Hallo MecFleih,
danke für deine sehr ausführliche, sehr ehrliche Antwort.
Hallo,
In Anbetracht meiner Leistungen hielt ich, von meinem
Nettogehalt von ca. 1.250 EUR ausgehend,
Von Nettobeträgen kannst du nicht ausgehen, es geht immer um
das Bruttojahresgehalt.
Da ich
monatlich mindestens das vierfache davon reinbringe und damit
im Vergleich zu den anderen Kollegen weit vorne liege (keine
weiteren Kosten wie eigener Firmenwagen, 13. Monatsgehalt
usw.), die Firma durch persönlichen Einsatz weiter bringe und
die Auftragsbücher und Prognosen gut aussehen, hielt ich das
als Verhandlungsbasis für angemessen.
Das ist aber eine sehr egoistische Sichtweise. Zum einen sagt
es wenig wieviel Du reinbringst weil das keine Aussagekraft
hat. Das Unternehmen muß insgesamt funktionieren und die
Verkäufer müssen die Gehälter der administrativen Mitarbeiter
ebenfalls bei den Kunden verdienen. Nach deiner Argumentation
wäre die Produktivität einer Vorstandssekretärin 0 oder
irgendwo im Minusbereich weil sie kostet, aber nichts
einbringt? So kann man das nicht sehen…
Ich sehe das schon in Relation. Jeder von uns hat ein straffes „Soll“, das ich zu 20% überschritten habe. Dass der reine Gewinn natürlich nicht alles ist, weiss ich auch, habe dazu in anderen Antworten schon geschrieben, das das nicht alles ist, was ich dort tue.
Im übrigen kommt es nicht so gut an wenn man sich als besserer
Mitarbeiter sieht und denkt dass die anderen weniger effektiv
sind. Es mag anhand der Zahlen zwar so sein dass der eine
etwas mehr und der andere etwas weniger Umsatz bringt, aber
dennoch haben auch andere Mitarbeiter ihre Daseinsberechtigung
und ihre Kompetenzen.
Wenn Du als relativer Neuling im Unternehmen so
redest/schreibst ist das menschlich nicht gerade angenehm.
Hier geht es weniger um Fakten (die so sein mögen wie von dir
beschrieben), sondern die Wahrnehmung deines Auftretens oder
deiner Selbsteinschätzung.
Ich spreche ihnen ihre Daseinsberechtigung und ihre Kompetenzen auf einen Fall ab. In Kurzform wälzen die Kollegen aber Dinge, die der Markt inzwischen fordert, aber auf mich ab, da sie keine Ambitionen haben, das mal selber zu lernen.
Das hat nichts mit „meiner Überqualifikation“ zu tun (hier geht’s um Computerdienstleistung, nicht um Quantenphysik) sondern meiner Ansicht nach mit deren Bequemlichkeit. Aber das ist etwas, was ich mit den Kollegen klären muss und jetzt erst mal nicht so wichtig.
Ich bin der Meinung, dass meine Arbeit auf jeden Fall über das
hinaus geht, was vereinbart wurde.
Kaum jemand macht „Dienst nach Vorschrift“, sondern es ist der
Normalfall dass man leistet, was man leisten kann - und nicht
nur 70% gibt weil man ja laut Vertrag nicht zu mehr
verpflichtet ist.
Das meine ich auch nicht. Ich rede von unbezahlter Abend/Wochenend/Nachtarbeit usw. Des Chef’s offizielle Ansage ist wortwörtlich: „Überstunden werden nicht gemacht“. Die Kollegen halten sich auch dran. Dass man mal ne halbe Stunde/Stunde länger bleibt, weil man nicht fertig geworden ist, sehe ich als selbstverständlich. Dass ich 2 Nächte hintereinander bis 5 morgens beim Kunden im Serverraum hocke, weil der externe Dienstleister Mist gebaut hat und ich das aus Verantwortung dem Kunden gegenüber flicke…
Da das unter meiner Untergrenze lag, dachte ich, dass es nun
offensichtlich an der Zeit war, zu verhandeln, und sagte, dass
ich mich über die Bereitschaft, mir eine Erhöhung zu geben
sehr freue, und dass ich mir aber eher 2.100 EUR vorgestellt
habe.
Ich erwartete, dass nun Verhandlungen anfangen, wir uns in der
Mitte treffen und ich mit 2.060 EUR nach Hause gehe. Das wären
40 EUR im Monat mehr als die mir geboten haben, 480 EUR mehr
im Jahr.
Jetzt kommt’s: In die Gesichter aller Drei legte sich
Entsetzen, Erstaunen und Nicht-Glauben-Wollen. Der Chef machte
klar, dass er sich jetzt persönlich enttäuscht fühle. „Sie
sind doch schlau. Was meinen Sie, geht in mir jetzt vor, da
wir Drei uns schon zusammengesetzt haben und besprochen haben,
was wir Ihnen als Gehalt geben möchten, und dann kommen Sie
und wollen verhandeln?!“ Mir wurde vorgerechnet, dass 2.100
EUR eine Unverschämtheit seien. Ich argumentierte so: Zwischen
ihm als Arbeitgeber und mir als Arbeitnehmer besteht ja auch
ein Geschäftsverhältnis. Er stellte mich ein, weil er sich
ausgerechnet hat, dass das Geld, das ich bekomme sich dadurch
amortisiert, dass ich mehr Geld rein bringe.
Dass man nicht mit dir verhandelt hat sondern eher nur die
feststehende Gehaltssteigerung verkünden wollte ist natürlich
tatsächlich „kurios“. Damit hätte ich nun auch nicht unbedingt
gerechnet. Insofern kann ich deine Verblüffung verstehen.
DANKE! Das ist mir der zweitwertvollste Part an deiner Antwort, denn ich vermute mal stark, dass du aus Arbeitgebersicht schreibst, und wenn du das auch kurios findest, dann ist mir hier der totale Selbstzweifel genommen.
Andererseits: nicht du hast um eine Gehaltserhöhung gebeten -
dann hätte man darüber sprechen können was du dir vorgestellt
hast - sondern das Unternehmen hat sie dir angeboten. Und
nicht nur das - man hat sie dir auch sehr schnell und
frühzeitig angeboten. Angesichts deiner kurzen
Firmenzugehörigkeit ist diese proaktive Maßnahme seitens der
Geschäftsführung ein nicht zu verachtender Bonus und Ausdruck
von Wertschätzung. Es dürfte wenige Unternehmen geben, in
denen jemandem so schnell eine Gehaltserhöhung gewährt wird.
Diesem fairen Zug der Firmenleitung setzt du nun
Unzufriedenheit wegen der Höhe der Zuzahlung entgegen. Wäre
ich der GF würde mich das auch erstmal umhauen und ich würde
das als ziemliche Undankbarkeit empfinden.
Korrektur: Zu Einstellung wurde nach einem halben Jahr eine potentielle Erhöhung vereinbart (keiner kauft gerne die Katze im Sack, so fing ich klein an), und nach den Unstimmigkeiten (dazu kommen wir gleich) sind der GF und ich einvernehmlich so verblieben, dass wir das Gespräch aufschieben auf Anfang dieses Jahres. Mir war das sehr recht, weil ich zu dem Zeitpunkt unsicher war, ob diese Firma und ich zusammenpassen und mich nicht durch eine zu frühe Gehaltserhöhung moralisch verpflichten wollte.
Dass du euer Verhältnis als reine Geschäftsbeziehung siehst -
ähm… das ist so ziemlich das letzte, was man sagen sollte!
Natürlich geht jeder arbeiten weil er Geld verdienen möchte.
Aber so deutlich zu sagen dass einen die Firma wenig
interessiert und man sich nur für die Kohle interessiert - das
ist ein Hammer. Da verstehe ich sehr gut dass man als
Arbeitgeber sehr vor den Kopf gestossen ist.
Gerade auch angesichts einer Summe von brutto 40 EUR so einen
„Zirkus“ zu machen, Respekt, mein Lieber! Das ist schon
ziemlich abgefahren…
Ich sagte nicht, dass ich das als REINE Geschäftsbeziehung, sondern AUCH als Geschäftsbeziehung sehe. Ich hoffe, dass da nicht für mich ein Unterschied besteht. Und noch mal: 1. Ich kam gar nicht dazu, mich auf eine Differenz von 40 EUR runterhandeln zu lassen, und 2. hast du als leitender Angestellter mindestens 50.000 im Jahr und selbst 40 EUR im Monat haben für dich nicht den gleichen Stellenwert wie für mich. Ich habe 1250 im Monat netto (schon durch Wahl einer billigsten Krankenkasse) und die Armutsgrenze in Deutschland liegt bei knapp 900 EUR im Monat. Die Differenz zwischen dieser Armutsgrenze und meinem Gehalt sind wahrscheinlich drei deiner Tankfüllungen (Auto hab ich nicht, kann ich mir nicht leisten, Motorrad ist gottseidank im Unterhalt so günstig, dass ich mir das als Luxus gönne). Aber ich will nicht den jammernden Verlierer der Rezession raushängen lassen, die Gehaltsklasse ist für meine Leistung weitestgehend in Ordnung.
Da kam der nächste Sturm der Entrüstung, dass das ein viel zu
hartes Wort sei und wenn überhaupt das Wort Partnerschaft
besser passen würde. Ich erwiderte, dass in einer
Partnerschaft auch ein ausgeglichenes Verhältnis herrschen
sollte, und dass ich der Meinung bin, dass mein Marktwert
(versteckte Info an den Chef, dass ich mich bei anderen
Arbeitgebern vielleicht umgehört habe) eine Zahlung von mehr
als 2.020 EUR rechtfertige.
Hier hättest du bei mir einen nicht mehr gutzumachenden
Fauxpas gelandet. Wenn es noch eines weiteren Beweises bedurft
hätte dass du dich nicht mit dem Unternehmen identifizierst -
jetzt hättest du ihn endgültig erbracht.
Auch wenn die Wirtschaft boomt - niemand ist unersätzlich und
du wärst bei mir jetzt auf der Abschußliste. Was hindert dich
übrigens daran selber zu gehen? Eine Alternative scheinst du
ja zu haben, überhaupt scheinen alle auf den Messias namens
Saunauntensitzer zu warten…?
So sehe ich das sicher nicht. Ich will nicht gehen (und hier ist meine fehlende Identifizierung mit dem Unternehmen), weil ich an das glaube, was wir versuchen, zu schaffen - und weil ich gerne Mitglied (und natürlich auch wichtiges Zahnrad) eines erfolgreichen Teams bin.
Du unterstellst mit deinem Partnerschaftsvergleich dass du von
deinem Partner nicht fair behandelt wirst - das ist ganz
harter Tobak. Gerade für einen Neuling ohne „Seniority“ führst
du dich hier maximal schlecht ein. Das wiegt um so schwerer
als du an anderer Stelle deine Menschenkenntnis bzw. deine
entsprechenden Ausbildungen hervorhebst.
Ich sagte auch, dass der Chef
meiner Meinung nach natürlich das Mindestgebot genannt hat,
ich habe ein Wunschgehalt geäußert, und jetzt sollten wir kurz
verhandeln und treffen uns irgendwo in der Mitte.
Na wie gesagt - war das denn als Verhandlung gedacht oder hast
du es nur so verstanden, während es aus AG-Sicht auch nur als
Verkündung einer Gehaltsverbesserung gesehen wurde?
Was hieltest du als Arbeitgeber davon, wenn du einen Mitarbeiter wie mich hättest und ich auf dich zukommen würde: „Herr MecFleih, ich würde gerne noch mal ganz kurz über dieses Gespräch am Freitag sprechen. Ich glaube, dass ich da ein riesiges Mißverständnis hatte. Als wir uns zum Gehalts gespräch verabredeten, ging ich davon aus, dass es Raum für Verhandlungen gäbe. Darin habe ich mich offensichtlich vertan und hoffe, dass das Einiges erklärt“ - wie würdest du reagieren? Ich bin nicht polemisch, ich meine die Frage ernst.
Hier habe ich das Gespräch abgebrochen mit dem Hinweis, dass
wir das Gespräch auf in 2 Monaten (ein Jahr in der Firma)
verschieben sollten, um mit den neu gewonnenen Kenntnissen
übereinander noch mal zu verhandeln.
Die nächste Totsünde. Wenn DU die Verhandlungen abbrichst
würde mich als als Geschäftsleitung sehr angreifen - weil ICH
als Chef habe dich zum Termin eingeladen und nicht du mich,
und auch sonst paßt das nicht so recht ins Bild dass der AN
dem AG den Verlauf der Unterhaltung vorgibt.
Mein Gesprächsabbruch war eher einem Kapitulieren zuzuordnen, und genau so habe ich das formuliert. In etwa formulierte ich so: „Könnten wir so verbleiben, dass Sie mir soweit entgegenkommen, dieses Gespräch jetzt so zu belassen und in zwei Monaten noch mal das Thema aufzugreifen“. Ich glaube, dass das keinem zickigen Aus-der-Tür-Rennen gleichkam.
Saunauntensitzer, du bist ein ganz kleiner, popeliger, gerade
neu in der Firma befindlicher Hanswurst, und noch dazu nicht
der einzige, sondern da gibt es Kollegen mit genau dem
gleichen Job. Du redest aber als ob du der Star der Firma
seist, ohne den sie untergeht. Da solltest du, gute Zahlen hin
oder her, auf den Boden der Tatsachen zurückkommen.
Das ist - ohne Quatsch - die wichtigste Aussage für mich in deiner Antwort. Ich habe definitiv nicht den gleichen Job wie die anderen (und das ist nicht allein meine Beobachtung), aber dass ich „so viel“ zu tun habe, ist eher ein Zugeständnis, dass man mir das zutraut und Vertrauen in mich hat. Ob durch mein kurzfristiges Ausscheiden ne Menge Deals den Bach runtergehen würden habe ich gar nicht nachgedacht, weil das ja nicht zur Debatte steht. Trotzdem stimmt das natürlich: Keiner lässt sich vom Neuen auf der Nase rumtanzen.
Ich bin der Meinung, dass - so wie das gelaufen ist - dieses
vereinbarte Gehaltsgespräch eine Farce war. Wenn von
vornherein klar ist, was ich bekommen soll und das absolut
nicht verhandelbar ist, dann haben diese Leute meine Zeit
verschwendet (die sie ja sowieso bezahlen), denn dann hätte
auch eine Email a la „sie bekommen ab sofort eine Erhöhung auf
2.020 EUR“ gereicht.
Sie haben deine Zeit gestohlen??? Also der kleine Herr
Saunauntensitzer hat sich doch tatsächlich herabgelassen der
Geschäftsführung einen Termin zu gestatten - und dann
erdreisten die sich ohne gute Ergebnisse bei dir
vorzusprechen? Ja, das ist natürlich eine Sauerei!
Genaugenommen frage ich mich, wie solche Termine sonst laufen. Aus 3 Stockwerken kommen 4 Leute zusammen, setzen sich 2 Minuten hin, das neue Gehalt wird verkündet, es fallen noch ein paar Danksagungen, Glückwünsche und Floskeln, und dann gehen nach 3 Minuten wieder alle? Erweckt das nicht auch bei dir ein kleines bisschen den Anschein, als ob es tatsächlich etwas zu besprechen gäbe? Sorry, aber das ist zu viel des Guten. Da reicht ein kurzes „ach kommen sie doch mal her, wo sie gerade an meinem Büro vorbe gehen - wir haben beschlossen, Ihnen ab sofort Gehalt in Höhe von xyz zu zahlen, weil wir recht zufrieden sind. Ich muss weg“. Aber das ist eine Stilfrage, für’s nächste Mal weiß ich’s dann besser.
Warum hast du denen nicht gleich gesagt dass sie alles falsch
machen und dass du gerne der 2. Geschäftsführer sein möchtest,
dass du dann erstmal alle anderen Stümper, wie zum Beispiel
die Natter, auf die Straße setzt und allen zeigst wie so ein
Laden geführt gehört…
Weil ich dazu noch die Eigentümer gerne dabei hätte, um ihnen die Optionen unter Marktpreis abzuquatschen, doch einer war den ganzen Tag meine Hemden in die Reinigung bringen.
Mir wurde jetzt mehr oder weniger Unverfrorenheit und eine
Überschreitung dessen, was mir zusteht, vorgeworfen.
Zu Recht! Du bist ein Neuling, ein kleines Licht unter Vielen,
und solange du dir keine Seniority oder eine höhere Stelle in
der Hierarchie erarbeitet hast dist du nicht in der Position
so zu reden, wie du es tust. Es geht nicht allein um deine
Zahlen, es geht um deine Verhandlungsposition… und die ist
Lichtjahre kleiner, als du selber denkst.
Im Kontext zu deinen anderen Ausführungen klar - aber vor dem Hintergrund, dass ich sinngemäß gesagt habe „ach so, wir verhandeln jetzt gar nicht, sondern Sie sagen mir einfach nur, was ich ab jetzt kriege?“ so ein Theater aufzuziehen? Die Reise südwärts begann ja erst im Folgenden. Auf mein reines, höflich vorgetragenes Anliegen hin, Verhandlungen zu wünschen, flippten die ja aus. Zumindest da kann man freundlich lächelnd den Kopf schütteln und sagen, dass das nicht zur Debatte stünde. „Sorry, das ist absolut nicht verhandelbar, aber das konnten sie ja nicht wissen. Entweder unser Vorschlag oder ihr altes Gehalt!“ hätte voll ausgereicht.
In meiner
Personalakte steht nun sicher „wagt es, beim Gehaltsgespräch
verhandeln zu wollen“.
Nö, aber dass du ein sich mit dem Unternehmen nicht
identifizierneder Egoist bist, der seine Position völlig
fehleinschätzt.
Ich bin natürlich auf eine Arbeitsstelle angewiesen, habe aber
in der Tat ein Angebot eines ehemaligen Arbeitgebers, mit dem
ich mich nach wie vor privat gut verstehe und hin und wieder
haben wir geschäftlich zu tun. Dort würde ich nicht unbedingt
reicher, aber glücklicher arbeiten. Von daher hängt mir jetzt
nicht besonders viel an dieser Stelle, besonders nicht nach
heute.
Was hindert dich daran zu gehen? Wenn du meinst dass 40 EUR
brutto und 15 netto diesen Schritt wert sind - ja, dann wird
es aber schleunigst Zeit zu gehen! Nur blöd dass auch der
andere AG dein Supertalent nicht zu schätzen weiß und noch
weniger zahlt.
Selbst wenn ich für reinen Telefonvertrieb nur 1500 brutto bekäme, wäre das in diesem Fall in Ordnung, weil der Job in dem Moment aufhört, wo ich aus der Tür gehe und danach noch was anderes tun kann.
- Ist es in meiner Position unangebracht gewesen, nicht
einfach einen Gehaltsvorschlag zu fressen, sondern verhandeln
zu wollen?
Verhandelm ist generell OK, aber ich denke schon dass du deine
Position mächtigst überschätzt. Nicht nur weil die Realität es
zeigte, ich hätte auch sonst geraten wesentlich defensiver
aufzutreten.
Danke. Nichts weiter als höflich meinen Verhandlungswunsch vorgetragen habe ich.
- Was sind eure Erfahrungen in solchen Gehaltsgesprächen?
Konntet ihr verhandeln, war das gewünscht, oder wurdet ihr
ähnlich harsch abgewiesen? Ist vielleicht sogar ein User hier,
der solche Verhandlungen führt und kann sich dazu äußern?
Wenn der AG eine Gehaltserhöhung anbietet bringe ich meine
Freude zum Ausdruck und belasse es dabei. Sollte ich -
aufgrund guter Argumente - um eine Gehaltserhöhung gebeten
haben nenne ich meine Vorstellung, der AG seine und wir
handeln es aus.
Nichts weiter ist passiert. Ich habe um dieses Gespräch gebeten. Und bevor ich anfing zu verhandeln, habe ich auch artig gesagt, dass ich mich darüber sehr freue, dass mir eine Gehaltsverbessung angeboten wird.
- Was denkt ihr? Ich würde gerne mehrere neutrale und externe
Sichtweisen zu meiner Situation lesen können.
Ist aus meinem Posting insgesamt ersichtlich. Du bist nicht
gerade der Typ Arbeitnehmer, den sich ein AG wünscht weil es
ganz klar an menschlicher Kompetenz mangelt. Um so schlimmer
als gerade das eine deiner Stärken sein sollte, als jemand,
der gerade darin speziell geschult ist.
Ich würde das in diesem Fall weniger als menschliche Kompetenz verallgemeinern. Ich habe offensichtlich ein Insubordinationsproblem.
Du solltest immer die Interessen des Unternehmens und damit
zugleich deine eigenen als AN vertreten, nicht deine
persönlichen Vorteile - jedenfalls in solchen Gesprächen. Was
du im Hinterkopf denkst ist die eine Sache, aber was man
rüberbringt eine andere.
Ich bin ausgebildeter Heilpraktiker für Psychotherapie, habe
aber in der IT-Branche bei Dienstleistung und Vertrieb eine
über zehnjährige Erfahrung und war auch schon 5 Jahre
selbständig.
Schön und gut, du hälst dich deswegen für einen besonders toll
ausgebildeten und erfahrenen Menschen. Ich will nicht
bestreiten dass du das auch so sehen kannst, aber das gilt für
deinen AG nichts. Der sieht dich als einen von 50
Mitarbeitern, noch dazu eher auf der unteren Hierarchieebene,
Neuling, und man könnte sogar negativ fragen wie es kommt dass
du diesen Job machst wenn du doch so kompetent bist und auch
andere Jobs haben könntest. Im Lebenslauf wirkt das nicht
gerade wie ein nach oben zeigender Verlauf, sondern eher wirr
und auf einem absteigenden Ast.
Wobei dein AG das so nicht sehen wird, der freut sich schon
über deine Erfolge, die überdurchschnittlich sind. Aber
dennoch bist du nur einer unter Vielen, und noch dazu nicht
richtig teamfähig bzw. für das Unternehmen tätig, sondern mehr
egoistisch auf der Suche nach dem persönlichen Vorteil.
Ich habe die Ausbildung zum HP Psychotherapie nebenbei gemacht, war aber immer in der IT-Branche tätig. Meine CV sieht eigentlich ziemlich gut aus.
Ich machte mich gut in dem Job (habe mein Gewinnziel immer
übertroffen - auf ein Jahr gerechnet um durchschnittlich 20%),
trotzdem gab es in den ersten Monaten kleine Unstimmigkeiten,
die dazu führten, dass der Geschäftsführer (nicht Eigentümer
der Firma) und ich einvernehmlich ein Gehaltsgespräch auf
Anfang 2008 schoben.
Oha - dann gingen die Probleme also schön weit früher los -
und jetzt dieser Eklat. Innerhalb von 10 Monaten ganz schön
heftig. Auch wenn du deinen Job gut machst - einen Mitarbeiter
wie dich würde ich versuchen loszuwerden weil das
Vertrauensverhältnis gestört ist. Wenn es menschlich nicht
paßt - und das tut es bei dir nicht - nützen die besten Zahlen
nix.
Die Probleme gingen von mir aus, der Chef war höchst erstaunt, als ich ums erste Gespräch bat, weil er der Meinung war, dass ich mich gut mache und mich gut eingefunden habe. Ich wollte nichts in mich hineinfressen sondern a) eine Zwischeneinschätzung bekommen und b) Dinge kundtun, die zu Problemen führen könnten und super geklärt wurden.
Ich habe ein paar alte Kunden mitgebracht, Bestandskunden
übernommen (ich betreue den größten Kunden bei seinen momentan
größten Projekten), zeige Initiative, habe neue
Geschäftsfelder eröffnet und bin der einzige, der bestimmte
Dinge weiß und kann, die in der speziellen Branche schon
längst im Repertoire der anderen sein müssten, diese dafür
aber dann auf mich zurück kommen. Ich übernehme also „hinter
dem Vorhang“ viele Zuarbeiten für die Projekte anderer
Kollegen, und ich übernehme vermehrt Kunden, bei denen es
Ärger gab - weil ich das Problem auf fachlicher und (sicher
auch durch meine Ausbildung) menschlicher Ebene bisher immer
schlichten konnte.
Das zeigt aber auch dass dem Unternehmen reine Zahlen nicht
alles sind, sondern die Kollegen, auch wenn sie fachlich nicht
ganz dein Niveau halten, kommen unter dem Strich problemloser
klar. Und am Ende zählt das, in einem funktionierenden
Betrieb, mehr als ein Quertreiber, der zwar zahlenmäßig gute
Ergebnisse bringt, ansonsten aber nicht ins Unternehmen paßt.
Auf der anderen Seite bin ich natürlich kein Lemming, der
alles mit sich machen lässt und gehe meinem Chef regelmäßig
auf die Nerven,
Ja - das ist toll! Wenn du jetzt noch einen kleinen Ansatz
lieferst, aus dem man etwas drehen kann - sitzt du schneller
auf der Straße als du schauen kannst. Und ob du mit dem wilden
Lebenslauf und einem Zeugnis, das dir menschliche
Unzulänglichkeit attestiert, so schnell einen neuen AG
findest… ich glaube du täuschst dich sehr über deine
Qualitäten und Positionen.
Wie gesagt, wilder Lebenslauf ist nicht…
wenn es um die Frage geht, wie denn z.B.
geplante Wochenendarbeit vergütet würde usw. Ich bewege mich
aber meiner Meinung nach dabei nicht auf Pfaden, die einem
Arbeitnehmer nicht zustünden. Ich bin einfach meinem Chef
unbequem, denke ich.
Aber man muß nicht alles einfordern, was man theoretisch
einfordern kann. Es wird auch Eigeninitiative und mehr als
„Dienst nach Vorschrift“ erwartet… Du bist scheinbar doch
ein Querulant, so dürfte dein AG dich sehen.
Siehe weiter oben. Mehr als sturer Dienst nach Vorschrift ist völlig in Ordnung, wenn es sich in Maßen hält. Und Eigeninitiative… dazu äußerte ich mich vorhin schon.
Abgesehen davon sind manche Argumentationsweisen usw. von mir
nicht aus meiner „eigenen Genialität“ entstanden - ich habe
mich natürlich auf dieses Gespräch vorbereitet und u.a. ein
Buch „Geheime Tricks für mehr Gehalt“ von Martin Wehrle zu
Rate gezogen, das meiner Meinung nach ein guter Ratgeber ist.
(Wirkung sieht man ja…)
Aber du hast deine Verhandlungsposition völlig falsch
eingeschätzt.
ACK. Vor allem die Tatsache, dass ich GAR KEINE habe.
Ich erhebe keinen Anspruch darauf, dass ich meinen Text
neutral und objektiv geschrieben habe
Du bist eher einer dieser Leute, die einem auf den Keks gehen,
obwohl sie keine wirkliche Angriffsfläche bieten. Alles, was
du sagst und argumentierst, stimmt grundsätzlich. Aber
zwischen den Zeilen erkennt man doch dass du nur deine eigenen
Ziele im Sinn hast und dich für den Primus inter pares hälst.
Das mag an den nackten Zahlen gemessen so sein, aber
menschlich dürftest du eher das Schlußlicht der Belegschaft
sein. Und das erkennst du nicht…
Vielleicht ist das eine generelle Lebensphilosophiefrage, aber wenn man wo arbeiten geht, dann tut man das nicht nur, weil einem sonst langweilig wäre, sondern natürlich auch, um den Lebensunterhalt zu bestreiten. Und ich sehe Arbeit in einer Firma - und daran sehe ich wirklich nichts Schlimmes - zum großen Teil als etwas, das ich gut und verantwortungsbewusst und mit bestem Wissen und Gewissen mache, um meinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Jedenfalls ist so ein Job nichts, mit dem allein ich mich selbst verwirklichen oder meinen Lebensinhalt sehen könnte. Und ich hoffe, dass du mir das zugestehst. Leben und leben lassen…
Grüße
–
Saunauntensitzer