leider ist mir nichts intelligenteres als Titel eingefallen. Es erklärt aber leider nicht wirklich, was ich fragen will. Also:
ich habe diesen Monat einen Gebärdensprachkurs angefangen (ich selbst bin hörend). Der Gebärdensprachlehrer ist gehörlos und bis jetzt war noch ein Dolmetscher dabei, der die ganzen Stunden über mitgesprochen hat, was der Lehrer erklärt hat.
Ab nächste Woche soll der Unterricht ohne diesen Dolmetscher stattfinden. Jetzt frage ich mich, wie der Unterricht wohl ablaufen wird, da wir lernenden ja noch so gut wie gar nichts können.
Ich kann mir schon vorstellen, dass man von einem Gehörlosen die „Sprache“ am besten lernt, so wie man eine Fremdsprache ja auch am schnellsten lernt, wenn der Lehrer im Unterricht ausschließlich diese Fremdsprache benutzt. Ist am Anfang halt sehr anstrengend.
Hat jemand von Euch sowas eventuell auch schon mal miterlebt und kann mir von seinen Erfahrungen berichten?
ja, vor vielen Jahren, Mitte der 1970er, war es im Englisch- und Französischunterricht normal, dass zumindest zu Beginn konsequent keinerlei Deutsch gesprochen wurde. Später, wenns um irgendwelche Abstrakta ging, war das nicht mehr strikt durchzuhalten, aber doch weitgehend.
Ab nächste Woche soll der Unterricht ohne diesen Dolmetscher
stattfinden. Jetzt frage ich mich, wie der Unterricht wohl
ablaufen wird, da wir lernenden ja noch so gut wie gar nichts
können.
Nicht aufgepasst, oder was?
Hat jemand von Euch sowas eventuell auch schon mal miterlebt
und kann mir von seinen Erfahrungen berichten?
Aus dritter Hand: Meine Schwester war vor nicht allzulanger Zeit in genau derselben Situation. Wie Du war sie besorgt, ob und wie das funktionieren sollte - danach berichtete sie begeistert, wie erstaunlich viel sie verstanden hatte.
Mach Dir nicht allzuviele Sorgen. Ich vermute, es ist nicht der erste Kurs, den Dein Lehrer abhält. Wenn er mit der Methode keinen Erfolg hätte, wäre er vermutlich inzwischen anderweitig tätig.
Hat jemand von Euch sowas eventuell auch schon mal miterlebt
und kann mir von seinen Erfahrungen berichten?
vor vielen Jahren wurde ich von meiner Hochschule als Gehörlosentutor ausgebildet.
Dazu gehörten einige Wochenenden in Münster, wo wir u.a. auch Gebärde lernen sollten.
Ich stellte mir das als einen ‚ormalen‘ Sprachkurs vor, nur stellte sich schnell heraus, daß rund die Hälfte der Anwesenden Gehörlos waren.
Am ersten! Abend gingen wir dann in ein Restaurant und die Aufgabe war, daß auch die Hörenden kein Wort sagen durften, auch untereinander nicht, sondern daß alle sich mit Händen und Füßen zu verständigen hätten.
Boing!
Anfangs ging es recht verkrampft zu und die Gehörlosen hatten was zu lachen
Aber im Laufe des Abends wurde es immer lockerer und irgendwann machte es sogar Spaß.
Im Kurs gabs dann aber eine Mischung aus Sprechen und Gebärde, aber Gebärde wurde immer wichtiger.
Der Kurs dauerte allerdings nur vier Wochenenden.
Das ist jetzt rund 25 Jahre her, aber das Fingeralphabet kann ich immer noch!
Eine Freundin, Kommilitonin und Kollegin hat mir erst vorgestern davon erzählt (was für ein Zufall!). Sie hat hier in Leipzig so einen Kurs besucht, und am Anfang waren bei ihr auch erstmal noch Dolmetscher dabei, später dann nicht mehr.
Sie meinte, der Gebärdensprachenlehrer hat die Erklärungen dann teilweise pantomimisch dargestellt, oder die Wörter an die Tafel geschrieben, oder sie (später) auch mittels Gebärden erklärt. Er sei ein pantomimisches Talent gewesen.
Ich glaube, sie sagte auch, dass er auch manchmal ein bisschen geredet hat. Viele (die meisten?) können ja auch Lautsprache mehr oder weniger gut; man muss sich aber oft dran gewöhnen.
ich habe diesen Monat einen Gebärdensprachkurs angefangen (ich
selbst bin hörend). Der Gebärdensprachlehrer ist gehörlos und
bis jetzt war noch ein Dolmetscher dabei, der die ganzen
Stunden über mitgesprochen hat, was der Lehrer erklärt hat.
Wie langweilig! Ich habe in München auch mal zwei Jahre lang Gebärdensprache gelernt. Unsere Lehrerin - ebenfalls gehörlos - kam gleich von Anfang an ohne Dolmetscher.
Deshalb fand ich diesen Unterricht eine sehr interessante Erfahrung.
Es hat wunderbar funktioniert. Am Anfang hat sie noch relativ viel angeschrieben, und auch wir konnten ihr ja eine Frage an die Tafel schreiben. Oder eben buchstabieren. Ganz selten einmal hat unsere Lehrerin auch gesprochen, aber immer nur wenige Wörter, die uns eben gerade gefehlt haben.
Ich kann mich nicht erinnern, dass wir jemals Verständigungsprobleme gehabt hätten. Wir hatten ja auch ein Begleitbuch, in dem manches erklärt war, z.B. wie die Grammatik funktioniert. Wenn etwas in der Zukunft liegt, gebärdet man es nach vorne, vom Körper weg, wenn etwas in der Vergangenheit liegt, nach hinten, über die Schulter. (Die Erklärung klingt blöd, ich weiß. Wenn ihr das lernt, wirst du verstehen, was ich gemeint habe.)
Mit anderen Worten: Ich denke, es wird keine Probleme geben. Viel Spaß beim Lernen!
Hallo,
Ihr habt mir Mut gemacht mit Euren Erzählungen und ich freue mich schon auf die nächste Gebärden-Stunde. Wahrscheinlich hat der Lehrer (der übrigens komplett gehörlos ist, also auch kein Wort sprechen kann) selber ein bißchen Angst davor. Er ist noch sehr jung und ich weiß nicht, ob er schon sehr oft unterrichtet hat.
Ich fand ja vor allem die Geschichte mit dem Restaurantbesuch am ersten Abend total klasse! Und wie man sieht: es kann wider Erwarten doch ganz gut klappen!
Ganz herzlichen Dank, dass Ihr Euch Zeit genommen habt, um mir von Euren Erfahrungen zu berichten. Ich wünsche Euch ein schönes Wochenende!
P.S. Und falls noch jemand anderes was dazu schreiben möchte - sehr gerne! Und auch hierfür schon mal vielen Dank!
Wahrscheinlich hat
der Lehrer (der übrigens komplett gehörlos ist, also auch kein
Wort sprechen kann)
sehr wahrscheinlich kann er doch sprechen.
Viele, auch von Geburt an Gehörlose können das.
Eine für mich unglaubliche Leistung, aber es tuts.
Ich fand ja vor allem die Geschichte mit dem Restaurantbesuch
am ersten Abend total klasse!
Die Geschichte hat sogar noch eine Pointe.
Am Nachbartisch saß ein älteres Paar und die Dame sagte irgendwann laut und vernehmlich:
Guck mal Schatz, die armen Tauben (oder so was ähnliches).
Worauf sich einer der hörenden Lehrer umdrehte und genauso vernehmlich meinte:
‚Nicht alle‘
Anschließend herrschte am anderen Tisch Schweigen. Sie sind dann auch bald aufgebrochen