Geistiger Schutz eigener Ideen?

Hallo Gemeinde

Ich habe einige Ideen technischer Neuentwicklungen mit hohem Zukunftswert. Diese sind jedoch so umfangreich, daß ich sie niemals alleine stemmen könnte, weder finanziell noch zeitlich.
Auf der Suche nach Partnern stelle ich mir nun die Frage, wie es mit dem Schutz dieser Ideen ist, wenn ich mit anderen darüber plaudere.
Muß ich ein detailliertes Konzept erarbeiten und das patentieren lassen, oder gibt es andere Möglichkeiten, wie ich sichergehen kann, daß nicht eine große Firma, der ich das vorstelle, mir ablehnt und anschließend alles selber macht?

Danke schonmal für Euren Input
Alexander

Hi Alex,
am Besten wirst du wahrscheinlich durch Leute beraten, die mit diesem Problem beruflich zu tun haben. Patenanwälte, Patentamt etc…

Aber egal ob Gebrauchsmusterschutz, Patent für Deutschland,Europa,weltweit… es kostet immer Geld und gilt nicht für immer.

Wenn du für eine Partnerschaft Untzerlagen brauchst…
Gib nie zuviel an.

Wenn du mir z.B. erklären wolltest, du hättest eine neue Massagemaschine entwickelt… und du erzählst mir, auf welcher Basis sie beruht… hast du schon verloren. Ich nehme Kontakt mit einem Werk auf und lasse den Artikel produzieren.
Dazu brauche ich keine nächeren Erklärungen.
Manhcmal genügt es einfach, wenn man von dem neuen Prinzip hört. Man bekommt dann die „Erleuchtung“, stellt sie sich vor… die Verwirklichung ist dann nur noch Nebensache.

Die meisten Erfindungen sind vom Prinzip her einfach. Man muss aber erst mal darauf kommen.

Der Partner will aber natürlich wissen was er da „einkauft“.
Sag ihm einfach wofür das Produkt ist.
Gib ihm die Kosten für Material und Produktionszeiten an die Hand.

Beispiel:
Ich habe da einen automatischen Seitenumblätterer entwickelt.
Materialkosten ca. 1€
Produktionszeit ca. 12 Minuten
Zielkunden Behinderte,Bettlägerige und Luxuskunden
zu erzielender Produktpreis 90 € im Verkauf.
Da wird man hellhörig… und fragt weiter nach.

Doch dann geht es um Vertrauen. Du hast durch Bekanntgabe der ersten wesentlichen Faktoren einen Vertrauensvorschuss gegeben… nun ist dein zukünftiger Partner dran… und nicht schon wieder du.

Zu Patenten und anderen „Schutzmöglichkeiten“:
Alles lässt sich aushebeln. Je nachdem wie der „Schutz“ definiert wurde, kann ein anderer mit wenigen wesentlichen Änderungen deinen Schutz unterlaufen und auf seine Konstruktion einen eigenen Schutz erwirken.
Das läuft dann nur auf langwierige teure Prozesse hinaus.

Je spezieller deine Rechte definiert werden, desto einfacher ist er wohl zu unterlaufen.

Mein Seitenumblätterer ist fiktiv mit einer manuellen Bedienung vorgesehen. Nun baut ein anderer einen Motor ein. Schon ist das Prinzip zwar gleich, die Funktionsweise jedoch anders. Mein „Patent“ wäre wohl unterlaufen.
Nun kommt der Nächste, ersetzt den einfachen Motor durch eine ausgeklügelte Elektronik mit Fernbedienung, automatischer Umblätterung und Zuklappvorrichtung am Ende des Buches… und es ist schon wieder ein anderes Produkt… und Patent.

Du kannst dir einfach nicht sicher sein, dass dein Prinzip nicht durch andere anders gedacht werden kann und ein besthendes Patent dadurch nichts mehr wert ist.

Vielleicht macht man einen Vorvertrag indem man bestimmt, dass keine der erhaltenen Informationen und Daten über das Produkt verwendet werden dürfen, solange noch keine Partnerschaft vertraglich bestätigt wurde.
„Im Falle des Verstoßes gilt eine Schadenersatzzahlung in Höhe des Verkaufspreies einer kompletten Jahresproduktion oder mindestens jedoch 1 Mio € zzgl. USt. als vereinbart.
Sollte noch keine Produktion stattgefunden haben, so wird von den aktuellen berechneten Werten ausgegangen.
Durch Zahlung des Schadenersatzes wird kein Recht auf das Patent oder weitere Produktion erworben. Alle bisher produzierten Stücke und die dazu nötigen Werkzeuge gehen in das Eigentum von CyMind über.“

Diese Klausel würde natürlich abschrecken. Wer „behumpsen“ will, wird es sich überlegen. Wer ehrlich ist, den wird die Klausel nicht interessieren, weil sie ja nie zur Anwendung kommt.

Wenn wirklich „alles schief“ läuft, hast du hoffentlich alle Unterlagen im Original mit Datums und Zeitangabe zur Verfügung. Dann kommt es nämlich drauf an, wer die Idee zuerst aufs Papier/Datenträger gebracht hat.

Aber dann … wirst du zumindestens Millionär und kannst mit dem Geld und den überlassenen Werkzeugen eine eigene Produktion starten.

Gruß
BJ

Hallo Alexander,

da fällt einem spontan die Geschichte des William Goodyear ein, der seinerzeit die Vulkanisation erfunden hatte und beinahe daran zu Grunde gegangen wäre. Aber das ist Geschichte.

Gegen das von Dir geschilderte Problem wird man sich letztlich nie völlig absichern können. Es leider oftmals so, dass der Erfinder zwar reich an Ideen, dafür aber umso ärmer an finanziellen Mitteln ist. Hieraus entsteht dann zwangsläufig die Notwendigkeit Partnerschaften und damit auch Vertrauen einzugehen.
Daher solltest Du auch einmal folgendes überlegen:

Auf der Suche nach Partnern stelle ich mir nun die Frage, wie
es mit dem Schutz dieser Ideen ist, wenn ich mit anderen
darüber plaudere.

Ohne einen Partner wird es wohl nicht gehen. Ok. Jetzt muss aber die vielleicht wichtigste Frage geklärt werden: WEN spreche ich zuerst an. Gemeint ist folgendes:

Viele würden wohl zuerst einen Partner ansprechen, der auch gleich produzieren kann bzw. könnte. Z.B. ein etabliertes größeres Unternehmen.
Aber warum fragt man nicht nur „einfach“ das nach, was einem fehlt ? Nämlich Geld ! Ich meine damit sogenannte Venture Capital Gesellschaften. Hier liegen m.E. gleich mehrere Vorteile auf der Hand:

  1. Diese Gesellschaften gibt es bei weitem nicht nur für größere Vorhaben. In nahezu jeder größeren Stadt findet man mittlerweile Geber von privatem Risikokapital.

  2. Diese Leute sind in erster Linie an der Vermögensverwaltung bzw. an einem Beteiligungsmanagement interessiert und damit in erster Linie Kaufleute. Sie verfügen über Geld, nicht jedoch über technische Ausrüstung.
    Das bedeutet, dass man hier wenn man sich einigt, von einem gewissen Abhängigkeitsverhältnis auf Gegenseitigkeit sprechen kann.

  3. Gerade bei diesen Leuten ist es so, dass sie eine Vielzahl von „Idee“ tagtäglich präsentiert bekommen. Wird man abgelehnt dann deswegen, weil Sie nicht an den Erfolg glauben. Wirst Du genommen sind sie dabei und, Sie werden es mit Dir machen.
    Sie würden nicht auf die Idee kommen mit einem Größeren zusammenzugehen, da hier ihre eigene Renditeaussicht geschwächt wird. Bei diesen Venture Capital Gesellschaften ist das Funktionsprinzip gerade darauf ausgelegt, dass Leute wie Du als Partner gesucht werden.

Nun gibt es sicherlich auch „Nachteile“ bei dieser Variante. In erster Linie bist Du dann sicherlich nicht mehr Dein eigener Chef und es wird der Tag kommen, an dem Die VC-Geber Kasse machen möchten und wieder aussteigen. Allerdings ist dies der Preis der „Sicherheit“ bzw. der Preis dafür, dass man selber eben nicht ausreichend finanzielle Mittel besitzt.
Jedoch kann man hier schon zu Beginn bei der Bestimmung der Höhe der finanziellen Beteiligungsmittel, steuernd eingreifen.

Muß ich ein detailliertes Konzept erarbeiten und das
patentieren lassen, oder gibt es andere Möglichkeiten, wie ich
sichergehen kann, daß nicht eine große Firma, der ich das
vorstelle, mir ablehnt und anschließend alles selber macht?

Gerade wenn man bei Kapitalgebern die nicht Banken sind vorstellig wird, muss man denen schon recht genau erklären, worum es geht. Je nachdem an wen man sich wendet, werden dort auch Sachkundige, sprich Ingenieuere als „Manager“ verteten sein. Das muss aber nicht so sein.
Diese Leute machen ihr Geld jedoch mit VC und daher wirst Du nicht damit rechnen müssen, dass Du über den TIsch gezogen wirst. Man muss sehen, dass es ganz ohne Vertrauen sowieso nicht geht.

Patente wären natürlich immer eine Option. Allerdings ist das dann wiederum auch mit mitunter erheblichen zweitlichen Aufwendungen verbunden.
Und bei Verhandlungen, egal mit welchem Partner auch immer, sollte man sowieso stets darauf achten, erst einmal das Interesse zu wecken und nicht gleich mit der Tür ins Haus zu fallen.
Wenn man etwas erfunden hat, dann sollte man auch in der Lage sein, die Erfindung in verschiedenen Darstellungen zu präsentieren. Wenn jemand zu genau wissen will, wie es funktioniert, kann man immer noch vorsichtig(er) werden.

VG
TraderS

Hi TraderS,

guuute Information.
Dafür gibts gleich mal ein *.
Hatte nicht mehr daran gedacht, da meine Erfahrung mit diesem System zu lange her war.

Jetzt klingelts wieder.

Wenn man einen privaten Kapitalgeber gefunden hat, sollte man aber auch auf eine nötige Beteiligungsform achten.
Ein stiller Gesellschaften hat zwar Einsicht in alle „Bücher“, hat aber sonst nichtsd zu sagen.
Er gibt halt sein Geld und bekommt seine vereinbarte Beteiligung… sonst ist aber nix mit „Dreinreden“.

Wer keine kazufmännische Ausbildung hat, sollte sich aber ruhig von einem „kaufmännischen Gesellschafter“ helfen lassen. Der macht das schon lange und gut (sonst hätte er ja jetzt nicht das Kapital). Er kann also viele wertvolle Tipps geben.

Übrigens:
Was ich erlebt habe…
In den Prognosen rumpfuschen, damit Banken und Kapitalgeber ruhig sind und nochmal Geld „reinpumpen“ sollte man tunlichst unterlassen.
Prognosen sind ja keine offiziellen Bücher, sondern mehr interne Erwartungen. Es handelt sich bei einer „Anpassung“ deshalb nicht um Urkundenfälschung… aber korrekt ist es auch nicht, weil man da dann das Vertrauen missbraucht.

Ein Zusatz-Tipp für noch zu findende Kapitalgeber:
Wenn man einen professionellen Businessplan vorlegen kann, steigen die Erfolgschancen einen Geldgeber zu finden.
Professionell soll nicht heißen, dass ihn ein Fachmann gemacht hat. Man sollte nur einfach ein paar grundsätzlichen Regeln beachten und verständlich ausführen…
-Hintergrundinformationen
-Sinn und Zweck des Produktes
-Marktchancen/Bedarfsermittlung
-Mitbewerberstellung am Markt
-mögliche Teilelieferanten
-Investitionsfaktoren
-Umsatzerwartung
-Finanzplanung

Grafiken und Tabellen für Vergleichswerte machen die einzelnen Punkte dann dem Leser noch anschaulicher.

Egal wie deine Erwartungen sind und wie du die Lage einschätzt. Der Leser bekommt den (richtigen) Eindruck, dass du dich mit den Finanzen in allen Punkten auseinander gesetzt hast und nicht „einfach mal änfängst sein Geld zu verpulvern“.
Dabei kommt es nicht einmal darauf an, dass du alle Werte perfekt abgeschätzt hast - das kann sowieso keiner. Es muss nur realistisch sein.
Gruß
BJ

Hallo BigJohn,

guuute Information.
Dafür gibts gleich mal ein *.

Danke :wink: Werde mich bei Gelegenheit revangieren :smile:

Wenn man einen privaten Kapitalgeber gefunden hat, sollte man
aber auch auf eine nötige Beteiligungsform achten.
Ein stiller Gesellschaften hat zwar Einsicht in alle „Bücher“,
hat aber sonst nichtsd zu sagen.
Er gibt halt sein Geld und bekommt seine vereinbarte
Beteiligung… sonst ist aber nix mit „Dreinreden“.

Ja, das stimmt schon. Allerdings halte ich diese Form der Beteiligung im Zusammenhang mit Risikokapital und davon würde ich in diesem Fall mal sprechen, eher für „schwierig zu realisieren“.
Stille Beteiligung … na ja, eher vielleicht so auf der Eben „bereits etabliertes kleines bis mittelständisches Unternehmen sucht frisches Kapital aber ohne Bank“. Gleichwohl kommt es natürlich auch immer auf den Investor an.

Wer keine kazufmännische Ausbildung hat, sollte sich aber
ruhig von einem „kaufmännischen Gesellschafter“ helfen lassen.
Der macht das schon lange und gut (sonst hätte er ja jetzt
nicht das Kapital). Er kann also viele wertvolle Tipps geben.

Absolut. Und ich denke genau das fehlt oftmals auch den innovativen Erfindern. Von daher wäre eine professionelle Beteiligungsgesellschaft sicherlich effektiver. Er hat gute Ideen und kann diese auch technisch umsetzen. Aber die beste Idee überlegt nunmal nicht lange, wenn nicht elementare ökonomische Regeln eingehalten werden.

Übrigens:
Was ich erlebt habe…
In den Prognosen rumpfuschen, damit Banken und Kapitalgeber
ruhig sind und nochmal Geld „reinpumpen“ sollte man tunlichst
unterlassen.

Ja ich denke, ein vernünftiger Businessplan (wie Du es ja schon gesagt hast) mit realistischen und nachprüfbaren Zahlen wird es auch tun. Er müsste halt den Leute die Sache erst „visionär“ schmackhaft machen und dann durch tatsächliche Zahlen untermauern.
Es heisst ja nicht umsonst auch „Risikokapital“ und von daher werden die Geldgeber dann auch abwägen und Risiko eingehen - wenn sie meinen dass es sich für sie lohnen wird. Das muss er eben kommunizieren.

VG
TraderS