Geldgeber / Risikokapital

Hallo,
wir sind ein Unternehmen aus dem Umweltbereich (Wassertechnik, Wasserreinigung) und suchen Risikokapital um expandieren zu können.

Unsere Produkte sind sehr innovativ und werden ständig weiter eintwickelt.

Wir haben weltweite lukrative Anfragen (bis zu 5 Milliarden Euro!!! kein Fake), die wir aufgrund unserer Größe nicht bearbeiten können (andere haben leider nicht unsere Produkte und können es auch nicht), da wir jetzt keinen großen Liquiditätsnachweis mehr erbringen können.

Ein Unternehmensberater und Buisinessplan sind auch neu erstellt worden und Interessenten sind auch da.
Dauert aber alles viel zu lange und Banken sind zu träge.

Meine Frage:
In welchem seriösen Medium kann man noch nach Geldgebern suchen, die nicht gleich eine ganze Firma mit ihrem Know-How übernehmen wollen.

Bitte keine blöden unseriösen Antworten, da mir im Moment nicht dannach ist.

MFG

Peter

wir sind ein Unternehmen aus dem Umweltbereich (Wassertechnik,
Wasserreinigung) und suchen Risikokapital um expandieren zu
können.

Wir haben weltweite lukrative Anfragen (bis zu 5 Milliarden
Euro!!! kein Fake), die wir aufgrund unserer Größe nicht
bearbeiten können …

Hallo Peter,

Risikokapital ist Spielgeld. Anleger suchen aber eine Gewinnmöglichkeit. Wenn Du die Gewinnchance in einem Geschäftsplan glaubhaft darlegen kannst, sind Beteiligungsgesellschaften mit einer unternehmerischen Beteiligung die richtige Adresse. Banken sind dafür die ungeeigneten Partner. Sie müßten ohne bankübliche Besicherung ins unternehmerische Risiko und da wird Dir jede Bank nach 6 Wochen auf Nachfrage mitteilen, daß sie dem Vorhaben nicht nähertreten möchten, Dir aber alles Gute wünschen. Nimm aber auch gegenüber Beteiligungsgesellschaften das Gift des Zeitdrucks aus der Angelegenheit. Mehrere Monate Zeit mußt Du haben, vorher bewegt sich nichts, jedenfalls kein Geld.

Beteiligungsgesellschaften streben i. d. R. eine Minderheitsbeteiligung an, die sie innerhalb weniger Jahre wieder zu Geld machen möchten. Das Vorhaben darf nicht zu klein sein. Schließlich haben die Leute für eine 100.000 Euro-Beteiligung praktisch den gleichen Prüf- und Administrationsaufwand wie für eine 10 Mio-Beteiligung.

Andererseits muß das Vorhaben auch nach oben angemessen begrenzt erscheinen. Das ergibt sich schon aus dem Charakter der Minderheitsbeteiligung. Trotz aller Bewertungskünste bekommst Du bei zu hohem Kapitalbedarf keine Anteilsmehrheit auf die Füße. Ferner lehrt jede Erfahrung, daß Umsatz, Organisation, Fertigung und alles, was dahinter steckt, kontinuierlich wachsen können, zu große Sprünge aber nicht verkraftet werden. Es mag sich altbacken anhören, aber die Milliardenträume sind unabhängig vom Produkt und vom Markt mit größter Wahrscheinlichkeit irreale und gefährliche Träumereien. Wenn ein KMU dieses große Rad drehen will, braucht es einen Partner mit vorhandener Struktur. Es ist so gut wie immer unvernünftig, zu große Fertigungskapazitäten aus dem Boden zu stampfen und dafür Kapital und Manpower zu binden. Es ist realistischer, auf einen Teil der Wertschöpfung zu verzichten und sich auf den technologischen Kern zu beschränken. Wer 1 Mio neuartiger Waschmaschinen produzieren will, muß sich deshalb nicht in die Lage versetzen, eine Mio Blechgehäuse selbst zu biegen und für diese überall herstellbaren Dinge Kraft und Geld zu binden.

Der Irrglaube, beliebig große Strukturen kurzfristig auf die Füße stellen zu können, war einer der Gründe für den Crash etlicher Unternehmen am neuen Markt. Fast alle verbliebenen Firmen haben eine drastische Schrumpfung hinter sich.

Wenn man einen Verantwortlichen fragt, weshalb er sein Unternehmen so riesig aufblasen will, kommen Begründungen, wie „der Markt verlangt das… einmalige Gewinnchancen…“. Von angeblich hochkarätigen Geschäftsführern kommen in solcher Situation sogar kaufmännisch ganz und gar idiotische Begründungen. Von Synergieeffekten und günstigem Einkauf ist die Rede, so lange, bis es jeder glaubt und so lange, bis Zahlen den Unfug offenkundig machen. Regelmäßig stellt sich heraus, daß das gewachsene Unternehmen wenn überhaupt nur noch eine mäßige Umsatzrendite vorweisen kann und sich zahlreichen unberechenbaren Abhängigkeiten gegenüber sieht. Reines Geltungsbedürfnis steht meistens dahinter, bis die Einsicht wächst, daß Größe allein kein Wert ist.

Wenn ein kleines Unternehmen hervorragende Innovationen hervorgebracht hat, gibt es meistens keinen stichhaltigen Grund, die bewährte Unternehmensgröße nennenswert und schon gar nicht schnell zu verändern. Dann heißt es zunächst, das erreichte Niveau zu stabilisieren und nach jedem weiteren Schritt wieder stabilisieren. Alles andere platzt meist wie eine Seifenblase.

Gruß
Wolfgang

Hallo,

sehr gute Ausführung!
Vielleicht gibt es in Deinem Bundesland ja auch eine Beteiligungsgesellschaft des Landes. Diese beteiligen sich mit stillen Beteiligungen auch über 50%.
Wir haben gerade gute Erfahrungen mit unserer hier gemacht, da die Gesellschaft eben auf Mittelstandsförderung ausgerichtet ist.
Frage mal den Unternehemensberater. Eigentlich müsste der das wissen.

Gruss
Christian

Hallo Peter,

wolfgang hat schon den Weg aufgezeigt.

ich möchte nur auch noch mal betonen: So schnell geht das nicht. Und wenn die Geldgeber deinen Druck verspüren, ziehen sie sich zurück.

Wenn du allerdings vorher schon Kapital brauchst, dann versuche mit deiner Hausbank (Warum ist dein Unternehmensberater eigentlich nicht darauf gekommen?) mittels detaillierter Vorkalkulationen über auftragsbezogene Kredite zu verhandeln!

gruss
winkel

Hallo Peter,

ich weiss nicht was für einen Unternehmensberater Du engagiert hast, aber wenn der Dir kein Kapital beschaffen kann, solltest Du ihn evt. wechseln.

Geld wirst Du übrigens nicht bekommen, solange Du nur Anfragen aus aller Welt hast und keinen LOI. Auf diese Masche sind genug VCs reingefallen.

Wenn Du diese LOI tatsächlich besorgen kannst wirst Du es trotzdem niemals zeitnah schaffen alle diese Aufträge abzuwickeln. Ich würde Dir eher einen Trade Sale an ein etabliertes vorschlagen und Dir per Vertrag einige Jahre Eigenständigkeit zusichern lassen.

Leider macht Dein Posting nicht den Eindruck als wenn Du die betriebswirtschaftliche Seite des Geschäfts verestehen würdest. Dein Unternehmensberater tut dies offensichtlich auch nicht.

Nichts für ungut, bei Fragen kannst Du auch direkt mailen.

Gruß
Falckus

Danke für die Antworten
Hallo, vielen Dank für die schnellen Antworten.

Von der betriebswirtschaftlichen Seite habe ich nicht die 100% Ahnung, aber 90-95% sind schon nahe dran.
Wir forschen haupsächlich!!!

Ich denke, dass unser Unternehmensberater schon Ahnung hat, aber aufgrund der aktuellen Marktlage selber Probleme hat, Kapitalgeber zu besorgen.

Wir wollen uns auch nicht aufblähen sondern das Geld für Werbung und weitere Forschung investieren.

Meine Anfrage war deshalb womöglich komisch, da wir für die ausländischen Anfragen Geheimhaltungsvereinbarungen unterschreiben musten und Informationen aufgrund der Brisanz der Wasserprobleme nicht nach aussen getragen werden dürfen.

Das ist natürlich auch ein Hinderniss für Geldgeber, die nur bei Integration in die Geheimhaltungsverträge mehr Infos bekommen.

Na ja, die Suche geht weiter…

Danke

Peter

Na ja, die Suche geht weiter…

Hallo Peter,

nicht nur die Suche geht weiter, auch das Vergeuden von Zeit geht weiter. Jeder Kontakt, der sich als Windei entpuppte, kostet Tage, oft aber Wochen mit weitgehender Bindung ausgerechnet der Zugpferde im Unternehmen.

Stelle Deine Ohren auf Durchgang, wenn Du das Folgende - geprägt von vielen Jahren in der Szene - nicht hören willst:

Jeder muß zur Kenntnis nehmen, daß es für die vorhandene Unternehmensgröße (mit „Größe“ sind alle Merkmale von der Personalstärke über die Ausstattung bis zur Liquidität gemeint) geeignete und ungeeignete Auftragsvolumina gibt. Mit zu kleinen Aufträgen kommt man nicht aus dem Knick, zu große Aufträge sind wegen Kapitalbindung/Vorfinanzierung nicht zu schaffen.

Wenn Technologie entwickelt wurde, mit der ein Problem lösbar wird und sei es nur ein Teilproblem, muß das kleine Unternehmen mit dieser Technologie an den Markt. Unbedingt! Wenn ich höre, „wir wollen mit dem Geld eines Kapitalgebers weiter forschen“ bekomme ich einen dicken Hals. Die Forscher werden mit großer Sicherheit zum Totengräber ihrer Forschung. Es muß unbedingt Geld vom Markt aus verkauften Produkten zurück ins Unternehmen fließen. Das kann dann gerne reinvestiert werden. Aber die Markterfahrung wird gebraucht, die Produkterfahrung (ist eine andere Welt als ein paar Prototypen) und letztlich wird auch das Geld gebraucht. Jede andere Vorgehensweise können sich in Grenzen staatliche oder universitäre Forschungseinrichtungen leisten, aber kein zwingend auf Gewinn ausgerichtetes KMU!

Bohrt man etwas tiefer, ist oft eine Scheu von Ingenieuren, allgemein von Naturwissenschaftlern, vor dem Vertrieb feststellbar. Zu tief sitzen Vorurteile vom klinkenputzenden Mann mit dem Musterkoffer. Und so versteckt man sich hinter vermeintlich erforderlicher weiterer Forschung, um den Gang an den Markt hinaus zu zögern. Dabei entsteht ein das gesamte Unternehmen gefährdendes Defizit. Ein Unternehmen, das seine Leistung nicht verkauft, ist nämlich keinen Heller wert und die beste Technologie nützt ohne Vertrieb herzlich wenig.

Wer aber nachgefragte Technologie am Markt verkauft, wird die Erfahrung machen, daß plötzlich auch Geldgeber da sind, ohne daß man sie suchen mußte. Man muß nicht lange bitten, sondern der Geldgeber bittet, sich beteiligen zu dürfen, wenn er sieht, daß sich das eingesetzte Geld vermehren läßt. Nicht die wissenschaftliche Sensation, nicht die hervorragende Ingenieurleistung stehen an erster Stelle, sondern der Verkaufserfolg derselben. In letzter Konsequenz interessiert es keinen Geldgeber, daß Wissen vermehrt wird. Er hat Geld und er will mehr davon. Das ist die Triebfeder und alles andere ist Sponsorentum von Stiftungen.

Mit dem Verkaufen funktionsfähiger Produkte dürft Ihr nicht zu lange warten. F + E kosten Geld und irgendwann ist der Zeitpunkt da, wo die Liquidität gegen Null geht und dann wird aus dem hoffnungsvollen Unternehmen mit ach so viel Know how ein Sanierungsfall. Wer dann die Lektion gelernt hat, bäckt endlich die angepaßten kleineren Brötchen und geht mit vorhandener Technik an den Markt. Wer immer noch nicht begriffen hat, verschwindet sang- und klanglos.

Falls sich übrigens eine Beteiligungsgesellschaft findet, lernt Ihr zuerst, das Wort Controlling vor- und rückwärts zu buchstabieren. Dann ist es vorbei mit F+E nach Herzenslust. Dann gibts „Milestones“, die stets in zeitnahmem Zusammenhang mit Cash stehen. Denn wer die Musik bezahlt, bestimmt auch, was gespielt wird.

Gruß
Wolfgang

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Ergänzung zum Gesagten
Hallo.

Wir wollen uns auch nicht aufblähen sondern das Geld für
Werbung und weitere Forschung investieren.

ich kann dem von Wolfgang Gesagten nur zustimmen. Ich bin selber auf der Seite der Kapitalgeber, und habe ich der Boomphase vor 2 Jahren etliche Leute abblitzen lassen, die genau diese „Investitionen“ vorhatten. Mit der Idee, den Vertrieb zu stärken und ähnlichen Ideen kam kaum jemand. Als Beispiele für die, die Geld für Werbung und Forschung haben wollten, seien hier einige Kandidaten genannt, inzwischen bekannt aus Funk und Fernsehen: Letsbuyit.com, Cargolifter, Plasmaselect. Mit ein bißchen Nachdenken würden mir wahrscheinlich noch ein paar mehr einfallen.

Will sagen: Ihr seid ein kleines, erfolgreiches Unternehmen, das jetzt einige große Anfragen (!, keine Aufträge) hat. Zum Wachstum gehört aber auch, daß die Anzahl der Menschen wächst, die sich mit den Finanzen und Personal beschäftigen und das Produkt gut genug kennen, um es verkaufen zu können. Das Finden und Schulen dieser Menschen kostet Zeit, bringt aber mehr, als ein Schwung Geld mit vager Bestimmung. Wenn Ihr, wie Du sagst, einen erheblichen Entwicklungsvorsprung habt, dann braucht Ihr keine Angst zu haben, daß Euch einer überholt.

Gerade der Bereich Finanzen ist immer derjenige, der im Zwefiel alles entscheidet. Nicht wenige Unternehmen am Neuen Markt waren mit der Rechnungslegung nach IAS überfordert, mit Konzernrechnungslegung und nicht zuletzt darüber erstaunt, daß man immaterielle Vermögensgegenstände (z.B. Firmenwerte und Lizenzen) auch abschreiben muß. Prominente Opfer: Sunburst, EM.TV, Kinowelt. Das kann ein durch Auswürfeln zum Finanzvorstand bestimmter Gründer in der regel nicht leisten.

Gruß
Christian