Geldbasis und Geldpolitik

Hallo,

ich darf mit einem Zitat aus einer Wirtschaftszeitung beginnen:

„Die EZB hat heuer viel mehr Kredite verteilt als früher. Mitte Februar dieses Jahres betrug die Bilanzsumme der EZB knapp 1.900 Milliarden Euro; drei Jahre zuvor waren es 1.150 Milliarden Euro. Bei einem normalen Geldmengenwachstum ständen allenfalls 1.350 Milliarden Euro in den Büchern. Die EZB stellt den Banken also rund 550 Milliarden Euro extra zur Verfügung“.

Nun wird es wohl so sein, dass der größte Teil der Geldmenge durch Einlagen von Nichtbanken bei Kreditinstituten besteht und die EZB hier nur als zusätzlicher Anbieter oder Nachfrager auf dem Geldmarkt auftritt. Wenn aber die Geldmenge insgesamt wesentlich größer ist, als jene die die Zentralbank zur Verfügung stellen, ist es der EZB dann überhaupt möglich einen wesentlichen Einfluss auf die Geldpolitik zu spielen? Die Zentralbankgeldmenge setzt sich ja nur aus dem Bargeld und den Einlagen (z. B.Mindestreserven) der Geschäftsbanken bei der Zentralbank zusammen, macht in unserem Falle 1.900 Milliarden Euro aus, oder? Andererseits beträgt die Geldmenge M3: im Juni 2009: 9.424,9 Mrd. Euro. Beträgt der Geldschöpfungsmultiplikator nur ca. 1:5? Ist das nicht wenig?

Noch eine Abschlussfrage: Stellt die Geldbasis eine Verbindlichkeit oder eine Forderung der Zentralbank gegenüber Geschäftsbanken und Nichtbanken dar?

Vielen Dank

Martin Unterholzner

Hallo Martin,

also die monetäre Basis ( Bargeldumlauf und Einlagen der Geschäftsbanken )ist natürlich eine Verbindlichkeit der Zentralbank, steht ja auf der Passivseite der Bilanz. Wobei ich, ohne dass jetzt im Detail überprüft zu haben, behaupten würde, dass die „Nettoposition“ der Zentralbank aktiv ist, also die Zentralbank mehr Forderungen gegen die Geschäftsbanken hat, als die monetäre Basis ( seit der Finanzkrise sowieso. ).

Allerdings besteht die Bilanz der Zentralbank nicht nur aus monetärer Basis. Aufgrund der Finanzkrise ist diese aufgrund von „Durchleitungsgeschäften“ aufgebläht. ( Die Zentralbank nimmt USD über Devisenswaps mit der FED auf, und reicht diese an die Geschäftsbanken weiter ). Daher sind die Nettoausleihungen an die Geschäftsbanken im Moment so außerordentlich hoch.

Es ist sicher so, dass die EZB die Inflation weniger aktiv steuern kann, als sie selber glaubt. Liegt aber nicht nur an den genannten Volumensunterschieden ( nebenbei halte ich weder M3 noch die monetäre Basis für ausreichend gut mit der Inflation korrelierend ).

Beste Grüße

Eric

Danke Eric
Vielen Dank Eric für deine Antwort, sie hat mir sehr geholfen. Ganz durchschaue ich die Sache aber immer noch nicht. Bei Bedarf melde ich mich wieder.

Schöne Grüße

Martin