen Mitarbeiter
wie dich würde ich versuchen loszuwerden weil das
Vertrauensverhältnis gestört ist. Wenn es menschlich nicht
paßt - und das tut es bei dir nicht - nützen die besten Zahlen
nix.

Die Probleme gingen von mir aus, der Chef war höchst erstaunt, als ich ums erste Gespräch bat, weil er der Meinung war, dass ich mich gut mache und mich gut eingefunden habe. Ich wollte nichts in mich hineinfressen sondern a) eine Zwischeneinschätzung bekommen und b) Dinge kundtun, die zu Problemen führen könnten und super geklärt wurden.

Ich habe ein paar alte Kunden mitgebracht, Bestandskunden
übernommen (ich betreue den größten Kunden bei seinen momentan
größten Projekten), zeige Initiative, habe neue
Geschäftsfelder eröffnet und bin der einzige, der bestimmte
Dinge weiß und kann, die in der speziellen Branche schon
längst im Repertoire der anderen sein müssten, diese dafür
aber dann auf mich zurück kommen. Ich übernehme also „hinter
dem Vorhang“ viele Zuarbeiten für die Projekte anderer
Kollegen, und ich übernehme vermehrt Kunden, bei denen es
Ärger gab - weil ich das Problem auf fachlicher und (sicher
auch durch meine Ausbildung) menschlicher Ebene bisher immer
schlichten konnte.

Das zeigt aber auch dass dem Unternehmen reine Zahlen nicht
alles sind, sondern die Kollegen, auch wenn sie fachlich nicht
ganz dein Niveau halten, kommen unter dem Strich problemloser
klar. Und am Ende zählt das, in einem funktionierenden
Betrieb, mehr als ein Quertreiber, der zwar zahlenmäßig gute
Ergebnisse bringt, ansonsten aber nicht ins Unternehmen paßt.

Auf der anderen Seite bin ich natürlich kein Lemming, der
alles mit sich machen lässt und gehe meinem Chef regelmäßig
auf die Nerven,

Ja - das ist toll! Wenn du jetzt noch einen kleinen Ansatz
lieferst, aus dem man etwas drehen kann - sitzt du schneller
auf der Straße als du schauen kannst. Und ob du mit dem wilden
Lebenslauf und einem Zeugnis, das dir menschliche
Unzulänglichkeit attestiert, so schnell einen neuen AG
findest… ich glaube du täuschst dich sehr über deine
Qualitäten und Positionen.

Wie gesagt, wilder Lebenslauf ist nicht…

wenn es um die Frage geht, wie denn z.B.
geplante Wochenendarbeit vergütet würde usw. Ich bewege mich
aber meiner Meinung nach dabei nicht auf Pfaden, die einem
Arbeitnehmer nicht zustünden. Ich bin einfach meinem Chef
unbequem, denke ich.

Aber man muß nicht alles einfordern, was man theoretisch
einfordern kann. Es wird auch Eigeninitiative und mehr als
„Dienst nach Vorschrift“ erwartet… Du bist scheinbar doch
ein Querulant, so dürfte dein AG dich sehen.

Siehe weiter oben. Mehr als sturer Dienst nach Vorschrift ist völlig in Ordnung, wenn es sich in Maßen hält. Und Eigeninitiative… dazu äußerte ich mich vorhin schon.

Abgesehen davon sind manche Argumentationsweisen usw. von mir
nicht aus meiner „eigenen Genialität“ entstanden - ich habe
mich natürlich auf dieses Gespräch vorbereitet und u.a. ein
Buch „Geheime Tricks für mehr Gehalt“ von Martin Wehrle zu
Rate gezogen, das meiner Meinung nach ein guter Ratgeber ist.
(Wirkung sieht man ja…)

Aber du hast deine Verhandlungsposition völlig falsch
eingeschätzt.

ACK. Vor allem die Tatsache, dass ich GAR KEINE habe.

Ich erhebe keinen Anspruch darauf, dass ich meinen Text
neutral und objektiv geschrieben habe

Du bist eher einer dieser Leute, die einem auf den Keks gehen,
obwohl sie keine wirkliche Angriffsfläche bieten. Alles, was
du sagst und argumentierst, stimmt grundsätzlich. Aber
zwischen den Zeilen erkennt man doch dass du nur deine eigenen
Ziele im Sinn hast und dich für den Primus inter pares hälst.
Das mag an den nackten Zahlen gemessen so sein, aber
menschlich dürftest du eher das Schlußlicht der Belegschaft
sein. Und das erkennst du nicht…

Vielleicht ist das eine generelle Lebensphilosophiefrage, aber wenn man wo arbeiten geht, dann tut man das nicht nur, weil einem sonst langweilig wäre, sondern natürlich auch, um den Lebensunterhalt zu bestreiten. Und ich sehe Arbeit in einer Firma - und daran sehe ich wirklich nichts Schlimmes - zum großen Teil als etwas, das ich gut und verantwortungsbewusst und mit bestem Wissen und Gewissen mache, um meinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Jedenfalls ist so ein Job nichts, mit dem allein ich mich selbst verwirklichen oder meinen Lebensinhalt sehen könnte. Und ich hoffe, dass du mir das zugestehst. Leben und leben lassen…

Grüße


Saunauntensitzer

Hallo,

also wenn es so rüberkam als hätte ich dich irgendwie „runterputzen“ wollen entschuldige ich mich, weil so war es nicht gemeint. Ich habe nur versucht mich in die Denkweise der Gegenseite zu versetzen…

Das meine ich auch nicht. Ich rede von unbezahlter
Abend/Wochenend/Nachtarbeit usw. Des Chef’s offizielle Ansage
ist wortwörtlich: „Überstunden werden nicht gemacht“. Die
Kollegen halten sich auch dran. Dass man mal ne halbe
Stunde/Stunde länger bleibt, weil man nicht fertig geworden
ist, sehe ich als selbstverständlich. Dass ich 2 Nächte
hintereinander bis 5 morgens beim Kunden im Serverraum hocke,
weil der externe Dienstleister Mist gebaut hat und ich das aus
Verantwortung dem Kunden gegenüber flicke…

So sollte es natürlich nicht ausarten und eine Patentlösung gibt es wohl nicht. Natürlich kannst du dann nur zwischen der gleichen Ernüchterung wie bei den Kollegen oder deinem Anspruch, weiter Überdurchschnittliches zu leisten, auswählen. Ich lasse die theoretische Bestlösung, die Verhältnisse zu verändern, mal außen vor, weil das ja genauso selbstverständlich wie theoretisch ist.

DANKE! Das ist mir der zweitwertvollste Part an deiner
Antwort, denn ich vermute mal stark, dass du aus
Arbeitgebersicht schreibst, und wenn du das auch kurios
findest, dann ist mir hier der totale Selbstzweifel genommen.

Ja, die kann ich dir nehmen, wenn das wirklich als „Verhandlung“ deklariert war.

Korrektur: Zu Einstellung wurde nach einem halben Jahr eine
potentielle Erhöhung vereinbart (keiner kauft gerne die Katze
im Sack, so fing ich klein an), und nach den Unstimmigkeiten
(dazu kommen wir gleich) sind der GF und ich einvernehmlich so
verblieben, dass wir das Gespräch aufschieben auf Anfang
dieses Jahres. Mir war das sehr recht, weil ich zu dem
Zeitpunkt unsicher war, ob diese Firma und ich zusammenpassen
und mich nicht durch eine zu frühe Gehaltserhöhung moralisch
verpflichten wollte.

Na wie gesagt: es hängt davon ab ob das als wirkliche Verhandlungslösung oder mehr als Verkündung einer Gehaltssteigerung betrachtet werden mußte.

Ich sagte nicht, dass ich das als REINE Geschäftsbeziehung,
sondern AUCH als Geschäftsbeziehung sehe.

Es kommt aber insgesamt sehr so rüber - in deinem Posting - als gehe es erstmal um deine Belange. Das ist ja insgesamt auch nicht falsch, aber es sollte beim AG nicht der Eindruck entstehen dass das ein „Gegeneinander“ ist, man sieht immer lieber wenn das ein Gemeinsam-an-einem-Strang-ziehen ist.

  1. Ich
    kam gar nicht dazu, mich auf eine Differenz von 40 EUR
    runterhandeln zu lassen,

Ja, praktisch ist es nicht passiert, aber du warst bereit/wärst bereit gewesen wegen dieser Differenz entsprechend aufzutreten.

als leitender
Angestellter mindestens 50.000 im Jahr und selbst 40 EUR im
Monat haben für dich nicht den gleichen Stellenwert wie für
mich.

Da irrst du ganz gewaltig. Ich arbeite in einem kleinen 6-Mann-Unternehmen, ebenfalls in der IT-Branche, weiß wie knapp und hart das Geld dort verdient wird und verdiene knapp unterhalb deines Niveaus, also man kann sagen dass wir fast gleichauf liegen und ich kann alles, was du über die Lebensumstände mit kleinem Geld sagst, selber genau nachvollziehen.
Da ich aber tatsächlich in der Geschäftsführung mitrede und auch bei Personalentscheidungen oder der Ausrichtung des Unternehmens beteiligt bin kann ich auch die „andere Seite“ verstehen - und das sogar sehr rudimentär weil die Wege in einem kleinen Betrieb besonders kurz sind.

So sehe ich das sicher nicht. Ich will nicht gehen (und hier
ist meine fehlende Identifizierung mit dem Unternehmen), weil
ich an das glaube, was wir versuchen, zu schaffen - und weil
ich gerne Mitglied (und natürlich auch wichtiges Zahnrad)
eines erfolgreichen Teams bin.

Das klingt gut. Gelingt es dir denn das auch so zu kommunizieren? Dein Posting kam ganz anders rüber…

Was hieltest du als Arbeitgeber davon, wenn du einen
Mitarbeiter wie mich hättest und ich auf dich zukommen würde:
„Herr MecFleih, ich würde gerne noch mal ganz kurz über dieses
Gespräch am Freitag sprechen. Ich glaube, dass ich da ein
riesiges Mißverständnis hatte. Als wir uns zum
Gehalts gespräch verabredeten, ging ich davon aus, dass
es Raum für Verhandlungen gäbe. Darin habe ich mich
offensichtlich vertan und hoffe, dass das Einiges erklärt“ -
wie würdest du reagieren? Ich bin nicht polemisch, ich meine
die Frage ernst.

Fände ich SEHR gut weil das den eher unguten Eindruck, der jetzt offenbar entstanden ist, geraderücken kann. Nicht drüber reden wenn es Irritationen gab ist immer die schlechteste Lösung.

Das ist - ohne Quatsch - die wichtigste Aussage für mich in
deiner Antwort. Ich habe definitiv nicht den gleichen
Job wie die anderen (und das ist nicht allein meine
Beobachtung), aber dass ich „so viel“ zu tun habe, ist eher
ein Zugeständnis, dass man mir das zutraut und Vertrauen in
mich hat. Ob durch mein kurzfristiges Ausscheiden ne Menge
Deals den Bach runtergehen würden habe ich gar nicht
nachgedacht, weil das ja nicht zur Debatte steht. Trotzdem
stimmt das natürlich: Keiner lässt sich vom Neuen auf der Nase
rumtanzen.

Ich habe es einfach nur etwas krass ausgedrückt, aber der Sinn war nicht dich „runterzumachen“. Ich denke dass in menschlichen Kontakten immer gewisse Muster bedient werden, und die wirken auch bei der Geschäftsführung - und bei dir.

Der Chef denkt letztlich das, was ich geschrieben habe. Ihm ist wahrscheinlich klar dass du ein besonders guter Mitarbeiter bist, aber er fühlte sich durch dein Verhalten in seiner Position und Kompetenz angegriffen. Das hat wenig mit deiner fachlichen Eignung zu tun, sondern mehr damit dass du aus der Rolle des „dankbaren Angestellten, dem bereits nach kurzer Zeit eine Gehaltserhöhung gegönnt wird“, ausbrichst und auch aus der Rolle des „vor Vorgesetzten kuschenden Mitarbeiters“.

Vielleicht ging es auch darum dem „nicht auf den Mund gefallenen Neuling“ einen kleinen Dämpfer zu geben damit du eben nicht das Gefühl der Unersätzlichkeit bekommen sollst…

Sowas muß nicht logisch oder nachvollziehbar sein, aber vielleicht hast du unbewußt den Eindruck erweckt dass man dich ein wenig „stutzen“ müßte? Ob es so ist sei dahingestellt, es gibt auch idiotische und komplexbehaftete Vorgesetzte…

Genaugenommen frage ich mich, wie solche Termine sonst laufen.
Aus 3 Stockwerken kommen 4 Leute zusammen, setzen sich 2
Minuten hin, das neue Gehalt wird verkündet, es fallen noch
ein paar Danksagungen, Glückwünsche und Floskeln, und dann
gehen nach 3 Minuten wieder alle? Erweckt das nicht auch bei
dir ein kleines bisschen den Anschein, als ob es
tatsächlich etwas zu besprechen gäbe? Sorry, aber das ist zu
viel des Guten. Da reicht ein kurzes „ach kommen sie doch mal
her, wo sie gerade an meinem Büro vorbe gehen - wir haben
beschlossen, Ihnen ab sofort Gehalt in Höhe von xyz zu zahlen,
weil wir recht zufrieden sind. Ich muss weg“. Aber das ist
eine Stilfrage, für’s nächste Mal weiß ich’s dann besser.

Da gebe ich dir Recht. Es mutet eigenartig an und so hätte ich es auch nicht erwartet. Kann ja sein dass in deinem Laden eine etwas seltsame Firmenkultur herrscht…

Warum hast du denen nicht gleich gesagt dass sie alles falsch
machen und dass du gerne der 2. Geschäftsführer sein möchtest,
dass du dann erstmal alle anderen Stümper, wie zum Beispiel
die Natter, auf die Straße setzt und allen zeigst wie so ein
Laden geführt gehört…

Weil ich dazu noch die Eigentümer gerne dabei hätte, um ihnen
die Optionen unter Marktpreis abzuquatschen, doch einer war
den ganzen Tag meine Hemden in die Reinigung bringen.

Na ich würde mich da eher aus Prinzip zurückhalten. Die meisten Vorgesetzten sind zu eingefahren in irgendwelchen Strukturen um auf Verbesserungsvorschläge junger, neuer Mitarbeiter, die alles revolutionieren wollen, einzugehen. Es hat wenig mit dem tatsächlichen Gewinn durch deine Ideen zu tun, sondern einfach nur damit dass man nicht gewohnt ist (vielleicht auch ängstlich vor Veränderungen) dass „kleine Angestellte große Ideen“ haben und damit zugleich auch höherstehende Mitarbeiter düpieren, denn eigentlich wäre es ja deren Bier entsprechende Ideen zu haben und umzusetzen.

Ich würde das in diesem Fall weniger als menschliche Kompetenz
verallgemeinern. Ich habe offensichtlich ein
Insubordinationsproblem.

Zumindest in Firmen, in denen Mitarbeiter als kleine, lästige Störenfriede, die sowieso alle zu teuer und zu aufmüpfig sind, gelten. Vielleicht ist die Quintessenz auf lange Sicht dann dass ihr beiden nicht zusammenpaßt und du besser in einem Unternehmen aufgehoben bist, in dem Eigenverantwortung und Initiative mehr geschätzt wird und wo sich ein Vorgesetzter nicht durch kompetente Mitarbeiter bedroht fühlt. Nicht jeder Unternehmer ist auch gleich ein menschlich angenehmer Zeitgenosse oder mit modernem Führungsstil gesegnet.

Vielleicht ist das eine generelle Lebensphilosophiefrage, aber
wenn man wo arbeiten geht, dann tut man das nicht nur, weil
einem sonst langweilig wäre, sondern natürlich auch, um den
Lebensunterhalt zu bestreiten. Und ich sehe Arbeit in einer
Firma - und daran sehe ich wirklich nichts Schlimmes - zum
großen Teil als etwas, das ich gut und verantwortungsbewusst
und mit bestem Wissen und Gewissen mache, um meinen
Lebensunterhalt zu bestreiten. Jedenfalls ist so ein Job
nichts, mit dem allein ich mich selbst verwirklichen oder
meinen Lebensinhalt sehen könnte. Und ich hoffe, dass du mir
das zugestehst. Leben und leben lassen…

Selbstverständlich - ich sehe es ebenso. Mir ist allerdings auch klar dass Arbeit irgendwo immer eine gewisse Unfreiwilligkeit hat - zumindest für mich - weil wenn ich mich selbst verwirklichen und Spaß haben will passiert das nicht auf meiner Arbeitsstelle. Es gibt sicher Leute, deren Beruf ihr Hobby ist - und denen gönne ich das, wäre schön wenn ich das auch sagen könnte - aber letztlich muß ich einen Kompromiss zwischen finanzieller Notwendigkeit und genügend Interesse, um es täglich stundenlang zu machen, finden.

In jedem Fall alles Gute für deine berufliche Zukunft!

MecFleih

Gesprächsphilosophie
Gucksi,

ein sehr spannendes Thema, in der Tat.

Da ich (glücklicherweise) aus einem Umfeld komme, in dem Gehaltsverhandlungen auf Leistungsbasis sogar auf Wunsch vom Arbeitnehmer einberufen werden können, muss ich das ganze eher akademisch betrachten.

monatlich mindestens das vierfache davon reinbringe und damit im Vergleich zu den anderen Kollegen weit vorne liege

Schon alleine zu denken „Was die anderen…“ - das Problem, was man hierdurch schafft, ist dass man selbst schnell in die Gegend „Neid“ abdriftet, und wer sich von Neid zu Aussagen provozieren läßt, hat schon verloren.
Guter Tipp: vergiss’ Deine Kollegen vollkommen im Gehaltsgespräch. Tu’ so, als ob es nur Dich, Deine(n) Vorgesetzte(n) und Dein Unternehmen gäbe. Schon in der Vorbereitung.

(keine weiteren Kosten wie eigener Firmenwagen, 13. Monatsgehalt usw.),

Wie sieht es mit sonstigen Leistungen aus? Hast Du einen eigenen Arbeitsplatz, wer bezahlt die Fahrtkosten… ?

die Firma durch persönlichen Einsatz weiter bringe

Argument. Kannst Du sowas auch konkret fassen? (hast Du teilweise getan - will nur untermauern, wie wichtig das ist!)

und die Auftragsbücher und Prognosen gut aussehen, hielt ich das als Verhandlungsbasis für angemessen.

Nächster Fauxpas. Weder die gegenwärtige noch die zukünftige Unternehmenssituation sind eine Basis für eine Gehaltsverhandlung.
Es geht nur um Dich und Deine Leistung.

Ich sehe das schon in Relation. Jeder von uns hat ein straffes „Soll“, das ich zu 20% überschritten habe.

Argument. Allerdings sind 20% nicht sonderlich viel, falls „Soll Nichterfüllung“ gleich „Kündigung“ heißen kann. Das kann ich von hier aus nicht beurteilen, aber daran muss man auch denken.

In Kurzform wälzen die Kollegen aber Dinge, die der Markt inzwischen fordert, aber auf mich ab, da sie keine Ambitionen haben, das mal selber zu lernen.

Zu deutsch: Du kannst schon Deinen Kollegen gegenüber nicht mit dem nötigen Selbstbewußtsein auftreten. Dann ist klar, dass sich Deine Chefs erst gar nicht auf eine Diskussion mit Dir einlassen. Allein eine positive Reaktion auf Dein Anliegen könnte für sie einen Imageverlust bedeuten! (gibt so verquerte Hierarchien)

Aber das ist etwas, was ich mit den Kollegen klären muss und jetzt erst mal nicht so wichtig.

Vertu’ Dich da mal nicht. So, wie Du die Gesamtsituation beschreibst, kann es durchaus sein, dass Du erstmal Deine Kollegen in den Griff bekommen musst, bevor Du Deinen Chefs gegenüber was zu sagen hast.
Möglicherweise kannst Du Dir sogar dadurch, dass Du Dir von denen nichts mehr aufdrücken läßt, sogar noch Lorbeeren ernten. Ich kenne Deine Unternehmenskultur nicht. Aber gibt so Läden.

Ich bin der Meinung, dass meine Arbeit auf jeden Fall über das hinaus geht, was vereinbart wurde.

Das sollte man mit Fakten untermauern. Als nächstes wäre die Frage, ob es in der Hinsicht eine Anforderung von höherer Stelle gab - wenn ja, ob schriftlicher Natur. Oder anders: ob die Vorgesetzten überhaupt rallen, was Du da machst.

Das meine ich auch nicht. Ich rede von unbezahlter Abend/Wochenend/Nachtarbeit usw. Des Chef’s offizielle Ansage ist wortwörtlich: „Überstunden werden nicht gemacht“.

Dann bitte positiv darum, dass Du nach einem durchgemachten Wochenende jetzt am Dienstag frei nehmen möchtest, um Deine Überstunden auszugleichen.
Sie in irgendeiner Form finanziell angerechnet zu bekommen, kannst Du bei den meisten Unternehmen eh knicken.

Die Kollegen halten sich auch dran. Dass man mal ne halbe Stunde/Stunde länger bleibt, weil man nicht fertig geworden ist, sehe ich als selbstverständlich.

Wie denn- Du arbeitest zu langsam? O.o
Sorry, böse Frage. Aber es gibt echt Vorgesetzte, die geben einem von heut auf Morgen die Arbeit, die man in nem Monat nicht schafft und fragen dann morgen früh, warum man es vertrödelt hat und immer noch nicht fertig ist.
Eventuell solltest Du bevor Du länger bleibst, mal mit Deinem Chef Dein Arbeitspensum besprechen.

Dass ich 2 Nächte hintereinander bis 5 morgens beim Kunden im Serverraum hocke, weil der externe Dienstleister Mist gebaut hat und ich das aus Verantwortung dem Kunden gegenüber flicke…

War’s denn abgesprochen mit dem Chef?

Da das unter meiner Untergrenze lag, dachte ich, dass es nun offensichtlich an der Zeit war, zu verhandeln,

Nein. War nicht die Zeit zu verhandeln.
Jetzt kommt erstmal der Teil, wo man ganz langatmig ausholt und das letzte halbe Jahr revue passieren läßt.
So nach dem Prinzip (siehe oben) — schnelle Einarbeitung, hohe Leistung, eue Aufgabengebiete erobert, Kundenzufriedenheit sicherstellen… und sich dabei die ganze Zeit der wohlwollenden Blicke der Gegenüber versichern.
Erst danach holt man den Holzhammer raus, denn dann haben sie Deinen Argumenten bereits zugestimmt.

und sagte, dass ich mich über die Bereitschaft, mir eine Erhöhung zu geben sehr freue, und dass ich mir aber eher 2.100 EUR vorgestellt habe.

Also, was Diplomatie angeht, kannst Du sicher noch einiges lernen.
Hättest Du nichts gesagt, hättest Du es ja auch bekommen. Du hast für die Taube auf dem Dach den Spatz aus der Hand gelassen. Wichtig ist, dass Du es so formulierst, dass sie gar keine Wahl mehr haben, als Dir den Spatz zu lassen und dann versuchen, die Taube dazu zu bekommen. Also sprichwörtlich.

Wenn’s ums Geld geht, sind viele Vorgesetzte allergisch, man könnte meinen, sie kriegen nen Bonus, wenn sie Dich mehr ausbeiten (anderes Thema). Da muss man erst eine Win-Win Situation aufbauen, und diese dann unumgänglich mit der Gehaltsforderung verbinden.

Ich erwartete, dass nun Verhandlungen anfangen, wir uns in der Mitte treffen und ich mit 2.060 EUR nach Hause gehe. Das wären 40 EUR im Monat mehr als die mir geboten haben, 480 EUR mehr im Jahr.

So leid es mir tut, das so zu sagen: in Gehaltsverhandlungen das Geld im Blick zu haben ist der schnelle Weg zum bitteren Ende. Sicher sollte man sich klare Ziele gesteckt haben, aber da es beim Erreichen der Gehaltsstufe um das Ziel geht, sollte man auch mit dieser Perspektive kommen: wir machen jetzt 'nen 5-Minuten-Leistungsmarathon über mein letztes halbes Jahr, und an der Ziellinie steht „500 Euro mehr“.

Jetzt kommt’s: In die Gesichter aller Drei legte sich Entsetzen, Erstaunen und Nicht-Glauben-Wollen.

Ehrlich gesagt, wäre bei mir auch in der Situation. Wie gesagt, ich würde etwas mehr erwarten als „Danke für’s Angebot, aber ich will mehr“. Sowas zeugt von sehr mangelhafter Gesprächskompetenz, also auch davon, dass man Dir keine höheren Aufgaben anvertrauen kann: das ist fast noch schlimmer als die finanzielle Sache an sich.

„Sie sind doch schlau. Was meinen Sie, geht in mir jetzt vor, da wir Drei uns schon zusammengesetzt haben und besprochen haben, was wir Ihnen als Gehalt geben möchten, und dann kommen Sie und wollen verhandeln?!“

Recht hat er. Aus seiner Sicht… und Du hast ihm die Gelegenheit gegeben, Dich in die Ecke zu drängen, indem Du eine Forderung ohne Fundament präsentiert hast!

Es läuft immer auf das Selbe hinaus: eine Forderung ohne sich vorher ein Netz, doppelten Boden oder gar ein Fundament aufzubauen ist taktisch hochbrisant und äußerst draufgängerisch!

Bei meinem letzten MA-Gespräch hatte ich einen Tag vorher meinem Vorgesetzten eine 4-seitige Beschreibung meiner Leistungen (nur die wichtigsten Stichpunkte) vorgelegt, dazu klar meine Wünsche und Perspektiven für’s nächste Jahr und auch für die nächsten 3 Jahre vorgelegt, und das Thema „Gehalt“ offengelassen für das Gespräch.
So wusste Chef gleich, dass ich nichtmonetäre Forderungen habe, die er mir gerne erfüllen kann, aber wenn ich die nicht kriege, haue ich beim Gehalt richtig rein. Das hat aus meiner Sicht gut geklappt, und der Chef war auch zufrieden.

Gruss,
Michael

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