Geistliche Schriften

ich würde gerne wissen, was die ältesten geistlichen schriften sind. also welche religionen sie betreffen (z.b. ob aus dem sanskirt,aus dem judentum ,der ur-bibel ,buddhismus, hinduismus, islam oder anderen ) auch die ungefähre chronologische reihung der diversen religionen wäre für mich von interesse. wäre nett, wenn mir da jemand auskunft geben könnte. besten dank im voraus
doris

Islam und Buddhismus sind relativ jung. Als Älteste Schriften gelten die indischen Veden. Man sagt etwa 5000 Jahre alt, aber wahrscheinlicher sind sie noch älter. Auch das Judentum hat sehr alte Überlieferungen, die sich zum Teil auf Chaldäische Traditionen berufen.

mfg
rolf

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Der Vollständigkeit halber möchte ich noch unsere EDDA erwähnen. Sie ist im Charakter durchaus spirituell, wenn auch schwer zu deuten, ähnlich Veda und Upanischaden. Man findet jedoch Verse die im Klang und Rhythmus den Upanischaden ähneln. Das könnte auch auf ein sehr hohes Alter hinweisen. Sie besitzt außerdem eine tiefe Weisheit.

Es ist bekannt, daß die damalige Priesterschaft der Druiden ihr Wissen mündlich weitergaben, vielleicht in Versform. Daraus kann man schließen, daß ihrer schriftlichen Aufzeichnung von Snorri auf Island (etwa im 9. oder 10. Jahrhundert), eine lange, lange Tradition vorausgegangen sein muß; - vielleicht bei uns in Germanien.

rolf

Hallo Rolf!

Islam und Buddhismus sind relativ jung.

Aber immerhin durch mehr als ein Jahrtausend voneinander getrennt … Das Christentum liegt zeitlich etwa in der Mitte.

Als Älteste Schriften
gelten die indischen Veden.

Bei wem?

Man sagt etwa 5000 Jahre alt, aber
wahrscheinlicher sind sie noch älter.

Wer ist ‚man‘? Wo sagt er das und wie belegt er diese Behauptung?

Das Alter des Veda ist eine nach wie vor umstrittene und noch längst nicht entschiedene Frage. Zunächst ist zu unterscheiden zwischen einer absoluten und der relativen Datierung. Was die relative Datierung angeht, so kann man grob drei Schichten unterscheiden: die Samhitas, die Brahmanas und Upanischaden/Aranyakas. Wenn vom hohen Alter des Veda die Rede ist, so ist damit idR lediglich dessen älteste Schicht gemeint, nämlich die Samhitas, speziell der Samhita des Rg-veda.

Versucht man nun, diesen Samhita (im Folgenden kurz Rg-veda genannt) absolut zu datieren, so stößt man natürlich auf die Schwierigkeit, dass eindeutig datierbare Schriftdenkmäler (Artefakte) fehlen. Unbestreitbar ging der schriftlichen Fixierung überdies eine in ihrer Dauer nur schwer bestimmbare Periode mündlicher Überlieferung voraus.

Da sich im Rg-veda verschiedene Hinweise geografischer Art finden, lässt sich als Ort der Entstehung jedenfalls das Stromsystem des Indus identifizieren. Damit kann man einen Zusammenhang zwischen dem Alter des Rg-veda und der Ausbreitung der arischen Stämme in Nordindien herstellen. Als zeitliche Untergrenze der Entstehung kann man etwa das Jahr 1300 v.u.Z. annehmen, da der Ganges lediglich einmal erwähnt wird (in Mandala X); dieser Fluß also zur Entstehungszeit des Rg-veda offensichtlich noch nicht zum (Kern-)Siedlungsgebiet der arischen Einwanderer gehörte.

Zeitliche Obergrenze ist somit die Einwanderung der Arier über die Pässe des Hindukusch, die selbst wohl einen Zeitraum von etlichen Jahrzehnten, wenn nicht Jahrhunderten umfasste. Der Beginn der Einwanderung ist nach wie vor umstritten und noch nicht ausreichend durch archäologische Funde belegt, er durfte jedoch kaum vor 1800 v.u.Z. gelegen haben. Im allgemeinen wird ihr Beginn auf ca. 1500 v.u.Z. geschätzt, so dass das Alter des Rg-veda mit einiger Wahrscheinlichkeit auf maximal 3300 - 3500 Jahre geschätzt werden kann - was ja eigentlich auch schon ehrwürdig genug ist.

Natürlich schließt dies nicht aus, dass vereinzelte Teile des Rg-veda noch aus der Zeit vor der Einwanderung nach Nordwestindien stammen könnten. Welche Teile dies möglicherweise sein könnten, ist rein spekulativ. Aussagen über ihr Alter erst recht. Auf jeden Fall aber können solche Bruchstücke älterer Überlieferung nicht als „indische Veden“ (die haben nämlich eine festgelegte, kodifizierte Gestalt) und schon gar nicht als „älteste Schriften“ (da allenfalls mündlich überliefert) angesprochen werden. Wenn wir mündliche Überlieferung gelten lassen, müssten wir z.B. auch die Überlieferungen der australischen Aborigines in unsere Überlegungen mit einbeziehen. Wer würde da einigermaßen nachvollziehbar datieren wollen?

Vorsichtige Schätzungen datieren die vedische Epoche auf ca. 1200 - 500 v.u.Z. Zwar wurden auch nach 500 v.u.Z. bis in die Neuzeit hinein Upanischaden verfasst; diese gehören jedoch nicht zu den klassischen und werden daher auch nicht allgemein dem Veda zugerechnet.

Empfohlene Literatur:
Jan Gonda
Vedic Literature (Samhitas and Brahmanas)
Otto Harrassowitz, Wiesbaden 1975
ISBN 3-447-01603-5 Buch anschauen
(speziell Chapter I,3: Chronology; environment and culture)

Ähnlich unsicher ist die Datierung des iranischen Avesta bzw. der Lebenszeit Zoroasters. Soweit ich es überblicke, variieren die Schätzungen zwischen dem Zeitraum von 1700-1500 v.u.Z. (Mary Boyce, Zoroastrians, Routledge & Kegan, London 1979) und dem 6. Jahrhundert (Ernst Herzfeld, Zoroaster and his World, Princeton University Press, Princeton 1947).

Mit Sicherheit sind sowohl Rg-veda als auch Avesta deutlich jünger als die ägyptischen Totenbuch-Texte, die mit dem Beginn der XI. Dynastie (ab 2000 v.u.Z.) allgemeine Verbreitung fanden, jedoch schon in den Pyramidentexten der V. und VI. Dynastie (um 2500 v.u.Z.) ihre Vorläufer haben. Allerdings wurden diese Texte nie kodifiziert (vgl. Gregoire Kolpaktchys Einleitung zum Ägyptischen Totenbuch, deutsche Übersetzung Scherz Verlag, München 1970). Ziemlich genau datierbar und vom Alter her dem Rg-veda vergleichbar ist Echnatons Sonnengesang; er muss zwischen 1353 und 1324 v.u.Z. verfasst worden sein.

Auch das Judentum hat sehr alte Überlieferungen, die sich zum
Teil auf Chaldäische Traditionen berufen.

‚Alte Überlieferungen‘, die in neuere Texte eingeflossen sind (wie z.B. der Sintflut-Mythos), sind etwas anderes, als diese Texte selbst. Sie lassen sich in Bezug auf ihr Alter kaum sinnvoll bestimmen bzw. vergleichen. Altersvergleiche sind allenfalls möglich (mit den bereits angedeuteten Schwierigkeiten) bei kodifizierten (inhaltlich festgelegten) Texten.

Zum Alter des Tenach (‚Altes Testament‘) siehe den Thread „Was weiß man über die ‚Ur-Bibel‘“ weiter unten, insbesondere das Posting von Rudolf Schroth.

Freundliche Grüße,
Ralf Boeck

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Als Älteste Schriften
gelten die indischen Veden.

Bei wem?

Man sagt etwa 5000 Jahre alt, aber
wahrscheinlicher sind sie noch älter.

Wer ist ‚man‘? Wo sagt er das und wie belegt er diese
Behauptung?

Ich beziehe mich bei dieser Angabe auf indische spirituelle Traditionen. Ich weiß, daß diese nicht mit der wissenschaftlichen Forschung übereinstimmt, doch ist es letztlich eine Frage der Authorität - je nach Temperament wird man sich für die eine oder andere entscheiden.

Falls dich dieses Thema weiter interessiert, gebe ich Dir hier einen Link dazu.

http://www.rolf-helmecke.privat.t-online.de/literatu…

gruß
rolf

Falls dich dieses Thema weiter interessiert, gebe ich Dir hier
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http://www.rolf-helmecke.privat.t-online.de/literatu…

Danke, das schaut interessant aus. Von Sri Aurobindo weiss ich nur ein bißchen was vom Hörensagen. Werde mich die Tage mit Deinmen Seiten etwas beschäftigen.

Freundliche Grüße,
Ralf