Private Sprachspiele
Nun, Aia,
FAZ-Standard. Sonst wär das hier nix für mich.
Dazu sag ich jetzt mal Schnee.
Die Sozien aber nicht. Hast Du dafür eine Erklärung?
Dein Vertrauen ehrt mich. Hoffentlich enttäuscht der Antwortversuch nicht.
So wie Myriam berichtete, sind private Sprachspiele (Sofen, Omen, Open) in einem enger vertrauten Kreis oder sonstwie definierten Gruppe durchaus möglich und - wenn diese nicht missbraucht werden, um andere bewusst und bösartig auszuschließen - sogar legitim und, wie sie erzählt, vielfältiger Anlass zur Heiterkeit.
So nennt man in meiner Familie diese typisch besserwisserischen Korrekturen, die anzubringen ich nicht unterlassen kann, in gelungener Porte-monteaux-Manier gebildet: „Fritzer“ (ein von Fri tz monierter Schni tzer ).
Oder „Golgafrincham“, der Name eines besonderen Planeten aus den Pentalogie „Per Anhalter durch die Galaxis“, die wir alle gelesen haben, ausgesprochen, steht bei uns für eine kurze, prägnate, klare ansonsten viel längere Charakterisierung von Personen oder Situationen.
In der Wohngemeinschaft, in der ich im letzten Jahrtausend als Student fast zehn Jahre lebte, hatten wir „silf“ als Parallel-Bezeichnung für „satt“. Man hat da vor einiger Zeit „sitt“ dazu vorgeschlagen. Wir waren da der Zeit weit voraus.
In einer Schule, wo ich früher tätig war, sprachen wir von „Leerptantaasche (phonetische Schreibung)“, wenn Lehrplan-Tage gemeint waren, von „Intimwork“, wenn „in Team-Work“ gemeint war.
Arno Schmidt ist voll von solchen Sprach- und Wortwitzen. „Cream-hilled“ z. B. für eine bekannte deutsche Sagenfigur weiblichen Geschlechts.
Nun halte ich es für denkbar, dass irgendwann in der Geschichte eurer Kanzlei - ich weiß ja nicht, wie alt, wie umfangreich etc. diese ist -, es zu einem stehenden Zuckerleswort oder Bon(bon)mot wurde, statt des korrekten Plurals „Sozii“ „Sozien“ zu gebrauchen, vielleicht parallal zu den „Sozietäten“.
Oder eine Jurastudentengruppe hat irgendwo damit angefangen und ein Sozius hat diesen Virus in eurer Kanzlei eingeschleppt. Man kann sich noch weitere „Assozien“ dazu assoziieren. Frag doch mal nach.
Ich geh nochmal ein bisschen schlafen.
Gruß Fritz