'Geld drucken' - Wie geht das?

Liebe Experten,

Im Kontext des Dauerbrenners Finanzkrise lese ich immer wieder, dass Notenbanken „Geld gedruckt haben ohne Ende“ und Milliarden in das Finanzsystem „pumpen“. Dadurch bestehe die Gefahr einer hohen Inflation.

Ich verstehe allerdings einige Zusammenhaenge nicht. Vielleicht kann das ja jemand von euch etwas aufhellen.

  1. Wie kann eine Notenbank „Geld drucken“? Gemeint ist damit doch wohl nicht, dass mehr Geldscheine gedruckt werden, sondern dass die Geldmenge ansich (abstrakt) erhoeht wird. Wie funktioniert das?

  2. Wenn Geld in das Finanzsystem gepumpt wird, so sind das doch hauptsaechlich Garantien, oder nicht? Wenn sich die Wirtschaft erholt, so werden diese doch gar nicht in Anspruch genommen.

  3. Falls der Staat Schulden aufnimmt, um Konjunkturmassnahmen zu treffen, so muss doch das Geld irgendwoher kommen. Also wird doch in gleicher Hoehe Liquiditaet abgezogen (vom Glaeubiger). Inwiefern wird hier Liquiditaet „gepumpt“?

Beste Gruesse
Christoph

Hallo Christoph

  1. Wie kann eine Notenbank „Geld drucken“? Gemeint ist damit
    doch wohl nicht, dass mehr Geldscheine gedruckt werden,
    sondern dass die Geldmenge ansich (abstrakt) erhoeht wird. Wie
    funktioniert das?

Es ist schon ein bißchen wie Geld drucken. Nur dass die Notenbank einfach die Zahl auf „ihrem Konto“ erhöht und dieses Geld -das vorher nicht da war- verleiht. Die sagen halt einfach: „Heute haben wir 100 Mrd mehr als gestern.“

  1. Wenn Geld in das Finanzsystem gepumpt wird, so sind das
    doch hauptsaechlich Garantien, oder nicht? Wenn sich die
    Wirtschaft erholt, so werden diese doch gar nicht in Anspruch
    genommen.

In den genannten Summen sind meistens sowohl Bürgschaften als auch tatsächliche Subventionen enthalten. Man muss schon genau hinschauen, um was es geht. Wenn es um die Hilfen für die Finanzwirtschaft geht, sind es meistens Bürgschaften. Im Fall der HRE z.B., geht es aber auch um richtiges Geld.

  1. Falls der Staat Schulden aufnimmt, um Konjunkturmassnahmen
    zu treffen, so muss doch das Geld irgendwoher kommen. Also
    wird doch in gleicher Hoehe Liquiditaet abgezogen (vom
    Glaeubiger). Inwiefern wird hier Liquiditaet „gepumpt“?

Die Liquidität wird durch Staatsschulden nicht reduziert, denn der Staat hat dieses Geld ja schon ausgegeben oder gibt es gleich wieder aus. Hierdurch verändert sich die Liquiditätsmenge nicht.
Aus meinem Verständnis heraus, wird die Inflation nicht durch die Staatsverschuldung erzeugt, sondern durch das viele Geld, dass die Notenbanken in Form von (billigen) Krediten in den Markt geben. Was es viel gibt, verliert an Wert. Bei Geld heißt das dann Inflation.
Aber da mögen bitte die volkswirtschaftlich kompetenteren Experten Stellung beziehen… .

Viele Grüße vom Money-Schorsch

Hallo C35.

Wenn Du liest, dass Notenbanken Geld gedruckt haben ohne Ende, wird das immer stimmen.

DU kannst es dir wirklich bildlich vorstellen, dass die Notenpresse angeschmissen wird und echtes Geld gedruckt wird.

Die Länder der €-Währungsunion dürfen sich z.B. bei der EZB nicht verschulden (gesetzlcih geregelt).
Diese Länder dürfen sich nur bei anderen Ländern und Privatpersonen verschulden. Dies passiert meistens durch Emission von Staatsanleihen.
Bei Emission von Staatsanleiehen wird die Geldmenge nicht erhöht.
z.B verleihst Du dein Geld dem Staat, bei dir wird der Betrag abgezogen, dem Staat gutgeschrieben, Summe = 0.

Aber im Gegensatz zu der EZB darf z.B. die FED (Federal Reserve Bank, Notenbank der USA) Geld drucken, für wen ? für den Staat selber.
Denn in den USA darf sich der Staat bei der Notenbank „verschulden“.

Verschulden desswegen in „“, denn es sind keine richtigen Schulden.
Der Statt ist die Notenbank.

In der Wirtschaft muss die Geldmenge und die Wirtschaftsleistung (BIP) im Einklang sein.
Das Geld hat eine gewisse Umlaufsgeschwindigkeit.
Wenn du z.B. am 01.01. (abgesehen von den Öffnungszeiten) ins Kino gehst und 10 € ausgibst, wird das Geld die restlcihen 364 Tage nicht in der Kasse des Kinos ruhen. Der Kinobetreiber wird z.B. genau mit den 10 € die Popcornfirma bezahlen und der wiederum den Bauern und der was weiss ich schlag mich tot.

Auf jeden Fall werden diese 10 € mehr als 10 € des BIP „kaufen“.

Statistisch gesehen beträgt die Umlaufgeschwindigleit 4,1, sprich die 10 € kaufen 41 € des BIP (im ganzen Jahr).

Aufgabe der Notenbank ist es, genügend Geld zur Verfügung zu stellen, damit dieses BIP im ganzen Jahr gekauft werden kann.

Angenommen beträgt das BIP 4.100 GE (GE = Geldeinheiten).

Die Notenbank muss 1.000 GE zur Verfügung stellen, damit es zu keiner Inflation kommt.

Dies sagt die Quantitätstheorie von Fisher, Friedmann.

Sie lautet: M*v = P*Y

Dabei ist
M die Geldmenge
v die Umlaufsgeschwindigkeit
T das reale Transaktionsvolumen (sprich BIP)
und P das Preisniveau

Die Umlaufsgeschwindigkeit ist seit Jahren konstant, wir nehmen das so hin. Zusätzlich soll auch die Wirtschaft nicht nennenswert wachsen, sprich auch Y konstant.

Bleiben nur M und P.

Damit die gleichung erfüllt ist, bewegen sich M und P in die gleiche Richtung.

–> Wenn die Geldmenge M seitens der Notenpresse ausgeweitet wird, wird auch im Gleichen relativen Umfang ansteigen.

Noch etwas.

Ein leichtes Fieber ( Inflation ) ist für die WIrtschaft gesund, denn es gibt 4 Gründe dafür.

Qualitity bias
Product Substitution bias
Factory Outlet bias
New Good bias

kannst selber nachlesen, google geht

Ist auch logisch, wenn wir z.B. dauerhaft eine Deflation hätten, sprcih dass alles im Schnitt billiger wird, würde niemand heute eine grössere ANschaffung tätigen, wieso denn, morgen ist es billiger.

GIFT
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hoffe konnte dir helfen alles klarer zu sehen

Hallo C35.

Wenn Du liest, dass Notenbanken Geld gedruckt haben ohne Ende,
wird das immer stimmen.

DU kannst es dir wirklich bildlich vorstellen, dass die
Notenpresse angeschmissen wird und echtes Geld gedruckt wird.

Ist halt nur nicht so, und danach hat er doch genau gefragt - wie es wirklich ist.

Wirklich ist es grob so, wie der andere Poster beschrieben hat. Oder genauer (soweit ich als Nicht-BWLer/VWLer das weiss):

Die Notenbank hat eine Bilanz, auf der Aktivseite stehen z.B. Forderungen aus Krediten, die sie vergeben haben. Auf der Passivseite stehen u.a. die Einlagen der Banken, die bei der Zentralbank Konten führen. Wenn die Zentralbank Liquidität erzeugt, gewährt sie dazu Banken Kredite. Dabei bucht sie auf das Konto einer Bank B einen bestimmten Betrag auf. Dieser neue Passivposten wird durch einen Aktivposten „Forderung an B“ ausgeglichen. Fertig :smile:. B kann ihr neues „Bargeld“ an andere Banken überweisen oder sich als Banknoten liefern lassen. Die Zentralbank hat eine Forderung an B. Sobald diese Forderung fällig wird, wird die Liquidität wieder entzogen. Aber die Zentralbank gibt üblicherweise laufend Kredite aus, so dass B sich flugs neu versorgt. Die Menge der laufend ausgegebenen Kredite und der verlangte Zins steuern in gewissem Umfang die Geldmenge.

Viele Grüße,
Sebastian

Geld drucken, versuch 3
Hallo Christoph,

ein dritter versuch zur „Geldvermehrung“:

http://de.wikipedia.org/wiki/Geldsch%C3%B6pfung liefert einen möglichen Einstieg. Wichtig (und unverständlich:smile: scheinen mir 3 Punkte

  • Jede Bank kann gegen Sicherheiten beliebige Mengen neuen (Zentralbank-)Geldes leihen
  • Alles Geld muss gegen Zins zurückgezahlt werden (Es gibt keine „Grundmenge“)
  • Unterscheidung Buchgeld und Zentralbankgeld

Gruß
achim