Beratung - online
Hallo nochmal,
Das ist übrigens die Definition der Ratingagenturen, u.a. auch
von Standar d & Poors. Die komplette Liste mit
Ausfallwahrscheinlichkeiten und korrespondierenden
Ratingstufen kann ich Dir gerne zukommen lassen bzw. ich werde
sie am Mittwoch verlinken. Was die bei Phoenix geratet haben,
entzieht sich nach Deinem Beitrag meiner Kenntnis. Ich werde
allerdings - auch am Mittwoch - mal nachschauen.
Ja tu das. Du mußt nur tief genug graben, da findest Du genz
sicher den Punkt, wo Du Dich einhaken und hochziehen kannst.
Aber was hat das alles noch mit der Frage von Carsten zu tun?
ein Thema ist also erledigt, wenn Boris seine - ganz unverbindliche - Antwort gegeben hat und die Hintergründe dürfen nicht weiter erörtert werden?
Ich sehe das ein bißchen anders. Die Angabe der Fondsgesellschaft bzgl. des Anlagerisikos liegt bei 3%, das erlaubte ich mir zu kommentieren, weil ich das Anlagerisiko - nebenbei bemerkt - bei einer Anfrage nach einer risikolosen Anlage für nicht so nebensächlich halte.
Christian, Du siehst Dich hier im Brett als der Wächter über
die Ordnung, über die Gesetzlichkeit, über die Einhaltung der
Definitionen. Du bist unbestritten schlau, hast für Dich alles
definiert, und suchst, wenn ein Punkt noch offen ist. So
kannst Du alles eindeutig einordnen. Richtig oder falsch,
sicher oder riskant, gut oder schlecht, … . Wie es auch in
Deinem Job von Deinem Dienstherrn erwartet wird. Das kenne ich
auch von einer großen deutschen Privatbank. Und dort ist das
ja auch notwendig. Es ist genau festgelegt, mit welchem
Risikoprofil darf ich als Berater welches Produkt wem
anbieten.
Begeben wir uns also auf die persönliche Ebene. Vor einigen Jahern hatte ich die Möglichkeit im Privatkundenbereich zu arbeiten. Hätte ich das Angebot angenommen, säße ich heute als Berater in einem Familiy Office auf zentimeterdicken Teppichen, zwischen Originalgemälden alter Meister und würde Vermögen im dreistelligen Millionenbereich betreuen. Aus Gründen, die nichts zur Sache tun, habe ich das Angebot nícht angenommen und habe heute weniger mit Anlageberatung zu tun als Du, weil ich mich nämlich um die Aktiv- und nicht um die Passivseite der Bank kümmere. Soviel zu mir und meiner Tätigkeit.
Die Reaktion, die Du zeigst, ist mir nicht neu. Freiberufliche Berater sind oft zu ihrem Beruf gekommen wie die Jungfrau zum Kinde. Oftmals (ich sage nicht, daß das bei Dir so ist, denn dafür gibt Deine Visitenkarte nicht genug her) beruht die Fachkunde auf learning by doing, dem Studium von Broschüren und dem Gespräch mit diversen Anbietern. Theoretisches Rüstzeug fehlt dann schon mal völlig und jede Diskussion auf abstrakter Ebene ist unerwünscht bzw. unmöglich, weil eben das Rüstzeug fehlt. Das ändert aber nichts daran, daß einige theoretische Grundlagen immer gelten. Einer davon: Der Rendite folgt das Risiko.
Die empfohlenen Produkte waren gut, sind gut und werden es vor allem auch gefälligst zukünftig sein. Derartige Aussagen würde ein Anbieter natürlich nie treffen, weil er dafür u.U. sogar in den Bau wandern würde.
Wie auch immer: Berufskrankheit des Beraters ist Überzeugung. Er muß von seinen Produkten überzeugt sein, denn sonst könnte er sie nicht verkaufen, d.h. den Kunden überzeugen. Der Berater ist nicht zwangsläufig ein schlechter Mensch. Er will im Zweifel seinen Kunden tatsächlich was gutes, weil sie schließlich bei einer falschen Beratung auch nicht wiederkommen.
Vorgenanntes gilt für Freuberufler (natürlich nicht für alle), zu den Bankangestellten ließe sich noch so einiges sagen, was mit Sicherheit auch nicht netter ausfiele. Ich war neulich so frei, ein paar unserer Berater zu fragen, wie eigentlich Aktienanliehen intern abgebildet bzw. die sich daraus ergebenden offenen Positionen geschlossen werden. Schweigen im Walde und schließlich habe ich die Produktfritzen in der Zentrale anrufen müssen. Aber das Produkt Aktienanleihe ist gut, ehrlich. Meinten jedenfalls die Berater. Hätte man sich auch mal angeschaut, wie die Dinger auf der Gegenseite aussehen, hätte das gewisse Erkenntnisse für die Beratungsseite aufwerfen können. Aber Hauptsache, man „kennt“ das Produkt.
Soviel zum allgemeinen Teil, wobei ich bewußt pauschaliert habe. Ob Du Dich angesprochen fühlst, kann ich nicht beurteilen.
Nun etwas konkreter zum Thema Internetforum. Bitte vergiß mal eben den Ärger, den Du anscheinend gegenüber mir empfindest und lies einfach mal entspannt die nächsten Zeilen.
Wenn Dir ein Kunde gegenüber sitzt, hast Du die Lage unter Kontrolle. Du siehst seine Reaktionen, kannst auch winzigste Zwischenfragen sofort beantworten und spürst, ob der Kunde sich bei der ganzen Sache wohlfühlt, unsicher ist oder die Anlagestrategie voll versteht und von ihr überzeugt ist.
Hier jedoch steht an jeder Ecke Experten-Forum, Experten-Chat, Experten-Suche und Experten-FAQ. Es wimmelt geradezu von Experten. Auf den ersten Blick wirken die Antworten für ein Neumitglied immer sehr selbstbewußt und wer würde schon in einem Experten-Forum vermuten, daß sich hier zu 99% Laien tummeln, die zu einem bestimmten Thema gerade zufällig eine Meinung haben. Die Quote der falschen Antworten liegt aber dennoch über das ganze Forum hinweg bei 30-40%.
Du hast hier keine Chance, ein Beratungsumfeld wie in Deinem Büro oder in der Wohnung des Kunden herzustellen. Zwischenfragen werden aufgrund des Mediums praktisch nicht gestellt, nur bei größeren Problemen wird nachgefragt. Du kannst Unsicherheiten nicht erkennen und gezielt nachhelfen. Du kannst den tatsächlichen Bedarf des Kunden nicht ermitteln. Es liegt in der Natur der Sache, daß Du hier schlicht und ergreifend im Trüben fischst. Was in der Realität in zwei Minuten geklärt ist, dauert hier u.U. Tage und nicht zuletzt aus Zeitmangel werden viele Fragen nicht gestellt und viele Antworten nicht gegeben.
Es besteht das ganz erhebliche Risiko, daß hier jemand reinstolpert, eine Frage stellt, einen Experten vermutet und die Antwort umsetzt. Menschen sind so, man soll es kaum glauben. Menschen fahren für 2 Wochen all inclusive in die Türkei und wundern sich, daß sie für 199 Euro keinen Luxusaufenthalt bekommen, obwohl doch 4 Sterne angegeben wurden. Menschen kaufen auch bei Fernsehsendungen Kameras, bei denen eine USB-Schnittstelle als technische Höchstleistung verkauft werden.
Menschen machen unvernünftige Dinge. Du mußt damit rechnen, daß jemand Deine Anregung kritiklos übernimmt. Daß er losrennt und sich bei nächster Gelegeheit das Expertenportfolio ins Depot legt.
Ein Forum hat aber einen weiteren Aspekt: Die Möglichkeit des Eingreifens dritter. Diese korrigieren die Antworten, relativieren und ergänzen sie. Darin sehe ich bei diesem Thema meinen Part. Ich will ganz einfach nicht, daß bestimmte Antworten unkommentiert stehen bleiben und der „Kunde“ im Glauben, die ultimativ richtige Antwort erhalten zu haben, zum Hörer greift und Wertpapiere ordert.
Was glaubst Du, warum ich mir im Politikbereich die Diskussionsschlachten mit Fremdwort-Frank liefere? Weil ich Spaß daran habe, mir jeden zweiten Tag Links zu Marx & Co. um die Ohren hauen zu lassen? Weil ich Lust habe, mir ständig erzählen zu lassen, daß die Welt ohne Geld oder Zinsen aber dafür mit Planwirtschaft besser wäre?
Der Grund liegt schlicht und ergreifend darin, daß es Menschen gibt, die auf das Forum vertrauen. Menschen, die hier Fragen zum BWL-Studium, zur Geldanlage oder was auch immer stellen, und glauben, hier vernünftige und zweckdienliche Antworten zu erhalten. Die darauf vertrauen, daß hier Experten am laufenden Band korrekte und umsetzbare Ratschläge liefern. Sind diese Menschen naiv? Vielleicht. Aber dennoch habe ich keine Veranlassung, sie das selbst herausfinden zu lassen. Sei es durch eine schwachsinnige Antwort ink. schlechetr Note in einer Prüfung oder einem Totalverlust bei der Geldanlage.
Auch der explizite Hinweis darauf, daß es sich hier nicht um eine Beratung handelt, entbindet Dich nicht von der moralischen Pflicht, die Folgen Deiner Antwort zu bedenken. Wenn Du verantworten kannst, daß jemand Deinen Artikel ausdruckt und damit zur nächsten Bank rennt, ist das Deine Sache. Ich hingegen sehe es als vernünftig an, derartige Antworten zu kommentieren, zu relativieren bzw. zu ergänzen und damit stehe ich anscheinend nicht allein da.
Gruß,
Christian