Geldmarktpolitik und Finanzkrise

Hallo,

ich hätte nochmals eine Frage zur Finanzkrise in Zusammenhang mit der Geldmarktpolitik:

Das Problem der jetzigen Finanzkrise ist und war doch, dass dem Kapital (Geld) zu wenig reale Güter gegegenüberstanden bzw. -stehen. Geld kann doch immer nur ein Tauschmittel sein. Dem Geld muss doch einen realen Gegenwert verkörpern, oder anders ausgedrückt, Geld muss erarbeitet werden. Geld kann sich nicht von selbst vermehren.

Bei der Finanazkrise war es nun so, dass die Geldmenge von der realen Produktion abgekoppelt war, es war mehr Geld im Umlauf als erwirtschaftet wurde. Man bekam Kredite für den Immobilienkauf, obwohl der Bauherr selbst kein bzw. wenig Geld hatte.

Dies kommt meines Erachten dem gleich, wenn ein Staat um seine Schulden zu begleichen einfach Geld „drucken“ würde, ohne realen (erwirtschafteten) Gegenwert. Dies würde doch sehr schnell zur Inflation führen und man müsste immer mehr Geld „drucken“, die Inflation würde weiter steigen, bis alles zusammenbricht. Die Geldmarktpolitik versucht doch genau solche Situationen zu vermeiden und schaut, dass so viel Geld im Umlauf ist, dass die Preise stabil gehalten werden und dass dem Geldwert auch ein realer Wert gegenübersteht. Da eine müsste wohl das andere bedingen, oder nicht?

Wie konnte es nun kommen, dass sich der Finanzmarkt total unabhängig von der Realwirtschaft entwickeln konnte, also Geld vorhanden war, das keinem realen Gegenwert hatte? Warum versagten alle Kontrollmechanisem?

Vielen Dank

Martin Unterholzner

Hallo,

Bei der Finanazkrise war es nun so, dass die Geldmenge von der
realen Produktion abgekoppelt war, es war mehr Geld im Umlauf
als erwirtschaftet wurde. Man bekam Kredite für den
Immobilienkauf, obwohl der Bauherr selbst kein bzw. wenig Geld
hatte.

das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Zum Zeitpunkt des Kaufs bzw. der Finanzierung stand dem Geld doch ein Wert gegenüber, nämlich der Wert des Hauses.

Wie konnte es nun kommen, dass sich der Finanzmarkt total
unabhängig von der Realwirtschaft entwickeln konnte, also Geld
vorhanden war, das keinem realen Gegenwert hatte?

Dem war ja erst so als die Häuserpreise anfingen, nicht wie erwartet weiterzusteigen.

Warum
versagten alle Kontrollmechanisem?

Das war ja nicht der Fall - zumindest nicht im Zusammenhang mit der Inflationsentwicklung. Auslöser der akuten Krise war ja lediglich, daß sich die Häuserpreise nicht wie erwartet entwickelten.

Versagt haben die Kontrollmechanismen in ganz anderen Bereichen.

Gruß
Christian

Hallo Christian,

danke für deine Antwort.

Gab es bei der Weltwirtschaftskrise im Jahre 1929 nicht genau das umgekehrte Problem, dass die Immobilien den Wert beibehielten, das Geld aber an Wert verlohr?

Grüß dich

Martin

Hallo,

das ist natürlich eine heftige Frage, die nach dem Zusammenhang von Geld(markt)politik und Finanzkrise. Zu komplex, um das mal eben abhandeln zu können. Ich werde einfach mal ein paar Punkte in Deiner Frage aufgreifen, die vielleicht nicht so ganz eindeutig sind wie dargestellt.

Hallo,

ich hätte nochmals eine Frage zur Finanzkrise in Zusammenhang
mit der Geldmarktpolitik:

Das Problem der jetzigen Finanzkrise ist und war doch, dass
dem Kapital (Geld) zu wenig reale Güter gegegenüberstanden
bzw. -stehen. Geld kann doch immer nur ein Tauschmittel sein.
Dem Geld muss doch einen realen Gegenwert verkörpern, oder
anders ausgedrückt, Geld muss erarbeitet werden. Geld kann
sich nicht von selbst vermehren.

Zuviel Geld „jagt“ zu wenige Güter: das bedeutet Inflation. Aber das ist momentan ja gar nicht das Problem. Im Gegenteil: es droht Deflation. Das Problem der Finanzkrise ist also ein anderes. (Zudem gab es auch in den 70ern hohe Inflationsraten zusammen mit Wirtschaftswachstum.)

Bei der Finanazkrise war es nun so, dass die Geldmenge von der
realen Produktion abgekoppelt war, es war mehr Geld im Umlauf
als erwirtschaftet wurde. Man bekam Kredite für den
Immobilienkauf, obwohl der Bauherr selbst kein bzw. wenig Geld
hatte.

Die Geldmenge ist von der realen Produktion abgekoppelt, wenn sie schneller wächst als die reale Wirtschaft: also eigentlich immer. Milton Friedman sah das anders, aber das Problem bei der Umsetzung seiner Regel „Geldmengenwachstum=Wirtschaftswachstum“ war (und ist): wie definiert man die Geldmenge? Nur Bargeld, Bargeld plus Sichteinlagen, oder noch weiter? In der Praxis ist das nicht zu machen. (Außerdem kann dann die „normale“ Geldpolitik nicht mehr durchgeführt werden: Geldmenge erhöhen - Zinsen sinken - Investitionen steigen - BIP steigt.)

Dies kommt meines Erachten dem gleich, wenn ein Staat um seine
Schulden zu begleichen einfach Geld „drucken“ würde, ohne
realen (erwirtschafteten) Gegenwert. Dies würde doch sehr
schnell zur Inflation führen und man müsste immer mehr Geld
„drucken“, die Inflation würde weiter steigen, bis alles
zusammenbricht. Die Geldmarktpolitik versucht doch genau
solche Situationen zu vermeiden und schaut, dass so viel Geld
im Umlauf ist, dass die Preise stabil gehalten werden und dass
dem Geldwert auch ein realer Wert gegenübersteht. Da eine
müsste wohl das andere bedingen, oder nicht?

Nein. Die Zentralbank der USA schaut etwa explizit nicht auf Preise auf den Finanzmärkten. Sie interessiert sich nur für die Inflation, welche für die Leute wichtig ist. Das war vielleicht ein Fehler.

Generell gibt es ein Problem bei der Messung des „realen Gegenwertes“. Für Güter und Dienstleistungen mag das ja vielleicht noch funktionieren, aber unsere Welt ist voll von Finanzanlagen. Wie werden die denn genau berechnet? Wo liegt denn der „fair value“ (oder wie auch immer) für eine Aktie oder ein anderes komplizierteres Finanzprodukt? Um diese Preise zu finden, exisitieren ja die Märkte überhaupt erst. Die besten Firmen machen die größten Gewinne, Preise der Aktien steigen, die Firmen kommen einfacher an billigeres Kapital. (China z.B. weist seinen Unternehmen direkt Kredit zu, dort wird planwirtschaftlich koordiniert.)

Wie konnte es nun kommen, dass sich der Finanzmarkt total
unabhängig von der Realwirtschaft entwickeln konnte, also Geld
vorhanden war, das keinem realen Gegenwert hatte? Warum
versagten alle Kontrollmechanisem?

Der Wert von Anlagen auf Finanzmärkten kann nicht gemessen werden, man kann über ihn nur spekulieren. Dabei ist es zu großen Fehleinschätzungen gekommen, teilweise durch Unfähigkeit, Betrugsabsicht, kurzfristig orientiertem Handeln und ein Weltwirtschaftssystem, durch das Hunderte von Milliarden Dollar im Jahr in die USA strömen, wo verzweifelt nach Anlageformen gesucht wird. (Die USA können nur so viel importieren, weil sie sich im Ausland verschulden.)

Ich hoffe, ich konnte Dir ein bisschen helfen.

Gruß,
Dirk

Vielen Dank

Martin Unterholzner

Hallo Dirk, hallo Christian,

vielen Dank für eure Ausführungen. Ihr habt mir sehr geholfen. Das Thema ist sehr komplex, meine Kenntnisse eher oberflächlich. Bin auf der Suche nach einem Buch, in dem weltweite wirtschaftliche Zusammenhänge einfach erklärt werden. Vielleicht werde ich ja noch fündig.

Einen Gruß

Martin