Zusammenfassung!
Hallo nochmal,
Carsten fragte nach einer Anlage ohne Risiko. Risiko ist immer
relativ. Daher war meine erste Antwort (steht noch weiter
unten, schau also nach) ein Bundesschatzbrief. Als SICHERE
Anlage. Mit dem Hinweis, daß derzeit bei dieser Sicherheit
nichts zu verdienen ist. Alles weitere ein Anstoß, um
tatsächlich verdienen zu können, vielleicht die eigene
Risikodefinition zu vergegenwärtigen oder sogar zu überdenken.
das ändert nichts daran, daß sich die Angaben zum gewünschten Risiko nicht geändert haben und ein Hinweis auf erhöhtes Risiko (im Vergleich zu risikolos) bei Deinen letzten Empfehlungen fehlte.
Dein Postulat, daß hohes Ertragspotential IMMER hohes Risiko
beseutet, das kann doch so wohl nicht sein !
Allerdings ist das so. Du mußt Dich von subjektiven Risikogedanken verabschieden. M.E. wird die Telekom in absehbarer Zeit keine Pleite hinlegen, dennoch ist eine Anlage in Telekomtiteln deutlich risikoreicher als eine in Bundesanleihen. Mehr dazu weiter unten.
ZINS? Du verstehst die von mir aufgeführten Produkte wirklich
nicht. Das Ergebnis, was da so monatlich veröffentlicht wird
(und was der Anleger auch tatsächlich bekommt wenn er
gekündigt hat) ist wohl eher mit einem Betriebsergebnis zu
vergleichen. Also auch Eigenkapitalrendite. Und dazu zwei
Beispiele. Bilanz 2002. Hochtief hat eine Eigenkapitalrendite
von über 2%, Porsche von 33%. Da ist doch Hochtief eine solide
Anlage nach Deiner Definition. Und Hände weg von Porsche !!!
Da wirfst Du einiges durcheinander.
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Du mußt heute einen Euro Kapital von Porsche etwas mehr hinlegen als einen Euro, nämlich ungefähr 235 Euro. Bei Hochtief sind es jedoch nur ungefähr 12 Euro. Das dürfte bei der Kapitalverzinsung einiges verschieben. Ist aber sowieso hinfällig, denn:
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Die EK-Rendite ergibt sich aus Jahresüberschuß/Eigenkapital. Der Jahresüberschuß kommt aber dem Aktionär nicht zugute, er profitiert nur von Dividendenzahlungen und Kurssteigerungen, wobei sich letztere nur begrenzt aus den Jahresüberschüssen ableiten lassen.
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Die gehandelten Porsche-Aktien sind Vorzugsaktien - also ohne Stimmrecht - und insofern vom Renditeanspruch aus diversen Gründen (es fehlt die Übernahmephantasie, kein Einfluß auf die Unternehmenspolitik, um mal die wichtigsten zu nennen) völlig anders zu sehen, als Stammaktien.
Also ist der Vergleich mit Aktien Quatsch, jedenfalls, wenn er so undifferenziert erfolgt, d.h. indem man die EK-Rendite (von der kein Aktionär etwas hat, der nicht von Anbeginn der Zeit bei Porsche Aktionär ist und nicht mehr als einen Euro je Euro Kapital gezahlt hat) in Relation zum Eigenkapital setzt. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis ist da aussagekräftiger, wenn auch nicht erheblich. Eine Anleitung, wie man Aktien risikomäßig wirklich „richtig“ beurteilt, würde den Rahmen sprengen.
Jeder Vorschlag von mir stellt doch einzeln faktisch eine
Firma dar. Nur daß der Investor hier nicht mit dem Umweg über
die Börse mit dem aktuellen Bewertungsaufschlag eine Aktie
kaufen muß, sondern sich bei Zeichnung nahezu 1:1 im
Eigenkapital wiederfindet.
Auch das macht einen Unterschied (genauer: den Nachteil) aus, nur eben andersherum, siehe oben.
Ertragspotential und Risiko. Ja, Beides gibt es. Aber keinen
untrennbaren Zusammenhang.
Doch natürlich. Nehmen wir zwei Anlageformen A und B mit identischem Risiko. A ist billiger zu erhalten als B. Das Kapital reagiert und wandert in Anlage A ab. Durch die erhöhte Nachfrage steigt der Preis und zwar so lange, bis die Preise von A und B identisch sind.
Nehmen wir zwei Anlageformen C und D. Beide kosten das gleiche, aber C ist risikoreicher als D. Das Kapital reagiert und wandert in Anlage D ab. Durch die erhöhte Nachfrage steigt der Preis und zwar so lange, bis der Preisunterschied den Risikovorteil aufwiegt.
Nehmen wir zwei Fonds E und F. E ist aufgrund besonders geschickter Manager erfolgreicher als F. Das Kapital reagiert und wandert in Richtung E ab. Durch den Mittelzufluß ist das Managment von E gezwungen, neue Anlagemöglichkeiten zu finden. Das neue Portfolio ist naturgemäß unrentabler (denn man hatte ja vorher schon die Rosinen rausgepickt) und investiert in neue Anlageformen, wodurch sich die Rendite des Fonds verschlechtert. Dies geschieht solange, bis sich die Rendite von E und F angeglichen hat.
Die Kapitalbewegung findet natürlich nicht schlagartig statt, sondern allmählich (allein schon, weil Risiko nicht immer trivial zu messen ist), aber sie findet statt.
Der Fall E und F ist übrigens auch auf Kreditinstitute im Bereich Kreditportfolio anzuwenden. Bin ich als Bank der Ansicht, daß ich meine Kredite ausdehnen muß, um das Gesamtportfolio risikomäßig zu verbessern oder sollte ich lieber das Portfolio gezielt verringern, d.h. die schlechtesten 10 % der Kredite abbauen? Schwieriges Problem, denn ich kenne a) die zukünftige Entwicklung des Restportfolios nicht und b) natürlich erst recht nicht die Ausfallquote von Neuengagements.
Hinzu kommen ganz praktische Aspekte, wie z.B. die Tatsache, daß sich die ganz fiesen Kredite nicht abbauen lassen, weil die Unternehmen die Liquidität gar nicht haben, um die Kredite zurückzuführen. Oder man spielt man Bank X (Name tut nichts zur Sache), kündigt die Kredite, nachdem man sie im Vorjahr voll wertberichtigt hat, und nimmt die Pleite in Kauf. Namhafte Pleiten aus 2002 sind dieser Einstellung zu verdanken.
Dies nur als Exkurs, um Dir klar zu machen, daß mir die Themen Portfolioanalyse, Risiko-Ertrags-Kalklulation, Kapitalmarkttheorie etc. nicht ganz fremd sind und ich schon weiß wovon ich rede.
Gruß,
Christian