Hallo,
das ist natürlich eine heftige Frage, die nach dem Zusammenhang von Geld(markt)politik und Finanzkrise. Zu komplex, um das mal eben abhandeln zu können. Ich werde einfach mal ein paar Punkte in Deiner Frage aufgreifen, die vielleicht nicht so ganz eindeutig sind wie dargestellt.
Hallo,
ich hätte nochmals eine Frage zur Finanzkrise in Zusammenhang
mit der Geldmarktpolitik:
Das Problem der jetzigen Finanzkrise ist und war doch, dass
dem Kapital (Geld) zu wenig reale Güter gegegenüberstanden
bzw. -stehen. Geld kann doch immer nur ein Tauschmittel sein.
Dem Geld muss doch einen realen Gegenwert verkörpern, oder
anders ausgedrückt, Geld muss erarbeitet werden. Geld kann
sich nicht von selbst vermehren.
Zuviel Geld „jagt“ zu wenige Güter: das bedeutet Inflation. Aber das ist momentan ja gar nicht das Problem. Im Gegenteil: es droht Deflation. Das Problem der Finanzkrise ist also ein anderes. (Zudem gab es auch in den 70ern hohe Inflationsraten zusammen mit Wirtschaftswachstum.)
Bei der Finanazkrise war es nun so, dass die Geldmenge von der
realen Produktion abgekoppelt war, es war mehr Geld im Umlauf
als erwirtschaftet wurde. Man bekam Kredite für den
Immobilienkauf, obwohl der Bauherr selbst kein bzw. wenig Geld
hatte.
Die Geldmenge ist von der realen Produktion abgekoppelt, wenn sie schneller wächst als die reale Wirtschaft: also eigentlich immer. Milton Friedman sah das anders, aber das Problem bei der Umsetzung seiner Regel „Geldmengenwachstum=Wirtschaftswachstum“ war (und ist): wie definiert man die Geldmenge? Nur Bargeld, Bargeld plus Sichteinlagen, oder noch weiter? In der Praxis ist das nicht zu machen. (Außerdem kann dann die „normale“ Geldpolitik nicht mehr durchgeführt werden: Geldmenge erhöhen - Zinsen sinken - Investitionen steigen - BIP steigt.)
Dies kommt meines Erachten dem gleich, wenn ein Staat um seine
Schulden zu begleichen einfach Geld „drucken“ würde, ohne
realen (erwirtschafteten) Gegenwert. Dies würde doch sehr
schnell zur Inflation führen und man müsste immer mehr Geld
„drucken“, die Inflation würde weiter steigen, bis alles
zusammenbricht. Die Geldmarktpolitik versucht doch genau
solche Situationen zu vermeiden und schaut, dass so viel Geld
im Umlauf ist, dass die Preise stabil gehalten werden und dass
dem Geldwert auch ein realer Wert gegenübersteht. Da eine
müsste wohl das andere bedingen, oder nicht?
Nein. Die Zentralbank der USA schaut etwa explizit nicht auf Preise auf den Finanzmärkten. Sie interessiert sich nur für die Inflation, welche für die Leute wichtig ist. Das war vielleicht ein Fehler.
Generell gibt es ein Problem bei der Messung des „realen Gegenwertes“. Für Güter und Dienstleistungen mag das ja vielleicht noch funktionieren, aber unsere Welt ist voll von Finanzanlagen. Wie werden die denn genau berechnet? Wo liegt denn der „fair value“ (oder wie auch immer) für eine Aktie oder ein anderes komplizierteres Finanzprodukt? Um diese Preise zu finden, exisitieren ja die Märkte überhaupt erst. Die besten Firmen machen die größten Gewinne, Preise der Aktien steigen, die Firmen kommen einfacher an billigeres Kapital. (China z.B. weist seinen Unternehmen direkt Kredit zu, dort wird planwirtschaftlich koordiniert.)
Wie konnte es nun kommen, dass sich der Finanzmarkt total
unabhängig von der Realwirtschaft entwickeln konnte, also Geld
vorhanden war, das keinem realen Gegenwert hatte? Warum
versagten alle Kontrollmechanisem?
Der Wert von Anlagen auf Finanzmärkten kann nicht gemessen werden, man kann über ihn nur spekulieren. Dabei ist es zu großen Fehleinschätzungen gekommen, teilweise durch Unfähigkeit, Betrugsabsicht, kurzfristig orientiertem Handeln und ein Weltwirtschaftssystem, durch das Hunderte von Milliarden Dollar im Jahr in die USA strömen, wo verzweifelt nach Anlageformen gesucht wird. (Die USA können nur so viel importieren, weil sie sich im Ausland verschulden.)
Ich hoffe, ich konnte Dir ein bisschen helfen.
Gruß,
Dirk
Vielen Dank
Martin Unterholzner